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Kategorie: Krimi

Höllenrose von Karin Fossum

Höllenrose von Karin Fossum

Auf dem Cover steht „Kriminalroman“ und es gibt auch einen Mord, einen Kommisar und Ermittlungen und doch ist die Bezeichnung irreführend. Ich würde es eher das Psychogramm eines Mordes nennen. Doch erst einmal zum Inhalt.

In einem Wohnwagen, der am Rand eines Feldes steht, in der Nähe eines Bauernhofes steht, werden zwei Leichen gefunden, die einer Mutter und ihres vierjährigen Sohns. Der Mord war ein ausgesprochen brutaler und keiner vom Bauernhof, weder der Bauer und seine Familie, noch die polnischen Landarbeiter, haben etwas gesehen. Kommisar Sejer beginnt mit den Ermittlungen. In Rückblenden wird die Geschichte von Bonnie Hayden und ihrem Sohn erzählt und die Geschichte von Eddie, der nicht wirklich behindert ist, aber auch nicht ohne Unterstützung klar kommt. Der mit seiner Mutter lebt, bis diese eine tödliche Diagnose erhält, und natürlich auch, was Eddie, seine Mutter mit Bonnie und Simon verbindet.

Ich mag die Bücher von Karin Fossum sehr, eben weil sie keine typischen Kriminalromane sind. Die Ermittler, allen voran Kommisar Sejer, bleiben sehr im Hintergrund und blass im Gegensatz zu den anderen Charakteren. Da liegt auch für mich ein Kritikpunkt. Wenn denn konsequent. Denn die Ermittler praktisch anonym lassen. Es irritiert mich immerl, wenn Sejer wieder auftaucht und sich eine Stulle schmiert oder mit seinem Hund redet. Jedesmal denke ich, nun erfahre ich etwas über den Guten und schwupps, richtet sich der Scheinwerfer schon wieder auf jemand anders. Trotzdem ist es ein sehr gelungenes Buch. Kein typischer „Who done it?“ eher ein „Why was it done?“

Höllenrose 

Autorin: Karin Fossum

  • Erschienen am 02.11.2017
  • 304 Seiten, Broschur
  • Übersetzt von: Gabriele Haefs
  • ISBN: 978-3-492-31164-9
  • Preis: 10,00 (D)
Dornen und Disteln soll er dir tragen von Volker Pesch

Dornen und Disteln soll er dir tragen von Volker Pesch

Der Polizeiseelsorger Tom Schröder ist zurück. Sein 2. Fall beginnt mit dem Auffinden dreier Moorleichen, die ganz augenscheinlich nicht prähistorisch sind, aber eben auch nicht so ganz frisch. In den Dörfern um den Fundort setzt sich die Gerüchteküche in Gang, es wird vermutet, dass es sich um russische Zwangsarbeiter handelt, von denen man sich erzählt, dass sie Ende des 2. Weltkrieges im Moor von Dorfbewohnern exekutiert wurden. Die neue Kriminalhauptkommisarin Alba Nehmzow, der Greifswalder Mordkommision, kommt aus dieser Gegend, sie kennt die Gerüchte und die Menschen hier. Schnell bekommt sie Druck den Fall ad acta zu legen. Was nicht so einfach ist, denn kurz darauf wird ein gewisse Herr Krupski, Geschäftsführer der Agrar GmbH erschossen in seinem Wohnmobil aufgefunden. Bei der Untersuchung der Kugel, die aus  Krupskis Kopf entfernt wurde, zeigt sich, dass sie aus der selben Waffe stammt, wie die Kugel die man in einer der Moorleichen gefunden hat. Da Kurpski nicht gerade beliebt war, kommen so einige als Täter in Frage.

Handlung und Personen sind frei erfunden.

Das Thema leider nicht: So oder ähnlich könnte

es sich jederzeit und an vielen Orten zugetragen haben

Diese Worte stellt Volker Pesch seiner Geschichte voran. Das Thema auf dem er seinen Plot aufbaut, ist eine recht widerliche, aber keine verbotene Praktik, der Bodenspekulation. Gesellschaften kaufen Landwirten ihr Land ab und verpachten es ihnen zurück und nach einer gewissen Zeit, wenn die Grundstückspreise gestiegen sind, verkaufen sie es an den Höchstbietenden. Krupski war so einer und so richtig Trauer über seinen gewaltsamen Hingang kommt nicht auf. Die Landwirtschaft ist schon lange keine romantische Angelegenheit mehr, sondern ein harter Kampf ums Überleben.

