H – wie Habicht von Helen Macdonald

  • H – wie Habicht
  • Autorin: Helen Macdonald
  • Erzählendes Sachbuch Schicksalsmemoir Spiritualität
  • ePub
  • 416 Seiten
  • H is for Hawk
  • Aus dem Englischen übersetzt von Ulrike Kretschmer.
  • ISBN-13 9783843711470

Auf das Buch H- wie Habicht bin ich durch die Sendung Druckfrisch gekommen. Da hat etwas getriggert und ich habe es mir voller Vorfreude bestellt. Was so genau mich da anzog, weiß ich eigentlich nicht und ich muss gestehen, selten hat mich ein Buch so zweigeteilt zurückgelassen. Zum einen ist da die literarische Seite. In dieser Hinsicht ist das Buch großartig. Die Beschreibung der Trauer um den Vater, die gefühlte Verbindung zu T. H. White und so weiter. Alles wunderbar. Nur kam mir meine eigene Haltung in Sachen Tierdressur dazwischen. Die Versuche Macdonalds Mabel, so heißt das Habichtsweibchen, welches sie sich anschafft, abzutragen (zu zähmen und für die Jagd abzurichten), fand ich einfach nur widerlich. Das angeblich Edle in der Falknerei konnte Macdonald mir nicht vermittteln. Das war wohl aber auch nicht ihr Ansatz, denn es ging ja um sie, die Trauerarbeit und wie sie den Verlust des Vaters mit Mabels Hilfe verarbeitete. Ich war derartig betroffen, angewidert und über meine eigene Naivität, etwas anderes erwartet zu haben, entsetzt, dass ich das Buch nach gut der Hälfte weglegte.

Nochmal: Literarisch ist an dem Buch nichts auszusetzen und es scheint ja einer Menge Menschen, extrem gut zu gefallen. Es ist also in erster Linie mein Problem, dass die Lektüre bei mir nicht zündete.

Ein norwegisches Haus von Vigdis Hjorth

Vigdis Hjorth
Übersetzerin: Gabriele Haefs
ISBN: 9783955100919
Osburg Verlag
Preis: 20,00 €
Die Textilkünstlerin Alma hat es nicht so mit Menschen. Aber sie liebt ihr Haus. Dumm nur, dass sie die Einliegerwohnung vermieten muss, denn was sie mit ihren Aufträgen verdient reicht nicht so ganz zum Leben. Eines Tages vermietet Alma, aus der Angst heraus so schnell keine anderen Mieter zu finden, an ein polnisches Paar, dass ihr in vielen suspekt erscheint. Misstrauisch beäugt sie die Fremden nun in ihrem Alltag.
Als ich zu lesen begann dachte ich: Verdammt! Bewusstseinsstrom. Das kann so leicht schiefgehen. Nicht so bei Vigdis Hjorth, die ihre Leser mit in Almas Gedankenwelt nimmt. Diese nicht sehr der Welt zugewandte Frau, deren Welt ihr Haus ist. Es gibt da zwar einen Liebhaber, aber der bleibt blass. Es gibt da auch Kinder, die mittlerweile erwachsen sind, aber auch die spielen keine Rolle mehr. Alma lebt in ihrer eigenen Welt, geniesst die Augenblicke in denen sie Kunst erschafft und ab und an, wenn ihr die Welt zu eng wird, bricht sie aus und verreist. Aber immer alleine. Die erzwungene Nähe zu den polnischen Mietern kann sie nur schwer ertragen. Gleichzeitig sind diese die einzigen Menschen, die sie interessieren und mit denen sie sich beschäftigt.
Vigdis Hjorth hat da ein wunderbares Buch geschrieben und obwohl sie kaum etwas über Almas Vergangenheit und ihre Herkunft preisgibt, alles wird nur angerissen, ist diese Alma unglaublich plastisch und sie denkt die Gedanken, die wir auch manchmal denken und uns dann schämen.
Fazit: Ein wunderbares, gehaltvolles Buch

Die Therapeutin von Camilla Grebe & Åsa Träff

Die Therapeutin 

Autorinnen: Camilla Grebe & Åsa Träff

Roman
Aus dem Schwedischen von Christel Hildebrandt

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Taschenbuch, Klappenbroschur, 432 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-74183-0
€ 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90 * (* empf. VK-Preis)

Siri Bergmann arbeitet als Therapeutin in einer kleinen Praxisgemeinschaft. Psychisch ist sie durch den Tod ihres Mannes schwer angeschlagen und so ist sie sich nicht sicher, ob einige Geschehnisse in ihren Umfeld auf sie abzielen oder nur Einbildung sind. Sie tut sich schwer, jemanden von ihren Beobachtungen zu erzählen, da die KollegInnen schon das eine oder andere mal darauf zu sprechen kamen, dass sie selbst Hilfe braucht und zu viel trinkt. Schließlich ist es aber klar, jemand hat es auf Siri abgesehen, will ihr Leben zerstören, sie soll leiden und dann wohl letztlich auch sterben.

Es ist der erste Roman der Schwestern Camilla Grebe & Åsa Träff um die Therapeutin Siri Bergmann. Ich war Siri bereits in Mann ohne Herz, dem vierten Band, begegnet und sehr angetan. Daher habe ich mir die ersten beide Bände ebenfalls besorgt. Die Therapeutin hat mir ebenfalls gefallen, allerdings hat er bei aller Spannung, bei allem Talent Charaktere zu entwickeln, seine Schwächen. Von daher war ich eigentlich froh, dass ich den 3. Teil bereits gelesen hatte, dem deutlich anzumerken ist, dass Grebe & Träff Steigerungsmöglichkeiten nutzen. Heute starte ich mit dem dritten Band: Bevor du stirbst.

