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Autor: Karin Braun

Karin Braun, 59 Jahre, begeisterte Leserin und Erzählerin. Im Grunde mache ich dauernd was mit Worten. Entweder lese ich oder ich schreibe und oft schreibe ich über das Gelesene.

Krokodile und edle Ziele von Liza Cody

Krokodile und edle Ziele von Liza Cody

Angela May Sutherland, besser bekannt als Lady Bag, wird vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen … und dürstet nach einem Drink. Doch sie ist auf Bewährung und Freund Pierre, präsentiert sich nicht nur per forma als Anti-Alk-Coach. Seine Freundin Cherry hat zur Bedingung gemacht, dass Lady Bag trocken bleiben muss, wenn sie ihr Unterkunft gibt. Dazu kommt noch, dass eine Mitinsassin sie gebeten hat nach ihrem Sohn zu sehen, der bei deren Mutter lebt. Eigentlich hatte Angela May nicht vor, diesem Wunsch nach zu kommen, aber um ihren selbsternannten Tugendwächtern zu entkommen, macht sie sich mit Hündin Elektra auf den Weg und findet einen abgemagerten Dreijährigen vor, der deutliche Zeichen körperlicher Gewalt zeigt. Sie versucht bei den Nachbarn die Behörden zu informieren, aber niemand will ihr helfen. So beschließen sie, Pierre und Schmister (auch bekannt als Lill Missy), als Nonnen verkleidet durch den Briefschlitz ein Foto von dem Kind zu machen, um damit die Behörden zu aktivieren. Lady Bag verliert die Nerven und haut ab und Schmister und Pierre, können das Leid des Kindes nicht ertragen und nehmen den kleinen Connor kurzer Hand mit. Doch Cherry, die eiskalte Freundin von Pierre, will das Kind nicht bei sich im Haus haben und eine irrsinnige und irrwitzige Reise durch London beginnt.

Es ist mein zweites Zusammentreffen mit Angela May Sutherland, sie ist mir bereits in Lady Bag von Liza Cody begegnet und hat mich fasziniert. Sie ist eine ungewöhnliche Protagnostin. Eine Pennerin, eine Bag Lady, die durch die Straßen Londons zieht, durch die Obdachlosenasyle und den Schlafplätzen. Sie ist Alkoholikerin, hört Stimmen und spricht mit ihrer Hündin. Ich finde uns einen Blick auf die Gesellschaft durch die Augen dieser Frau zu verschaffen, ist eine kluge Wahl. Wir sehen nicht gerne auf die, die alles verloren haben und durch die Straßen ziehen.

Wo Lady Bag auftaucht, herrscht binnen kürzester Zeit Chaos und die merkwürdigsten Menschen begegnen sich und geraten in noch merkwürdigere Situationen. Doch nicht nur das, sie rüttelt an Grenzen und zwischen all ihren laut geführten Gesprächen mit Elektra, ihrer Hündin, und ihren Auseinandersetzungen mit Satan und ihrer toten Mutter, blitzt auf einmal ein scharfer Verstand auf und sie sagt etwas, was ihr Gegenüber zwingt, einen anderen Blickwinkel einzunehmen.

Es ist kein Krimi im üblichen Sinne und genau das macht die Qualität dieses Buches aus.

Krokodile und edle Ziele

Autorin: Liza Cody

Übersetzerin: Else Laudan

Verlag: Ariadne – Argument Verlag 2017

gebundene Ausgabe 20,00 €

 

Superbastard #7 und Elias Loeb

Superbastard #7 und Elias Loeb

Frohe Kunde erreichte mich dieses Jahr. Der Superbastard geht weiter. Dieses sehr besondere Lyrikmagazin, das von dem Lyriker Benedikt Maria Kramer herausgegeben wird, ist mir sehr lieb. Wundervolle Texte von Andreas Niedermann, Jerk Götterwind, Katja Horn, Elias Loeb und vielen anderen sind in der 7. Ausgabe zu finden. Das Elias Loeb mit von der Partie ist hat mich besonders gefreut, denn ich höre gerade sein neues Album Immer Blau rauf und runter.

Beides, sowohl den Superbastard # 7 als auch Immer blau möchte ich aller wärmstens empfehlen.

