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Autor: Karin Braun

Karin Braun, 59 Jahre, begeisterte Leserin und Erzählerin. Im Grunde mache ich dauernd was mit Worten. Entweder lese ich oder ich schreibe und oft schreibe ich über das Gelesene.

Höllenrose von Karin Fossum

Höllenrose von Karin Fossum

Auf dem Cover steht „Kriminalroman“ und es gibt auch einen Mord, einen Kommisar und Ermittlungen und doch ist die Bezeichnung irreführend. Ich würde es eher das Psychogramm eines Mordes nennen. Doch erst einmal zum Inhalt.

In einem Wohnwagen, der am Rand eines Feldes steht, in der Nähe eines Bauernhofes steht, werden zwei Leichen gefunden, die einer Mutter und ihres vierjährigen Sohns. Der Mord war ein ausgesprochen brutaler und keiner vom Bauernhof, weder der Bauer und seine Familie, noch die polnischen Landarbeiter, haben etwas gesehen. Kommisar Sejer beginnt mit den Ermittlungen. In Rückblenden wird die Geschichte von Bonnie Hayden und ihrem Sohn erzählt und die Geschichte von Eddie, der nicht wirklich behindert ist, aber auch nicht ohne Unterstützung klar kommt. Der mit seiner Mutter lebt, bis diese eine tödliche Diagnose erhält, und natürlich auch, was Eddie, seine Mutter mit Bonnie und Simon verbindet.

Ich mag die Bücher von Karin Fossum sehr, eben weil sie keine typischen Kriminalromane sind. Die Ermittler, allen voran Kommisar Sejer, bleiben sehr im Hintergrund und blass im Gegensatz zu den anderen Charakteren. Da liegt auch für mich ein Kritikpunkt. Wenn denn konsequent. Denn die Ermittler praktisch anonym lassen. Es irritiert mich immerl, wenn Sejer wieder auftaucht und sich eine Stulle schmiert oder mit seinem Hund redet. Jedesmal denke ich, nun erfahre ich etwas über den Guten und schwupps, richtet sich der Scheinwerfer schon wieder auf jemand anders. Trotzdem ist es ein sehr gelungenes Buch. Kein typischer „Who done it?“ eher ein „Why was it done?“

Höllenrose 

Autorin: Karin Fossum

  • Erschienen am 02.11.2017
  • 304 Seiten, Broschur
  • Übersetzt von: Gabriele Haefs
  • ISBN: 978-3-492-31164-9
  • Preis: 10,00 (D)
Dornen und Disteln soll er dir tragen von Volker Pesch

Dornen und Disteln soll er dir tragen von Volker Pesch

Der Polizeiseelsorger Tom Schröder ist zurück. Sein 2. Fall beginnt mit dem Auffinden dreier Moorleichen, die ganz augenscheinlich nicht prähistorisch sind, aber eben auch nicht so ganz frisch. In den Dörfern um den Fundort setzt sich die Gerüchteküche in Gang, es wird vermutet, dass es sich um russische Zwangsarbeiter handelt, von denen man sich erzählt, dass sie Ende des 2. Weltkrieges im Moor von Dorfbewohnern exekutiert wurden. Die neue Kriminalhauptkommisarin Alba Nehmzow, der Greifswalder Mordkommision, kommt aus dieser Gegend, sie kennt die Gerüchte und die Menschen hier. Schnell bekommt sie Druck den Fall ad acta zu legen. Was nicht so einfach ist, denn kurz darauf wird ein gewisse Herr Krupski, Geschäftsführer der Agrar GmbH erschossen in seinem Wohnmobil aufgefunden. Bei der Untersuchung der Kugel, die aus  Krupskis Kopf entfernt wurde, zeigt sich, dass sie aus der selben Waffe stammt, wie die Kugel die man in einer der Moorleichen gefunden hat. Da Kurpski nicht gerade beliebt war, kommen so einige als Täter in Frage.

