Totenmaler von Eystein Hanssen

Eystein Hanssen Totenmaler

Übersetzt von Gabriele Haefs, Andreas Brunstermann
Broschur, 448 Seiten
Aufbau Taschenbuch
978-3-7466-3099-1
Elli Sunee Rathke ist ledig, Budhistin, halb Thailänderin, halb Norwegerin und Ermittlerin bei der Osloer Mordkommision.
Als das erste sehr junge Mädchen nackt, mit einer Nadel im Arm und in merkwürdiger Haltung entdeckt wird, geht die Mordkommision von einer Überdosis aus. Die gerichtsmedizinische Untersuchung zeigt aber auf Mord hin und das das vermutlich 13 – 14 jährige Mädchen, die wahrscheinlich aus Osteuropa kommt, so einige Verletzungen im Genitalbereich aufweist, die auf häufigen und gewaltsamen Sex schließen lassen. Elli Rathke und ihr Partner Nereng ermitteln und stossen auf ein Geflecht von Zwangsprostitution von Minderjährigen, dessen Zweige bis ins Polizeipräsidium führen. Elli Rahtke erkennt schließlich ein Muster. Der Mörder scheint Gemälde von Munch, van Gogh, Gaugin und anderen Expressionisten nachzustellen.
Eystein Hanssen legt mit Totenmaler  den Auftakt zu einer neuen Serie um die Ermittlerin Elli Sunee Rathke vor.  Er stellt uns Elli Rathke auf unaufdringliche Weise vor und nach einigen Seiten, kommt sie dem Leser bereits vertraut vor. Natürlich sind da die üblichen Stereotypen, die nun mal in jedem Krimi sind, aber eben nicht nur. Eystein lässt seinen Figuren ein hohes Maß an Individualität, ohne sie zu abgehoben zu gestalten. So hat Ellis Partner Nereng die Angewohnheit aus Rocksongs zu zitieren, aber Eystein Hanssen überreißt es nicht, es wirkt natürlich, wie eben eine liebeswerte, manchmal nervige Angewohnheit, die viele Menschen pflegen.
Der Plot ist gut gebaut und der Autor geht sensibel mit dem schwierigen Thema Zwangsprostitution von Kindern um. Einziger Mangel ist die Art der Sprache die er den Mädchen gibt. In Dialogen ist es stimmig und altersgerecht, aber wenn Hanssen aus der Gedankenwelt einer 13 oder 14jährigen erzählt ist da ein Misston. Da klingt es eher nach erwachsenem Autor und zu geschliffen.
Also ein empfehlenswerter Krimi, der mir zwei spannende Abende beschert hat. Und weil es mir so gut gefallen hat, werde ich gleich das zweite Buch der Reihe lesen. Knochen!

Konzert ohne Dichter

Konzert ohne Dichter

Autor: Klaus Modick

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

ISBN: 978-3-462-04741-7
Erschienen am: 09.02.2015
240 Seiten, gebunden
Lieferbar

Erst einmal ein großes Kompliment an den KIWI Verlag. Das Buch ist wunderschön aufgemacht. Im Innenteil des Covers ist denn auch das Bild zu sehen, um dessen Entstehungsgeschichte sich die Handlung dreht. Das Konzert – Sommerabend. Eines der monumentalen Werken Heinrich Vogelers, immerhin 3,10 x 1,75.

Aber nicht nur die Aufmachung ist wohlgeraten, sondern auch das Buch an sich. Klaus Modick erzählt aus der Sicht des Worpsweders Maler Heinricht Vogeler. Die Rahmenhandlung bildet Voglers Vorbereitungen und Reise nach Oldenburg, wo er 1905 mit der Goldmedaille für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet wird. In Reflektionen erinnert sich der Maler an die Anfänge in Worpswede und an seine Freundschaft mit Rainer Maria Rilke und  dem Zerwürfnis der beiden Künstler.

Vogeler, der Prinz dess Jugendstils, ist gut im Geschäft, er ist als Maler, Illustrator und, heute würde man sagen, Designer tätig. Er kreiert sich seine Welt bis ins kleinste Detail. Der Barkenhof wird dann auch zum Versammlungsort für ansässige und auf Besuch weilende KünstlerInnen. Die Familie, wie Paula Modersohn Becker, sie nennt, diese Worpsweder Künstler. Rilke ist in dieser Gesellschaft immer einmal wieder präsent, aber zieht sich auch daraus zurück. Sein Verhältnis zu Vogeler, den er einst als Seelenbruder bezeichnet hat, wird immer komplizierter. Vogelers Erinnerungen an diesen manisch dichtenden Dichter sind dann auch entsprechend distanziert boshaft.

Ich habe dieses Buch gerne gelesen, es ist ein schöner Einblick in die Worpsweder Welt um 1900 herum. Im Klappentext wird es eine Chronique Scandaleuse Wordpswedes genannt.  Um dem nun wirklich zu entsprechen, hätte es schon ein wenig mehr scandál gebraucht.  Auch kann ich dem Lektorat nicht uneingeschränkt Beifall zollen. Da sind so einige Kinken. Da wird am Anfang schon mal Hinnerk mit Jan verwechselt und das Illustrator-Vorbild Vogelers heißt Aubrey Beardsley, nicht Audrey. Dies mögen Kleinigkeiten sein, ärgern aber doch. Trotzdem kann ich das Buch uneingeschränkt empfehlen und nicht nur für Worpswede Fans.