Mir hat schon der 1. Tom Schröder Krimi Denn wer da hat, dem wird gegeben sehr gut gefallen und auch der 2. Fall für Volker Peschs atypischen Ermittler hat nicht enttäuscht. Die Entscheidung nicht einen Kriminalhauptkommisar oder ähnliches zum Ermittler zu machen, sondern einen Polizeiseelsorger, ist interessant. Denn die eigentlichen Ermittlungen gehören ja nicht zu den Aufgaben eines Seelsorgers. Tom Schröder ist also jemand, der schon hautnah dran ist, aber eben auch eine Außensicht auf das Geschehen hat. Er kommt anders als ein offizieller Ermittler mit den Menschen ins Gespräch, muss keine Rechenschaft über seine Erkenntnisse ablegen. Auch mit Alba Nehmzow, der neuen KHK, hat Pesch einen guten Griff getan. Sie stammt aus der Gegend, ist dort aufgewachsen, sie kennt die Leute, spricht ihre Sprache, ist aber auch gehandikapt durch frühere Freundschaften und Sympathien, die sie für eventuelle Tatverdächtige hegt. Überhaupt sind sowohl Thema, wie Charaktere, als auch der Plot, schlicht und ergreifend gelungen. Kurz gesagt, ein Krimi den ich gerne weiter empfehle, während ich mich auf Tom Schröders 3. Fall freue.

Volker Pesch
Dornen und Disteln soll er dir tragen
Küsten-Krimi

ca. 272 Seiten, 13,5 × 21 cm
Paperback
ISBN 978-3-87062-279-4

CMZ Verlag

Die Lieferantin von Zoë Beck

Die Lieferantin von Zoë Beck

In der Londoner Drogenszene kocht es. Die alteingesessenen Großdealer sind beunruhigt, sogar sehr, denn es gibt einen neuen Stern am Himmel. Die Lieferantin, die ihre qualitativ ausgezeichnete Ware über das Darknet anbietet und den Stoff via Drohnen ausliefert. Doppelt bedrohlich ist, dass sie zu einem Zeitpunkt auftaucht, an dem in Großbritannien, nach dem Brexit über den Druxit angestimmt werden soll. Der Druxit bedeutet, dass die Drogengesetze verschärft werden sollen und das Süchtige zukünftig selbst für die Folgen ihrer Sucht zahlen sollen. Auf Elly Johnsons, die Lieferantin wird ein Kopfgeld ausgesetzt … und sie braucht einen neuen Zulieferer, der alte wurde tot aus der Themse gefischt.

Wie immer gelingt es Zoë Beck, nicht nur einen spannenden Krimi zu schreiben, sondern auch die aktuellen politisch relevanten Themen anzusprechen. Zunehmende Überwachung und das Ansteigen von Rassismus und Gewalt im Post-Brexit London, welches die Autorin ein wenig die Zukunft verlegt hat. Die Lieferantin ist nicht einfach nur ein spannender Krimi, es ist ein Blick in die Zukunft.

Ein gut aufgebauter Thriller, der sich durch starken Charaktere, politische Aktualität und einem spannenden Plot auszeichnet. Sehr empfehlenswert.

 

Lügenland von Gudrun Lerchbaum

Lügenland von Gudrun Lerchbaum

Am Vorabend ihrer Hochzeit erschießt die Soldatin Mattea, unter  Einfluss von Alkohol und Drogen, eine Freundin. Eigentlich die Freundin ihrer besten Freundin. Auf ihrer Hochzeitsfeier wird sie verraten und muss fliehen. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Geschichte nicht im heutigen Österreich spielt, sondern in einem in einer nicht allzu fernen Zukunft. Einer Zukunft, in der der Traum Europa ausgeträumt und Österreich ein faschistisch regiertes Land ist. Die Bürger werden mittels Fonbändern, über die sie im Internet surfen, Bezahlungen tätigen, Nachrichten empfangen, sich ausweisen, sowie durch nahezu flächendeckend installierte Kameras, überwacht. An allen öffentlichen Einrichtungen und Plätzen sind meterhohe und -breite Mediawände aufgestellt, über die Nachrichten laufen, was eine Flucht natürlich deutlich erschwert. Zu allem Überfluss wird Mattea auch noch mit einer flüchtigen Terroristin, mit Ina Mattusek, verwechselt.

