Dame zu Fuchs von David Garnett

Dame zu fuchs_sDavid Garnett
Dame zu Fuchs
Roman
Aus dem Englischen von Maria Hummitzsch
Originaltitel: Lady into Fox
Als eBook erhältlich!
ISBN eBook 9783038209263
€ 12.99

Mr. und Mrs. Trebick sind jung verheiratet und einander herzlich zugetan. Dann, eines Tages, von einem Moment auf den anderen, verwandelt sich Mrs. Trebick in eine Fähe (weiblicher Fuchs). Ihr Mann ist schockiert und traurig, beschließt aber, ob Dame oder Fuchs, sie ist meine Frau und ich liebe sie. Zuerst geht es auch gut,  Mensch und Fuchs finden Wege um miteinander zu kommunizieren und eigentlich könnte alles einigermaßen gut sein; doch dann erwacht Mrs. Trebicks Wildnatur und sie sucht die Freiheit.

David Garnett wurde 1892 in Brighton geboren und war Mitglied der Bloomsbury Group um Virginia Woolf. Er war eng befreundet mit den Malern Vanessa Bell und Duncan Grant und in zweiter Ehe, mit deren Tochter Angelica Bell verheiratet. Lady into Fox war der erste Roman, den er unter eigenem Namen herausbrachte.

Im Grunde genommen, ist Garnetts Geschichte eine Fabel zum Thema Frauenbefreiung. Die Geschichte ist gut aufgebaut, ist amüsant, traurig und wunderlich, hat also alles was eine gute Geschichte haben sollte. Besonders interessant fand ich den Aspekt, was das Folgen der wilden, weiblichen Natur mit dem Mann macht, durch welche Veränderungen er zu gehen hat, bis er akzeptieren kann, was und wie seine Frau wirklich ist.

Alles, was wir geben mussten von Kazuo Ishiguro

Alles was wir geben musstenKazuo Ishiguro

Alles, was wir geben mussten

Übersetzung aus dem Englischen: Barbara Schaden

ISBN: 978-3-442-73610-2

Auf dem ersten Blick scheint Hailsham eine ganz normale englische Internatsschule, der gehobenen Klasse. Sportplätze, Pavillons, Kunstunterricht, geräumige Schlafsäle, natürlich nach Junge und Mädchen getrennt. Doch dann tauchen schuluntypische Begriffe auf. Etwas statt Lehrer, Aufseher; und was bitte sind Betreuer und Spender? Warum wird nie erwähnt woher die Kinder kommen, nie sprechen sie über ihre Eltern. In all der Idylle lauert das Grauen. Denn die Kinder, die in Hailsham aufwachsen, sind für einen bestimmten Zweck geboren.

Ishiguro erzählt die Geschichte durch Kath, eine ehemalige Schüler in Hailsham. Sie erinnert sich an ihre Freundschaft mit Ruth und Tommy, an ihre Zeit, ihr Erwachsenwerden und was die Drei verbindet und trennt. Das er Kath die Geschichte erzählen lässt, ist eigentlich nicht ganz richtig. Er nimmt uns mit in Kath Gedankenwelt und lässt uns durch ihre Augen sehen, bis zum bitteren Ende und das macht er wie gewohnt sehr gekonnt und mit einer verführerischen Leichtigkeit, die doch das Grauen, welches im Hintergrund lauert, nicht einen Moment vergessen lässt.

Weißes Meer von Roy Jacobsen

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Roy Jacobsen

Übersetzung: Andreas Brunstermann/Gabriele Haefs

20,00 €
ISBN: 9783955101053
Die Protagonistin Ingrid ist bereits in dem Vorgänger Roman Die Unsichtbaren aufgetaucht. Hier nun kehrt sie als Erwachsene auf die kleine Insel Barroy, auf der sie aufgewachsen ist, zurück. Es ist Winter 1944 und Norwegen ist von den Deutschen besetzt. Während eines Sturms werden tote deutsche Soldaten an das Ufer der Insel gespült, unter ihnen ist Alexander, ein russischer Kriegsgefangener und der lebt. Ingrid flickt ihn zusammen und findet in ihm die Liebe ihres Lebens. Dann kommen die Deutschen und durchsuchen die Insel …
Ich hatte bereits mit dem Vorgängerroman so meine Schwierigkeiten, mit diesem Buch war es noch schlimmer. Wenn mich ein Buch nach 100 Seiten nicht gepackt hat, dann lege ich es weg, weil das Leben zu kurz ist, um Sachen zu lesen, die einem nichts geben. Bei Roy Jacobsen kommt aber noch etwas anderes hinzu. Er macht mich wütend! Denn er hat eine Geschichte zu erzählen, die mich interessiert, da sind Charaktere  über die ich gerne etwas erfahren möchte und doch ist es mir, wegen der kruden, oft sprunghaften Erzählweise des Autors nicht möglich mich auf das Buch einzulassen.  Mein Beileid gilt den beiden Übersetzern, die im Gegensatz zu mir, das Buch nicht einfach zur Seite legen konnten.

