Gotteszahl von Anne Holt

Die Autorin:

Anne Holt , Jahrgang 1958, aufgewachsenen in den USA und in Norwegen, lebt mit ihrer Familie in Oslo. Dort arbeitet sie als freie Autorin.

Die Handlung:

Es ist Mitte Dezember und eine Reihe von Morden zieht sich von Bergen nach Oslo durch Norwegen. Keines der Verbrechen scheint auf den ersten Blick etwas miteinander zu tun zu haben. Bis auf eine Sache: jedes der Opfer war homosexuell oder engagierte sich für die Gleichstellung Homosexueller. Yngvar Stubø ermittelt, und auch seine Frau Johanne wird in den Fall verwickelt.

Frau Braun meint:

Es ist der erste Krimi den ich von Anne Holt gelesen habe und die ganze Zeit habe ich mich gefragt, wie es angehen kann, dass mir diese Autorin bis dato entgangen ist.

Anne Holt ist hier ein sehr vielschichtiger Roman gelungen. Sie schafft es scheinbar mühelos die verschiedenen Stränge und Ebenen ihrer Geschichte im Gleichgewichtig zu halten. Gotteszahl ist 2008 erschienen und hat in den letzten Jahren und der zunehmenden Homophobie an Aktualität gewonnen. Glaubhafte Charaktere, mitreißende Spannende Story und eine politische Ebene, alles was ein guter Krimi für mich braucht.

Die deutsche Übersetzung stammt von Gabriele Haefs.

Gotteszahl

KRIMINALROMAN

Erschienen am 01.10.2010
Übersetzt von: Gabriele Haefs
480 Seiten, ePub
ISBN: 978-3-492-95127-2
€ 8,49 [D], € 8,49 [A], sFr 9,00

Maria Rosenblatt – Corinna T. Sievers

Die Autorin

Corinna T. Sievers stammt von Fehmarn. Sie studierte Politik, Medizin und Zahnmedizin und arbeitet heute als Kieferorthopädin in Zürich. Maria Rosenblatt ist ihr drittes Buch.

maria_rosenblatt

Die Handlung:

Maria ist so Mitte 40. Sie lebt mit ihrem Mann, dem Psychiater Hannes und 2 Kindern  in sehr angenehmen materiellen Verhältnissen. Sie ist erfolgreich in ihrem Beruf als Ermittlerin bei der Kriminalpolizei und einsam. Sexuell läuft bei ihr und Hannes schon lange nichts mehr, und sie sehnt sich nach Liebe, Sex und Leben. Während sie in einem Fall von Kinderpornografie ermittelt, verliebt sie sich in ihren neuen Vorgesetzten, den Staatsanwalt Leo und setzt für diese Beziehung einiges aufs Spiel.

Frau Braun meint:

Ob es nun ein Roman oder ein Krimi ist, ist eigentlich völlig gleichgültig. Auf alle Fälle ist es ein sehr gutes Buch geworden und das ist die Hauptsache. Berührend, aber ohne larmoyant zu werden, wird die Geschichte dieser Maria Rosenblatt erzählt. Hardboiled wurde das Buch in diversen Kritiken genannt und das trifft es auch. Frau Sievers zeigt ihre Protagonistin sehr offen.  Sie zeigt deren Rücksichtslosigkeit, Sexgier und  Machtbessenheit genau so schonungslos, wie deren Verletzlichkeit und Angst vor dem Älterwerden.

Was die Krimi-Elemente betrifft, so hat mir besonders gefallen, dass die Autorin mehr Wert auf Kopfarbeit, denn auf Körpereinsatz legt, und zeigt, dass sich in diesem Genre auch Spannung durch leise Töne erzeugen lässt. Und spannend ist die Geschichte. So wohl die Marias, als auch die des Kriminalfalles.

Fazit: Sehr zu empfehlen

Corinna T. Sievers

Maria Rosenblatt
Roman
Originalveröffentlichung
geb. mit Schutzumschlag,
144 Seiten
€ (D) 16,–
€ (A) 16,50
ISBN 978-3-89401-779-8
Erschienen August 2013 

Die Besucherin – Maeve Brennan

brennan-besucherin

Die Autorin:

Maeve Brennan wurde 1917 in Dublin geboren und wanderte 1934 mit ihrer Familie in die USA aus. Ab 1949 war sie Mitglied der Redaktion des New Yorkers und schrieb dort Kolumnen und Rezensionen, sowie einige Kurzgeschichten, die oft in Irland spielen. Unter anderen sind im Steidl Verlag auch Mr. & Mrs. Deardon erschienen, welche ich bereits hier besprochen habe.