Im Grunde ist diese Mattea linientreu. Klar, sie ist nicht glücklich bei der Miliz, darum hat sie sich zu einer arrangierten Ehe entschlossen, um dem Dienst zu entgehen. Denn wer Mutter und Ehefrau wird, leistet seinen Beitrag für das Vaterland und ist aus der Schusslinie.  Ihr ist bewusst, dass vieles schief läuft, glaubt aber auch der Propaganda der Herrschenden, dass es nun einmal nötig ist Opfer zu bringen. Nach einer recht wilden Flucht gelingt es ihr, sich nach Linz zu ihrer Großmutter väterlicherseits durch zuschlagen, die sie mit der Widerstandsbewegung in Kontakt bringt, die ihr, in dem Glauben, es mit Ina Mattusek zu tun zu haben, hilft. Während dessen behaupten die Medien, sie hätten die wahre Ina Mattusek gefangen genommen und ein perfides Spiel mit den Identitäten der beiden Frauen beginnt.

Gudrun Lerchbaum hat mit Lügenland ein aktuelles Buch geschrieben. Ein wichtiges Buch. Anhand der Geschichte von Matteas Flucht zeigt sie, wie brüchig das Weltbild wird, wenn man über seinen Tellerrand hinausgeschubst wird. Wenn die alten Regeln und vermeintlichen Sicherheiten nicht mehr gelten. Ihre Protagonistin ist keine typische Heldin, ja, sie ist nicht einmal sonderlich sympathisch. Wie auch, denn wenn wir sie kennenlernen, hat  sie gerade scheinbar grundlos eine Freundin erschossen. Mattea sie ist einfach in eine Situation geraten, in der es nur noch ums Überleben geht und das ist etwas was sie beherrscht. Mir hat die Entwicklung gefallen, die die Autorin ihre Protagonistin machen lässt. Sie gewinnt Erkenntnis über die Machenschaften der Regierung und deren Mechanismen, aber sie wird nicht von einer Saula zur Paula. Sie sieht auch die weiter kritisch, die einen Umsturz wollen, denn die bedienen sich im gleichen Maße der Lüge und der Manipulation, um ihre Ziele zu erreichen, wie die, die sie bekämpfen. Gerade wegen ihrer Brüche und ihrer Kanten, ist Mattea, eine glaubhafte Figur. Eine die im Laufe der Geschichte immer dreidimensionaler wird.

Lügenland lässt sich nur schwer einem Genre zuordnen, was mir außerordentlich gut gefällt. Doch in eine Kategorie gehört es für mich eindeutig: Wichtiges Buch, das viele Leser*innen finden sollte.

Lügenland

Autorin: Gudrun Lerchbaum

Verlag: Pendragon

ISBN  978-3-86532-550-1

Preis: 17,00 €

Alles so hell da vorn von Monika Geier

Alles so hell da vorn von Monika Geier

MONIKA GEIER
Alles so hell da vorn
ARIADNE 1223
ISBN 978-3-86754-223-4 Preis: 13,00 €

In einem Frankfurter Vorstadtbordell erschießt eine junge Prostituierte einen uniformierten Polizisten und einen »Security Mann«, dann informiert sie die Polizei und flieht. Der erschossene Beamte heißt Ackermann und ist der langjährige Kollege und zeitweise Freund von Kriminalkommisarin Bettina Boll. Die aus allen Wolke fällt, als sie begreift, dass jemand dem sie so nahe war und so gut zu kennen glaubte, pädophile Neigungen hatte. Doch es kommt noch dicker, als die Mörderin in einem kleinen Ort, wo sie einen weiteren Mann erschossen hat, gefasst wird und behauptet Meggie zu sein, die Meggie, die vor zehn Jahren aus eben diesem Ort im Alter von sechs Jahren spurlos verschwand. Während der Ermittlungen wird schnell klar, dass Beamte der Polizei in die Machenschaften des Kinderprostitutionsringes verwickelt sind und dass diese Verbindungen bis in die höchsten Ränge gehen … und das jemand versucht, Bettina Boll zum Sündenbock zu machen. Die hat es im Moment eh nicht leicht, sie will das von ihrer Tante ererbte Haus verkaufen, was sich als schwierig herausstellt. Zum einen, weil ihre Kinder es nicht loslassen wollen und zum anderen, wegen des in einem versteckten Raum gefundenen Brunnens, vor dem ein paar uralte Kinderschuhe stehen. Der Verdacht, dass der Brunnen nicht nur Wasser enthält, liegt nahe.