Handlung und Personen sind frei erfunden.

Das Thema leider nicht: So oder ähnlich könnte

es sich jederzeit und an vielen Orten zugetragen haben

Diese Worte stellt Volker Pesch seiner Geschichte voran. Das Thema auf dem er seinen Plot aufbaut, ist eine recht widerliche, aber keine verbotene Praktik, der Bodenspekulation. Gesellschaften kaufen Landwirten ihr Land ab und verpachten es ihnen zurück und nach einer gewissen Zeit, wenn die Grundstückspreise gestiegen sind, verkaufen sie es an den Höchstbietenden. Krupski war so einer und so richtig Trauer über seinen gewaltsamen Hingang kommt nicht auf. Die Landwirtschaft ist schon lange keine romantische Angelegenheit mehr, sondern ein harter Kampf ums Überleben.

Mir hat schon der 1. Tom Schröder Krimi Denn wer da hat, dem wird gegeben sehr gut gefallen und auch der 2. Fall für Volker Peschs atypischen Ermittler hat nicht enttäuscht. Die Entscheidung nicht einen Kriminalhauptkommisar oder ähnliches zum Ermittler zu machen, sondern einen Polizeiseelsorger, ist interessant. Denn die eigentlichen Ermittlungen gehören ja nicht zu den Aufgaben eines Seelsorgers. Tom Schröder ist also jemand, der schon hautnah dran ist, aber eben auch eine Außensicht auf das Geschehen hat. Er kommt anders als ein offizieller Ermittler mit den Menschen ins Gespräch, muss keine Rechenschaft über seine Erkenntnisse ablegen. Auch mit Alba Nehmzow, der neuen KHK, hat Pesch einen guten Griff getan. Sie stammt aus der Gegend, ist dort aufgewachsen, sie kennt die Leute, spricht ihre Sprache, ist aber auch gehandikapt durch frühere Freundschaften und Sympathien, die sie für eventuelle Tatverdächtige hegt. Überhaupt sind sowohl Thema, wie Charaktere, als auch der Plot, schlicht und ergreifend gelungen. Kurz gesagt, ein Krimi den ich gerne weiter empfehle, während ich mich auf Tom Schröders 3. Fall freue.

Volker Pesch
Dornen und Disteln soll er dir tragen
Küsten-Krimi

ca. 272 Seiten, 13,5 × 21 cm
Paperback
ISBN 978-3-87062-279-4

CMZ Verlag

Nordlicht, Elch und Tannengrün – Die schönsten Weihnachtsgeschichten aus Skandinavien

Nordlicht, Elch und Tannengrün – Die schönsten Weihnachtsgeschichten aus Skandinavien

Gabriele Haefs und Andreas Brunstermann haben diese wunderschöne Sammlung von Weihnachtsgeschichten aus Skandinavien zusammengestellt und herausgegeben. So schöne und so vielfältige Geschichten, die sich nicht nur zur Weihnachtszeit lesen lassen. Bekannte und weniger bekannte Autor*innen und Übersetzer*innen steuern das ihre zu diesem Reigen bei. Ingvar Ambjørnsen, Selma Lagerlöf und Levi Henriksen sind mit von der Partie. Levi Hendriksen ist sicher vielen durch die Verfilmung seiner Weihnachtsgeschichtensammlung Home for Christmas bekannt und zeigt auch hier wieder seine Kunst in voller Breite. Vigdis Hjorth nimmt uns in ihrer Geschichte mit in die Gedankenwelt einer Alkoholikerin, die ihren Kindern versprochen hat, zum Weihnachtsfest nüchtern zu bleiben, Anette Sørensen-Habel lässt ihre Protagonistin auf der Straße der Erinnerungen wandeln, während sie mit ihrer Freundin Weihnachten feiert. Ach es sind so viele, so wunderschöne, so vielfältige und berührende Geschichten, die sich hier versammelt haben und die sich auch wunderbar zum Vorlesen eignen.

