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Monat: September 2016

Ins Westeis von Tor Even Svanes

Ins Westeis von Tor Even Svanes

ins_weisteis_s Tor Even Svanes
Ins Westeis

Übersetzung aus dem Norwegischen: Gabriele Haefs und Andreas Brunstermann

Preis: 18,00 €
ISBN: 978-3-95510-115-2

Osburg Verlag

 

Die junge Tierärztin Mari soll im Auftrag der norwegischen Fischereiaufsicht die Ergebnisse des Robbenfangs vor Grönland dokumentieren. An Bord ist sie die einzige Frau.  Die Reise wird für Mari zum Alptraum. Zuerst sind es nur die üblichen sexuellen Anspielungen, doch als sie, schockiert von der Brutalität mit der der Robbenfang vonstatten geht, bekannt gibt, dass sie die Verstöße gegen die gesetzlichen Auflagen melden wird, beginnt der Terror. Als eine dänische Delegation an Bord kommt, erhofft sie sich von dort Hilfe, doch die wird verweigert. Also greift sie zu einer höchst gefährlichen Maßnahme um sich zu retten.

Eine Erzählung über Macht und Verletzbarkeit

… steht im Klappentext. Die norwegische Zeitung Klassenkampen schreibt

Eine nahezu makellose Erzählung. Tor Even Svanes zwingt den Leser, der Furcht ins Auge zu sehen

Beiden kann ich nur zustimmen. Tor Even Svanes erzählt Maris Geschichte in Fragmenten, auf einigen Seiten gibt es nur einen Absatz, eine Zeile, dann wieder ein längeres Stück. So wie Erinnerungen eben nach einem traumatischen Erlebnis kommen. Man wird sofort hineingezogen in diese Alptraumfahrt. Mir hat besonders die klare Sprache gefallen und dass sich der Autor zurücknimmt, man hat nicht einmal das Gefühl, dass Svanes eine Geschichte erzählt, sondern der Leser erfährt Maris Geschichte, es sind ihre Erinnerungen, ihre Angst, ihr Schock über die Brutalität, über die Schießgeilheit der Männer, die sich am Töten der Tiere förmlich berauschen. Ein kleines, aber gewaltiges Buch.

Acetat von Maria Stern

Acetat von Maria Stern

acetat_web-gross Maria Stern

Acetat

Hardcover – EURO 19,90
ISBN 978-3-903091-17-7
ca. 300 Seiten, Roman
VÖ 5.9.2016

eBook – EURO 9,99 – erhältlich auf allen Plattformen
ISBN 978-3-903091-20-7
ca. 300 Seiten, Roman

Verlag Wortreich

Clara Coban, Mordkommisarin in Wien, wird mit Fällen häuslicher Gewalt konfrontiert. Ein Thema, das sie schon lange umtreibt. Als ihre Nachbarin plötzlich verschwindet, beginnt sie auf eigene Faust zu ermitteln. Aber ist die Frau wirklich ermordet worden oder ist Clara mittlerweile ein wenig betriebsblind? Das ist allerdings nicht ihr einziges Problem. Clara Coban hat einen Chef, der sie nicht mag und sie nie einstellen wollte. Auch hat sie es nicht leicht, für ihr Thema überhaupt Interesse zu erwecken. Die Berichtserstattung in den Medien ist eher so, dass die Täter verharmlost werden, hier macht sich eine weitere Front für die Mordkommisarin Coban auf, sie legt sich mit den Medienmogulen Österreichs an, was wiederum zu Spannungen in ihrer eigenen Beziehung führt, denn ihr Mann arbeitet bei einer großen Tageszeitung. Zu alledem geht es ihr gesundheitlich immer schlechter, nach einigen Hin und Her stellt sich heraus, jemand versucht sie zu vergiften.

Maria Stern führt mit Acetat eine neue Ermittlerin in die Krimiwelt ein. Clara Coban ist selbstbewusst, eigensinnig, sensibel und geht keinem Konflikt aus dem Weg. Ich habe mich sehr über diesen Krimi gefreut. Maria Stern hat da einen sehr guten Weg eingeschlagen, sie ist faktensicher, ohne den/die Leser*in mit Fakten zu ersticken. Vor allem war ich sehr froh, einen Krimi zu lesen, der Frauen im Fokus hat. Fühlte mich an Val McDermid erinnert. Eine wirklich Entdeckung. Ich freue mich auf Clara Cobans 2. Fall.

Eine Leseprobe findet sich hier: http://verlag-wortreich.at/wp-content/uploads/Leseproben/Acetat_Leseprobe.pdf

Infos zur Autorin hier: http://verlag-wortreich.at/autoren/maria-stern/

La Laguna von Erika Kronabitter

La Laguna von Erika Kronabitter

laguna_cover_web Erika Kronabitter

La Laguna

Verlag Wortreich

Hardcover – EURO 19,90
ISBN 978-3-903091-00-9
232 Seiten, Roman
VÖ 8.5.2016

eBook – EURO 9,99 – erhältlich auf allen Plattformen
ISBN 978-3-903091-15-3
232 Seiten, Roman

