Autorenexpress von Ilona Wang-Richter

Autorenexpress von Ilona Wang-Richter

Autorenexpress

Ilona Wang Richter

Epubli

Sprache: Deutsch

ISBN: 9783745055221

Format: DIN A5 hoch

Seiten: 184

Die Schreibdozentin und Autorin Ilona Wang-Richter lädt Schreibinteressierte zum Mitreisen ein. Acht Autor*innen mit unterschiedlichen Problemen sind im Autorenexpress, mit dem Schaffner Nikolai unterwegs nach Roman-Autor. Acht unterschiedliche Charaktere, acht Schreibprobleme, 22 Reisetage und keine Möglichkeit auszuweichen, denn der Zug hält nirgends lange.

Eine großartige Idee und ein ideal gewähltes Setting. Denn in einem Zug, der nirgends lange hält, in dem für die leiblichen Genüsse gesorgt wird und nicht dauernd Telefon oder Tür klingeln, kann man nicht ausweichen und sich wirklich seinen Themen widmen. Was die Herrschaften ja auch, unterstützt von Nikolai, dem Schaffner, der jedem individuellen Rat zu seinem Problem gibt, tun.

Wie gesagt, die Idee hat mir gut gefallen und bis zur Hälfte des Buches fand ich es gut umgesetzt, die Beispiele waren stimmig, der romanhafte Überbau lustig und die Probleme jedem der schreibt bekannt, die Empfehlungen die Nikolai seinen Autor*innen gibt sind originell und sicher hilfreich. Allerdings gibt es auch Mankos, die durchaus in den Schwächen liegen können, die die Autorin hat. Zum Beispiel bei den Dialogen.  Hier führt sie ein Negativbeispiel an, einen simplen Dialog aus dem Zusammenhang gerissen. Sicher nicht perfekt, hätte ein wenig subtiler sein, ein wenig mehr Gestik haben können, aber im Grunde ein schönes Beispiel für einen lebendigen Dialog. Dem gegenüber stellt sie als Positivbeispiel etwas, das kaum als Dialog bezeichnet werden kann. Eine Frau in einer Apotheke, die ein Gespräch möchte und versucht eines in Gang zu bringen, aber ein desinteressiertes Gegenüber hat. Um nun deutlich zu machen, wer da einkauft, unterfüttert sie diesen Dialog mit inneren Monolog, was natürlich in keinster Weise die Funktion, die ein Dialog haben soll, kennzeichnet.

Des weiteren hat mir nicht gefallen, dass da so ein Genre-Bashing betrieben wird. Fantasy, Science Fiction und Dystopien, haben durchaus ihre Berechtigung und ihre Leser. Vielleicht entsprechen sie nicht dem Geschmack von Frau Wang-Richter, aber sie haben ihre Leser, und die Geschichten, die sie transportieren, haben natürlich ihren Ursprung im hier und jetzt und in dem Erleben des Autors. Autoren wie Michail Bulgakov, Boris und Arkadi Strugazki, Ray Bradbury und viele mehr haben in diesem Genre Weltliteratur geschaffen.

Schreibinteressierte werden in dem Autorenexpress viel Hilfreiches für ihre Arbeit finden, doch empfehle ich, kritisch zu lesen und nicht davon auszugehen, dass die Autorin in allem und jedem recht hat.

 

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