Nordlicht, Elch und Tannengrün – Die schönsten Weihnachtsgeschichten aus Skandinavien

Herausgeber*innen: Gabriele Haefs und Andreas Brunstermann

Taschenbuch, Knaur TB 
02.11.2017, 320 S.
ISBN: 978-3-426-52074-1

Preis: 9,99 €

Die Lieferantin von Zoë Beck

Die Lieferantin von Zoë Beck

In der Londoner Drogenszene kocht es. Die alteingesessenen Großdealer sind beunruhigt, sogar sehr, denn es gibt einen neuen Stern am Himmel. Die Lieferantin, die ihre qualitativ ausgezeichnete Ware über das Darknet anbietet und den Stoff via Drohnen ausliefert. Doppelt bedrohlich ist, dass sie zu einem Zeitpunkt auftaucht, an dem in Großbritannien, nach dem Brexit über den Druxit angestimmt werden soll. Der Druxit bedeutet, dass die Drogengesetze verschärft werden sollen und das Süchtige zukünftig selbst für die Folgen ihrer Sucht zahlen sollen. Auf Elly Johnsons, die Lieferantin wird ein Kopfgeld ausgesetzt … und sie braucht einen neuen Zulieferer, der alte wurde tot aus der Themse gefischt.

Wie immer gelingt es Zoë Beck, nicht nur einen spannenden Krimi zu schreiben, sondern auch die aktuellen politisch relevanten Themen anzusprechen. Zunehmende Überwachung und das Ansteigen von Rassismus und Gewalt im Post-Brexit London, welches die Autorin ein wenig die Zukunft verlegt hat. Die Lieferantin ist nicht einfach nur ein spannender Krimi, es ist ein Blick in die Zukunft.

Ein gut aufgebauter Thriller, der sich durch starken Charaktere, politische Aktualität und einem spannenden Plot auszeichnet. Sehr empfehlenswert.

 

0-1-0-1 von Elisabeth Strasser

0-1-0-1 von Elisabeth Strasser

Daniel ist arbeitslos, Moni ein wenig naiv und auf der Suche nach einem Ehemann, der Rechtsanwalt Michael gerät durch Zufall in das Spiel, wie auch der Kleinkriminelle Oliver. Alle diese Personen verschlägt es in das Computerspiel Wandell, alle diese Personen sind auf die eine oder andere Art im physischen Leben mit einander verbandelt. In Wandell kämpfen sie, als Zwerge, Meister, Ritter, Boten für die eine oder andere Seite. Denn Wandell ist, wie könnte es anders sein, von einer dunklen Macht bedroht. Nach und nach beginnt sich das virtuelle Leben und das physische Leben der Akteure zu vermischen.

Elisabeth Strassers Geschichte beginnt von einem interessanten Ansatz aus, hat allerdings ihre Schwächen. Sie ist spannend, dass schon, aber, mal abgesehen von so einigen Logikfehlern, liest sie sich unausgewogen und es fällt schwer in die Handlung zu kommen, weil sie auf der Fantasie-Ebene einsetzt. Doch trotz dieser Schwächen, habe ich die Geschichte gerne gelesen, was daran liegt, dass die Autorin spannend zu erzählen weiß und was die erwähnten Schwächen betrifft, nun, eigentlich schaden sie nichts, denn sie regen zum Denken an und zu interessanten „Wie hätte es denn noch sein Können-Überlegungen“.

Das Ohr des Kapitäns von Gisbert Haefs

Das Ohr des Kapitäns von Gisbert Haefs

Gisbert Haefs Spezialität ist es historische Themen spannend zu erzählen. Auch mit Das Ohr des Kapitäns ist ihm dieses wieder einmal gelungen. Der Roman handelt vom 1739 beginnenden Kolonialkrieg zwischen Engländern und Spanien, die um die Vorherrschaft in der neuen Welt stritten. Ausgelöst wird dieser Krieg durch ein Ohr, welches einem englischen Handelskapitän von einem spanischen Küstenwächter abgeschlagen wird. Weitere Zutaten sind ein Schatz, verwickelte Handelsrechte, Piraten, Sklavenhandel und Schmuggelei.

