Ein Kräcker unter dem Kanapee von Alan Bennett

Ein Kräcker unterm Kanapee

In diesem Büchlein sind sechs Monologe, welcher der englische Dramatiker Alan Bennett für die BBC geschrieben hat. Es sind also nicht ganz typische Kurzgeschichten. Alan Bennett dürfte in Deutschland in erster Linie durch sein Buch: Die souveräne Leserin bekannt geworden sein.

Diese Monologe werden von verschiedenen Menschen geführt. Da ist Graham, ein Muttersöhnchen par excellence, der seine Stellung im Leben der Mutter bedroht sieht, als diese sich mit Heiratsplänen trägt. Da ist Susan, die Pfarrersfrau, die sich schon gerne mal am Messwein vergreift und ein Techtelmechtel mit dem indischen Gemüsehändler hat. Oder Mrs. Ruddock, die sich als moralische Distanz sieht und zu allem und jedem Briefe schreibt, bis sie das in richtige Schwierigkeiten bringt.

Alan Bennett sind da sechs kleine Meisterstücke gelungen. Scharfe Beobachtungsgabe, schwarzer Humor und die Kunst, in kurzen Szenen, ein ganzes Leben entstehen zu lassen, zeichnen den Autor aus.

Ein Kräcker unterm Kanapee von Alan Bennett wurde von Ingo Hertzke aus dem Englischen übersetzt und ist im Wagenbach Verlag erschienen.

Mehr Informationen hier:  https://www.wagenbach.de/component/verlag/titel/747-ein-kraecker-unterm-kanapee.html?Itemid=buecher/titel/

Der neue Roman von Karen Duve

Macht Karen duve

Seit „Dies ist kein Liebeslied“ und „Regenroman“ gehört Karen Duve zu meinen Lieblingsautor*innen. Auch ihre Sachbücher wie „Anständig essen“ und „Warum die Sache schiefgeht“, habe ich gerne gelesen. Bei letzteren dachte ich schon: Da kommt doch bald was belletristisches. Nun ist es da. Heute morgen konnte ich es auf den Reader laden.

Klappentext:

Frauen haben die Regierung an sich gerissen, Pillen geben ewige Jugend, religiöse Endzeitsekten schießen wie Pilze aus dem Boden und ein genervter Mann kettet seine Frau kurzerhand im Keller an …

Wir schreiben das Jahr 2031: Staatsfeminismus, Hitzewellen, Wirbelstürme, Endzeitstimmung und ein 50-jähriges Klassentreffen in der Hamburger Vorortkneipe ›Ehrlich‹. Dank der Verjüngungspille Ephebo, der auch Sebastian Bürger sein gutes Aussehen verdankt, sehen die Schulkameraden im besten Rentenalter alle wieder aus wie Zwanzig- bis Dreißigjährige, und als Sebastian seine heimliche Jugendliebe Elli trifft, ist es um ihn geschehen. Wen interessiert es da noch, dass die Krebsrate von Ephebo bei 60% innerhalb der nächsten zehn Jahre liegt?

Alles könnte so schön sein, wäre da nicht Sebastians Frau, die ehemalige Ministerin für Umwelt, Naturschutz, Kraftwerkstilllegung und Atommüllentsorgung, die er seit zwei Jahren in seinem Keller gefangen hält. Dort muss sie ihm seine Lieblingskekse backen und auch sonst in jeder Hinsicht zu Diensten sein. Seiner neuen Liebe steht sie jetzt allerdings im Weg. Bei dem Versuch, sich seine Frau vom Hals zu schaffen, löst Sebastian eine Katastrophe nach der anderen aus…

 

 

Was wir nicht wussten von Tarashea Nesbit

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Ich bin auf dieses Buch durch die buchbloggerin aufmerksam geworden und bin ihr sehr dankbar dafür.

Der Originaltitel das Buches ist „The Wives of Los Alamos“. Während des 2. Weltkrieges wurden  Wissenschaftler aus Amerika und Europa nach Los Alamos verpflichtet, um am streng geheimen Manhattan Project zu arbeiten. Auch ihren mitangereisten Familien gegenüber gilt es Stillschweigen zu bewahren. Das Leben findet in einem gesicherten Camp statt. Namen werden geändert, Kontakt zu Familien und Freunden außerhalb, unterliegt strengsten Sicherheitsvorkehrungen. Post wird zensiert, die Lebensbedingungen sind nicht ideal. Es fehlt an vielen und das Leben im Wüstenstaat New Mexico ist für viele gewöhnungsbedürftig. Und dann ist da das Schweigen der Männer über ihre Arbeit … durch die nur ab zu, durch Explosionen etwas zu den Frauen und Kindern dringt. Und doch findet eine Art normales Leben statt, Partys werden gefeiert, Kleider werden sich gegenseitig geliehen, Kinder werden geboren und man trinkt gemeinsam Cocktails und tauscht Klatsch darüber aus, wer mit wem schläft. Die Kinder gehen zur Schule und essen Erdnussbuttersandwiches. Doch über allem lastet der Krieg, die Angst um die Freunde und Verwandten an der Front und … das Schweigen der Männer, über ihr tun. Dann nach Hiroshima und Nagasaki ist klar, was dort entwickelt wurde … die Atombombe.