Der Outlaw von Jón Gnarr

Der Outlaw von Jón Gnarr

Den meisten dürfte Jón Gnarr wohl als Bürgermeister von Reykjavik bekannt sein. Dass ein Stand Up Comedian, ein Clown wie seine politischen Gegner ihn nannten, es mit seiner Beste Partei ins Rathaus von Reyjavik geschafft hat, sorgte europaweit für Aufsehen. Gegen alle Erwartungen der etablierten Parteien, war er ein guter Bürgermeister, dem die Menschen und seine Stadt wahrlich am Herzen lagen. Mit Der Outlaw legt er nun nach Indianer und Pirat, den zweiten Teil seiner Autobiografie vor.

Als Outlaw empfindet sich der 14-jährige Jón, als er ins Internat soll. Nicht in irgendein Internat, sondern in eines für schwer erziehbare Jugendliche im Nordwesten Islands. Jón, der Punk und Anarchist, ist auch hier ein Außenseiter, gerät dauernd in Schwierigkeiten und doch fühlt er sich hier den anderen eher zugehörig, als zu seiner Familie. Er hört CRASS, denkt über Mädchen und Anarchie nach und bekommt Kontakt zum Schauspiel, findet dort etwas, was er wirklich kann, was ihm Spaß macht. Allerdings weiß er nicht, was ihm dies für die Zukunft nützen soll. Schließlich wird er nach einem Vorfall aus dem Internat geworfen, kehrt nach Reykjavik zurück und beginnt eine Irrfahrt durch Drogen, Arbeitslosigkeit, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und einem Job als Pfleger in der Psychiatrie. Bis ein weiterer Bruch ihn einen anderen Weg einschlagen lässt.

Eine Reise in seine Adoleszenz hat Jón Gnarr mit Der Outlaw geschrieben. Wie wir alle wissen, ist diese Zeit für niemanden ein Spaziergang, aber für den unangepassten Jón ist es noch einmal schlimmer. Überall eckt er an, steht immer am Rand, schnüffelt Lösungsmittel, raucht und trinkt und wünscht sich Liebe, möchte akzeptiert sein. Es ist ein recht schonungsloses Buch, das ohne zu werten und ohne nach Schuld zu suchen, aufzeigt, wie es einem geht, der eben nicht ist wie alle anderen. Mir hat gefallen wie Gnarr erzählt, wie er den 14 – 19 jährigen, der er war, noch einmal zum Leben erweckt. Damit kein falscher Eindruck entsteht, neben all dem Düsteren  gibt es auch reichlich zu lachen.

Der Outlaw

Eine isländische Jugend am Rande der Gesellschaft

Autor: Jón Gnarr

Aus dem Isländischen von Tina Flecken (Orig.: Útlaginn)

ISBN: 978-3-608-50153-7

Preis: 20,00 €

Höllenrose von Karin Fossum

Höllenrose von Karin Fossum

Auf dem Cover steht „Kriminalroman“ und es gibt auch einen Mord, einen Kommisar und Ermittlungen und doch ist die Bezeichnung irreführend. Ich würde es eher das Psychogramm eines Mordes nennen. Doch erst einmal zum Inhalt.

In einem Wohnwagen, der am Rand eines Feldes steht, in der Nähe eines Bauernhofes steht, werden zwei Leichen gefunden, die einer Mutter und ihres vierjährigen Sohns. Der Mord war ein ausgesprochen brutaler und keiner vom Bauernhof, weder der Bauer und seine Familie, noch die polnischen Landarbeiter, haben etwas gesehen. Kommisar Sejer beginnt mit den Ermittlungen. In Rückblenden wird die Geschichte von Bonnie Hayden und ihrem Sohn erzählt und die Geschichte von Eddie, der nicht wirklich behindert ist, aber auch nicht ohne Unterstützung klar kommt. Der mit seiner Mutter lebt, bis diese eine tödliche Diagnose erhält, und natürlich auch, was Eddie, seine Mutter mit Bonnie und Simon verbindet.

