Maeve Brennan

Im Oktober 2013 war ich in der Stadtbücherei, meistens habe ich dort online bestellt was ich brauche und hole es nur ab. An diesem Oktobertag war das anders. Ich erinnere mich an dieses scheußliche Gefühl, das alle leidenschaftlichen LeserInnen kennen, die Regale sind voll, aber man hat nichts, aber auch gar nichts zu lesen. Also dachte ich, guck doch mal in die Bib, vielleicht findest du etwas. So strich ich die Regale entlang, zog da einmal ein Buch heraus, steckte es wieder zurück, ging weiter und plötzlich fiel mir aus dem BR-Regal Mr. und Mrs. Derdon von Maeve Brennan vor die Füße, dessen Titelbild eine sehr schöne Frau zierte. Warum ich es zurückstellte weiß ich gar nicht mal, vielleicht weil mir der Name der Autorin nichts sagte, vielleicht weil ich keine Kurzgeschichten lesen wollte, sondern einen schönen dicken Roman. Wie auch immer, ich ging weiter und, was soll ich sagen, auf dem Rückweg fiel mir das Buch wieder vor die Füße. Jedenfalls nahm ich es als göttliches Zeichen, dass ich Maeve Brennan lesen sollte und lieh es aus. Abends begann ich zu lesen und am nächsten Tag bin ich sofort wieder in die Bib und habe mir Die Besucherin von M. B. geholt. Mehr war dort nicht zu kriegen und andere Bücher kamen. Allerdings gingen mir die Geschichten nie aus dem Kopf. Beim Lesen dachte ich damals, Maeve Brennan ist in der Lage einen Roman in einer Kurzgeschichte zu erzählen. Auf vielleicht 20 Seiten entfaltet sie eine Geschichte von so einer Vielschichtigkeit, für die andere AutorInnen 300 Seiten gebraucht hätten. Man kann sich also vorstellen, wie entzückt ich war zu erfahren, dass der Steidl Verlag ihre Sämtlichen Erzählungen herausbringt und dass ich 3 1/2 Jahre vor dem Literarischen Quartett auf diese Autorin gestoßen bin.

Maeve Brennan wurde 1917 in Dublin geboren. 1934 siedelte sie mit ihrer Familie nach New York über, wo ihr Vater als erster Gesandter der Irischen Republik tätig war. Sie arbeitete als Werbetexterin für Harpers Bazar und schrieb für den New Yorker. Mit ihrem Ehemann, St. Clair McKelway, seines Zeichens Chefredakteur, des New Yorkers, lebte sie in Sneden’s Landing, einer kleinen Siedlung in der Nähe von New York, wo sie auch ihre Inspirationen zu „Tanz der irischen Dienstmädchen“ fand. Sie litt unter schizophrenen Anfällen und starb einsam und verarmt 1993 in New York.

Der Steidl Verlag hat die Sämtliche Erzählungen von Maeve Brennan, in der Übersetzung von Hans-Christian Oeser, anlässlich ihres 100. Geburtstag herausgebracht.

Magnus Chase – der Hammer des Thors – Rick Riordan

Rick Riordan

Magnus Chase – Der Hammer des Thors

Übersetzung: Gabriele Haefs

Verlag Carlsen

Alter: ab 12 Jahre

ISBN: 978-3-55155889-1

Thor hat wieder einmal die stärkte Waffe der neun Welten, seinen Hammer verloren. Nicht genug damit, dass Asgard Gefahr läuft von den Riesen angegriffen zu werden, nein, er kann auch seine Serien auf Netflix nicht mehr gucken. Das geht natürlich gar nicht und Magnus Chase, die muslimische Walküre Samira und ihre anderen Freunde machen sich auf, um den Hammer zurück zu holen. Schnell wird klar, dass Loki, der Trickser, der Gestaltwandler und Vater von Samira sein eigenes Süppchen kocht, um endlich aus der Höhle befreit zu werden, in der er seit Jahrhunderten von den Göttern gefangen gehalten wird.

