Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen von Lars Simon

Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen

Autor: Lars Simon

Verlag: dtv

Lennart Malmkvist ist jung, erfolgreich und eigentlich ein netter, wenn auch reichlich oberflächlicher junger Mann. Jedenfalls bis sein Nachbar Buri Bolmen ermordet wird und ihm nicht nur seinen Zauberartikelladen, sondern auch seinen Mops vererbt. Kaum geschehen, ist es auch schon vorbei mit dem beruflichen Erfolg. Lennart wird gefeuert und muss schon aus finanziellen Erwägungen Erbe samt Mops annehmen. Er entdeckt, dass mehr hinter Buri steckte, als der erste Blick vermuten ließ und er nicht nur dessen Vermögen geerbt hat, sondern auch dessen anderen Aufgaben. Buri hatte ein altes Pergament zu hüten, welches verhindert, dass der Geist von Olav Trugvasson sich eines neuen Körpers bemächtigt und die Welt ins Unglück stürzt. Dass der Mops immer, wenn es gewittert, sprechen kann, ist eine weitere Sache, die er irritierend findet.

Ich las irgendwo von dem Buch und dachte, klingt lecker. Sicher was angenehmes für zwischendurch. Ganz so war es nicht. Der Stoff, die Idee, ist toll. Die Umsetzung ist es leider nicht. Dauernd vermasselt der Autor die Spannungsbögen, weil er den Stoff gnadenlos streckt und der Schluss zeigt dann auch warum, es sind unter Garantie mindestens drei weitere Bände geplant, wogegen ich im Grunde gar nichts habe. Ich mag Serien. Doch diese werde ich sicher nicht weiterlesen, weil mir einfach zu plump auf eine Weiterführung hingearbeitet wird. Nichts gegen einen Cliffhänger, aber einige Fäden sollten schon verknüpft sein und wenn man beim Schreiben merkt, dass der Stoff nicht für drei Bücher reicht, dann macht man sich Gedanken, wie es reichen könnte, was noch möglich ist und kippt nicht dauernd Wasser in die Suppe. Dabei gab es durchaus Stellen, die ich spannend fand, bei denen ich mich gut unterhielt und die mir gefielen, aber immer wenn ich gerade richtig drin war, wurde wieder einige Seiten lang gekocht, geschmollt oder sich sonst irgendwie die Zeit vertrieben.

PS: Olav Tryvasson hat es tatsächlich gegeben. Hier der Wikpedia-Eintrag: https://de.wikipedia.org/wiki/Olav_I._Tryggvason

Kalter Checkout von Silvia Hlavin

Kalter Check-Out
von Silvia Hlavin
Verlag Wortreich

Hardcover – EURO 19,90
ISBN 978-3-903091-24-5
208 Seiten, Roman

Ein Winterhotel in den Bergen ist das Ziel von Anna, Max und ihren Söhnen. Anna weiß, dass es wahrscheinlich das letzte Mal ist, dass sie in dieser Konstellation gemeinsam unterwegs sein werden, denn der Nachwuchs ist dabei das elterliche Nest zu verlassen. So hat sie dieses Hotel nicht ganz ohne Hintergedanken gebucht, dann das hat die Tendenz einzuschneien und eine An- oder Abfahrt unmöglich zu machen, was ihr ein paar zusätzliche Familientage bescheren könnte. Doch als genau das geschieht, ist es gar nicht so lustig und gemütlich, wie sie gedacht hat.

Nicht nur für Anna und die Ihren wird es unangenehm, sondern auch für das Personal. Eine Lebensmittellieferung ist ausgeblieben, die Vorräte werden knapp, die Pumpe vom Schwimmbad funktioniert nicht, dazu die Unsicherheit, wann die Straßen wieder frei sein werden. Der stellvertretende Direktor hat alle Hände voll zu tun. Marlies die Concierge auch, ist sie doch in ihren Vorgesetzten verliebt, sich aber nicht sicher, ob es klug ist sich auf eine Beziehung einzulassen. Dann ist da noch der alleinreisende Gast, der allen ein wenig unheimlich ist und dessen Geschichte sie entsetzen würde.

