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Monat: August 2016

Aus dem Feuer von Ingvar Ambjørnsen

Aus dem Feuer von Ingvar Ambjørnsen

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Ingvar Ambjørnsen

Aus dem Feuer

Roman

Aus dem Norwegischen
von Gabriele Haefs

Deutsche Erstausgabe
Gebunden mit Schutzumschlag,
320 Seiten
€ (D) 22,–

ISBN 978-3-96054-012-0

Alexander Irgens, der Protagonist in »Aus dem Feuer« hat es wahrlich geschafft. Er ist mit seinen Krimis um Stieg Hammer zum Bestsellerautoren geworden und wird von allen Seiten hofiert und geehrt. Als er und seine Geliebte Vilde, nach einem Dinner mit elf Buchhändlerinnen einen aufdringlichen Fan übel zusammenschlagen, flieht er in Richtung Island und später Deutschland und lässt Vilde, ebenso wie seine Ehefrau Ada mit dem Scherbenhaufen und der begeisterten Presse zurück. Als sich die Wogen glätten kehrt er nach Norwegen zurück und es scheint, dass sich alles zum Besten fügt. Irgens ist in der Heimat, die er verloren glaubte, und bei sich angekommen. Ehrungen winken. Er soll den Poirot Krimipreis erhalten und Ehrenbürger seiner Heimatstadt soll er auch werden, doch wie es so mit der Vergangenheit ist, so ganz wird man sie nie los. Passend zum Poirot Preis, verhandelt dann auch Claes Otto Gedde, einigen sicher noch aus »Eine lange Nacht auf Erden« bekannt, die Causa Irgens in typisch poirotscher Manier.

Es ist immer wieder eine Freude Ambjørnsen zu lesen, besonders, wenn er sich, wie bei diesem Roman, in Hochform befindet. Es ist alles im richtigen Maße vorhanden, die poetischen Naturbeschreibungen, die Hintergrundgeschichte der Charaktere. Diese nicht in aller Breite ausfabuliert, sondern angedeutet, Raum für eigene Interpretationen lassend. Ein Buch, das man nicht aus der Hand legen mag.

»Aus dem Feuer« gehört zu einem Reigen verschiedener Romane, die nicht inhaltlich, mit einander verbunden sind. So treffen wir auf Personen aus früheren Büchern, wie etwa dem enfant-terrible Claes Otto Gedde, der immer für einen Überraschungseffekt gut ist.

Die Schilderung des Alexander Irgens und seine Art durchs Leben zu gehen, ist wundervoll gelungen. Mehrfach beim Lesen, begann ich ihn fast gern zu haben, bis eine Stimme in meinem Hinterkopf einsetzte und flüsterte: »Spinnst du? Der Kerl ist doch ein egoistisches, karrieregeiles Arschloch, der sich um nichts und niemanden, außer sich selber schert.« Ein wunderbar ambivalenter Charakter.

The Girls von Emma Cline

The Girls von Emma Cline

Cline_25268_MR.inddThe Girls

Autor: Emma Cline

Übersetzer: Nikolaus Stingl

Verlag Hanser

Kalifornien,  Ende der sechziger Jahre, Evie Boyd ist gerade 14 geworden und langweilt sich, fühlt sich überflüssig. Die Eltern sind gerade geschieden, der Vater hat eine neue Freundin und die Mutter ist sehr damit beschäftigt sich selbst zu finden. Keiner beachtet Evie, sie ist sich in der Regel selbst überlassen. Da trifft sie im Park auf The Girls, lange Haare, ausgefranste Kleider und Freiheit verströmend. Sie ist fasziniert, besonders von Susanna, die sie einige Tage später wieder trifft und die sie mit auf die Ranch nimmt, wo The Girls mit Russel leben, der so eine Art Guru für sie ist. Evie ist fasziniert von dem Leben dort und vor allem, sie ist dort bei Menschen, die sie sehen. So wird sie ebenfalls zu einem der Girls, wenn auch eher am Rande. Dann kommt die Nacht in der „es“ passiert. Susanna und einige Leute von der Ranch fahren zum Haus eines bekannten Musikers und ermorden brutal alle, die sie dort vorfinden.

