Dalmore Jazz

Dalmore Jazz

Dalmore Jazz ist der dritte Krimi aus der Whiskey Reihe von Mara Laue und der zweite mit ihrer Privatdetektivin Rowan Lockhart.  Der erste Rowan Lockhart Krimi – Singleton Soul hatte mir bereits sehr gefallen.

Handlung:

In der Nacht, in der sich die Gruppe Dalmore Jazz gründete, tranken sie eine Flasche des gleichnamigen Whiskeys leer. Diese leere Flasche, in der von jedem Bandmitglied eine Haarsträhne verwahrt wird, ist ihr Glücksbringer. Fans bieten Unsummen für diese Flasche, aber die Bandmitgliedern sind sich einig: Die Flasche ist unverkäuflich! Das bleibt auch so, als die Einnahmen und der Erfolg zurück gehen. Dann, eines Tages ist die Flasche gestohlen. Die Band beauftragt Rowan sie zu finden. Die forscht natürlich zuerst bei einem Mann nach, der kurz vorher versucht hat, den Glücksbringer der Dalmore Jazz zu kaufen. Kurze Zeit später, wird dieser Mann ermordet aufgefunden.

Frau Braun meint:

Auch der zweite Fall für Rowan Lockhart hat mir sehr gefallen.  Der Plot der Geschichte ist spannend, wenn sich auch einiges sehr schnell abzeichnet. Trotzdem sind genug Wendungen da, die eigenen Schlüsse doch immer einmal wieder in Frage zu stellen. Was vor allem angenehm ist, besonders da in Serien so selten, sowohl die Protagonistin, als auch die Nebenfigur des festen Personals entwickeln sich weiter. Sei es der Ex-Söldner Lennox, der bei Rowan wohnt und mittlerweile ihr Partner in der Kampfsportschule ist oder Bill Wallace, Rowans Jugendfreund, der nun Polizist ist.

Was mich ein wenig stört ist die Beschreibung des Settings. Immer wenn es um den Handlungsort, Edinburgh geht, denke ich: So würde keine Schottin schreiben, nicht einmal eine Engländerin. Das wirkt leicht aufgesetzt. Mir kam da der Gedanke, da sollen sich Ex-Edinburgh-Touristen drüber freuen, dass sie einige Plätze und vor allem einige Anekdoten wieder erkennen. Das ist natürlich nicht wirklich schlimm und tut der eigentlichen Geschichte keinen Abbruch. Mir jedenfalls hat das Buch Spaß gemacht und ich freue mich auf den nächsten Teil …

Dalmore Jazz – Ein Edinburgh-Krimi mit Rowan Lockhart

Taschenbuch, 296 Seiten
ISBN: 978-3-940258-31-1
12,95 € [D]; 13,40 € [A]

Der Kopf in der Schlinge von Kay Hoff

Der Kopf in der Schlinge

Handlung:

Die über neunzigjährige Anna Loos liegt im Sterben. Versorgt wird sie von diversen Verwandten aus drei Generationen. Anna Loos geht davon aus, das der Mensch nur im Rahmen der gegebenen Umstände handeln kann. Ihre Enkelin Kerstin wiederum will wissen, wie die Rolle der Großmutter in der Nazizeit war. Warum sie sich so und nicht anders verhalten hat.  Während die Familie Anna Loos in den Tot begleitet, kommt so das eine oder andere Familiengeheimnis ans Tageslicht.

Das dies sowohl zeitgeschichtlich, als auch literarisch ein wichtiges Buch ist. Kay Hoff lässt die Geschichte der Familie Loos/Ewerdyn durch die verschiedenen Familienmitglieder erzählen und schafft so ein breites Bild. Jeder der Beteiligten hat eine andere Herangehensweise. Widersprüchliches wird hinterfragt und das eine oder andere Bild kriegt einen Knacks. Da ist Onkel Jürgen, der nach dem Krieg als Mitläufer eingestuft wurde, dessen Briefe aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 sprechen allerdings eine ganz andere Sprache. Da sind die Kinder Annas, die immer unter ihrer ehrgeizigen, manchmal lieblosen Mutter gelitten haben.