Seit Shinning von Stephen King wissen wir, dass einsam gelegene, eingeschneite Hotels ein enormes Potential für Konflikte haben. Hier treiben nun nicht die Geister ihr Unwesen, sondern die eigenen Wünsche, Erwartungen und Ängste, sorgen dafür das ein reiches Spannungsfeld entsteht. Silvia Hlavin gliedert ihre Geschichte in drei Erzählstränge in deren Fokus jeweilig Anna, die Concierge Marlies und der unheimliche Alleinreisende stehen. Das macht die Autorin sehr geschickt. Die nahende Katastrophe ist gut spürbar und lässt Raum die verschiedensten Szenarien zu vermuten und durchzuspielen. Der einzige Minuspunkt, ist die Erklärung für einige Vorkommnisse, die mir nicht ganz schlüssig erscheint.

Doch das schmälert ein gutes Buch nur geringfügig, zu Mal es sich um eine subjektive Wahrnehmung handeln könnte. Silvia Hlavins erzählt einfühlsam und schafft lebendige, dreidimensionale Charaktere, die berühren.

Tiere denken – Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen von Richard David Precht

Tiere denken – Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen

ungekürzte Ausgabe exklusiv bei Audible

Autor: Richard David Precht

gelesen von Ernst Walter Simon

Der Hörverlag

Klappentext:

Können wir wirklich so weitermachen? Wie sollen wir mit Tieren umgehen? Wir lieben und hassen, wir verzärteln und essen sie. Doch ist unser Umgang richtig und moralisch vertretbar?

Richard David Precht untersucht mit Scharfsinn, Witz und Kenntnisreichtum quer durch alle Disziplinen die Strukturen unserer Denkmodelle. Ist der Mensch nicht auch ein Tier – und was trennt ihn dann von anderen Tieren? Welche Konsequenzen hat das für uns? Precht schlägt einen großen Bogen von der Evolution und Verhaltensforschung über Religion und Philosophie bis zur Rechtsprechung und zu unserem Verhalten im Alltag. Am Ende steht eine aufrüttelnde Bilanz. Ein Anstoß dazu, Tiere neu zu denken und unser Verhalten zu ändern.

So weit die Inhaltsangabe des Verlages. Ich habe mich sehr über ein Buch dieses Titels gefreut, denn das Thema berührt mich seit Jahren und gerade in der letzten Zeit besonders. Prechts Text ist klar, prall gefüllt mit Informationen, hinterfragend und ins Licht rückend, was wir gerne ausblenden. Das er es versteht einen philosophischen Text, in einer allgemeinverständlichen Sprache zu verfassen, ist ein Plus. Das er über Witz und Scharfzüngigkeit verfügt und sich nicht scheut diese einzusetzen, ein weiteres. Das Buch ist in vier Bereiche unterteilt.

Das Menschentier
Die biologische Sicht
Das Tier im Auge des Menschen
Tiere in der Kulturgeschichte, Religion und Philosophie des Abendlandes
Eine neue Tierethik
Wie steht es um die moralische Vertretbarkeit unseres Handels?
Was tun?                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         Welche Schlüsse sind zu ziehen und was gilt es zu verändern?

Ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen und hoffen, dass es viele lesen, respektive hören, ihre eigenen Schlüsse ziehen und dort Verantwortung für ihr Denken und Handeln Tieren gegenüber übernehmen, wo es ihnen möglich ist.

The Game von Diana Wynne Jones

The Game von Diana Wynne Jones

Rezension bezieht sich auf die englische Ausgabe, bis dato konnte ich noch nicht ermitteln, ob es das Buch in deutscher Übersetzung gibt. Sollte es aber.

Irgendwann, als Hayley noch ein Baby war, verschwanden ihre Eltern. So kam es, dass sie bei ihren Großeltern aufwachsen musste und das bedeutete keine schöne Kindheit, denn ihre Großmutter führt ein strenges Regiment. Keine anderen Kinder, Hayley wird zu Hause unterrichtet, einmal am Tag darf sie, gemeinsam mit dem jeweiligen Hausmädchen einen Spaziergang machen, ansonsten heißt es artig sein und gehorchen und wenn sie Erklärungen fordert, bekommt sie zur Antwort das Onkel Jolyon es so angeordnet hat. Dann macht Hayley etwas, das gegen alle Regeln verstösst und ihre Großmutter schiebt sie kurzer Hand nach Irland zu ihrer Tante ab, wo sich gerade diverse Cousins und Cousinen aufhalten. Diese spielen gerne „Das Spiel“ und auch Haley ist bald genau so begeistert, wie die anderen, denn das Spiel wird in der Mythosphäre gespielt.

