Hunnen und Rebellen von Jessica Mitford

Jessica Mitford
Hunnen und Rebellen
Aus dem Englischen und mit einem Nachwort und Anmerkungen von Joachim Kalka
336 Seiten · Halbleinen · fadengeheftet · 134 x 200 mm
3. Auflage
Frühjahr 2013
ISBN 978-3-937834-60-3
EUR 25,00

Jessica Lucy Miford wurde 1917 in Oxfordshire, als Tochter eines Landadeligen geboren und wuchs auf, wie es für eine Mädchen aus der besseren Gesellschaft sein sollte. Ebenso wie ihre sechs Schwestern.  Mit achtzehn wird sie in die Gesellschaft eingeführt und ist im Herzen doch schon Kommunistin, wenigstens im weitesten Sinne. Auf alle Fälle lehnt sie den Faschismus ab und brennt schließlich mit ihrem Vetter und späteren Eheman Esmond Romilly durch, um sich im spanischen Bürgerkrieg auf der antifaschistischen Seite zu engagieren. Was natürlich einen Skandal auslöst.

In Hunnen und Rebellen erzählt sie von ihrer Kindheit, von ihren Geschwistern, besonders von ihrem  Verhältnis zu ihrer Lieblingsschwester Unity, Boud genannt, die sich aktiv für den Faschismus einsetzte und eine glühende Hitlerverehrerin war. Während Unity und Diana Mitford-Mosley (verh. mit dem Faschistenführer Oswald Mosley), also auf dieser Seite standen, entwickelte sich Jessica, wie sie es nennt, zum roten Schaf der Familie.

Die Flucht mit Vetter Esmond ist natürlich ein Skandal und führt zur Trennung von der Familie. Esmond und sie heiraten schließlich und machen sich nach Stationen in Spanien, Frankreich, London, nach Amerika auf. Eigentlich wollten sie dort Vorträge über die kuriosisten Themen halten, aber meistens schlagen sie sich mit Gelegenheitsjobs durch. Schließlich betreiben sie eine Bar in Miami, bis England in den 2. Weltkrieg eintritt und Esmond Romilly sich bei einer kanadischen Fliegerstaffel meldet. Jessica kommt bei Freunden in Washington unter und beginnt eine Ausbildung zur Journalistin.  Dort endet das Buch. Esmond Romilly stirbt 1941, er wird während eines Einsatzes über der Nordsee abgeschossen.

Die Königin Schläft und Innocentia Park von Ingvar Ambjørnsen

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Das Ingvar Ambjørnsen zu meinen Lieblingsautoren gehört, habe ich ja schon mehrfach erwähnt. Jedesmal wenn etwas neues von ihm erscheint, stellt sich bei mir große Vorfreude und ein „Muss ich sofort haben Gefühl“ ein. Diesmal ist es nichts wirklich neues, aber auch diese beiden neuaufgelegten lösten besagte Gefühle aus, besonders da sie sehr schön aufgemacht sind.

Die Königin schläft

Übersetzt von Gabriele Haefs

Preis € (D) 9,99 | € (A) 10,30 | SFR 14,90

S. Fischer Verlag

ISBN: 978-3-596-30162-1

Als Astor die schöne Grete Reim heiratet hängt der Himmel voller Geigen. 34 Jahre später haben die beiden sich auseinandergelebt. Grete ist eine äußerst erfolgreiche Kitschromanschriftstellerin geworden und Astor halt ihr Mann. Die Ehe der beiden wird durch Alkohol, finanzielle Abhängigkeit und die Erinnerung an frühere Zeiten zusammengehalten. Während Astor mehr und mehr im Alkohol versinkt, schreibt er die Geschichte ihrer Ehe auf, dass wir Leser alles miterleben dürfen. Allerdings aus Astors Sicht, der sich oft kaltschnäuzig und gleichgültig gibt, es aber nicht ist. Irgendwie ist da ein Rest von Liebe geblieben … aber ob das reicht.

Die Königin schläft ist die recht schonungslose Betrachtung einer Beziehung die voller Zuneigung begann und sich nun in Alkohol auflöst. Es gäbe Schriftsteller bei denen der/die LeserIn an keiner Stelle etwas zu lachen hätte, so nicht bei Ambjørnsen, da findet sich immer ein Funken Humor und Zärtlichkeit.

Innocentia Park

Taschenbuch

Übersetzt von Gabriele Haefs

Preis € (D) 11,99 | € (A) 12,40 | SFR 17,90

S. Fischer Verlag

ISBN: 978-3-596-30148-5

Es ist so heiß, dass sogar die Hunde aufgehört haben zu pissen

So beginnt dieses Buch. Thomas Mader, einst ein erfolgreicher Geschäftsmann, nun Privatier, sinniert über sein Leben und über alles mögliche, während er durch Hamburgs Parks schlendert. Thomas Mader ist einer, der geschäftlich erfolgreich war, aber im zwischenmenschlichem Bereich komplett scheitert. Bei seinen Parkwanderungen macht er gerne Station im Innocentia Park und dort beobachtet er eine Mutter mit einem Kind, augenscheinlich allein stehend. Eines Tages ist der Junge verschwunden.

Schnell ist nach den ersten Seiten klar, Thomas Mader ist keiner der den 1. Preis in einem Sympathiewettbewerb gewinnt. Er ist zynisch, kaltschnäuzig und, so erfolgreich er im geschäftlichen Bereich war, im zwischenmenschlichen total gescheitert. Seinen Sohn kann er nicht leiden, das Verhältnis zu seiner Frau ist distanziert und überhaupt hat er es nicht so mit Menschen.