Der Autor erzählt seine Geschichte aus verschiedenen Perspektiven und so entsteht ein gelungener bunter Reigen, voller Abenteuer und opulenter Bilder.  So macht Geschichte Spaß.

Wie kaum ein zweiter versteht Gisbert Haefs es Fakten und Fantasie miteinander zu verbinden, so dass ein anschauliches Bild der Vergangenheit entsteht und die Leser in diese mitnimmt. Am Ende hat man nicht nur von den Geschehnissen gelesen, man ist dabei gewesen.

Das Ohr des Kapitäns

Autor: Gisbert Haefs

Verlag. Heyne

ISBN: 978-3-453-26930-9

Preis: 19,99 €

Zwei rechts, zwei links von Ebba D. Drolshagen

Zwei rechts, zwei links von Ebba D. Drolshagen

Stricken ist in. Wenn man mit der Bahn fährt oder im Café sitzt, so findet sich immer eine, denn meistens ist es eine Frau, die ihr Strickzeug aus der Tasche nimmt und strickt. Was liegt also näher, als ein Buch über das Stricken zu schreiben? Und warum gibt es zwar massig Anleitungsbücher und Plattformen zum Thema, aber keine Kulturgeschichte des Strickens, beginnt man sich da zu fragen. Nun, diese Not hat ein Ende, denn Ebba D. Drolshagen hat sich der Sache eingenommen und dieses Buch geschrieben.

Es ist ein wundervolles Buch geworden. Man merkt die Liebe, die die Autorin für ihr Thema hegt, in jedem Kapitel. Ich selber stricke, seit ich es in der vierten Klasse gelernt habe und ehrlich gesagt, habe ich mir nie groß Gedanken darüber gemacht welche Geschichten daranhängen. Es war etwas alltägliches. erst beim Lesen von Zwei rechts, zwei Links, wurde mir klar, wie reichhaltig die Geschichte des Strickens doch ist und wie vielfältig. Da gibt es die verschiedenen Muster, die in verschiedenen Gegenden der Welt entstanden, die Wollarten und das Färben von Wolle. Stricken war nicht immer ein nützliches Hobby, wie heutzutage gewesen, es war Broterwerb und bittere Notwendigkeit in vielen Gegenden. Es wurde als Erziehungsmaßnahme für Mädchen angewandt, damit diese nicht auf lüsterne Gedanken verfielen. Es war und ist präsent in nahezu allen Kulturen.

Ebba D. Drolshagen schreibt locker und kenntnisreich über dieses Thema. Sie erzählt Geschichten, Anekdoten und Geschichte. Und spannt einen Bogen von der ersten Masche bis zu Ravelry, der Plattform für StrickerInnen im Internet. Das Buch ist spannend geschrieben und ich werde noch lange Freude daran haben, denn es ist eines von denen, in die ich immer einmal wieder gucken werde.

Zwei rechts, zwei links – Eine Geschichte des Strickens

Autorin: Ebba D. Drolshagen

Vorwort: Martina Behm

Verlag Suhrkamp

ISBN 978-3-518-46814-2 

Preis: 18,00 €

Auch als E-Book erhältlich

Lügenland von Gudrun Lerchbaum

Lügenland von Gudrun Lerchbaum

Am Vorabend ihrer Hochzeit erschießt die Soldatin Mattea, unter  Einfluss von Alkohol und Drogen, eine Freundin. Eigentlich die Freundin ihrer besten Freundin. Auf ihrer Hochzeitsfeier wird sie verraten und muss fliehen. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Geschichte nicht im heutigen Österreich spielt, sondern in einem in einer nicht allzu fernen Zukunft. Einer Zukunft, in der der Traum Europa ausgeträumt und Österreich ein faschistisch regiertes Land ist. Die Bürger werden mittels Fonbändern, über die sie im Internet surfen, Bezahlungen tätigen, Nachrichten empfangen, sich ausweisen, sowie durch nahezu flächendeckend installierte Kameras, überwacht. An allen öffentlichen Einrichtungen und Plätzen sind meterhohe und -breite Mediawände aufgestellt, über die Nachrichten laufen, was eine Flucht natürlich deutlich erschwert. Zu allem Überfluss wird Mattea auch noch mit einer flüchtigen Terroristin, mit Ina Mattusek, verwechselt.