Ohne voyeuristisch zu werden, führt Monika Geier ihren Leser*innen, dass ganze Grauen und Elend, der missbrauchten Kinder vor Augen und die Skurpellosigkeit ihrer Zuhälter und Freier. Sie baut den Fall spannend aus einer ungewöhnlichen Ausgangssituation heraus auf und nimmt einen von den ersten Seiten an gefangen. Ich habe das Buch in zwei Tagen durchgelesen und heute morgen um 03:30 beendet. Das sollte schon so einiges über seine Qualität aussagen. Die Autorin bereitet ein verstörendes Thema sensibel auf und hält das Gleichgewicht, zwischen nüchterner Polizeiarbeit und aufkochenden Emotionen. Schön, dass sie diesen schweren Stoff auflockert, in dem sie einiges an Lokalkolorit einbringt. Etwa die Arbeitsweisen ihrer Pirmasenser Kollegen und wie diese gewöhnlich die Mittagspause begehen. Überhaupt beherrscht Monika Geier die Kunst, mit wenigen Worten ein komplexes Bild von Mensch und Situation zu zeichnen. Ein Buch also, das ich nur wärmstens empfehlen kann.

Wenn das Eis bricht – Camilla Grebe

Wenn das Eis bricht – Camilla Grebe

Wenn das Eis bricht

Autorin: Camilla Grebe

Übersetzerin: Gabriele Haefs

Verlag: btb

ISBN: 978-3-442-75717-6

Paperback – Preis: 15,00 €

Jesper Orre ist reich, erfolgreich und gefürchtet. Eines Tages wird in seiner Wohnung eine enthauptete Frau gefunden. Jesper Orre ist verschwunden. Die Art und Weise, wie der Kopf der Leiche platziert ist, lässt die Ermittler an einen anderen, weiter zurückliegenden, niemals geklärten Fall denken. Sie ziehen die Verhaltenstherapeutin Hanne hinzu, die schon früher als Beraterin für die Polizei gearbeitet und eben auch an besagtem anderen Enthauptungsfall mitgewirkt hat. Hanne nimmt an, obwohl sie wahrlich eine große persönliche Baustelle hat, ihr wurde Alzheimer diagnostiziert.

Camilla Grebe legt mit „Wenn das Eis bricht“ ihren ersten eigenen Roman vor. Zuvor hat sie mit ihrer Schwester Asa Treff, die Serie um die Psychologin Siri Bergmann geschrieben. Welche ich übrigens sehr mochte und mich freuen würde, wenn es da weitergeht. Was nun das Solowerk von Frau Grebe betrifft: Nun, ich kann nicht sagen, dass es mir nicht gefallen hat. Es ist ein Pageturner, keine Frage, es ist auch eine spannende Geschichte und auch die Erzählform, für die die Autorin sich entschieden hat, ist interessant. Sie erzählt aus den verschiedenen Perspektiven der Protagonist*innen und das hat eindeutig etwas. Was mich stört, ist die Gefälligkeit und das Verbraten von Klischees. Natürlich muss mindestens ein Alzheimer Fall vorkommen. Eine Protagonistin mit einer verkorksten Kindheit und diversen psychologischen Auffälligkeiten auch. Sicher, es ist spannend geschrieben und man taucht gut in die Geschichte ein, doch sowie man wieder auftaucht und noch ein wenig nachdenkt, werden einem die Plotlöcher bewusst. Also kurz gesagt: Was mich an dem Buch stört, ist seine Gefälligkeit. Wahrscheinlich ist das aber genau das, was es für Hollywood interessant gemacht hat, denn einen Filmvertrag gibt es bereits.