Die Handlung:

Die Besucherin ist die 22-jährige Anastasia King, die nach dem Tod ihrer Mutter zu ihrer Großmutter nach Dublin zurückkehrt. Sie will dort bleiben, doch ihre Großmutter macht ihr sofort klar, dass ihr Aufenthalt nur vorübergehend sein wird und als Besuch zu verstehen ist. Die alte, verbitterte Frau, die ihren toten Sohn nicht loslassen kann, beginnt ein perfides Spiel mit den Gefühlen ihrer Enkelin. Sie gibt Anastasia die Schuld am Tod des Vaters, weil diese nach der Trennung ihrer Mutter gefolgt ist. Anastasia sucht Liebe und Geborgenheit in ihrem Geburtshaus und ist doch, ebenso wenig, wie ihre Großmutter, fähig diese zu geben.

Frau Braun meint:

Es ist ein leises Buch und ein trauriges. Maeve Brennan versteht sich wunderbar auf die leisen Töne. Mit absoluter Präzision zerrt sie selbst die kleines Gefühlsregung ans Licht. Sie taucht tief in die Charaktere ein und beschreibt sie in klaren, unprätentiösen Worten. Kein Detail dieses Zweikampfes zwischen Großmutter und Enkelin entgeht ihr. Die sich mehr und mehr verdichtende Atmosphäre und das zu erwartende Gewitter in dem Dubliner Haus, sind fast körperlich spürbar.  Doch ist auch spürbar, dass das Gewitter keine Erlösung mit sich bringen wird.

Die Übersetzung aus dem Englischen und das Nachwort: Hans Christian Oeser

Die Besucherin von Maeve Brennan

DE: 14.00 EUR | Verfügbar
ISBN 13
9783882439373
Veröffentlicht am
10/2003
Seitenanzahl
96
Sprache
Deutsch
 
Hardback / Halbleinen im Schuber

Samson& Roberto von Ingvar Ambjörnsen

Bis dato gibt es drei Bände der Samson & Roberto Geschichten von Ingvar Ambjörnsen. Zwei davon habe ich die letzten Tage gelesen und der Dritte ist unterwegs. Ich muss zu sehen, denn die Abenteuer der beiden Freunde gehen weiter. Vor kurzem erschien die vierte Geschichte auf norwegisch im Cappelen Forlag unter dem Titel Kaptein Nero. Natürlich wird es auch eine deutsche Ausgabe geben, allerdings ist das Erscheinungsdatum noch nicht sicher. Zu den beiden hier besprochenen Büchern muss ich sagen, dass sie nur noch antiquarisch zu haben sind. Ich würde aber eine Neuauflage dringend befürworten. Die Geschichten um den Hund Samson und seinen Freund, den Kater Roberto, sind toll. Mein inneres Kind hat beim Lesen gejubelt.
keine-angst-haben
In „Aber wir müssen doch keine Angst haben, oder?“ erbt Samson die Pension Fjordblick von seinem Onkel Rin-Tin-Tei. Die Freunde machen sich aus der Stadt auf und finden ein recht verwahrloses Haus in dem ein Gespenst sich umtut. Doch bald stellt sich heraus, dass das Gespenst nicht so gespenstisch ist und mit Hilfe von Greta, dem Dachsmädchen, Olli, dem Otter für alles und Herrn von Strauss, dem Krämer, schaffen sie es schnell alles auf Vordermann zu bringen und bald können sie die ersten Gäste begrüßen. Den Hochlandpoeten Gregor, einen Maulwurf und Frau Krilleberg, Truthahn und Lehrerin.

das-soll-musik-sein
In „Und das soll Musik sein?“ haben sich die Freunde in ihrer Pension  und erfahren das die Punkband „Die toten Tauben“ sich bei ihnen einquartieren wollen, die den Ruf haben schon mal zu randalieren. Dann ist da noch der Kabeljau Helge, der gerne einmal Urlaub machen möchte vom Meer und in die Pension zieht. Dank den Ollis – Otter für alles – handwerklichen Fähigkeiten, findet er eine komfortable artgerechte Unterbringung und kann nun aus einer Meerwasserbadewanne heraus Cowboyfilme im Fernsehen sehen.