Als wir Waisen waren von Kazuo Ishiguro

Als wir Waisen waren von Kazuo Ishiguro
Als wir Waisen waren von Kazuo Ishiguro

Als wir Waisen waren 

Autor: Kazuo Ishiguro

Übersetzerin aus dem Englischem: Sabine Herting

€ 9,99 [D]
€ 10,30 [A] | CHF 13,90*
(* empf. VK-Preis)

Taschenbuch/ISBN: 978-3-453-42155-4

Der Meisterdetektiv Christopher Banks wird im London der späten 30-ziger Jahre für seine Erfolge als Detektiv gefeiert. Ein Rätsel seiner Vergangenheit hat er allerdings noch nicht gelöst. Das Verschwinden seiner Eltern vor vielen Jahren. So kehrt er in seine Heimatstadt Shanghai zurück und begibt sich auf die Suche.

Wie auch schon in „Was vom Tage übrig blieb“ und „Der begrabene Riese“ nimmt Ishiguro auch hier den Leser, die Leserin, mit in die Gedankenwelt seines Protagonisten. Christopher Banks, in seiner Kindheit Puffin genannt, dachte immer, dass ihn der Verlust der Eltern nicht so sehr belastet, er verdrängt und versucht dazu zugehören, was auch gelingt. Allerdings nie so vollständig, denn da ist diese Lücke, die das Geheimnis, um das Verschwinden der Eltern hinterlassen hat. Es ist eine Reise zurück und die Erkenntnis, dass Christopher sich zwar an vieles aus seiner Kindheit richtig erinnert, es aber nicht alles so ist, wie er es wahrgenommen hat.

Kazuo Ishiguro ist mittlerweile einer meiner Lieblingsautoren. Er beherrscht es meisterhaft, seine Leser in die Geschichte zu ziehen. Seine Protagonist*innen bleiben einem, lange nach Beenden des Buches. Christopher Banks ist auch so einer. Dieser erfolgreiche Detektiv, der glaubt alles im Griff zu haben und in dem das Kind, welches er war, immer noch lebt und schließlich sein Recht verlangt.

The View from the cheap seats von Neil Gaiman

the_view_from_the_cheap_seatsMeine Rezension bezieht sich auf das Audible Hörbuch.

Was ich besonders an Neil Gaiman schätze, ist die Freude mit der sich über Bücher äußert. Er ist begeistert über seine Kollegen und Kolleginnen und er äußert dies auch. „The View from the cheap seats“ ist eine Sammlung von Non fiction Texten. Interviews, Vorworte zu Büchern und Artikel, die er über die Jahre verfasst hat, sind hier zusammengefasst. Das Hörbuch ist in englischer Sprache und wird vom Autor selbst gelesen.

Ich habe sehr viel Freude an diesem Hörbuch gehabt. Viele der genannten Personen sagten mir nichts, aber das tat dem Vergnügen einen Abbruch.

Wenn man sich auf eine Rede, einen Non-fiction Text oder ein Interview von oder mit Neil Gaiman einlässt, dann ist gut, sich vorher schon einmal mit Zettel und Stift versehen zu haben. Gaiman spricht mit so einer Begeisterung über Literatur, dass Büchersüchtigen, wie mir, das Wasser im Mund zusammenläuft. Durch Neil Gaiman bin ich auf Diane Wynn Jones gekommen und habe Freude an Graphic Novels gewonnen. In „the view from the cheap seats“ hat er meine Aufmerksamkeit auf einen weiteren Autoren und eine Autorin gelenkt.