Unschwer ist in Russel und den Girls die Manson-Family zu erkennen, die Ende der 60ziger Jahre unter anderen die schwangere Sharon Tate und ihre Freunde ermordeten. Allerdings ist es nicht eins zu eins übernommen und, dass ist für mich das faszinierende an diesem Buch, ist auch nicht das Hauptthema. Es geht vielmehr um Evie und wie dieses Ereignis, an dem sie nicht beteiligt war, ihr Leben dauerhaft beeinflusst. Sie war nicht an den Morden beteiligt und doch verschafft ihr die Nähe zu Russel und seinen Leuten eine ungewollte Berühmtheit. Eigentlich ist ihr gesamtes weiteres Leben von der Frage begleitet: Wäre auch ich zu so einer Tat fähig gewesen?

Emma Cline erzählt die Geschichte nicht aus der Sicht der jungen Evie, sondern lässt sie als Frau in mittleren Jahren, die immer wieder von Flashbacks an diesen Sommer heimgesucht wird, darüber reflektieren.

Emma Cline ist 1989 geboren und „The Girls“ ist ihr erster Roman. Das Buch hat mich wirklich begeistert. Clines Personen sind so feinfühlig geschildert, dass sie leben, sie ist sicher in Metaphern und obwohl ihre Art zu schreiben durchaus poetisch ist, ist sie auch knapp. Da gibt es kein zuviel. Ein beeindruckendes Buch, das zurecht mit Lob und Preis überschüttet wird.

Magnus Schwert – Das Schwert des Sommers von Rick Riordan

Magnus Schwert – Das Schwert des Sommers von Rick Riordan

Magnus Chase_sMagnus Chase, Band 1: Das Schwert des Sommers (Hardcover)

von Rick Riordan
übersetzt von Gabriele Haefs

Magnus Chase lebt seit zwei Jahren auf der Straße und schlägt sich nach dem Tod seiner Mutter so einigermaßen durch. Er staunt nicht schlecht, als er an seinem 16. Geburtstag erfährt, dass sein Vater wohl der nordische Gott Freyr ist, dass er ein sagenumwogenes Schwert finden soll, hinter dem auch so unangenehme Gestalten wie der Chef der Feuerriesen Surt und noch einige andere her sind. Das Buch beginnt dann auch gleich mit Magnus Tod und seinen Einzug in Walhalla, dem Jenseits für in der Schlacht gefallene Krieger, wohin in die Walküre Samira nicht ganz zu rechtens gebracht hat. Was sie auch ihren Job kostet. Magnus erfährt, dass Ragnarök bevorsteht, wenn er nicht dafür sorgt, dass das Schwert nicht in die falschen Hände fällt, ach ja, und der Fenris Wolf erneut in Ketten gelegt wird.

Nachdem Rick Riodran seine jugendlichen Helden in die griechische, römische und ägythsche Götterwelt geschickt hat, etabliert er mit Magnus Chase einen neuen Streiter für das Gute und die Rettung der Welt. Die Geschichte ist rasant und lustig erzählt und es macht Spaß mit Magnus, Samira, dem modebewussten Zwerg Blitz und dem Alben Hearthstone unterwegs zu sein. Es lässt sich viel interessantes über den nordischen Pantheon erfahren. Ich höre jetzt schon wie einige Leser sagen: Ja, aber das kenne ich doch ganz anders. Mag sein, es gibt keine Aufzeichnungen aus vorchristlicher Zeit über die religiöse Welt der Wikinger und so gibt es viele Versionen und Riordan hat halt die genommen, die seinem Plot passen. Was ja nur recht und billig ist. Was er denn noch hinzugefügt hat, ist einfach unwiderstehlich.  Eine Serie die ich bestimmt weiterlesen werde.

Harry Potter and the Cursed Child von J.K. Rowling, Jack Thorne and John Tiffany

Harry Potter and the Cursed Child von J.K. Rowling, Jack Thorne and John Tiffany

harrypotter8Harry Potter and the Cursed Child

von: J.K. Rowling, Jack Thorne and John Tiffany

The Official Script Book of the Original West End Production.