Im Grunde ist diese Mattea linientreu. Klar, sie ist nicht glücklich bei der Miliz, darum hat sie sich zu einer arrangierten Ehe entschlossen, um dem Dienst zu entgehen. Denn wer Mutter und Ehefrau wird, leistet seinen Beitrag für das Vaterland und ist aus der Schusslinie.  Ihr ist bewusst, dass vieles schief läuft, glaubt aber auch der Propaganda der Herrschenden, dass es nun einmal nötig ist Opfer zu bringen. Nach einer recht wilden Flucht gelingt es ihr, sich nach Linz zu ihrer Großmutter väterlicherseits durch zuschlagen, die sie mit der Widerstandsbewegung in Kontakt bringt, die ihr, in dem Glauben, es mit Ina Mattusek zu tun zu haben, hilft. Während dessen behaupten die Medien, sie hätten die wahre Ina Mattusek gefangen genommen und ein perfides Spiel mit den Identitäten der beiden Frauen beginnt.

Gudrun Lerchbaum hat mit Lügenland ein aktuelles Buch geschrieben. Ein wichtiges Buch. Anhand der Geschichte von Matteas Flucht zeigt sie, wie brüchig das Weltbild wird, wenn man über seinen Tellerrand hinausgeschubst wird. Wenn die alten Regeln und vermeintlichen Sicherheiten nicht mehr gelten. Ihre Protagonistin ist keine typische Heldin, ja, sie ist nicht einmal sonderlich sympathisch. Wie auch, denn wenn wir sie kennenlernen, hat  sie gerade scheinbar grundlos eine Freundin erschossen. Mattea sie ist einfach in eine Situation geraten, in der es nur noch ums Überleben geht und das ist etwas was sie beherrscht. Mir hat die Entwicklung gefallen, die die Autorin ihre Protagonistin machen lässt. Sie gewinnt Erkenntnis über die Machenschaften der Regierung und deren Mechanismen, aber sie wird nicht von einer Saula zur Paula. Sie sieht auch die weiter kritisch, die einen Umsturz wollen, denn die bedienen sich im gleichen Maße der Lüge und der Manipulation, um ihre Ziele zu erreichen, wie die, die sie bekämpfen. Gerade wegen ihrer Brüche und ihrer Kanten, ist Mattea, eine glaubhafte Figur. Eine die im Laufe der Geschichte immer dreidimensionaler wird.

Lügenland lässt sich nur schwer einem Genre zuordnen, was mir außerordentlich gut gefällt. Doch in eine Kategorie gehört es für mich eindeutig: Wichtiges Buch, das viele Leser*innen finden sollte.

Lügenland

Autorin: Gudrun Lerchbaum

Verlag: Pendragon

ISBN  978-3-86532-550-1

Preis: 17,00 €

The last wild witch von Starhawk

The last wild witch von Starhawk

Schon vor einiger Zeit habe ich meinen Enkelkindern obiges Buch geschenkt, und sie lieben es. Mir geht es genau so.

Starhawk ist eine Autorin die ich seit den späten 70zigern lese. Sie war eine der ersten Autor*innen bei der Spiritualität, Feminismus und Politik  sich nicht ausschlossen. So war ich natürlich entzückt, dass sie auch ein Kinderbuch geschrieben hat. Wunderschön illustriert von Lindy Kehoe und herausgegeben von Mother Tongue.

