INRI – Die Schatuelle von Thorsberg – Raju Sharma

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Der Autor:

Raju Sharma ist 1964 geboren, ist Volljurist und wurde 2009 in den Bundestag gewählt. Vorher hat er in verschiedenen Funktionen im schleswig-holsteinischen La-desdienst gearbeitet; zuletzt als Referatsleiter für Denkmalschutz, Kirchen und Religionsgemeinschaften, nationale Minderheiten und Heimatpflege in der Kieler Staatskanzlei.

Die Handlung:

Im schleswig-holsteinischen Thorsberg Moor wird eine Schatulle mit Münzen aus der Römerzeit ausgegraben. Diese gibt den Findern einige Rätsel auf und erschüttert nicht nur das Kieler Machtsystem, sondern ruft so einige, aus den unterschiedlichsten Gründen Interessierte, auf den Plan. Einige davon schrecken auch nicht vor Mord zurück um der Schatulle und ihres Geheimnis habhaft zu werden. Als sie verloren geht, macht sich die Kieler Kulturreferantin mit dem Archäologen von Lawrenz auf nach Rom, wo sie auf ein Geflecht von Politik, Religion und Gewalt treffen und in Lebensgefahr geraten.

Frau Braun meint:

Beim Lesen des Klappentextes dachte ich: Ah, so Richtung Dan Brown. Beim Lesen revidierte ich dies in: Schon ein wenig Dan Brown, aber in tiefsinnig und intelligent. Da fing es an richtig Spaß zu machen, diese Geschichte zu lesen.  Sie ist spannend, vielschichtig und trotzdem unterhaltsam. Die Charaktere wirken echt. Es sind normale Menschen, die einfach in eine sehr, sehr ungewöhnliche Situation geraten.  Hier bin ich Raju Sharma sehr dankbar das er auf die gängigen Klischees in den Personenbeschreibungen verzichtet hat. Auch wilde Sexszenen und übermäßige Brutalität, Zutaten die gerne in diesem Genre eingesetzt werden, hat er weggelassen und gezeigt, dass eine spannende Geschichte sehr gut ohne diese auskommt.

Die Geschichte spannt sich über viele Zeiten, Orte und zieht sich durch ein Geflecht von Politik, Religion und Macht. Es geht ins alte Jerusalem zur Kreuzigung Jesus und es geht ins neue Jerusalem mit seinen bekannten Problemen. Dann sind wir im beschaulichen Kiel, in der Landespolitik und erhalten Einblick in die Arbeit der Kulturreferats. Neben den Weltstädten Jerusalem und Kiel darf natürlich Rom nicht fehlen, dort kommt es dann zum Showdown. Raju Sharma gelingt es alle diese Fäden in der Hand zu behalten und zu einer komplexen, unterhaltsamen, spannenden Geschichte zu verweben, der ich viele Leser_innen wünsche. Erstaunt hat mich sein umfangreiches und fundiertes Wissen in Sachen Religionen, Kirchengeschichte und Archäologie.  Hier komme ich zu dem einzigen Minuspunkt: Raju Sharma hat eine Tendenz zum referieren. Etwas weniger ausführliche Erklärungen zu Waffen, Metallverarbeitung und so weiter hätten den Erzählfluss an einigen Stellen geschmeidiger gehalten.

Rebellen von Wolfgang Schorlau

Rebellen

 

Der Autor:

Wolfgang Schorlau, lebt als freier Autor in Stuttgart. Er schreibt unter anderen die Georg-Dengler-Krimis und erhielt 2006 den deutschen Krimipreis.

Die Handlung:

Alexander und Paul lernen sich als Jugendliche kennen. Während Alexander aus einer bürgerlichen, Mittelstands-Familie kommt, wächst Paul im Waisenhaus auf, welches in der Nähe von Alexanders Elternhaus liegt. Es entsteht eine enge Freundschaft, die über Jahre hält. Beide engagieren sich in der linken Bewegung, aber aus sehr unterschiedlichen Motiven. Paul, der eine Ausbildung zum Feinmechaniker, geht es um soziale Gerechtigkeit und Alexander, der studiert, eher um Distanz zu seiner Familie. Ihre Freundschaft besteht sogar weiter, als sie sich in die gleiche Frau verlieben. Toni, die Psychologiestudentin, die später Therapeutin für magersüchtige Mädchen werden wird und schließlich Alexander heiratet.  Paul und Alexander driften irgendwann auseinander ohne eine ziemliche Schweinerei seitens Alexander jemals thematisiert zu haben. Jahre später wird Alexander von der Vergangenheit in Form von Pauls Sohn eingeholt.

