Der Susan Effekt von Peter Høeg

Der Susan Effekt

von Peter Høeg

Hanser Verlag

übersetzt aus dem Dänischen von Peter Urban-Halle
Erscheinungsdatum: 27.07.2015
400 Seiten
Hanser Verlag
Fester Einband
ISBN 978-3-446-24904-2
ePUB-Format
ISBN 978-3-446-25002-4

Susan Svendson ist Physikerin und hat eine besondere Veranlagung, Menschen die es mit ihr zu tun bekommen, müssen unbedingt aufrichtig sein. Dies wird in der Familie, bestehend aus Ehemann Laban, ein bedeutender Pianist und den 16-jährigen Zwillingen Harald und Thit, der Susan Effekt genannt. Der ist übrigens noch verstärkt, wenn die ganze Familie zusammen auftritt. Nun ist jedes Mitglied der „Vorzeige Familie“ in Indien in die Bedrouille geraten. Jedem Mitglied drohen viele Jahre Haft und so kommt das Angebot Informationen über eine bestimmte Gruppe Wissenschaftler, die sich mit der Erforschung der Zukunft befasst, zu besorgen und somit Straffreiheit zu erlangen, nicht ungelegen. Dieses Besorgen von Informationen gestaltet sich als lebensgefährlich.

So weit so gut. Dann wird es nicht so gut. Peter Høeg ist mir durch seinen Roman „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ bekannt. Ein Buch, welches ich mit Begeisterung gelesen habe. Leider konnte sich meine Begeisterung nicht auf den Susan Effekt übertragen. Schon nach den ersten hundert Seiten hatte ich das Gefühl, da hat einer etwas zusammengebastelt, was beim Publikum ankommen soll. Wenn sich ein Autor eine Geschichte ausdenkt, die von sehr abgehobenen Charakteren getragen wird, die in unglaubliche Situationen geraten, dann liegt die Kunst des Autors darin, dem Leser das Unglaubliche glaubhaft zu machen. Ein Talent über das Høeg durchaus verfügt. Die Frage ist also, wieso hat er es bei dieser Geschichte nicht zum Einsatz gebracht?

Neverwhere von Neil Gaiman

Neverwhere-sAls Richard Mayhew eine verletzte junge Frau auf dem Weg zur U-Bahn findet und sich entscheidet ihr zu helfen, ahnt er nicht welche Folgen das hat. Er nimmt die Frau namens Door mit in seine Wohnung und verarztet sie. Das sie anderes ist, als andere Menschen, wird im schnell klar, als er sie in angeregter Unterhaltung mit einer Ratte trifft, und ihn bittet dem Marquis von Carabas eine Nachricht zu überbringen. Richard versteht die Welt nicht mehr und plötzlich sieht die Welt Richard nicht mehr. Jedenfalls die Welt in der er lebt. Seine Verlobte erinnert sich nicht mehr an ihn, seinen Arbeitsplatz hat es scheinbar nie gegeben und seine Wohnung wird neu vermietet, während er in der Badewanne sitzt. Richard packt einige Sachen und geht und schließlich landet er dort, wo viele landen, die durch das Raster fallen: in London below, von dem er noch nicht einmal wusste das es das gibt. Denn unter London, in den Tunneln der U-Bahnen und der Abwasserkanäle leben Menschen, magische Wesen und es lauern mehr Gefahren als es auf den ersten Blick scheint. Richard findet Door und sie nimmt ihn mit auf ihre Mission. Das zwei psychopathische Killer hinter Ihnen her sind und auch sonst so einiges Gelichter es ihnen nicht leicht macht, macht die ohnehin schwere Aufgabe Doors, nicht einfacher. Richard dessen größtes Problem bis jetzt war, dass seine Verlobte ihn durch Kunstgalerien und Museen schleppte, kommt schnell zu der Erkenntnis, dass das Leben in London below, alles andere als ein Spaziergang ist.

Es hat Spaß gemacht mit Richard, Door, Hunter und dem Marquis von Carabas in London below unterwegs zu sein. Wie immer bei Neil Gaiman, kommt auch der Humor nicht zu kurz und es ist spannend. Nie ist das Offensichtliche, dass was es zu sein scheint und die Frage ist, ob Door, die die Fähigkeit besitzt Türen zu öffnen, die anderen verschlossen bleiben, die Richtigen öffnet. Neil Gaiman zeigt in diesem Buch wieder einmal, dass die Fantasie keine Grenzen kennt und ich bin seit dieser Lektüre überzeugt, dass es ein London below gibt.