Ich mag die Bücher von Karin Fossum sehr, eben weil sie keine typischen Kriminalromane sind. Die Ermittler, allen voran Kommisar Sejer, bleiben sehr im Hintergrund und blass im Gegensatz zu den anderen Charakteren. Da liegt auch für mich ein Kritikpunkt. Wenn denn konsequent. Denn die Ermittler praktisch anonym lassen. Es irritiert mich immerl, wenn Sejer wieder auftaucht und sich eine Stulle schmiert oder mit seinem Hund redet. Jedesmal denke ich, nun erfahre ich etwas über den Guten und schwupps, richtet sich der Scheinwerfer schon wieder auf jemand anders. Trotzdem ist es ein sehr gelungenes Buch. Kein typischer „Who done it?“ eher ein „Why was it done?“

Höllenrose 

Autorin: Karin Fossum

  • Erschienen am 02.11.2017
  • 304 Seiten, Broschur
  • Übersetzt von: Gabriele Haefs
  • ISBN: 978-3-492-31164-9
  • Preis: 10,00 (D)
Dornen und Disteln soll er dir tragen von Volker Pesch

Dornen und Disteln soll er dir tragen von Volker Pesch

Der Polizeiseelsorger Tom Schröder ist zurück. Sein 2. Fall beginnt mit dem Auffinden dreier Moorleichen, die ganz augenscheinlich nicht prähistorisch sind, aber eben auch nicht so ganz frisch. In den Dörfern um den Fundort setzt sich die Gerüchteküche in Gang, es wird vermutet, dass es sich um russische Zwangsarbeiter handelt, von denen man sich erzählt, dass sie Ende des 2. Weltkrieges im Moor von Dorfbewohnern exekutiert wurden. Die neue Kriminalhauptkommisarin Alba Nehmzow, der Greifswalder Mordkommision, kommt aus dieser Gegend, sie kennt die Gerüchte und die Menschen hier. Schnell bekommt sie Druck den Fall ad acta zu legen. Was nicht so einfach ist, denn kurz darauf wird ein gewisse Herr Krupski, Geschäftsführer der Agrar GmbH erschossen in seinem Wohnmobil aufgefunden. Bei der Untersuchung der Kugel, die aus  Krupskis Kopf entfernt wurde, zeigt sich, dass sie aus der selben Waffe stammt, wie die Kugel die man in einer der Moorleichen gefunden hat. Da Kurpski nicht gerade beliebt war, kommen so einige als Täter in Frage.

Handlung und Personen sind frei erfunden.

Das Thema leider nicht: So oder ähnlich könnte

es sich jederzeit und an vielen Orten zugetragen haben

Diese Worte stellt Volker Pesch seiner Geschichte voran. Das Thema auf dem er seinen Plot aufbaut, ist eine recht widerliche, aber keine verbotene Praktik, der Bodenspekulation. Gesellschaften kaufen Landwirten ihr Land ab und verpachten es ihnen zurück und nach einer gewissen Zeit, wenn die Grundstückspreise gestiegen sind, verkaufen sie es an den Höchstbietenden. Krupski war so einer und so richtig Trauer über seinen gewaltsamen Hingang kommt nicht auf. Die Landwirtschaft ist schon lange keine romantische Angelegenheit mehr, sondern ein harter Kampf ums Überleben.

Mir hat schon der 1. Tom Schröder Krimi Denn wer da hat, dem wird gegeben sehr gut gefallen und auch der 2. Fall für Volker Peschs atypischen Ermittler hat nicht enttäuscht. Die Entscheidung nicht einen Kriminalhauptkommisar oder ähnliches zum Ermittler zu machen, sondern einen Polizeiseelsorger, ist interessant. Denn die eigentlichen Ermittlungen gehören ja nicht zu den Aufgaben eines Seelsorgers. Tom Schröder ist also jemand, der schon hautnah dran ist, aber eben auch eine Außensicht auf das Geschehen hat. Er kommt anders als ein offizieller Ermittler mit den Menschen ins Gespräch, muss keine Rechenschaft über seine Erkenntnisse ablegen. Auch mit Alba Nehmzow, der neuen KHK, hat Pesch einen guten Griff getan. Sie stammt aus der Gegend, ist dort aufgewachsen, sie kennt die Leute, spricht ihre Sprache, ist aber auch gehandikapt durch frühere Freundschaften und Sympathien, die sie für eventuelle Tatverdächtige hegt. Überhaupt sind sowohl Thema, wie Charaktere, als auch der Plot, schlicht und ergreifend gelungen. Kurz gesagt, ein Krimi den ich gerne weiter empfehle, während ich mich auf Tom Schröders 3. Fall freue.