EAN: 9780751565355

Es ist 19 Jahre nach der Schlacht um Hogwarts. Harry ist mittlerweile ein überarbeiteter Ministeriumsmitarbeiter und gestresster Vater. Mit seinem 2. Sohn Albus kommt er so gar nicht zurecht und der auch nicht mit ihm. Das Albus in Haus Slytherin gelandet ist, statt wie der Rest seiner Familie in Gryffindor, und sein bester Freund Scorpio Malfoy ist, der Sohn des Mannes, den Harry seit dem ersten Kennenlernen verabscheut, hilft auch nicht weiter. Dann machen sich Albus und Scorpio auf die Vergangenheit zu ändern, um ein vermeintliches Unrecht wieder gerade zu rücken und die Hölle bricht los.

Harry Potter and the cursed child ist kein Roman, sondern das Script zu dem Theaterstück, welches jetzt im Londoner Westend läuft. Mich lässt es sonderbar zwiegespalten zurück. Einerseits ist die Geschichte gut! Keine Frage. Allerdings hätte ich sie lieber als Roman gelesen, denn als Script. Auch bin ich nicht von dem Wunsch erfüllt, mir das Stück jemals anzusehen. Viel zu überladen und eigentlich eine Parade aller wichtigen Charaktere und Schauplätze. Nee, als Film vielleicht, aber am allerliebsten als Buch, wenn es denn schon eine Fortsetzung der Harry Potter Saga sein musste.

Jonathan Strange & Mr. Norrell

Jonathan Strange & Mr. Norrell

Jonathan Strange & Mr. Norrell
Susanna Clarke
ROMAN

  • € 14,99 [D], € 15,50 [A]
  • Erschienen am 06.12.2005
  • 1024 Seiten
  • Übersetzt von: Rebekka Göpfert, Anette Grube
  • ISBN: 978-3-8333-0333-3

Im England des 19. Jahrhunderts gibt es kaum noch Zauberer und die die es gibt, betreiben Magie eher theoretisch. Bis auf Mr. Norrell, der auch praktische Magie betreibt und beschließt der Regierung im Krieg gegen Napoleon zu helfen. Also verlegt er sein Domizil von Yorkshire nach London und wird tätig. Mr. Norrell gefällt sich in seiner Rolle, der einzige praktische Zauberer zu sein und alle Bücher über Zauberei zu besitzen, bis er von dem Autodidakten Jonathan Strange erfährt und diesen als Schüler akzeptiert. Einige Zeit geht es gut, doch irgendwann entwickelt Strange eigene Idee und Vorstellungen, wie es mit der Zauberei in England weitergehen soll. Er will einen Elfendiener zitieren, nicht ahnend das bereits ein Elf, der Herr mit dem Haar wie Distelwolle, in seiner Nähe ist, allerdings will dieser alles andere als der Diener eines Zauberers sein. Die beiden Zauberer entfernen sich mehr und mehr voneinander und liegen schließlich im offenen Kampf miteinander und was  alles passieren kann, wenn Zauberer sich mit Magie bekämpfen, ist nicht absehbar.

Dieses Buch mit allen Haupt- und Nebenhandlungen zu beschreiben, ist nahezu unmöglich, man kann nur einen kurzen Abriss geben und dazu schreiben. Unbedingt lesen!  Susanna Clarke ist da etwas ganz Großes gelungen. Diese Mischung aus Fanatsy, Magie und Geschichte ist einfach unwiderstehlich. Das Time Magazine schreibt:

Ein Meisterwerk, das Tolkien Konkurrenz macht

Ich gehe da noch weiter. Es ist weit besser, als Tolkien es jemals war. Es verwebt Märchen, Legenden und Geschichte zu einem magischen Teppich, mit dem es sich durch Welten und historische Ereignisse wunderbar reisen lässt.