Ich denke immer, mich einigermaßen in englischer Fantasy auszukennen und doch lerne ich immer neue Autor*innen kennen. Zum großen Teil durch Neil Gaiman. Von Lord Dunsany hatte ich noch nicht einmal gehört. Susanna Clarke war mir ein wager Begriff, aber gelesen hatte ich noch nichts von ihr. Das wird jetzt nachgeholt.

 

Wer ist Hamstedt von Torsten Schmandt

Wer ist Hamstedt_sWer ist Hamstedt?

Autor: Torsten Schmandt (tortitch)

Dystopie

Selfpublished

Hamstedt hat einen lausigen Job bei der Müllabfuhr, er wird von seinen Kollegen gemobbt und Freunde hat er auch nicht wirklich, jedenfalls nicht in seinem direkten Umfeld, denn Hamstedt ist ein UKat, was in seiner Welt „Unterste Kategorie“ bedeutet. Sein Freund Karel dagegen ist ein »Premium« und hat einen dem entsprechend interessanten Job. Eines Tages beginnt Karel Fragen zu stellen. Etwa ob sie einen Chip im Kopf haben und so überwacht werden können? Auch Hamstedt wird neugierig und beginnt in Frage zu stellen, ob das Leben in der Kuppelstadt „Kosmos“ wirklich so sicher ist. Ist die Welt außerhalb wirklich so furchtbar und gefährlich, wie alle denken? Und gibt es keinen sicheren Weg nach draußen? Vor allem fragt sich Hamstedt: Wer bin ich eigentlich? Habe ich Eltern? Bin ich ein Mörder?

Mir wurde das Buch von einem Bekannten empfohlen und so habe ich mich dran gemacht, es zu lesen und ich bin sehr angetan. Torsten Schwandt erzählt Hamstedt Geschichte interessant und schildert die Welt, in der H., lebt sehr anschaulich.
Einziges Manko: Zum Ende geht es denn sehr rasch und insgesamt hätte es nicht geschadet, wenn die Geschichte länger wäre. Alles in allem, ein gelungenes Werk.

Selfpublishing hat ja öfters seine Mankos. Dieses Buch ist wirklich gut gemacht.

Vom Ende der Einsamkeit – Benedict Wells

Vom Ende der EinsamkeitVom Ende der Einsamkeit

Autor: Benedict Wells

Verlag: Diogenes

Roman, Hardcover Leinen, 368 Seiten
Erschienen im März 2016
ISBN 978-3-257-06958-7
€ (D) 22.00 / (A) 22.70
sFr 30.00*
* unverb. Preisempfehlung

 

 

Eine schwierige Kindheit ist wie ein unsichtbarer Feind: Man weiß nie, wann er zuschlagen wird.

Jules, Liz und Martin, wachsen geliebt und behütet von den Eltern auf, bis das Unglück zuschlägt. Beide Eltern sterben bei einem Autounfall, die Kinder kommen aufs Internat, sind nun auf sich gestellt. Liz versucht der Einsamkeit, durch Drogen und Männer zu entfliehen, Marty stürzt sich in die Arbeit und Jules, der jüngste findet in Alva eine Freundin. Irgendwann glauben die Drei das Trauma ihrer Kindheit überwunden zu haben, doch dann, unerwartet schlägt es wieder zu und macht es den Geschwistern, die in ihrer Kindheit sehr verbunden waren, schwer, die alte Nähe wieder herzustellen.

So weit, so gut. Das Buch wurde ja in den Literatursendungen sehr gelobt und auch sonst wurde Bewunderung über Benedict Wells ausgeschüttet. Im ersten Drittel habe ich mich gefragt: Warum ist das so? Sicher war die Geschichte interessant, es las sich auch gut, aber es fielen mir auch so einige Kinken in den Charakteren auf. Dann aber nahm es deutlich an Fahrt auf und ich verstand die Begeisterung deutlich besser und doch konnte es mich nicht so hinreißen, wie einige andere. Ich würde immer noch sagen, es ist ausgesprochen lesenswert, aber eben nicht das Meisterwerk, wie allseits verkündet. Es ist nicht so sehr die Handlung, die ist gut durchdacht und hat einen schönen Erzählfluss, mehr sind es die Charaktere, deren Handlungen und Gedanken mir nicht stimmig vorkommen.