Volker Pesch
Dornen und Disteln soll er dir tragen
Küsten-Krimi

ca. 272 Seiten, 13,5 × 21 cm
Paperback
ISBN 978-3-87062-279-4

CMZ Verlag

Nordlicht, Elch und Tannengrün – Die schönsten Weihnachtsgeschichten aus Skandinavien

Nordlicht, Elch und Tannengrün – Die schönsten Weihnachtsgeschichten aus Skandinavien

Gabriele Haefs und Andreas Brunstermann haben diese wunderschöne Sammlung von Weihnachtsgeschichten aus Skandinavien zusammengestellt und herausgegeben. So schöne und so vielfältige Geschichten, die sich nicht nur zur Weihnachtszeit lesen lassen. Bekannte und weniger bekannte Autor*innen und Übersetzer*innen steuern das ihre zu diesem Reigen bei. Ingvar Ambjørnsen, Selma Lagerlöf und Levi Henriksen sind mit von der Partie. Levi Hendriksen ist sicher vielen durch die Verfilmung seiner Weihnachtsgeschichtensammlung Home for Christmas bekannt und zeigt auch hier wieder seine Kunst in voller Breite. Vigdis Hjorth nimmt uns in ihrer Geschichte mit in die Gedankenwelt einer Alkoholikerin, die ihren Kindern versprochen hat, zum Weihnachtsfest nüchtern zu bleiben, Anette Sørensen-Habel lässt ihre Protagonistin auf der Straße der Erinnerungen wandeln, während sie mit ihrer Freundin Weihnachten feiert. Ach es sind so viele, so wunderschöne, so vielfältige und berührende Geschichten, die sich hier versammelt haben und die sich auch wunderbar zum Vorlesen eignen.

Nordlicht, Elch und Tannengrün – Die schönsten Weihnachtsgeschichten aus Skandinavien

Herausgeber*innen: Gabriele Haefs und Andreas Brunstermann

Taschenbuch, Knaur TB 
02.11.2017, 320 S.
ISBN: 978-3-426-52074-1

Preis: 9,99 €

Die Lieferantin von Zoë Beck

Die Lieferantin von Zoë Beck

In der Londoner Drogenszene kocht es. Die alteingesessenen Großdealer sind beunruhigt, sogar sehr, denn es gibt einen neuen Stern am Himmel. Die Lieferantin, die ihre qualitativ ausgezeichnete Ware über das Darknet anbietet und den Stoff via Drohnen ausliefert. Doppelt bedrohlich ist, dass sie zu einem Zeitpunkt auftaucht, an dem in Großbritannien, nach dem Brexit über den Druxit angestimmt werden soll. Der Druxit bedeutet, dass die Drogengesetze verschärft werden sollen und das Süchtige zukünftig selbst für die Folgen ihrer Sucht zahlen sollen. Auf Elly Johnsons, die Lieferantin wird ein Kopfgeld ausgesetzt … und sie braucht einen neuen Zulieferer, der alte wurde tot aus der Themse gefischt.

Wie immer gelingt es Zoë Beck, nicht nur einen spannenden Krimi zu schreiben, sondern auch die aktuellen politisch relevanten Themen anzusprechen. Zunehmende Überwachung und das Ansteigen von Rassismus und Gewalt im Post-Brexit London, welches die Autorin ein wenig die Zukunft verlegt hat. Die Lieferantin ist nicht einfach nur ein spannender Krimi, es ist ein Blick in die Zukunft.

Ein gut aufgebauter Thriller, der sich durch starken Charaktere, politische Aktualität und einem spannenden Plot auszeichnet. Sehr empfehlenswert.

 

0-1-0-1 von Elisabeth Strasser

0-1-0-1 von Elisabeth Strasser

Daniel ist arbeitslos, Moni ein wenig naiv und auf der Suche nach einem Ehemann, der Rechtsanwalt Michael gerät durch Zufall in das Spiel, wie auch der Kleinkriminelle Oliver. Alle diese Personen verschlägt es in das Computerspiel Wandell, alle diese Personen sind auf die eine oder andere Art im physischen Leben mit einander verbandelt. In Wandell kämpfen sie, als Zwerge, Meister, Ritter, Boten für die eine oder andere Seite. Denn Wandell ist, wie könnte es anders sein, von einer dunklen Macht bedroht. Nach und nach beginnt sich das virtuelle Leben und das physische Leben der Akteure zu vermischen.

