The secret Grimm files – Wer kann für böse Träume

Vorweg sollte ich erwähnen, dass ich alles andere als eine Freundin von Antologien bin. In der Regel finde ich sie unaufregend und meide sie. Als ich dieses Buch hier bei Blogg dein Buch sah, schrie alles in mir: Haben wollen! Ein Blick aufs Cover genügte.

cc Karin Braun

Leider war es bei Blogg dein Buch bereits weg, also habe ich es beim Verlag Das wilde Dutzend bestellt. Als es vorgestern ankam, war ich restlos entzückt. Bevor ich auf den Inhalt komme: die Aufmachung ist wundervoll. Ein fester Einband, wundervoll dickes Papier. Dann die Illustrationen. Es war also kein Wunder, dass ich mich sofort auf das gute Stück gestürzt habe und was soll ich sagen? Mein Bauchgefühl hat mich nicht betrogen. Es ist ein wundervolles Buch. 15 AutorInnen und 15 IllustratorInnen haben sich der Märchen der Gebrüder Grimm angenommen und sie neu erzählt. Zwischen den Geschichten gibt es immer einen Einblick in die Logen Arbeit. Das wilde Dutzend ist nicht nur Verlag, sondern auch Loge und permanent auf der Suche nach neuen Erkenntnissen zum Thema Märchen. Diese Erkenntnisse hat die Loge nun den 15 AutorInnen zugänglich gemacht und so erfahren wir, welches Schicksal Rapunzel ereilte, nachdem sie aus dem Turm entkam. Auch Schneewittchen scheint nicht ganz so ein liebes Kind gewesen zu sein, wie Jakob und Wilhelm uns glauben machen wollten. Na und die Eltern von Hänsel und Gretel erst … die waren nicht böse, sondern nur leichtsinnig und spielten gern.

cc Karin Braun

Dieses Buch wird mich noch lange begleiten und sollte in jedem Haushalt, in dem gerne Märchen gelesen haben vorhanden sein.

Getrieben von Andreas Altmann

Dank Blogg dein Buch, habe ich gerade “Getrieben” von Andreas Altmann gelesen. Das Buch ist bei bei Solibroerschienen und zwar bereits 2005 zum 1. Mal.  Ich jedenfalls habe die Ausgabe von 2012 vorliegen gehabt

Was soll ich sagen! Andreas Altmann ist sicher ein Getriebener. Das wird sehr schnell in den autobiografischen Texten klar. Er ist einer der alles erleben will und zwar so ungefiltert wie möglich. Da lässt er sich auch nicht von moralischen Skrupeln aufhalten. Diebstahl, sexuelle Ausschweifungen, Betrug, alles das wird bis zum Exzess zelebriert und in den Geschichten hochstilisiert. Immer wenn ich gerade soweit war, mir ein Bild von Altmann zu machen, warf er es wieder über den Haufen. Entweder durch extreme Kaltschnäuzigkeit oder aber, durch seine Intensität mit der er sich an seinen kleinen und größeren Gaunereien freuen kann. Da ist auf der einen Seite dieser intelligente und weltgewandte Mann, der dann mit einer geradezu infantilen Vorstellung von karmischer Gerechtigkeit seine Buchdiebstähle als gesühnt sieht, weil ihn ein Bandscheibenvorfall lahmlegt.

Alle 18 Geschichten in dem Buch scheinen darauf angelegt zu den Leser, die Leserin zu provozieren. Bereits in seinem Vorwort schreibt Altmann:

Das wird ein seltsames Vorwort: Hier will der Autor dem Leser vom Buch abraten. sagen wir, dem “falschen” Leser. Das wäre im vorliegenden Fall der moralisch einwandfreie Zeitgenosse, der zartnervige, der gentialzonenfreie, der von aller kriminellen Kraft erlöste, eben jener, der gern zum “guten Buch” greift. Hier greift er daneben.