Das Buch entwickelt eine eigenartige Sogwirkung und das obwohl oder gerade, weil es keine Protagonistin gibt. Die Autorin schreibt in der Wir Form und bietet Varianten an. Zeigt so, wie unterschiedlich der Umgang der Frauen mit dem Leben dort war und aus was für unterschiedlichen Verhältnissen sie kamen. Das angenehme an Ms. Nesbits Art zu schreiben ist, dass sie nicht anklagt und den Finger auf den oder den besonders richtet, es geht ihr nicht um Schuldzuweisungen, sondern darum zu berichten und zu berühren.

„Was wir nicht wussten“ von Tarashea Nesbit ist im Dumont Verlag erschienen und wurde von Barbara Schaden aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetzt. Mehr Infos hier:

http://www.dumont-buchverlag.de/buch/nesbit-was-wir-nicht-wussten-9783832197353/

Das Orakel vom Berge von Philip K. Dick

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Die Geschichte spielt in einer Wirklichkeit, die sich von der unseren unterscheidet. In dieser haben die Achsenmächte den 2. Weltkrieg gewonnen. Deutschland und Japan haben die USA unter sich aufgeteilt. Die Grenze bilden die Rocky Mountains, westlich davon steht alles unter japanischer Herrschaft, östlich unter deutscher, genauer gesagt, es herrschen die Nazi und zwar mit eiserner Hand. Philip K. Dick hat dieses Buch Anfang der 60ziger Jahre geschrieben, daher tauchen einige vertraute Namen auf, wie etwa Bormann, Goebels, von Schirach usw. Die Geschichte beginnt aber in San Francisco. Ein Buch macht von sich reden, in dieses Buch flüchten sich die Menschen, dieses Buch beschreibt eine Wirklichkeit, die der unseren ähnelt. Also die Allierten waren die Sieger. Der Autor des Buches soll auf einer Bergfeste in den Rocky Mountains leben und Juliana, eine der Protagonistinnen, macht sich auf die Suche nach ihm.

Das I-Ging, das chinesische Buch der Wandlungen spielt eine entscheidende Rolle im Orakel vom Berge. Die Menschen in der japanischen Zone suchen oft Rat im I-Ging und so hielt es auch der Autor.  Philip K. Dick hat während des Schreibens, immer wieder das I-Ging befragt. Das Orakel vom Berge ist ein Klassiker der Sciencefiction Literatur und das seit vielen Jahren. Wir haben es schon lange im Bücherschrank stehen, aber irgendwie war nie die richtige Zeit es zu lesen. Erst vor einigen Tagen, war auf einmal der Wunsch da. Also habe ich es mir als E-Book besorgt, weil ich unser Exemplar nicht finden konnte. Bei über 1000 Bücher im Haus, kommt dass schon mal vor.

Doch wie fand ich das Buch nun? Es hat mir sehr gut gefallen, aber ich muss auch einige Abstricke machen. Fangen wir vorne an: Das Leben in dem fiktiven San Francisco und die Berührungspunkte mit der Nazizone und Berlin, beschreibt Dick sehr ausführlich, wie auch die Auswirkungen, die das „Buch“ im Buch hat. Da baut sich ein guter Spannungsbogen auf und auch die zweite Plotlinie, um Juliana, die sich auf den Weg macht, um den Autoren zu treffen, der das Buch das alle fesselt geschrieben hat, ist interessant gemacht. Allerdings kommt Dick dann sehr schnell zum Ende. Auf den letzten vierzig Seiten hat man das Gefühl, dem Autor ist die Puste ausgegangen. Trotzdem ist es eine tolle Geschichte und ich bin froh, dass ich sie gelesen habe.

Es gibt eine Fernsehserie zum Buch: The Man in the Highcastle, welche hochgelobt wird. Ich habe mir einige Trailer angesehen und glaube, wer das Buch nach Ansehen der Serie liest, wird enttäuscht sein. Es ist bei weitem nicht so temporeich und aktionsgeladen. Was der Spannung der Geschichte keinen Abbruch tut.

Philip K. Dick – Das Orakel vom Berge ist im S. Fischer Verlag erschienen und wurde von Norbert Stöbe aus dem Amerikanischem ins Deutsche übersetzt.