Doch während man mit Mader durch die Hamburger Parks und Hamburg spaziert und dabei an seinen Betrachtungen über sein früheres Leben, seine Geschäfte und Beziehungen teilhat, desto klarer wird, wie einsam und unglücklich der Mann ist.

Ingvar Ambjørnsen hat ein Händchen für Sonderlinge. So einfach liebhaben, kann man die wenigsten seiner Protagonisten … bei Thomas Mader fällt dies besonders schwer. Und doch liest man weiter und ist faziniert von der reichen Betrachtungsgabe und inneren Leere, des Herrn Mader.

Ins Nordlicht blicken von Cornelia Franz

Cornelia Franz

Ins Nordlicht blicken

dtv pocket
288 Seiten
Ab 14
ISBN 978-3-423-78278-4
2. Auflage, 1. Mai 2015

Im Jahr 2020 macht sich der Steinmetz und Bildhauer Jonathan Querido auf den Weg nach Grönland, das er als 17-jähriger verlassen hat. Damals war sein Name noch Pakkutaq Wildenholz und er wollte um jeden Preis der Insel entfliehen, die nicht viele Perspektiven für einen jungen Menschen bereithielt. Doch nicht nur die geringen Aussichten auf ein erfülltes Leben treiben ihn von der Insel, sondern auch sein Gefühl nicht dort hinzugehören. Bis zu seinem 7. Lebensjahr wuchs er bei seiner deutschen Großmutter in Dannenberg auf. Dort war er fremd durch sein Aussehen, denn seine Mutter war Inuit und verstarb früh. Als er dann nach Grönland kam, wo sein Aussehen kein Problem ist, fühlt er sich durch die Sprache, die er noch nicht spricht, getrennt.

Nun ist Jonanthan Querido auf dem Weg zurück. Er will klären was passiert ist, will sich mit seinem Vater und mit seiner Herkunft aussöhnen. Auf dem Schiff trifft der Shary, die auf andere Weise auf der Suche nach ihren Wurzeln ist und die ihm hilft, seine Aufgabe anzugehen. Ob er sie bewältigen kann …

Als sie in Grönland ankommen, findet Jonathan ein verändertes Land vor, als das das er verlassen hat. Der Klimawandel lässt das Eis schmelzen und der Ausverkauf von Grönlands Bodenschätzen ist im vollen Gange.

Cornelia Franz erzählt eine sehr spannende Geschichte um Identität und Zugehörigkeit. Mir gefiel besonders die sensible Annäherung, des erwachsenen Mannes an sein früheres ich.

Fazit: Sehr lesenswert, nicht nur für junge LeserInnen.

Widerrechtliche Inbesitznahme von Lena Andersson

LENA ANDERSSON
Widerrechtliche Inbesitznahme
Roman
Originaltitel: Egenmägtikt förfarande
Aus dem Schwedischen von Gabriele Haefs
DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 224 Seiten, 12,5 x 20,0 cm
ISBN: 978-3-630-87469-2
€ 18,99 [D] | € 19,60 [A] | CHF 25,90 * (* empf. VK-Preis)

Verlag: Luchterhand Literaturverlag

Die Dichterin und Essayistin Ester Nilsson soll einen Vortrag über den bildenden Künstler Hugo Rask halten. Sie tut dies, der Künstler ist im Publikum und vom Lob der Dame begeistert. Es kommt zu einem Gespräch zwischen den Beiden und auf einmal ist alles ganz anders. Ester ist verliebt! Sie verlässt ihren langjährigen Freund und gibt sich, voller Hoffnung auf eine Beziehung zu Rask, ihren Gefühlen hin. Doch so richtig klar ist nicht was der Herr will. Mal ist seine Aufmerksamkeit Ester gegenüber sehr groß, dann wieder ist er abwesend. Während der ersten Treffen werden nur Gespräche geführt. Nach einigen Hin und Her kommt es denn doch zum Sex. Sie schlafen dreimal miteinander und dann ist Sendepause. Esters Anrufe werden nicht beantwortet und der Herr Rask meldet sich auch nicht. Ester nun, die in Worten schwelgt und alles benennen und erklären muss, sucht eine Aussprache … die Rask ihr verweigert.

Eigentlich ist an dieser Stelle klar: Der Typ will nicht! … Aber das will Ester nicht wahrhaben. Immer wenn es wieder einmal zu einem Kontakt kommt, schöpft sie neue Hoffnung, obwohl sich der Herr so nach und nach als ziemlich oberflächlich und narzisstisch zeigt, kann sie nicht von ihm lassen und nutzt jeden noch so fadenscheinigen Vorwand zur Kontaktaufnahme. Schließlich beendet sich die Sache auf so drastische Weise, dass auch Ester die Sinnlosigkeit ihrer Träume einsehen muss.

Lena Anderssons Beschreibung der liebesblinden Ester ist einfach toll. Als LeserIn möchte man ihr förmlich entgegen schreien: Lass es Mädel, es hat doch keinen Zweck! Und so dann und wann denkt man, so blöde kann doch niemand sein! Um dann in einem Moment der Aufrichtigkeit festzustellen: Doch, so blöde war ich auch schon.

Ein sehr empfehlenswertes Buch.