Mit diesen Worten im Kopf beginnt es nun, dass der Leser, die Leserin, sich auf nahezu jeder Seite herausgefordert fühlt die eigene Schmerzgrenze auszuloten. Es ist wie mit einem nervigen Teenager, der sich jeden Tag aufs Neue überlegt, womit er/sie die Eltern provozieren kann. Wenn die Grenze erreicht ist, wo es knallen könnte, wird sich wieder zurück gezogen und es kommt wieder eine: Ich-bin-doch-aber-auch-ganz- lieb – Phase. Das ist anstrengend! Im normalem Leben, aber auch beim Lesen. Doch wer sagt, dass Lesen ausschließlich entspannend sein muss? Niemand! Es war allerdings eine weise Entscheidung des Autors“Getrieben” in Form von Kurzgeschichten herauszubringen. So das mensch das Buch zwischen den Geschichten ein wenig zur Seite legen kann und sich überlegen, ob er das arme, vernachlässigte Kind, welches hinter dem provozierenden “Ich nehme mir, was immer ich gerade brauche – Rüpel” immer wieder durchscheint, in den Arm nehmen möchte, oder besagtem Rüpel eine saftige Ohrfeige verpassen möchte.  Und doch muss ich sagen, es ist ein tolles Buch, denn egal welche Reaktion es auslöst, es löst eine aus. Es lässt nicht kalt und es zwingt geradezu Stellung zu beziehen. In meinem Fall war die schockierende Erkenntnis, dass ich moralischer bin, als ich dachte. Na ja, solange es nicht langweilig wird.

Goldene Tage von Andreas Niedermann

Vor kurzem habe ich obiges Buch beendet. Da ist dem Herrn Niedermann mit seinem 10. Buch wirklich ein “goldenes” gelungen. Ich bin jedenfalls tief beeindruckt.

cc Karin Braun

Andreas Niedermann ist nicht nur Autor, sondern auch Verleger. Das Buch ist in eben diesem Verlag, nämlichSongdog erschienen. Auch schreibt der Autor einen sehr lesenswerten Blog: Songdog-Blog

Die 80er Jahre in einer, nicht näher bezeichneten, mitteleuropäischen Stadt. Der Kleingauner Rambo Rimbaud trifft den alternden und publikumsmüden Schriftsteller Andreas, der ihm von der Möglichkeit eines Golddiebstahls berichtet, dem jungen Mann seine Hilfe zusichert und von diesem im Gegenzug, das Versprechen fordert, das er ihm zu sterben hilft, wenn er den Zeitpunkt für gekommen hält. Der Deal gilt und dann … geht alles gut und alles schief. Wie überhaupt in Rambos Leben alles gut und schief zur gleichen Zeit geht. Er hat keine Träume, nur einen diffusen Wunsch zur Fremdenlegion zu gehen. Doch bevor er ernsthafte Schritte in dieser Richtung unternimmt, will er den großen Coup landen. Man(n) möchte ja nicht als Kleingauner unter all den hartgesottetenen Jungs dastehen. All das findet vor den, für die 80er typischen, Großdemonstrationen statt, vor Auseinandersetzungen mit staatlicher Gewalt, neuen (alten) faschistoiden Strömungen und dem Wunsch nach Selbstbestimmung. Da sind die alte Werte verteidigenden Alten und die Jungen die deutliche Veränderungen fordern. Da ist das weite Feld der freien Liebe, die dann doch nicht immer so frei ist, wie gedacht und letztendlich ist da dieser junge Mann, dessen Perspektivlosigkeit beim Lesen fast körperliche Schmerzen bereitet und ihm gegenüber der alte, desillusionierte Schriftsteller, der nur noch für sich selber schreibt und ansonsten in einer Kindergartenküche arbeitet.
Andreas Niedermann ist mit seinem 10. Buch ein sehr treffendes Bild des Zeitgeistes der 80er gelungen. Er versteht es geschickt die gesellschaftlichen Entwicklungen im Großen, wie auch im Kleinen, dar zu stellen und ihre Auswirkungen auf den Einzelnen. Schön auch die klare Sprache und die fast skizzenhaften Beschreibungen der Umgebungen und Szenen, die trotzdem klare Bilder entstehen lassen. Überhaupt hat mir das sehr gefallen. Es ist bei aller Klarheit, bei allem Vorgegebenen, genug Raum für eigene Bilder, ohne das man das Gefühl hat, der Autor sagt zu wenig. Also Fazit: Sehr empfehlenswert!

The enchanted Lake – Märchenhaftes Irland

cc Karin Braun

The Enchanted Lake habe ich mir zum fertigen Buch geschenkt. Seit ich die Kurzgeschichten von Mick Fitzgerald in seinem Buch “Session” gelesen habe, habe ich einen Irland Backflash. Da sein neues Buch noch nicht zu heraus ist, ich bereits eine CD mit Liedern von ihm habe, war ich froh über diese CD zu stolpern. Mick Fitzgeralderzählt hier zu Harfenmusik von Nadia Birkenstock irische Märchen und Geschichten. Ausgewählt und zusammengestellt wurden diese von der Übersetzerin Gabriele Haefs. Es gibt auch eine deutschsprachige Version unter dem Titel “Der verzauberte See”. Hier werden die Texte von Willi Müller Basler gesprochen.