Die Geschichte spielt in einer perfekten Stadt, in der alles geordnet ist, nur im Wald lebt die letzte wilde Hexe und kocht dort ihre magische Suppe, mit der sie die Tiere und die Bäume heilt, wenn sie sich schwach fühlen und nachts trommelt und sind sie und wenn der Wind aus Westen weht, dann dringt der Geruch ihrer magischen Suppe und der Klang ihrer Trommel in die Kinderzimmer und die Wildheit erwacht wieder in den perfekten funktionieren Kindern; plötzlich mögen sie nicht mehr in der Reihe gehen und ruhig sein, sondern wollen springen, laufen und draußen sein. Das passt den Erwachsen natürlich nicht und sie wollen den Wald abholzen und die Hexe vertreiben, doch die Kinder warnen die Hexe und die kocht ihre magische Suppe und trommelt und … am Ende tanzen alle gemeinsam recht ungeordnet, aber fröhlich.

Es ist ein Buch, von dem ich mir wünschen würde, dass es auf Deutsch erscheinen würde. Es geht aber auch so, wie ich es zur Zeit mache, ich lese erst auf englisch und übersetze dann für die Kinder und nebenbei lernen sie auch einige Worte Englisch.

http://starhawk.org/writing/books/the-last-wild-witch/

Café Morelli von Giancarlo Gemin

Café Morelli von Giancarlo Gemin

Das Café Morelli befindet sich in einer kleinen Stadt in Wales und kurz vor dem Aus. Seit der Bergbau nicht mehr floriert, geht es auch mit Bryn Mawr bergab. Joe möchte das Café seines Großvaters retten, während seine Mutter, die momentane Besitzerin, es müde ist, um die Existenz zu kämpfen. Doch Joe gibt nicht auf, denn er ist stolz auf das Café, welches sein Urgroßvater 1928 gegründet hat und er ist stolz auf seine italienische Herkunft. Dann erleidet der Großvater einen Schlaganfall und zu Joes Sorgen um das Café, kommt die Sorge um den Großvater. Während dieser sich erholt, bringt Joe im ein Diktiergerät ins Krankenhaus und bittet ihn die Geschichte der Familie und des Cafés auf Band zu sprechen.  Zusätzlich für Aufregung sorgt Kusine Mimi, die aus Italien angereist kommt. um zu helfen und wundervoll kochen kann.

Das erste Buch, das ich von Giancarlo Gemin las, war sein Erstlingswerk Milchmädchen. Wie auch Milchmädchen spielt Café Morelli in Bran Mamwr, allerdings nicht so sehr am Rande. Doch auch in der Innenstadt und auf der High Street, wo das Café Morelli steht, ist der Verfall zu merken. Giancarlo Gemin Protatonistinnen sind immer ein wenig Außenseiter, sie sind nicht die coolsten, nicht die schönsten Jugendlichen, aber sie sind nicht bereit sich mit etwas abzufinden, was sie als falsch empfinden und sie suchen und finden originelle Wege, um Abhilfe zu schaffen. Ich mag Bücher für junge Leserinnen, in denen die Autoren, ihre Held*innen auf Augenhöhe angehen. Was mir bei Gemin besonders gut gefällt, seine weiblichen Figuren sind keine quietschenden Girlies sind, sondern recht taff. Überhaupt hat dieser Autor eine unauferegte Art Misstände zu benennen, er verschwendet keine Zeit mit Schuldzuweisungen, sondern ermutigt nach Lösungen zu suchen. Eine wichtige Botschaft, in diesen unseren Zeiten, in denen Schuldzuweisungen Hochkonjunktur haben. Wunderbar auch, wie er ein Stück Einwanderergeschichte einfließen läßt, in dem der Großvater über die Geschichte der Familie spricht.

Café Morelli

Autor: Giancarlo Gemin

Übersetzerin aus dem Englischen: Gabriele Haefs

Verlag: Carlsen