Mehr Infos finden sich hier: http://www.fischerverlage.de/buch/das_orakel_vom_berge/9783596905621

 

Schritt für Schritt von Herbjørg Wassmo

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Herbjørg Wassmo, erzählt in diesem autobiografischen Roman von ihrem Leben und wie sie Schritt für Schritt zu der wurde, die sie nun ist: Nämlich Norwegens meistgelesenste Schriftstellerin. Dorthin war es ein langer Weg und es war kein leichter. Das Verhältnis zum Vater ist gespannt und von Abscheu geprägt, ihr Verhältnis zur Mutter ist innig, aber auch distanziert. Als sie selber jung und unverheiratet Mutter wird, versucht sie trotzdem Abitur zu machen und scheitert. Schließlich eine Ausbildung zur Lehrerin, Ehe, zweites Kind und eine Anstellung, gemeinsam mit dem Ehemann der ebenfalls Lehrer ist, hoch im Norden. Dort findet sie dann auch zum Schreiben und nach und nach hat sie Erfolg.

Herbjørg Wassmo erzählt in ihre Geschichte nicht im Präsens. „Sie“ ist es in deren Leben sie uns mitnimmt und damit schafft sie eine angenehme Distanz zu der, die sie einmal war, und zu den Verletzungen, die auf dem Lebensweg liegen. „Sie“ ist keine, die es sich einfach macht. „Sie“ begehrt auf gegen Chauvinismus, dem sie in allen Phasen ihres Lebens begegnet und geht ihren Weg. Sie beginnt kurz vor dem Erscheinen ihres ersten Romans ein Literaturstudium und widmet sich, nach dem dieser vom Norwegischen Rat mit einem Preis bedacht wurde, ausschließlich dem Schreiben.

Mich hat das Buch tief berührt. Da ist einmal die Sprache, mit der die Autorin sowohl die Landschaft im Norden, als auch „Sie’s“ Seelenlandschaft beschreibt.

Fazit: Sehr empfehlenswert

Schritt für Schritt von Herbjørg Wassmo ist im Argument Ariadne Verlag erschienen und wurde aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs übersetzt.

Mehr Informationen finden sich hier: http://www.argument.de/belle_index_reload.html?ea/wassmo3_schritt.html

 

Finderlohn von Stephen King

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Morris Bellamy ist ein fanatischer Fan der Romane des Autors John Rothstein. Er hat sie wieder und wieder gelesen, kann sich aber nicht damit abfinden, wie der dritte Teil endet. John Rothstein hat seit nahezu zwanzig Jahren nichts mehr veröffentlicht, aber hat er auch aufgehört zu schreiben? Morris und zwei andere überfallen den einsam und alleine auf einer Farm lebenden Autor, rauben ihn aus und Morris tötet ihn und seine beiden Kumpane. Da er befürchtet, dass die Polizei ihm auf der Spur ist, versteckt er die erbeuteten Notizbücher und die nahezu 20000 $ in einem Koffer im Wald hinter seinem Elternhaus. Dann geht er feiern und wird verhaftet … nicht wegen des Mordes an John Rothstein, sondern wegen einer Vergewaltigung, die er im Rahmen der Festivitäten begangen hat,  und landet lebenslänglich hinter Gittern.

Viele Jahre später findet Pete, ein dreizehnjähriger Teenager, durch einen Zufall den Koffer und nutzt das Geld, um seiner Famlilie durch die Finanzkrise zu helfen. Über vier Jahre schickt er monatlich eine gewisse Summer anonym an seinen Vater. Die Eltern ahnen sehr wohl, dass mit dem Geld etwas nicht stimmt, aber es ist ihre Chance, wieder auf die Beine zu kommen, und so fragt keiner weiter nach. Nur Pete`s kleine Schwester Tina vermutet, dass ihr Bruder dahinter steckt. Als das Geld zur Neige geht, will Pete einige der Notizbücher zu Geld machen. Einige, nicht alle, denn er ist mittlerweile ebenfalls in den Sog Rothsteins geraten. Ein gefährliches Unternehmen, besonders da mittlerweile Morris begnadigt wurde und nach 35 Jahren Knast nur noch den versteckten Koffer holen und in den Notizbüchern lesen will. Tina ahnt, dass ihr Bruder richtig in Schwierigkeiten steckt und wendet sich an Bill Hodges, der einigen Leser*innen schon aus Mr. Mercedes bekannt sein dürfte.

Finderlohn ist seit langer Zeit mein erster Stephen King und der hat mich gleich so begeistert, dass ich unbedingt Mr. Mercedes auch noch lesen muss. Hier stimmt alles, Charaktere, Plot und Spannungsbogen. Auch in den ruhigen Phasen bleibt eine unterschwellige Spannung vorhanden und immer ist das Leitmotiv spürbar … die Liebe zu Büchern.

Finderlohn wurde von Bernhard Kleinschmidt aus dem Amerikanischen übersetzt. Mehr Infos zum Buch finden sich hier: http://www.randomhouse.de/Buch/Finderlohn/Stephen-King/e477300.rhd