Meine Rezension bezieht sich auf die englische Ausgabe. In der deutschen Übersetzung von Tina Hohl, ist das Buch unter dem Titel Niemalsland bei Heyne erschienen.

Coraline von Neil Gaiman

coralineCoraline und ihre Eltern sind umgezogen und zwar in ein altes düsteres Haus, mit sehr merkwürdigen Nachbarn. Da sind die beiden alten Damen mit den Hunden. Beide waren Schauspielerinnen und dann ist da der alte Mann mit dem Schnurrbart und erzählt von seinem Mäuseorchester. Doch nichts ist so merkwürdig, wie die Welt die sich hinter einer gewissen Tür in der neuen Wohnung verbirgt.

Coraline, die sich langweilt und auch nicht übermäßig von ihren Eltern beachtet wird, wird von der Tür magisch angezogen. Schließlich ist sie eine Entdeckerin. Was sie dort entdeckt, findet sie zu erst gar nicht so schlimm. Da ist eine Frau, die sich „die andere Mutter“ nennt und einen anderen Vater gibt es auch. Das Essen dort ist soviel besser als in Coralines richtigen zu Hause, wo ihr Vater gerne exotische Gerichte kocht. Aber Coraline merkt schnell. dass in der Welt der „anderen Eltern“ etwas nicht stimmt. Die andere Mutter ist eine Kinderfängerin und ist nun hinter Coraline her. Als sie deren richtige Eltern gefangen nimmt, begibt sich Coraline daran diese zu befreien und die Tür ein für alle Mal zu verschließen.

Ich habe dieses Buch wahrlich genossen. Fantasie, Grusel und ein mutiges Mädchen, was braucht es mehr? Genau die Art Buch, die ich gerne in meiner Kindheit gelesen hätte, aber damals hätten die Erwachsenen sicher geglaubt, dass es zu gruselig, für ein Kind wäre. Die gleichen Erwachsenen übrigens, die mir Hänsel und Gretel und andere Märchen vorgelesen haben, die mir wahrlich Alpträume verursachten.

Ich habe das Buch im englischen Original gelesen. Die deutsche Ausgabe ist im Arena Verlag in der Übersetzung von Cornelia Krutz-Arnold erschienen. Coraline im Arena Verlag

Der Sommer der Eulenfalter von Sara Pennypacker

Der Sommer der Eulenfalter

Autorin: Sara Pennpacker

Übersetzung aus dem Englischem: Gabriele Haefs

Verlag: Carlssen

ISBN: 978-3-551-55648-6

Stellas Mutter ist eine sehr ruhelose Person, die sich gerne einmal aus dem Staub macht. Früher war das nicht so schlimm, da lebte Stellas Großmutter noch und sorgte für eine Stabilität in Stellas Leben. Doch die ist nun tot und als Stellas Mutter wieder vom Wandertrieb gepackt wird, kommt Stella zu ihrer Großtante Louise, der Schwester ihrer Großmutter. Bei Lousie lebt ebenfalls Angel, ein Pflegekind. Stella und Angel können sich nicht leiden. Sie sind, wie Großtante Louise sagt: wie Öl und Wasser. Als die Beiden eines Tages aus der Schule kommen, liegt Louise tot in ihrem Fernsehsessel. Schnell wird den Mädchen klar, dass sie nun zusammenarbeiten müssen, denn Angel will keinesfalls in eine weitere Pflegefamilie, sondern durchhalten bis sie zu ihrer Tante ziehen darf und Stella wartet darauf, dass ihre Mutter zurückkommt und sich kümmert. Bis das so weit ist, vergraben sie Tante Louise erst einmal bei den Kürbissen.

Sara Pennypacker hat ihre beiden Protagonistinnen mit ganz schön viel Gepäck ausgestattet und macht es ihnen nicht einfach. Das genau ist das Schöne an diesem Buch. Auf sich zurückgeworfen und aufeinander angewiesen, regeln die Mädchen nicht nur einen sehr anstrengenden Alltag, denn das Ableben einer Erwachsenen zu verheimlichen, ist selbst in einem abgelegenen Gebiet keine einfache Sache, sie gibt den Beiden auch die Möglichkeit sich mit den Belastungen ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Dazu gibt die Autorin ihnen recht originelle Mittel mit auf den Weg. Stella hangelt sich mit Heloises Haushaltstipps durch leben. Die geben ihr Ordnung und Sicherheit, wie es ihre chaotische Mutter nicht kann und für Angel, die von portugesischen Schiffern abstammt ist es der Fado, der sie in ihrer Mitte hält.

Fazit: Sehr empfehlenswert