2084 – Noras Welt von Jostein Gaarder

Handlung:

Die 16-jährige Nora sieht die Auswirkungen der Klimaveränderungen um sich herum und will etwas tun. Gemeinsam mit Freund Jonas macht sie sich auf eine Umweltschutzgruppe zu gründen. Nora ist in vielfacher Hinsicht ein ungewöhnliches Mädchen. So hat sie Träume. In diesen begegnet sie Nova, ihrer 16-jährigen Urenkelin, aus dem Jahr 2084 und sieht durch sie die Verwüstungen, die unser Lebensstil in der Jetzt-Zeit angerichtet hat. Die gestiegenen Meeresspiegel, die Hungernöte und die ausgestorbenen Arten. Das verstärkt  ihrem Wunsch etwas zu unternehmen. Dann spielt noch ein Rubinring eine gewisse, nicht zu unterschätzende Rolle.

Frau Braun meint:

Jostein Gaarder hat  ein sehr aktuelles Jugendbuch geschrieben. Wobei ich den Begriff Jugendbuch recht weit fassen möchte, denn es täte sicher auch vielen Erwachsenen gut, dieses Werk zu lesen und das eigene Handeln zu Überdenken. Mir gefällt hier sehr, dass  Gaarder nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daher kommt, sondern die Folgen unserer Lebensweise in der Zukunft schildert. Vor allem motivert er etwas zu tun, einfach in dem er zeigt, dass sich immer etwas machen lässt. So sagt seine Protagonistin Nora an einer Stelle zu ihrem Freund Jonas:

Ich bin Optimistin. Und weißt Du warum? Weil ich es unmoralisch finde, pessimistisch zu sein.

Pessimismus ist nur ein anderes Wort für Faulheit. Natürlich kann ich mir große Sorgen machen, aber das ist was ganz anderes – Pessimisten haben immer schon aufgegeben.

Gaarder schreibt aber nicht nur rein sachlich über die Klimakatastrophe, sondern beleuchtet das Problem auch von der philosophischen Seite. Nora, Nova und Jonas sind keine Supermenschen, es sind normale Jugendliche die sich Gedanken machen, über die Welt, ihre Rolle darinnen, was nach ihnen kommt und was sie tun können, damit es überhaupt noch eine Welt gibt, in der unsere Nachkommen leben können. Der Ansatz selber zu Handeln, das eigene Handeln nicht klein zu schätzen, hat mir sehr gefallen. Auch, dass hier engagierte und politisch interessierte junge Menschen gezeigt werden – von denen es, auch wenn die Medien uns gerne etwas anderes einreden, gar nicht so wenige gibt – hat mich sehr angesprochen. Um den Einstieg ein wenig zu erleichtern, ist eine ausführliche Linkliste zum Thema angefügt.

Das einzige Manko an diesem Buch ist ein gewisses Ungleichgewicht. Die eigentliche Geschichte verschwindet zeitweilig zu sehr hinter den Auszügen aus Artikeln und Dossiers. Vielleicht hätte das Buch ein wenig länger sein dürfen, denn auf der einen Seite, sind die dokumentarischen Elemente natürlich wichtig. Aber schön wäre auch gewesen Novas Umfeld ein wenig über die Umweltzerstörungen hinaus zu sehen.

Was mir sehr gefallen hat: Gaarder unterschätzt seine Leser_innen nicht. Er schreibt so, dass eigentlich für alle Altersklassen von 12 – 120 geeignet ist.

Wer also noch ein passendes Weihnachtsgeschenk für Jugendliche, jugendliche Erwachsene und Ältere die nicht den Kontakt zur Jugend verloren haben sucht, ist hier bestens bedient.

Die Übersetzung aus dem Norwegischen ist Gabriele Haefs zu verdanken, die alle Romane Gaarders, die bei Hanser erschienen sind, übersetzt hat. Gabriele Haefs wurde 2008 für ihr übersetzerisches Gesamtwerk mit dem Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises ausgezeichnet.  2011 wurde sie in Oslo mit dem St. Olafs Verdienstorden ausgezeichnet und ist somit eine Ritterin 1. Klasse. Ein entsprechender Artikel ist hier zu finden:  Bücherfrauen.de – Ritterschlag für Gabriele Haefs

JOSTEIN GAARDER
2084 – Noras Welt
übersetzt aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs
Erscheinungsdatum: 26.08.2013
Fester Einband, 192 Seiten, empfohlen ab 12 Jahren
Preis: 14,90 € (D) / UVP 21,90 sFR (CH) / 15,40 € (A)
ISBN 978-3-446-24312-5
Hanser Verlag

About KaBra

Karin Braun, 59 Jahre, begeisterte Leserin und Erzählerin. Im Grunde mache ich dauernd was mit Worten. Entweder lese ich oder ich schreibe und oft schreibe ich über das Gelesene.

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