Wer denn noch nicht vom Teufelsmoor genug hat, kann gleich im Anschluss Der Mann der durch das Jahrhundert fiel von Moritz Rinke lesen. Ebenfalls bei KIWI erschienen.

Hart auf Hart von T. C. Boyle

Hart auf Hart

Autor: T. C. Boyle
Roman
Übersetzt aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren

Erscheinungsdatum: 02.02.2015
400 Seiten
Hanser Verlag
Fester Einband
ISBN 978-3-446-24737-6
ePUB-Format
ISBN 978-3-446-24846-5

Sten Stenson ist Rentner und mit seiner Frau auf Urlaubsreise in Costa Rica. Als die Gruppe überfallen wird, tötet Sten einen der Banditen mit bloßen Händen. Adam ist scizophren und läuft mit Tarnkleidung mit Gewehr durch die Wälder Nordkaliforniens. Er will wie sein Vorbild, der Waldläufer Colter, ein unabhängiges Leben führen. Für die finanzielle Unabhängigkeit soll seine Marihuana- und Mohnplantage sorgen. Adam ist Stens Sohn. Sara ist Hufschmiedin und „souveräne Amerikanerin“. Sie lehnt die Gesetze der „Konzernregierung“ der USA ab, zahlt keine Steuern, verweigert die Gurtpflicht und gerät immer einmal wieder auf Grund dieser Haltung mit dem Gesetz in Konflikt. Sie lernt Adam kennen und die beiden verlieben sich ineinander.  Sara interessiert sich nicht besonders dafür, was Adam so in den Wäldern treibt. Die beiden leben einige Wochen in dem Haus von Adams verstorbener Großmutter zusammen. Als Adam das Haus aufgeben muss, weil seine Eltern es verkauft haben, hakt bei ihm endgültig etwas aus.  Er geht in die Wälder und erschießt dort einen Menschen, der ihn entdeckt hat. Augrund seiner Scizophrenie sind für ihn die meisten Menschen Aliens. Es folgen zwei weitere Morde und die Jagd auf Adam beginnt.

Soweit die Grundzüge der Handlung von Boyles jüngstem Werk, welches mich tief berührt hat. T. C. Boyle nimmt uns auf erschreckende Weise mit, in die Gedankenwelt des scizophrenen Adams und dessen Wunsch nach einem unabhängigen Leben.  Die Geschichte wird aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt. Aus Stens, Adams Vater, ein ehemaliger Schuldirektor, der die dauernden Aussetzer seines Sohnes leid ist. Aus Saras die auf andere Weise verloren durch die Welt der heutigen USA mit ihren Kontrollen, Vorschriften und Regeln, tappt und sich versucht aus diesen zu befreien und aus Adams, der in seiner ganz eigenen Welt lebt und so diverse, durch seine Krankheit bedingten, Filme fährt, die sich durch diverse Drogen noch verstärken.  Es ist eine bittere Geschichte mit satirischen Anklängen und sehr gut geschrieben. Boyle wirft Fragen auf, unter anderen etwa, wieso ein anerkannt Scizophrener in den USA offiziell eine Waffe tragen darf?

Ein Lob geht hier auch an den Übersetzer Dirk van Gunsteren.

Fazit: Unbedingt Lesen!

Alles wird hell von Julia Jessen

 

 

 

Julia Jessen

Alles wird hell

288 Seiten
sofort lieferbar
erschienen im Februar 2015 im Antje Kunstmann Verlag

ISBN 978-3-95614-024-2

19,95 €

 

Alles wird hell ist der erste Roman von Julia Jessen. Die Autorin erzählt die Geschichte von Oda, die in einer Familie voller interessanter Charaktere aufwächst. Das erste Bild zeigt Oda mit fünf, dann mit 16, 40 und schließlich 80 Jahren. Eine Lebensreise kurzweilig erzählt.

Oda wächst in einer ganz normalen Familie auf, deren Mitglieder zwar ihre Konflikte miteinander haben, sich aber auch nahe sind. Die 16jährige Oda denkt viel darüber nach wieviel bei den einzelen Personen offensichtlich, also im Hellen, liegt und was sich so unter der Oberfläche, also im Dunklen, abspielt. Gelegenheit zu Studien gibt der 16 jährigen die schamanische Hochzeit von Tante Anneke auf Sylt.

Dann geht es weiter mit der 40 jährigen Oda. Mittlerweile Mutter eines fünfjährigen Sohnes und in der Midlifecrisis. Oda befindet sich nun in einem dauernden Gedankenkarusell und für sich. Sie flüchtet sich in eine Affäre …

Julia Jessen erzählt plastisch und kurzweilig. Selten habe ich eine Protagonistin so sehr als Nervensäge empfunden und hatte doch großen Spaß daran weiter zulesen und mich über Oda zu ärgern oder sie ein wenig zu bemitleiden. Das Mitleid beschränkte sich allerdings eher auf die 16 jährige. Die 40 jährige hätte ich gerne geschüttelt. Wie auch immer. Wenn es einer Autorin gelingt derartige Gefühle in ihre Leserin zu wecken, ist es nicht wichtig, ob einem die Figur sympathisch ist oder nicht.

Hier ein Link zu Zehnseiten auf Youtube. Dort liest Julia Jessen aus „Alles wird hell“