 

Denn wer da hat, dem wird gegeben – Volker Pesch

Denn wer da hat, dem wird gegeben – Volker Pesch

Denn wer da hat, dem wird gegeben

Autor: Volker Pesch

Küstenkrimi

Verlag: CMZ

272 Seiten, 13,5 × 21 cm
Paperback
ISBN 978-3-87062-199-5

Preis: 12,95 €

Als der Ex-Pfarrer Tom Schroeder seine neue Stelle bei der Greifswalder Kripo antritt, stolpert er sofort in eine Mordermittlung. Eigentlich ist er dafür nicht zuständig. Denn er wurde der Dienststelle als Seelsorger und für die Krisenintervention zu geteilt, doch er ist neugierig. Unterstützung erfährt er nicht von den Kollegen. So richtig will ihn dort niemand und als er beginnt Fragen zu stellen, nach der Toten, nach der Industriebrache auf der sie gefunden wurde und nach den holländischen Investoren, die auf dem alten Industriegebiet in bester Lage, eine Bio-Ölraffinerie bauen wollen, läuft er schnell gegen Mauern. Der Raffinierie-Bau wird von der Oberbürgemeisterin der Stadt eindeutig favorisiert. Denn die Niederländische Holding ist sehr großzügig in Sachen Unterstützung des Ortes und weiß wo die Schmiermittel verteilt werden müssen, denn sie sind nicht die einzigen Bewerber um das Gebiet. Architekt Hegebarth plant eine Gesundheits-Wellness-Hotel, die Bernsteinstadt und auch dieser Plan hat einige Befürworter. Schroeder will nun wissen, welche Rolle die unbekannte Tote spielt, was sie mit den diversen Plänen zu tun hatte und ob sie wirklich so unbekannt ist.

Mit dem Polizeiseelsorger Tom Schroeder führt Volker Pesch einen sympathischen neuen Ermittler ein. „Denn wer da hat, dem wird gegeben“ ist Volker Pesch erster Küstenkrimi und ich hoffe sehr bald mehr von Tom Schroeder und dem Greifswalder Klügel zu lesen. Die Charaktere sind glaubhaft und gut gezeichnet. Ein sehr gelungener, thematisch extrem aktueller Krimi.

 

Ein kalter Fall von Anne Holt

Ein kalter Fall von Anne Holt

Ein kalter Fall

Autorin: Anne Holt

 

  • Übersetzt von: Gabriele Haefs
  • ISBN: 978-3-492-05471-3
  • € 22,00 [D], € 22,70 [A]
  • Erschienen am 01.03.2017
  • 432 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag

Hanne Wilhelmsen, die Kommisarin, die in so einigen Anne Holt Krimis auftrat, sitzt nach einer Schussverletzung im Rollstuhl und ist offiziell nicht mehr für die Osloer Polizei tätig. Doch dann bittet man sie sich um, so genannte Cold Cases (kalte Fälle) zu kümmern und teilt ihr auch einen Mitarbeiter zu, Henrik, der ein wenig anders ist. Hochintelligent und mit diversen Tics behaftet. Während diese beiden versuchen herauszubekommen, was mit der 16-jährigen Karina vor einigen Jahren geschehen ist, wird Oslo von einem Terroranschlag erschüttert. Das Ziel, eine Institution für Migranten aus islamischen Ländern, die sich zu Norwegen bekennen. Das Bekennervideo nennt eine bis dato unbekannte Gruppe, der Sprecher ist ein junger Pakistani, der kurz darauf ermordet am Waldesrand auf gefunden wird. Dann taucht auch noch Billy T. bei Hanne Wilhelmsen auf, ihr alter Partner, zu dem sie jeden Kontakt abgebrochen hat und äußert die Vermutung, dass sein Sohn Linus zum Islam konvertiert ist.

Anne Holt behandelt da ein aktuelles und brisantes Thema und hat mit „Ein kalter Fall“ sehr viel mehr, als einen Kriminalroman geschrieben. Sie taucht tief ein, in die kochende Volkesseele und zeigt, wie schwer es ist, die Zusammenhänge von Ereignissen zu durchschauen. Immer kann es auch ganz anders gewesen sein.