Bereits mit dem ersten Teil der Serie hatte ich sehr viel Spaß. Der 2. hat mir fast noch besser gefallen. Wieder bedient sich Rick Riordan aus den Sagen der Edda und mixt es munter mit heutigen. So hat Heimdall, der Wächter der neun Welten, der auf der Regenbogenbrücke Bifröst lebt das Gjallarhorn, mit dem er eigentlich tuten soll, wenn Asgard angegriffen wird, in ein Phablet verwandelt und macht Selfies und die Riesen betrreiben eine Bowlingbahn. Es ist nicht nur eine spannende und lustige Geschichte, die Riordan erzählt, es ist sehr viel mehr. Die Botschaft ist, es ist egal ob du Muslim, Zwerg, Albe oder Einherjer bist, Hauptsache du kämpfst für die richtige Sache. So taucht denn auch in diesem Buch eine transgender Person auf. Alex, ein weiteres Kind Lokis, die nicht nur ihr Geschlecht wechseln, sondern auch Tiergestalt annehmen kann, wie Loki selbst auch. Auch dass Odin und Konsorten weniger als Götter gesehen, sondern eher als sehr mächtige Wesen, fand ich stimmig. Es ist ein wahrlich empfehlenswertes Buch, genauer gesagt, eine empfehlenswerte Serie. Themen wie Rassismus, Transgender, Herkunft und Tradition werden leicht, aber doch nachhaltig behandelt.

Aber das Bild war noch da von Christian Mähr

Aber das Bild war noch da

Autor: Christian Mähr

Verlag: Wortreich Wien

  • Hardcover – EURO 19,90
    ISBN 978-3-903091-26-9
    312 Seiten, Roman
    VÖ 5.5.2017
  • eBook – EURO 9,99 – erhältlich auf allen Plattformen
    ISBN 978-3-903091-34-4
    312 Seiten, Roman

Alles beginnt damit, dass der Politiker Oswald Obwalter einen Roman geschrieben hat. Diesen hat er seinem alten Schulkameraden, dem Krimi-Autoren Martin Fries, zur Begutachtung vorgelegt. Fries scheut sich nun, Obwalter zu sagen, dass dieser eine Menge Mist zusammengeschrieben hat. Als Fries Obwalter auf der Straße sieht, befürchtet er einem Gespräch über dessen Werk nicht ausweichen zu können und flüchtet in eine Galerie und entdeckt dort das Bild. Dumm nur, dass Obwalter auch in die Galerie geht, denn er hat das Bild gekauft. Er trifft auf Fries und fragt natürlich nach seinem Urteil. Dieser, eigentlich eher konfliktscheue, Herr, hält nicht mit seinem Urteil hinter dem Berg und schwallt Obwalter sein vernichtendes Urteil entgegen, der widerum verliert die Contenance und schlägt Fries nieder. Skandal, Verurteilung zu Schmerzensgeld, Rücktritt von den politischen Ämter und, on top, Fehlinvestionen, führen dazu, dass Oswald Obwalter sich dem Bankrott gegenüber sieht. Weder er, noch seine Frau Lukretzia sind bereit das so hinzunehmen und gehen eigene illegale Wege, die Finanzen wieder auf gesunde Füße zu stellen, dabei sollen Fries und der Maler des Bildes, eine Rolle spielen. Doch nicht nur die Bewohner des kleinen Voralberger Städtchens sind involviert, sondern auch die russische Mafia.

Christian Mähr ist da eine herrliche Satire gelungen. Alle wollen haben, um jeden Preis. Die Geschichte ist herrlich absurd und es ist spannend, mit welchen kuriosen Verwicklungen Mähr um die Ecke kommt. Immer, wenn man gerade denkt, absurder geht es nimmer, kommt doch noch was. Wer es gerne schräg mag, liegt bei Mähr und seinen fröhlichen Gierhälsen richtig.