Elisabeth Strassers Geschichte beginnt von einem interessanten Ansatz aus, hat allerdings ihre Schwächen. Sie ist spannend, dass schon, aber, mal abgesehen von so einigen Logikfehlern, liest sie sich unausgewogen und es fällt schwer in die Handlung zu kommen, weil sie auf der Fantasie-Ebene einsetzt. Doch trotz dieser Schwächen, habe ich die Geschichte gerne gelesen, was daran liegt, dass die Autorin spannend zu erzählen weiß und was die erwähnten Schwächen betrifft, nun, eigentlich schaden sie nichts, denn sie regen zum Denken an und zu interessanten „Wie hätte es denn noch sein Können-Überlegungen“.

Das Ohr des Kapitäns von Gisbert Haefs

Das Ohr des Kapitäns von Gisbert Haefs

Gisbert Haefs Spezialität ist es historische Themen spannend zu erzählen. Auch mit Das Ohr des Kapitäns ist ihm dieses wieder einmal gelungen. Der Roman handelt vom 1739 beginnenden Kolonialkrieg zwischen Engländern und Spanien, die um die Vorherrschaft in der neuen Welt stritten. Ausgelöst wird dieser Krieg durch ein Ohr, welches einem englischen Handelskapitän von einem spanischen Küstenwächter abgeschlagen wird. Weitere Zutaten sind ein Schatz, verwickelte Handelsrechte, Piraten, Sklavenhandel und Schmuggelei.

Der Autor erzählt seine Geschichte aus verschiedenen Perspektiven und so entsteht ein gelungener bunter Reigen, voller Abenteuer und opulenter Bilder.  So macht Geschichte Spaß.

Wie kaum ein zweiter versteht Gisbert Haefs es Fakten und Fantasie miteinander zu verbinden, so dass ein anschauliches Bild der Vergangenheit entsteht und die Leser in diese mitnimmt. Am Ende hat man nicht nur von den Geschehnissen gelesen, man ist dabei gewesen.

Das Ohr des Kapitäns

Autor: Gisbert Haefs

Verlag. Heyne

ISBN: 978-3-453-26930-9

Preis: 19,99 €

Zwei rechts, zwei links von Ebba D. Drolshagen

Zwei rechts, zwei links von Ebba D. Drolshagen

Stricken ist in. Wenn man mit der Bahn fährt oder im Café sitzt, so findet sich immer eine, denn meistens ist es eine Frau, die ihr Strickzeug aus der Tasche nimmt und strickt. Was liegt also näher, als ein Buch über das Stricken zu schreiben? Und warum gibt es zwar massig Anleitungsbücher und Plattformen zum Thema, aber keine Kulturgeschichte des Strickens, beginnt man sich da zu fragen. Nun, diese Not hat ein Ende, denn Ebba D. Drolshagen hat sich der Sache eingenommen und dieses Buch geschrieben.

Es ist ein wundervolles Buch geworden. Man merkt die Liebe, die die Autorin für ihr Thema hegt, in jedem Kapitel. Ich selber stricke, seit ich es in der vierten Klasse gelernt habe und ehrlich gesagt, habe ich mir nie groß Gedanken darüber gemacht welche Geschichten daranhängen. Es war etwas alltägliches. erst beim Lesen von Zwei rechts, zwei Links, wurde mir klar, wie reichhaltig die Geschichte des Strickens doch ist und wie vielfältig. Da gibt es die verschiedenen Muster, die in verschiedenen Gegenden der Welt entstanden, die Wollarten und das Färben von Wolle. Stricken war nicht immer ein nützliches Hobby, wie heutzutage gewesen, es war Broterwerb und bittere Notwendigkeit in vielen Gegenden. Es wurde als Erziehungsmaßnahme für Mädchen angewandt, damit diese nicht auf lüsterne Gedanken verfielen. Es war und ist präsent in nahezu allen Kulturen.

Ebba D. Drolshagen schreibt locker und kenntnisreich über dieses Thema. Sie erzählt Geschichten, Anekdoten und Geschichte. Und spannt einen Bogen von der ersten Masche bis zu Ravelry, der Plattform für StrickerInnen im Internet. Das Buch ist spannend geschrieben und ich werde noch lange Freude daran haben, denn es ist eines von denen, in die ich immer einmal wieder gucken werde.

Zwei rechts, zwei links – Eine Geschichte des Strickens

Autorin: Ebba D. Drolshagen

Vorwort: Martina Behm

Verlag Suhrkamp

ISBN 978-3-518-46814-2 

Preis: 18,00 €

Auch als E-Book erhältlich