Es geht um die Generation der Verdränger_innen und um die Nachkriegsgeborenen, die das Verdrängte, nicht im Dunkeln lassen wollen. Die verstehen wollen, warum die Menschen, die sie als aufrichtig, liebevoll und ehrlich kennen, mitgemacht haben.

Fazit: Unbedingt Lesenswert!

Der Kopf in der Schlinge
Kay Hoff
Agimos Verlag Kiel
E-Mail: agimos@aol.com

London calling – Anja Marshall

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Zum Buch:

Dies ist Anja Marshalls zweiter Krimi mit Kate Cole und Luna Loveway alias Ruby Dench. Ich muss gestehen, dass sich Neugier und Skepsis die Waage hielten, als ich zu lesen begann, war ich doch von dem ersten Buch der Reihe –Das Erbe von Tanston Hall–  nicht so begeistert.  Aber ich wurde angenehm überrascht. Während ich im ersten Teil die Handlung als sehr vorhersehbar empfand, war dies bei London Calling nicht der Fall.

Handlung:

In der City of London wird die Leiche des zweifelhaften Finanzberaters Bradshaw gefunden. Luna Loveway, die ein Vermögen geerbt hat, wurde von Bradshaw um ihr gesamtes Geld gebracht. Da ihre Fingerabdrücke und ihre DNA im Appartment Bradshaws gefunden werden und sie diesen öfters bedroht hat, gerät sie unter Mordverdacht. Sie wendet sich an ihre Freundin Kate Cole und schnell entdecken die Beiden, dass sie in ein Gewirr aus Korruption, Goldwäsche und Intrigen gestochen haben.

Frau Braun meint:

Ein spannender und gut zu lesender Krimi. Interessante Wendungen, nicht so leicht zu durchschauende Charaktere und Humor, lassen diesen Krimi zu einem echten Lese-Vergnügen werden.

Einziger Minuspunkt: Luna ist ein deutlich überzeichneter Charakter. Da ist einfach alles ein wenig zu viel.

Das Buch ist im Goldfinch Verlag erschienen.

London Calling

Taschenbuch, 304 Seiten
ISBN: 978-3-940258-33-5
12,95 € [D]; 13,40 € [A] E-Book; ISBN 978-3-940258-34-2; 7,99 €

Indiebookday – Agimos Verlag

Der Kopf in der Schlinge

 

Mein diesjähriger Kauf zum Indiebookday ist aus dem Agimos Verlag. Der Autor ist Kay Hoff und der Titel: „Der Kopf in der Schlinge“. Leider verfügt der Agimos Verlag über keine Webpräsenz. Da der Verlagschef aber auch gleichzeitig den Buchladen Zapata betreibt, meinen Lieblingsbuchdealer, lässt es sich dort bestellen. agimos@aol.com

Die Nacht träumt vom Tag – Ingvar Ambjørnsen

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Handlung:

Eine Gemeinschaft Aussteiger, Einzelgänger und Illegalen lebt in den Wäldern Nordnorwegens.  Auch Sune hat dort sein Revier. Er lebt von dem was der Wald so bereit hält und vom Fischfang. Auch bricht er schon mal in die eine oder andere Hütte ein, nimmt von dort, was er braucht und repariert im Gegenzug schon mal das eine oder andere oder streicht die Wände. Sune ist ein Einzelgänger. Er krankt am „normalen“ Leben und hat sich von Familie und Verantwortung zurückgezogen. Zwischen der Aussteiger-Gemeinschaft fungiert er als eine Art Bote. Eines Tages nun läuft ihm eine schwer verletzte Vietnamesin zu, die er Vale nennt. Da ist es erst einmal mit der Gemütlichkeit vorbei. Denn Vale hat sich so erfolgreich gegen die Vergewaltigung durch zwei Männer gewehrt, dass der eine tot ist und der andere schwer verletzt. Nun ist die Polizei hinter ihr her und natürlich auch hinter Sune …

Frau Braun meint:

Jedesmal wenn Ingvar Ambjørnsen ein neues Buch heraus bringt, denke ich: Mal sehen, ob er es diesmal geschafft hat, etwas Mittelmäßiges zu schreiben. Das kriegt der Mann, aber einfach nicht hin. Was ja auch gut ist. Trotzdem ist es erstaunlich wie gleichmäßig Ambjørnsen sein Niveau hält. So auch diesmal. DIE NACHT TRÄUMT VOM TAG ist ein nachdenkliches, tief berührendes Buch.