Wie so viele Bücher von Diana Wynne Jones hat auch dieses mich begeistert. Sehr schnell wird klar, dass sie sich auf die griechische Mythologie bezieht. So ist Haleys Großvater der Titan Atlas und Onkel Jolyon Jupiter/Zeus, der allen Verwandten verboten hat in die Mythosphäre einzutauchen, denn eine Propezeiung sagt, dass das Kind eines Sterblichen und einer Unsterblichen, ihn zu Fall bringen wird. Haley ist dieses Kind. Denn ihre Eltern wurden von Onkel Jolyon dafür bestraft, dass sie geheiratet haben.

Ein wunderbares Buch, welches hoffentlich auch irgendwann in deutscher Sprache vorliegen wird.

Lesepläne 2017

Inspiriert durch Buzzaldins (aka Mara Giese) letzten Blogartikel, bin ich in mich gegangen und habe mich gefragt: Was habe ich eigentlich für Lesepläne dieses Jahr? Überhaupt, wie soll es mit diesem Blog hier weitergehen? Erst einmal, es soll hier weitergehen, auch wenn es in letzter Zeit sehr ruhig war. Das liegt daran, dass bei mir so einiges im Wandel ist und da ist es nicht immer einfach, sich auch noch hinzusetzen und über den aktuellen Lesestoff zu schreiben.

Was möchte ich in diesem Jahr unbedingt lesen?

Kennt ihr das auch? Man hört von einem Buch, einem Klassiker oder einfach einem Titel, der einem über die Jahre immer wieder begegnet ist. Manchmal ist es auch ein bestimmter Autor oder eine Autorin. So ginge es mir mit Ursula K. Le Guin. Das einzige Buch, das ich bis dato von ihr gelesen habe, ist ein Sachbuch mit dem Titel „Kleiner Autoren Workshop“ (übrigens ausgesprochen lesenswert und hilfreich für Autor*innen und solche die es werden wollen). Ihre Earthsea Sage in vier Bänden, ist mir immer einmal untergekommen, aber ich kam nie dazu es zu lesen. Stimmt nicht ganz, ich habe in die deutsche Übersetzung geguckt und wurde nicht warm damit. Der Sprachrhytmus fing mich nicht ein. Doch immer wieder erwähnte jemand die Earthsea Bücher und, langer Rede kurzer Sinn, nun werde ich sie endlich lesen.

Überhaupt werde ich ein wenig selektiver vorgehen. Sicher werde ich weiterhin alle möglichen Genres lesen, doch mein Schwerpunkt liegt klar im Fantasy und Science Fiction-Bereich. Also in der Schmuddelecke der Literatur, obwohl ich nicht so richtig verstehe warum dem so ist. Einige der besten Bücher die ich gelesen habe entstammen diesem Genre. Das gilt besonders für die Sparte Kinder- und Jugendbuch. Durch die Bank weg alles, was Neil Gaiman, Diana Wynne Jones und J. K. Rowling hier geschrieben haben gehört zu meinen Lieblingen. Diana Wynne Jones steht eh ganz oben auf der Liste und es ist mehr als schade, dass es viele ihrer Bücher in deutscher Übersetzung nur noch antiquarisch gibt.

Auch möchte ich öfter über Hörbücher schreiben. Denn die geniesse ich oft und gerne, besonders seit es gute, ungekürzte Adaptionen bei Audible zu erschwinglichen Preisen gibt.

Ein weitere Plan hat nicht direkt mit Rezensionen über Gelesenes zu tun, sondern eher mit den Dealern, also mit den den kleinen , feinen Buchhandlungen. Vor einiger Zeit habe ich mal eine Serie hier begonnen und habe meinen Lieblingsbuchdealer vorgestellt, den Buchladen Zapata in Kiel. Es fand sich auch eine Mitstreiterin und zwar Gabriele Haefs, die über den Roten Stern in Marburg schrieb. Diese Rubrik möchte ich gerne wieder beleben und habe mir auch schon eine Liste von Buchgeschäften gemacht, die ich gerne vorstellen möchte.

Es wird also bunt zugehen und das ist doch ein Grund zur Freude.