La Laguna ist ein Roman mit autobiografischen Zügen. Einmal geht es um Beppo und Hanna, die sich in den 60ziger Jahren kennen und lieben lernen. Die Beziehung zerbricht allerdings an den gesellschaftlichen Zwängen dieser Zeit und der Sturheit von Beppos getrennt lebender Frau, die sich nur scheiden lassen will, wenn sie großzügig abgefunden wird. Das wiederum ist Beppo nicht möglich, da man ihn wahrlich nicht als Erfolgsmenschen sehen kann. Zwar ist er gut ausgebildet, aber zu unstet für eine Anstellung und nicht hart genug, für eine Selbstständigkeit. Hanna verlässt Beppo also mit den zwei Töchtern, die aus der Beziehung hervorgingen und geht eine Vernunftehe ein, um endlich versorgt zu sein.  Irgendwann bekommt, die mittlerweile erwachsene Elena, die ältere Tochter Beppos, die Nachricht, ihr Vater sei auf Tenneriffa ermordet worden. Doch die Nachrichten und Dokumente geben widersprüchliche Daten und Fakten an. Elf Jahre nach Beppos Tod mach Elena sich nach Tenneriffa auf, um zu erfahren, was wirklich geschehen ist und hofft auf Informationen von Beppos Freund Larek.

Erika Kronabitter erzählt die Geschichte um Hanna, Beppo und Elena in Vor- und Rückblenden, was ich anfangs als etwas verwirrend empfand. Doch hat man sich erst einmal auf diesen Erzählstil eingelassen, packt einen die Geschichte und man begibt sich gerne mit Elena auf die Reise. Wie gesagt, die Geschichte ist eine spannende, ein Manko: Die Unausgewogenheit der Figuren. Während Beppo und Hanna, sowie Larek und einige Nebenfiguren sehr klar geschildert sind und Gestalt annehmen, so bleibt Elena sonderbar flach und uninteressant. Ein weiteres: Der Schluss der Suche wird dann doch sehr hingehuscht und abrupt erzählt und so bleiben einige Fäden unverknüpft, was an sich nicht schlimm wäre, aber es ist halt auch nicht genug da, damit die im Leser Geschichte weiterarbeitet. Trotzdem möchte ich das Buch gerne empfehlen.

Eine Leseprobe findet sich hier: http://verlag-wortreich.at/wp-content/uploads/Leseproben/La_Laguna_Leseprobe_ISBN-9783903091009.pdf

Zur Autorin: Erika Kronabitter geboren 1959, Studium der vergleichenden Literaturwissenschaft, Germanistik/Kunstgeschichte, arbeitet interdisziplinär in den bereichen Literatur, Malerei, Konzept-, Video-, Fotokunst.

Mitglied der Grazer Autorinnen Autoren Versammlung und der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik Leipzig. Mehrere Bücher und Preise. Herausgeberin der Lyrik-reihe „Lyrik der Gegenwart“ bei der Edition Ert Science. Organisiert seit 10 jahren den Feldkircher Lyrikpreis, hat den Literaturbahnhof Feldkirch konzipiert.

Rot wie Schnee von Volker Kaminski

Rot wie Schnee von Volker Kaminski

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Rot wie Schnee

Autor: Volker Kaminski

Hardcover – EURO 19,90

ISBN 978-3-903091-18-4
248 Seiten, Roman
VÖ 5.9.2016
eBook – EURO 9,99 – erhältlich auf allen Plattformen
ISBN 978-3-903091-21-4
248 Seiten, Roman

Zwei Jahre ist dem erfolgreichen Maler Tom Lautenschläger nichts Richtiges gelungen und auf einmal ist das Bild da. Ein Bild, dass sich von seinen anderen deutlich abhebt. Statt der bunten Gesellschaftsszenen, mit denen er zu Ruhm und Ehren kam, zeigt dieses Bild eine Fluchtszene aus dem 2. Weltkrieg, wie er sie aus den Erzählungen seines Vaters kennt. Im Vordergrund des Bildes ist ein Junge zu sehen, der merkwürdig lebendig scheint.

„Tom war sich sicher, dass der Junge nach ihm rief. Er glaubte seine helle Stimme zu hören, während er den Flur zwischen Küche und Atelier durchquerte. Er knipste das Neonlicht an und betrat das Atelier. Mach dich nicht verrückt, dachte er, es ist doch nur ein Bild.“

Tom Lautenschläger und sein Galerist sind sich einig, das Bild ist ein Meisterwerk und soll in die nächste Ausstellung. Tom ist das Bild unheimlich, nicht nur, dass er das Gefühl hatte, dass der Junge nach ihm rief, das Bild veränderte sich auch ohne Zutun das Malers und es löst eine Menge an Kindheitserinnerungen aus. Das Atelier füllt sich mit Geistern. Unter anderem taucht Toms toter Vater auf, erzählt von früher und mischt sich in alles ein.

Volker Kaminski hat mit „Rot wie Schnee“ einen wundervollen Roman über das Erinnern, und wie individuell wir zurückdenken, geschrieben. Das Buch ist nicht sehr lang und doch hat es einige schwere Themen im Gepäck. Einen Vater Sohn Konflikt, die Auswirkungen des Krieges auf die nächste Generation und eine künstlerische Krise. Trotz dieser Themen ist es kein bedrückendes Buch, ganz im Gegenteil, Volker Kaminski findet die richtigen Worte und das richtige Gleichgewicht. Es ist ein Spaziergang in den Bildern der Erinnerung von Tom Lautenschläger, seinen Schwestern und seinen Geistern, eine mit Worten gemalte Gemäldeserie.

Eine Leseprobe ist hier einsehbar: http://verlag-wortreich.at/wp-content/uploads/Leseproben/Rot%20wie%20Schnee_Leseprobe.pdf