Im Schatten des Sommers von Silke Ziegler

Im Schatten des Sommers von Silke Ziegler

Im Schatten des SommersIm Schatten des Sommers – Spurensuche im Roussillon

Silke Ziegler
Kriminalroman
kt., 507 Seiten
EUR 12.00, E-Book EUR 9.99
ISBN 978-3-89425-481-0
Erscheinungsdatum: 07/2016

Vor 25 Jahren verschwanden die Eltern und der kleine Bruder von Sophia Widner spurlos, während eines Südfrankreich Urlaubs. Als die französische Polizei sie informiert, dass ein schwerverletzter Mann, dessen Identität noch nicht ermittelt ist, eine Fotografie ihrer Mutter und einen Umschlag mit deren deutscher Adresse, bei sich hat, macht sie sich in der Hoffnung auf, endlich das Verschwinden ihrer Familie zu klären. Alte Traumata brechen auf, Spuren geben Hoffnung und verlaufen wieder im Sande, bis schließlich das richtige Teil, an die passende Stelle fällt und ein Bild entsteht. Natürlich gibt es auch eine Romanze, denn der Ermittler ist ein sehr ansehnlicher Mann, dessen Vater vor 25 Jahren den Fall des plötzlichen Verschwindens von Sophias Familie bearbeitete.

Ein spannender Krimi, keine Frage. Die Charaktere haben Ecken und Kanten, die Handlung entfaltet sich vor der traumhaften Kulisse der südfranzösischen Küste und nimmt einen unerwarteten Verlauf.
Doch nun zu dem was mich an dem Buch stört. Es ist sehr lang, was kein Problem wäre, wenn die Länge der Geschichte angemessen wäre. Das ist sie aber in vielen Punkten nicht. Einmal sind da viele Wiederholungen von Banalitäten und zum anderen die Liebesgeschichte. Wo die Krimihandlung spannend und originell ist, ist diese stereotyp und zum Teil recht kitschig. Trotzdem finde ich das Buch empfehlenswert und vielen werden sicher auch die Stellen gefallen, die ich nicht so prickelnd fand.

111 Gründe Krimis zu lieben von Hardy Crueger

111 Gründe Krimis zu lieben von Hardy Crueger

111Gründe_Krimis_SHardy Crueger
111 GRÜNDE, KRIMIS ZU LIEBEN
Eine Hommage an das spannendste Genre der Welt
ca. 320 Seiten | Taschenbuch
ISBN 978-3-86265-604-2
9,99 EUR (D)

Krimis boomen. Keine Frage, aber warum ist das so? Wer hat überhaupt den ersten Krimi geschrieben? Was ist spannender True Crime oder die erfundene Geschichte? Wie werden die Krimis der Zukunft aussehen? Werden Roboter ein Eigenleben und eventuell auch Mordlust entwickeln? Was macht die Faszination an Regionalkrimis aus?

Ich war wahrlich erstaunt, was es alles zu diesem Thema zu sagen gibt und wie interessant die Hintergründe zum Thema Krimi sind. Der Autor hat unter anderem mit Menschen gesprochen, die beruflich mit Krimis zu tun haben. Etwa der Lektorin des Ariadne Verlages Else Laudan und mit Gisbert Haefs, der neben historischen Romanen und Übersetzungen, auch der geistige Vater eines eher ungewöhnlichen Ermittlers ist. Sein Balthasar Matzbach, der Universaldilettant und Genussmensch, ist weit entfernt von dem smarten Ermittlern a la James Bond.

Überhaupt ist mir die wahre Vielfalt dieses Genres erst aufgegangen, als ich mich durch die 111 Gründe las es zu lieben.

111 Gründe führt der Braunschweiger Autor Hardy Crueger an, um Krimis zu lieben, und wer könnte das besser, als er. Er schreibt selber Krimis und zwar richtig gute. Seine Stunde der Flammen, welches letztes Jahr bei KBV erschien, ist ein Hammer. Außerdem ist er seit Jahren Leiter der Braunschweiger Krimiwerkstatt. Ich, selber begeisterte Krimileserin, habe mich sehr über dieses Buch gefreut und kann es nur wärmstens weiter empfehlen.