Frau Braun meint:

Wolfgang Schorlau ist mir durch die Georg Dengler Krimis bekannt, die ich alle mit Begeisterung gelesen habe. Dieses ist der erste Roman den ich von ihm gelesen habe und er lässt mich sehr nachdenklich, ein wenig nostalgisch und sehr angetan, zurück.  Die Geschichte von Alexander und Paul ist in kurzen Kapitel aus unterschiedlichen Zeiten von Paul, Alexander (damals und heute), Toni (ebenfalls damals und heute) und Maximillian (Alexanders Bruder) erzählt und vermittelt so ein sehr komplexes Bild. sowohl im persönlichen, als auch von den politischen Ereignissen. Es ist ein Buch um Ideale und was von ihnen bleibt. In ihrer Jugend sind Paul und Alexander begeisterte Kommunisten studieren fortwährend Lenin, Marx und Mao und träumen von der Revolution und anschließenden Diktatur des Proletariats. Zu diesem Thema sagt Strunz, ein Genosse und Arbeitskollege von Paul etwas, dass ich in der Zeit oft gedacht habe:

Eine Diktatur seiner Kollegen bei Heppler wäre eine Diktatur der Spießer, in der der nicht leben wollte.

Rebellen ist ein Stück Zeitgeschichte persönlich aufgearbeitet. Wolfgang Schorlau schreibt sehr lebensnah, schnörkellos und klar. Das gefällt mir sehr. Er schreibt ihm Nachwort zu diesem Buch:

Ich erzähle etwas spezifisches, um etwas allgemeines auszudrücken

Dazu kann ich nur sagen: Das ist hier gelungen!

 

Herbstlesestoff

Die ersten Bücher, die ich mir für diesen Herbst vorgenommen habe sind eingetroffen. Präziser gesprochen, die Bücher die ich bis Ende 1. November Woche gelesen haben will.

Ich bin schon sehr gespannt. Neben Lieblings-Autoren wie Ingvar Ambjörnsen, ist auch ein interessantes Erstlingswerk dabei. Raju Sharma, MdB für die Fraktion der Linken, mit INRI. Es ist übrigens ein Roman.  Die Besucherin von Maeve Brennan habe ich mir besorgt, weil ich so begeistert von Mr. und Mrs. Derdon war.

Natürlich werde ich meine Meinung zu den diversen Büchern nicht für mich behalten und hier veröffentlichen.

Mr. und Mrs. Derdon von Maeve Brennan

Die Autorin Maeve Brennan ist eine Wiederentdeckung. Geboren 1917 in Dublin/Irland wanderte sie 1934 mit ihrer Familie nach Amerika aus. Sie schrieb unter anderen für den New Yorker.

Mr. und Mrs. Derdon – Geschichten einer Ehe wurde 2006 vom Steidl Verlag veröffentlicht. Die Geschichten um das Dubliner Ehepaar Derdon sind für diesen Band chronologisch geordnet worden. Die Originale entstanden in der den Jahren von 1952 – 1973.

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Handlung:

Ein richtiges Traumpaar waren Rose und Hubert Derdon nie. Nach einigen Jahren Ehe hatte es sich mit der Liebe. Gleichgültigkeit, Abneigung und perfide Boshaftigkeiten bestimmen ihren Alltag.  In abgeschlossenen Episoden lässt Maeve Brennan den Leser, in Huberts und Roses Gedankenwelt und ihn an der gegenseitigen Abneigung teilhaben.

Frau Braun meint:

Dieses Buch habe ich mir nicht bewusst ausgesucht. Es ist mir in der Bücherei quasi vor die Füße gefallen und ich bin froh drum. Mir gefiel die Idee eine Beziehungsgeschichte zu lesen, die nicht in eine kohärente Handlung eingebettet war. Mir hat sehr gefallen mit welcher Präzision Mrs. Brennan die Gedanken ihrer Protagonisten offen legt. Der kaum verbrämte Abscheu und die kleinen Spielchen, die dem anderen des Leben sauer machen. Alles wird schonungslos ans Licht gebracht, aber ohne das sie ihre Personen preis gibt. Rose und Hubert sind durch ihre Handlungen Täter und Opfer. Auch die Rechtfertigungen für alles, die Tünche, die die eigene Bosheit erträglich macht, fehlen nicht. Es gibt keine Taschenspieler Tricks oder Kniffe, es wird in geradezu herzzerreißender Lakonie  und Offenheit die Geschichte zweier Menschen erzählt, die jede Hoffnung auf Glück oder auch nur auf gegenseitigen Respekt hinter sich gelassen haben.

In der letzten Geschichte „Ein Mann ertrinkt“, ist Rose gestorben und Hubert lebt als Witwer weiter. Doch selbst nach ihrem Tod ist er an Rose gebunden. Er spielt den trauenden Witwer, weil es seine Mitmenschen von ihm erwarten, und leidet darunter. So sucht er Roses Zimmer noch einmal auf, um zu erspüren, ob es da nicht irgend etwas gibt, was ihn echte Trauer empfinden lassen würde.