Doch es gibt auch ein Manko. Beim Lesen hatte ich immer wieder das Gefühl, dass an einigen Stellen was fehlt. Manchmal Kleinigkeiten, manchmal ist da auch eine größere Lücke. Es ist zwar immer so, dass alles noch einen Sinn ergibt, aber der Rhytmus ist gestört, was am Lektorat liegen könnte. Auf Nachfragen erfuhr ich dann auch von Menschen, die das Buch im Original gelesen haben, dass einige Szenen dort deutlich länger behandelt sind. Sehr schade. Ich könnte mir vorstellen, dass Autorin und Übersetzerin ob dieser Tatsache leicht verärgert sind, so sie es erfahren.

 

 

Ihr Mord, Mylord

Ihr Mord, Mylord

ihr-mord-mylord Ralf Kramp

Ihr Mord, Mylord

Verlag: KBV

ISBN: 978-3-95441-319-5

Seiten 240

10,95 Euro (inkl. MwSt.)
Taschenbuch

Reginald Lord Merridew, übergewichtig und ein wenig versnobt und sein Sidekick, der etwas behäbige Anwalt Nigel Bates ermitteln und zwar in der guten alten Zeit, als der Gedanke an Computer, Smartphone und Internet noch in den Bereich Science Fiction gehörte.  In „Ihr Mord, Mylord“ berichtet Ralf Kramp in acht Kurzgeschichten von ihrem Treiben, welches sie oft in die Nähe bekannter Gestalten bringt. Wer also wissen möchte,  wer Mr. Winterbottom, Sir Tob, Admiral von Schneider und Mr. Pommeroy waren, und welch finstere Machenschaften Lauri Wylie, dazu brachten „Dinner for one“ zu schreiben, ist hier genau richtig.

Ich mochte dieses Buch sehr. Ralf Kramp schreibt amüsant und er hat seine Krimis gelesen. Das gefiel mir besonders, der Bezug auf literarische Vorgänger. Wer hat sich noch nicht gefragt, was aus der schönen Gräfin Helena Andreny aus Agathas Christies „Mord im Orientexpress“ wurde? Lord Merridew und Nigel Bates, bringen es in Erfahrung.

 

Miss Terry von Liza Cody

Miss Terry von Liza Cody

miss-terry_sLiza Cody
Miss Terry
Ariadne 1219
Deutsch von Grundmann und Laudan
288 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
ISBN 978-3-86754-219-7 · 17 €

Nita Tehri lebt in ihrer kleinen Wohnung, in einer ruhigen Straße, ist Grundschullehrerin, sieht gut aus, ist eine fantastische Köchin und … hat Migrationshintergrund. Als in einem Müllcontainer ein totes Baby von ethnischer Herkunft gefunden wird, gerät sie in Verdacht, ist sie doch die einzige dunkelhäutige Bewohnerin dieser Straße. Sie wird von seiten ihrer Nachbarn und der Polizei mit allen Vorurteilen konfrontiert die man sich denken kann und ohne, dass es einen konkreten Anhaltspunkt gibt, steht dort fest. Sie war es, es ist ihr Baby, sie hat es ermordet. Sie wird von ihrer Arbeit freigestellt, muss mit dem wirtschaftlichem Ruin rechnen und das zu allen anderen Problemen. Denn so perfekt, wie es scheint, ist Nita Tehris Leben nicht. Sie muss sich vor ihrer Familie verstecken, die sich von ihr entehrt fühlt und fürchtet um ihr Leben. Sie beginnt auf eigene Faust zu ermitteln, um ihren guten Ruf wieder herzustellen. Dabei entdeckt sie, dass sie sehr wohl Menschen in ihrem Umfeld hat, die sie unterstützen.

Liza Cody hat hier wieder einen ganz besonderes Buch vorgelegt. Es einfach Krimi zu nennen, würde es nicht treffen. Sicher hat gibt es Krimielemente, aber das ist auch schon alles. Liza Codys Figuren sind vielschichtig. So führt Nita noch einen sehr speziellen Kampf, sie will ihren anerzogenen Gehorsam, diesen Drang sich Autoritäten unter zu ordnen, überwinden. Das spielen mit Vorurteilen, beherrscht Liza Cody perfekt, sie lässt sich nicht auf Schwarz und Weiß Malerei ein, sondern beleuchtet die Grautöne. Es ist also nicht einfach ein Krimi, es ist eine Gesellschaftsstudie.

Ich möchte auf ein weiteres Buch von Liza Cody hinweisen, welches ich beeindruckend fand: Lady Bag

http://www.argument.de/belle_index_reload.html?ak/1222.html