Ich lese gerne Kinder- und Jugendbücher, aber besonders gerne lese ich sie, wenn sie so fantasievoll und unkonventionell sind, wie die vorliegenden Werke. Die Bücher sind wunderschön aufgemacht, in Hardcover und die Zeichnungen von Peter Schüssow sind einfach herrlich.  Die Bücher haben etwas zeitloses. Ich ertappte mich bei dem Gedanken, dass ich sie noch einmal bestellen werde, für meine Enkelinnen. Sicher ich könnte ihnen meine Ausgaben überlassen. Aber mal ehrlich, bei aller Großzügigkeit, irgendwo hält die Verwandtschaft auf. Nee, die kriegen eigene.

Die Übersetzung aus dem Norwegischen ist von Gabriele Haefs.

Samenklau von Corinna T. Sievers

samenklau

Samenklau ist Corinna T. Sievers erster Roman und somit schon älteren Ursprungs. Eigentlich hatte ich ein ganz anderes Werk von ihr auf der Leseliste, nämlich ihren Krimi Maria Rosenblatt, der von Dennis Scheck sehr gelobt wurde. Ich sah dann aber das ihre Veröffentlichungen noch im überschaubaren Rahmen sind und wenn das der Fall ist lese ich gerne chronologisch. Also Samenklau als erstes.

Die Handlung:

Phoebe ist 42, sie ist in ihrem Beruf als Zahntechnikerin erfolgreich, hat eine eigene Praxis und genießt den Luxus gut zu verdienen und einen Beruf auszuüben, den sie mag. Einziges Manko: Es ist keine Beziehung vorhanden, die biologische Uhr tickt und sie wünscht sich ein Kind. Kurzerhand beschließt sie sich den Samen eines kultivierten Mannes zu beschaffen. Sie fährt in ein Luxushotel in die Schweiz und gleich am ersten Abend liefert der erste Kandidat die gewünschte Substanz. Man trennt sich ohne großes Bedauern. Am nächsten Morgen allerdings lernt Phoebe den absoluten Traumprinzen kennen. Kultiviert, gut aussehend, superreich und zärtlich. Auch hier geht es ins Bettchen, besser gesagt:  ins Rolls Roycechen, aber es bleibt nicht bei der Samenspende, sondern die Beiden verlieben sich ernsthaft in einander. Das Wunder geschieht, Phoebe ist schwanger, schafft es sich einzureden, dass es Hubertus Supersperma war, welches den Keim legte und alles könnte wunderbar sein, wenn sie nicht von Hubertus Ex-Verlobten erfahren hätte, dass der Traumprinz mit Platzpatronen schießt. Also zeugungsunfähig ist …

Frau Braun meint:

Frau Sievers nimmt sich hier eines sehr heutigen Themas an. Geht ja nicht wenigen Frauen so, dass sie erst einmal Karriere machen, dann feststellen, die Uhr tickt und sich entscheiden müssen. Die Geschichte ist auch interessant abgehandelt. Es hat Spaß gemacht sie zu lesen und die Charaktere sind sehr greifbar. Allerdings gibt es auch so einige Mankos. Mich haben diese Aufzählungen von Make Up und Modemachern, sowie der übrigen Luxusattribute genervt. Sicher Phoebe ist kein Aschenputtel und sehr an ihrem Äußeren interessiert. Sie gibt gerne Geld für schöne Dinge auf und kann sie sich leisten. Aber muss ich wirklich wissen, dass ihre Hose von Eskada und ihre Sonnenbrille von Chanel oder sonstwem teurem ist? Das wäre geschickter zu lösen gewesen. Auch reicht es nicht, dass Hubertus reich ist, nein, es muss gleich richtig reich sein. Na ja und natürlich verfallen Phoebe nahezu alle Männer mit denen sie es näher zu tun bekommt. Von ihrem Gynäkologen bis zum Nachbarn in der Tiefgarage.  Ich muss gestehen, dass ich immer mal dachte: Büsschen viel Mädchenkram, aber eben nicht nur.