Trotzdem konnte er nicht glauben, dass selbst ein so lebensuntüchtiger Mensch wie sie aus dem Leben treten konnte, ohne auch nur irgendeine Spur zu hinterlassen. Eine Spur wäre ein Zeichen, dass ihn zu dem Kummer wiese, den er ihr zuliebe erleiden wollte. Aber es gab kein solches Zeichen.

Fazit: Großartige Charakterstudie. Unbedingt empfehlenswert.

Mr. und Mrs. Derdon
Maeve Brennan
Übersetzer:  Hans-Christian Oeser
erschienen 2006 im Steidl Verlag
Alles liegt offen und wird mit

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert – Joel Dicker

harry quebert

 

Dieses Buch habe ich aus der Bücherei als Hörbuch, gelesen von Torben Kessler, mitgenommen und fand es so gut, dass ich es selber lesen wollte.

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert von Joel Dicker ist im Piper Verlag erschienen. Es ist Joel Dickers zweiter Roman und hat es gleich zum Bestseller geschafft. Schon wenn man die Zutaten Liste liest versteht man warum.

Handlung:

Ein sehr junger Schriftsteller, Markus Goldman, hat nach dem Erfolg seines ersten Buches eine Schreibblockade. In seiner Not sucht er seinen Mentor und Freund, den Schriftsteller Harry Quebert in der kleinen Stadt Aurora auf, um sich zu sammeln. Dort entdeckt er, dass Quebert vor 34 Jahren ein Verhältnis mit der 15 jährigen Nola Kellergan hatte, die unter mysteriösen Umständen verschwand. Wieder zurück in New York erfährt er, das Nola Kellergan gefunden wurde und zwar als Skelett in Harry Queberts Garten. Goldman ist von der Unschuld seines Mentors überzeugt und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und über seine Ermittlungen zu schreiben. Dazu taucht er tief hinter die Fassade der so durchschnittlichen Kleinstadt Aurora in New Hampshire.

Frau Braun meint:

Das Buch rangiert unter der Rubrik Krimi/Thriller. Sicher ist da eine Krimi Geschichte, aber im Grunde ist es sehr viel vielschichtiger. Da ist der junge Autor mit dem großen Erfolg und seiner Angst, dass dieser sich als Eintagsfliege erweisen könnte. Da ist sein Verhältnis zu seinem Mentor. Es ist die Geschichte eines Mannes der erwachsen wird. Dann die Liebesgeschichte zwischen Quebert und Nola Kellergan. Keine Lolita Geschichte. Sicher nicht, aber eine Geschichte die Tabus in Frage stellt. Da sind die Bewohner Auroras, die ihre bürgerliche Fassade verteidigen, hinter der sich so einige dunkle Geheimnisse verbergen.  All das ist zu einer spannenden und mitreißenden Geschichte verwoben. Sehr gut gefallen hat mir das Spiel mit den verschiedenen Möglichkeiten. Denn es bleibt immer spannend, bis zum sehr überraschenden Schluss.

Das Hörbuch hat mich so mitgerissen, dass ich mir eine Nacht damit um die Ohren geschlagen habe und mich so fasziniert, dass ich mir alles gleich noch einmal in gedruckter Form vornahm. Da stellte ich denn fest, dass ein guter Sprecher es schafft so einige literarische Kinken verschwinden zu lassen. Beim Lesen stieß mir so einiges auf. Das Original ist in französischer Sprache erschienen und vielleicht liegt es an der Übersetzung, denn ich kann mir nicht vorstellen das Nola, Harry, mit dem sie immerhin eine Liebesbeziehung hat, siezt.  Auch sind so einige Dialoge sehr flach und nahezu kitschig. Wenn es die Worte der 15 jährigen Nola wären, wäre das verständlich und könnte als niedlich durchgehen, aber bei einem 34 jährigen? Die ganze Zeit hatte ich das Gefühl: Der Dicker kann mehr! Sicher die Geschichte ist toll aufgebaut und man kann sie nur schwer aus der Hand legen, aber ein wenig mehr Sorgfalt im Stilistischen wäre schon schön.

Sehr erfrischend fand ich die sehr zynischen Hinweise aufs Literaturgeschäft. Da ließ er nichts aus. Nicht den Druck auf Erfolgsautoren, nicht die Unart Ghostwriter einzusetzen und nicht den Verleger mit dem permanenten Dollarzeichen in den Augen.

Fazit: Spannend und vielschichtig. Ein Pageturner. Keine Seite der 736 ist langweilig.

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert
Joël Dicker
ROMAN

Erschienen am 13.08.2013
Übersetzt von: Carina von Enzenberg
736 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-492-05600-7