So über die Jahre habe ich mich fast durch das Gesamtwerk des Autors gelesen und stimme dem Verlag zu. Er knüpft mit diesem Buch an frühere Werke wie WEIßE NIGGER und DER LETZTE DEAL an, keine Frage, doch trotz  vieler Ähnlichkeiten ist es neu und frisch. Da wird nicht Altes aus Einfallslosigkeit wiedergekäut, sondern elegant integriert. Die Themen die angesprochen werden sind ausgesprochen heutig. Sei es die Flüchtlingsproblematik und der politisch und gesellschaftliche unmenschliche Umgang damit,  der Menschen zu Illegalen stempelt oder der zu erwartende Zusammenbruch des Weltwirtschaftssystems.  Es ist alles da und alles ist miteinander verknüpft. Gewalt und Zärtlichkeit, Dunkles und Helles. Auch im Erzählstil gehen die Gegensätze eine gelungene Symbiose ein. Einerseits knapp, klar, fast lakonisch und andererseits nahezu poetisch und leicht. Die Naturbeschreibungen der Wälder Nordnorwegens lassen den Wunsch aufkommen, sofort aufzubrechen und sich dort niederzulassen.

Das Buch ist in der Edition Nautilus erschienen.

Fazit:

Lesen! Sofort und auf der Stelle!

Ingvar Ambjørnsen

Die Nacht träumt vom Tag

Roman

Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs

Deutsche Erstausgabe
Gebunden mit Schutzumschlag,
274 Seiten
€ (D) 22,–

ISBN 978-3-89401-788-0

Erschienen Februar 2014 

 

 

 

Die Unsichtbaren von Roy Jacobsen

die unsichtbarenHandlung:

Eine kleine abgelegene Insel im Norden Norwegens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Familie Barrøy lebt hier vom Fischfang und von dem was der Boden hergibt. Ingrid, die Tochter wächst in dieser rauen Umgebung auf. Nach Ihrer Konfirmation will sie mehr und geht auf dem Festland in Stellung bei einer reichen Familie. Dort betreut sie die beiden Kinder. Eines Morgens sind die Eltern der Beiden verschwunden und als sich abzeichnet, dass sie auch nicht wieder kommen, beschließt Ingrid mit Ihnen zurück auf die Insel zu gehen. Dort überschlagen sich die Ereignisse und plötzlich ist nichts mehr wie es war …

Frau Braun meint:

Als ich die Vorankündigung es Osburg Verlages las, war ich sofort angefixt. Dann kam das Buch, ich begann zu lesen und war enttäuscht von dem sprunghaften Stil. Da wechselt der Autor Zeiten und Anreden. Bei einigen Bildern war ich schier überwältigt von ihrer Kraft und Klarheit und dann kam wieder eine Metapher, die mich irritierte. Wer jetzt meint den Übersetzern dies in die Schuhe schieben zu können, geht meiner Meinung nach Fehl. Andreas Brunstermann und Gabriele Haefs haben bereits bei Espen Havaardsholms „Eine Liebe in den Tagen des Lichts“ gezeigt, dass sie als Team wunderbar funktionieren.

Ich finde allerdings noch immer, dass es eine wunderbare Geschichte ist, die viel über das harte Leben in jener Zeit hoch im Norden und die Menschen dort erzählt. Roy Jacobsen Charaktere sind vielschichtig und spannend. Ich hätte dem Buch allerdings ein besseres Lektorat gewünscht. Da scheint mir einiges schiefgegangen zu sein. Im letzten Teil zum Beispiel gibt es eine Rechenaufgabe, die überhaupt keinen Sinn macht und von der ich mir nicht vorstellen kann, dass sie so im Original steht. Aber wie gesagt, es lohnt sich sich von den Kinken nicht abhalten zu lassen.

Die Unsichtbaren

Roy Jacobsen
Übersetzung aus dem Norwegischen: Gabriele Haefs und Andreas Brunstermann
erschienen im März 2014, gebunden, 280 Seiten
ISBN: 978-3-95510-035-3
 
Preis: €19,99