Herz aus Eis von Lars Mæhle

Herz aus Eis Herz aus Eis

Autor: Lars Mæhle 

Kriminalroman

  • Taschenbuch
  • Broschur
  • 352 Seiten
  • Den mørke porten
  • Aus dem Norwegischen übersetzt von Günther Frauenlob.
  • ISBN-13 9783548286006

Die Psychologin Ina Grieg hat es nicht leicht. Sie ist nun wirklich nicht der ultimative Muttertyp und lebt doch, ohne recht erklären zu können, wie es dazu kam, mit Mann und Zwillingen. Sie leidet darunter weder als Partnerin, noch als Mutter, wirklich da zu sein. Zu sehr geht sie in ihrer Arbeit und in ihrem Hobby Kickboxen auf. Dann wird sie auch noch von der Polizei in die Ermittlungen eines besonders brutalen Mordes einbezogen. Der Mord ähnelt sehr der Art und Weise, wie vor einigen Jahren ihr Kollege und Liebhaber getötet wurde.

Lars Mæhle präsentiert hier seinen ersten Krimi. Bis dato war er mir eher als Autor von Jugendbüchern und Kurzgeschichten ein Begriff. Sein Krimidebüt kann sich wirklich sehen lassen. Ein gut strukturierter Plot, Charaktere denen man nicht anmerkt, dass sie konstruiert sind und ein Talent Spannung zu erzeugen, ohne in Blut und Gewalt zu schwelgen. Ina Grieg wird in diesem Buch den LeserInnen vorgestellt, aber es ist kein zögerliches kennenlernen, sie war mir gleich vertraut und immer wenn Lars Mæhle den Mord an Inas Kollegen erwähnt, dachte ich: Wieso habe ich dieses Buch eigentlich nicht gelesen? Ich freue mich auf weitere Bücher aus dieser Reihe.

Infarkt von Anne Holt & Even Holt

Infarkt

THRILLER

Erschienen am 10.08.2015
Übersetzt von: Gabriele Haefs
448 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-492-05603-8
€ 19,99 [D], € 20,60 [A]
Najib Aysha ist Multimillionär. Ihm gehört ein Londoner Fußballclub und er ist Kunstsammler. Außerdem ist er derjenige, der mit den unerklärlichen Todesfällen einiger Fußballspieler und einem aufsehenerregenden Kunstraub in Verbindung steht. Die norwegische Kardiologin Sarah Zuckermann wird auf besagten Herrn durch ihren früheren Kollegen Ola Farmen aufmerksam, der für Aysha arbeitet. Neugierig, wie sie einigen Lesern bereits aus Kammerflimmern bekannt ist, sucht sie nach Verbindungen und stößt dabei auf ein wahnsinniges Geflecht von Geld, Gier, Doping, Sammelwut und Geheimdienstaktivität.
Ein neuer spannender Krimi aus der gemeinsamen Feder der Schriftstellerin Anne Holt und ihres Bruders, des Kardiologen Even Holt.
Die Krimis von Anne Holt sind immer etwas Besonderes. So auch dieses Gemeinschaftswerk. Die Geschichte ist gut aufgebaut und die Charaktere sind stimmig. Allerdings waren mir die medizinischen Beschreibungen und die Ausflüge in die wunderbare Welt des Fußballs manchmal ein wenig zu viel. Trotzdem ein Buch, dass ich gerne empfehle.

Isabel von Feridun Zaimoglu

ISABEL

Autor: Feridun Zaimoglu

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

ISBN: 978-3-462-04607-6
Erschienen am: 13.02.2014
240 Seiten, gebunden
Lieferbar

PreisDeutschland

18,99 €

Isabel ist an einer Endstation angekommen. Ihre Beziehung ist in Brüche gegangen und obwohl noch immer jung und schön, ist sie doch nicht mehr jung und schön genug, um als Modell zu arbeiten. Als Schauspielerin klappt es auch nicht so richtig und sich von den Eltern verheiraten lassen will sie auch nicht. Es steht also alles auf Neuanfang. Isabel entscheidet sich erst einmal für ein Leben in Keuschheit. Dann trifft sie Marcus, einen ehemaligen Kosovosoldaten, der ebenfalls dabei ist, sich neu zu orientieren. Er war mit ihrer verstorbenen Freundin zusammen und ist von dieser verlassen worden, als sie schwanger war. Langsam, ganz langsam und voller Vorsicht und Mißtrauen kommen Isabel und Marcus sich näher.

Als ich zu lesen begann war ich von Zaimoglus Sprache derartig überwältigt, dass es mir fast zuviel war. Aber nach zwanzig Seiten, war klar, da erzählt einer der Worte, Stimmungen und Metaphern beherrscht. Dieses Buch ist ein echtes Leseerlebnis. Feridun Zaimoglu geht in die Randgebiete der Gesellschaft, Isabels Geschichte spielt nicht im hippen Berlin, sondern in den Armenküchen, Kleiderkammern und Transvestitenlokalen. Er schreibt mit schonungloser Klarheit, offenen Blick und poetischer Schönheit und ohne zu werten.

Fazit: Unbedingt Lesenswert