Ich allerdings habe mich an die irische Version gehalten und bin verzaubert, wie besagter See. Mick Fitzgerald ist ein wundervoller Erzähler und hat Rattenfänger Qualitäten. Dazu noch die zauberhafte Musik von Nadia Birkenstock. Diese CD ist sogar etwas für Menschen die der englischen Sprache nur rudimentär mächtig sind. Wer Märchen liebt, kennt die gängigen Zutaten und die Erzählkunst Fitzgeralds schafft es ratzfatz die/den HörerIn in eine Welt voller Feen, Kobolde, verzauberter Seen und der Anderswelt zu versetzen.

Der potemkinsche Hunde von Cordula Simon

Selten habe ich mich mit einem Buch so schwer getan, wie mit diesem Werk von Cordula SimonDer Potemkinsche Hund ist im Picus Verlag erschienen und der erste Roman der Autorin. Ein Satz im Klappentext hatte bei mir einen Haken geschlagen:

In ihrem außergewöhnlichen Roman, der an die fantastisch-absurde Tradition eines Bulgakov gemahnt, gelingt es Cordula Simon nicht nur, zwei Menschen in ihrer Einsamkeit geradezu schmerzhaft zu porträtieren, die surreale Geschichte eines wieder zum Leben Erweckten ist üppig gefüllt mit ukrainischen Impressionen, bizarren Charakteren und kafkaesken Situationen.

Nun, ich kann der Autorin sehr wohl die Fantasie Bulgakows, sowie auch einen Sinn für das Absurde bescheinigen, allerdings hätte ich ihr an so manchen Stellen auch den Charme und den Stil dieses großen Erzählers gewünscht.

Die Geschichte ist eine traurige. Anatol wird von einer Frau, die ihn zu Lebzeiten begehrte, nach seinem Tod durch, ich nenne es einmal chemische Magie, zum Leben erwägt. Fortan gibt es keine Ruhe mehr für ihn. Begleitet von dem Hund Celobaka streift er durch die Ukraine. Von Odessa bis Kiew und wieder zurück. Die Erweckerin des Toten, im Glauben ihr Experiment sei missglückt, zieht ebenfalls ruhelos durch die Welt. Irgendwann begegnen die Beiden sich, aber erkennen sich nicht. Ist auch schlüssig, denn auch zu Lebzeiten Anatols hat Irina ihn ja nicht gekannt, sondern nur das Bild, dass sie sich von ihm machte, während er sie kaum wahrgenommen hat.

Ein Bild von der Einsamkeit und dem Leid dieser beiden Menschen zu vermitteln, gelingt der Autorin wirklich recht gut. Aber keiner der Beiden ist mir beim Lesen wirklich nahe gekommen. Wer Anatol zu Lebzeiten war, erschließt sich dem/der Leser-in sehr, sehr zäh. Auch die Wiedererweckerin ist über lange Strecken nur sehr blass erkennbar.  Zwischendrin drängte sich mir immer einmal wieder die Frage auf: Will ich überhaupt noch wissen, wie es weiter geht? Das wollte ich dann doch. Was den Protangonisten nicht gelungen war, gelang den, sehr scharfsinnig gezeichneten Nebenfiguren.

Was das Lesen ebenfalls recht beschwerlich machte, ist der Sprachrhytmus der Autorin. Teils stieß ich da auf abenteuerliche Satzkonstruktion von enormer Länge, deren Sinn sich mir erst nach lautem Vorlesen erschloss. Das mag nun als besonders literarisch durchgehen. Mensch denke an die Klagenfurter Schule und so, aber es hindert halt im Versinken in der Geschichte.

Und doch, es ist ein lesenswertes Buch.  Ich weiß nicht unter welchen Umständen die Autorin es geschrieben hat oder in welchem Tempo der Verlag es herausbringen wollte. Vielleicht hätte ein wenig mehr Feinarbeit zwischen Lektorat und Autorin geholfen einige Längen zu vermeiden.

Ich war auf diesen Roman über Blogg dein Buch gekommen und bereue es nicht durchgehalten zu haben.  Auch bin ich sehr gespannt wie das nächste Buch von Frau Simon sein wird.