Mein Vater, das Kondom und andere nicht ganz dichte Sachen von Gudrun Skretting

Mein Vater, das Kondom und andere nicht ganz dichte Sachen

von Gudrun Skretting
übersetzt von Gabriele Haefs

Verlag Carlsen

ISBN 978-3-551-58370-3

Preis Harcover: 14,99 €

Preis E-Book: 10,99 €

Anton hat es nicht leicht. Er ist dreizehn, der Kleinste der Klasse, mit zu großen Ohren ausgestattet und überhaupt kein Alphamännchen, wie der Klassenschönling Kevin. Außerdem lebt er mit seinem Vater alleine, seine Mutter ist vor Jahren verunglückt. Als er denn noch erfährt, dass seine Existenz einem undichten Kondom zu verdanken ist, wirft ihn das weiter aus der Bahn. Nun ist er überzeugt, dass er das Lebens seines Vaters in eine Schieflage gebracht hat und nun dafür Sorge tragen muss, dass das in Ordnung kommt. Er beschließt, dass sein Erzeuger eine Freundin braucht und macht sich mit Freundin Ine dran, ihm zu einer zur verhelfen. Damit der Mann erst einmal unter Leute kommt, melden sie ihn für einen Kursus an, in dem zu erwarten ist, dass er dort viele Frauen und wenig männliche Konkurrenz trifft. Was könnte da passender sein, als ein Strickkurs? Denn ein Problem ist, dass der Vater, seines Zeichens Verkäufer von Toiletten für Ferienhütten, kein wahrlich cooler Typ ist.

Mein Vater, das Kondom und andere nicht ganz dichte Sachen ist das erste Jugendbuch von Gudrun Skretting und gleich ein ganz großer Wurf. Es vereint alles was ein Buch haben sollte, besonders eines für Jugendliche, nämlich eine Botschaft, die ohne erhobenen Zeigefinger vermittelt wird und herrlichen Humor. Mir ist beim Lesen einiger Stellen, die Brille vor Lachen beschlagen. Alleine die Recherchen in Sachen, was Frauen von Männern so erwarten … einfach wunderbar. Auch Signe Salvesen, die alte Nachbarin für die Anton so dann und wann die Kreuzworträtselhefte besorgt, hilft nicht so richtig weiter, obwohl sie klare Ansichten darüber hat, woran man ein brauchbares Mannsbild erkennt. Sie sagt:

Ein brauchbares Mannsbild muss Ibsen gelesen haben!

Im Laufe der Geschichte bekommen Ine und Anton es noch mit weiteren Beziehungsproblemen zu tun und die betreffen nicht nur die Erwachsenen.

Fazit: Ein wunderbares Buch!

Die Merlin Verschwörung von Diana Wynne Jones

Die Merlin Verschwörung von Diana Wynne Jones
Buchvorstellung
Die Merlin Verschwörung von Diana Wynne Jones

Originalausgabe erschienen 2003 unter dem Titel „The Merlin Conspiracy“,deutsche Ausgabe erstmals 2006, 574 Seiten.

ISBN 3551553327.

Übersetzung ins Deutsche von Gabriele Haefs.

Leider ist der deutsche Titel nur noch antiquarisch zu erhalten.

Da ist eine Verschwörung gegen den König im Gange. Die beiden zum Tross des Königs gehörenden Pagen, das Mädchen Ariandrodh, genannt Roddy und ihr Freund Grundo, wissen darum, doch niemand will ihnen glauben. Also müssen sie sich auf sich gestellt einen Weg finden, den Plan zu vereiteln.

Es ist gar nicht so einfach eine Zusammenfassung der Handlung zu schreiben, denn es geht durch einige Welten, zu Zauberern, Gebetsmeistern, Erbhexen, dem Herrscher des Totenreiches Gwyn ap Nudd (Guinn ap Nith (th wie in the) gesprochen, zu Magiden und Romanow, einem freien zauberkundigen Agenten. Dann ist da noch Nick, der aus dem London unserer Welt in die alternative Welt von Blest versetzte wird; und schließlich Roddy und Grundo hilft das Komplott gegen den König zu vereiteln.

Wie in allen ihren Büchern spielt Diana Wynne Jones mit den verschiedensten Elementen der britischen Mytholgie, verändert dort ein wenig, gibt hier etwas hinzu und schafft so etwas wunderbares. Die Merlin Verschwörung sollte in keinem Jugendzimmer fehlen und ist völlig zu Unrecht vergriffen. Der Originaltitel ist 2003 erschienen und hat in den 13 Jahren nichts von seiner Aktualität eingebüßt.