Ab einem gewissen Punkt begann ich das Buch unter der Rubrik: „Modernes Märchen“ zu lesen und da funktionierte auch der Mädchenkram.

Fazit: Eine kurzweilige Geschichte mit einem interessanten gesellschaftlich relevanten Thema.

Die Frau meines Vaters – Anja Röhl

die frau meines vaters

 

Die Autorin

Anja Röhl, Jahrgang 1955, Tochter des „Konkret“ – Herausgebers Klaus Rainer Röhl aus dessen erster Ehe. Anja Röhl ist Dozentin und Theaterrezensentin. Sie schreibt unter anderen für die Junge Welt.

Die Handlung:

Der Untertitel des Buches ist: Erinnerungen an Ulrike. Gemeint ist hier Ulrike Meinhof, die zweite Frau von Klaus Rainer Röhl. Sie ist für das Mädchen Anja Röhl eine wichtige Bezugsperson. Das Mädchen das in den 50ziger und 60 ziger Jahren bei einer alleinerziehenden Mutter aufwächst, entdeckt schnell:

»Kind sein heißt allein sein, schuld sein, essen müssen, schlafen müssen, brav sein müssen. Kind sein heißt, sich nicht wehren zu können.«

Zwischen der oft abwesenden Mutter, die die Tochter schon mal verleugnet, wenn sie in Sachen Partnersuche unterwegs ist, diversen Verschickungsheimen mit ausgesprochen sadistischen Erzieherinnen und dem übergriffigen Vater, Klaus Röhl, wächst Anja auf. Die einzige Person, bei der sie Verständnis findet, die sie ernst nimmt und die sie ernst nimmt, ist Ulrike Meinhof.  Auch nach Meinhofs Trennung von Röhl, bleibt die Verbindung zu Anja bestehen. Auch nachdem Ulrike Meinhof verhaftet ist, besucht Anja sie im Gefängnis und es gibt einen Briefwechsel.

Frau Braun meint:

Es hat einiges an Aufregung vor Erscheinen dieses Buches gegeben. Bettina und Regina Röhl, die Töchter von Ulrike Meinhof, haben aufs Persönlichkeitsrecht gepocht und um juristischen Hickhack vorzubeugen, erscheinen so einige Passagen geschwärzt. Das nur vorweg.

Anja Röhl hat eine interessante Erzählweise gewählt. So erzählt die ersten Teile aus der Sicht des Mädchens Anja und später aus der Sicht der jungen Frau. Gerade das macht den Text besonders berührend. Da kommt das immer noch empörte Kind zu Wort, dass sich gegen die sadistischen Erziehungsmethoden in den 50ziger und 60ziger Jahren genau so wenig zu Wehr setzen kann, wie gegen den sexuell übergriffigen Vater. Der seiner Tochter schon mal mal erklärt, wie Frauen geküsst werden wollen und was ihn sexuell so antörnt. Der während er mit seiner Tochter durch die Straßen fährt Frauen nachpfeifft und zum mitfahren einlädt und es sich angelegen sein lässt, im Keller seiner Blankeneser Villa mit dem Luftgewehr auf die Poster nackter Frauen zu schießen.

Wer in diesem Buch nun eine Auseinandersetzung mit der Terroristin und politischen Aktivistin Ulrike Meinhof sucht, wird sie nicht finden. Es sind die von Dankbarkeit geprägten Erinnerungen eines Mädchens und einer jungen Frau, an eine warmherzige, kluge und verständnisvolle Frau, die ihr half sich in einer als feindseilig empfundenen Welt zurecht zu finden.

Das Buch hat mich sehr berührt und ich kann es nur wärmstens empfehlen. Es hat mich aber nicht nur, wegen der Erinnerungen an Ulrike Meinhof so sehr angesprochen, sondern auch weil Anja Röhl noch einmal klar erzählt, welchem Terror Kinder und Heranwachsende in besagter Zeit ausgesetzt waren und wie wenig Möglichkeiten sie zur Gegenwehr hatten.

Anja Röhl
Die Frau meines Vaters
Erinnerungen an Ulrike

Originalveröffentlichung
Gebunden mit Schutzumschlag,
160 Seiten
€ (D) 18,–
€ (A) 18,50

ISBN 978-3-89401-771-2

Erschienen Februar 2013