In the Grass von Brian McNeill

SAMSUNG

Rezension bezieht sich auf die englische Ausgabe!

Handlung:

Samantha Knox ist eine Privatdetektivin der besonderes Art. Private Ermittlungen sind so zu sagen ihr Brotjob. In der Hauptsache ist sie das Begleittier einer  Hexe … so ungefähr. Sie ist eine Gestaltwandlerin und eine Art Hexenfinderin, dies in Gestalt einer schwarzen Katze. So ist sie zu Mike und Libby gekommen, denn Libby hat Hexentalente, die kurz vor der Entfaltung stehen. Als Detektivin ist sie auf zwei Beinen unterwegs, wobei die vierbeinige Variante in manchen Situationen auch nicht ungelegen kommt, in die eine schwarzhaarige Detektivin geraten kann. Eines Tages nun erhält Samantha den Auftrag den entschwundenen Python Justin, der adeligen Stripperin Lady Letitia Moresby, wieder zu finden. Das Unterfangen gestaltet sich haariger, als es am Anfang aussah. Zu allem Überfluss haben auch Mike und Libby so ihre Probleme und brauchen Hilfe …

Frau Braun meint …

Dies ist eindeutig ein Buch, das ich in der Rubrik: „Sollte unbedingt übersetzt werden“ einordnen würde. Ohne das geringste Zögern. Eigentlich müsste es sogar in die Rubrik: „Es ist eine Schande, dass sich noch kein Verlag dieser Geschichte angenommen hat“. Die Geschichte ist eine gelungene Mischung aus Fantasy und Krimi. Satirische Anlehnungen an Sam Spade und Philip Marlowe sind nicht zu übersehen. Aber vor allem ist es ein sehr heutiges Märchen, welches ich mit großem Vergnügen gelesen habe.

Brian McNeill ist einer der bekanntesten schottischen Folk-Musiker und „In the Grass“ ist sein 3. Buch. Zu schreiben hat er begonnen, weil er sonst bei dem Touren-Stress verrückt geworden wäre, behauptet er in seiner Kurz-Bio. Es ist gut das er diesen Weg gewählt hat und, statt dem Wahnsinn zu verfallen, der Welt so eine herrlich verrückte Geschichte mit viel Herz, Ironie und schwarzen Humor beschert hat.

Samantha Knox ist als Auftakt zu einer Serie geplant. Ich bin schon sehr gespannt was da als nächstes kommt.

Schattenkind von Anne Holt

SAMSUNGEs ist der 22.7.2011, der Tag des Massakers von Utøya, als der kleine Sander stirbt. Alles sieht nach einem Unfall aus. Zuerst! Doch so nach und nach zeigt sich, dass die scheinbare Bilderbuchfamilie so einige dunkle Flecken in ihrem Leben hat. Inger Johanne Vik, die Kriminologin und Forscherin, kommt zufällig auf Besuch zu ihrer Freundin, kurz nachdem Sander starb. Von Anfang an kommt ihr einiges komisch vor, aber sie drängt es weg. Wie ohnehin alles an diesem Tag in Oslo verdrängt wird von den Anschlägen im Regierungsviertel und in Utøya. So ermitteln Stubø und Vik diesmal auch nicht gemeinsam, sondern an getrennten Fronten.

Anne Holt lässt mit Schattenkind die Reihe um Stubø/Vik zu Ende gehen. Für das Finale hat sie sich das heikle Thema Gewalt gegen Kinder vorgenommen. Das Buch ist kein Krimi im übrigens Sinne, sondern viel mehr. Es ist ein Aufruf genau hin zu schauen und zu akzeptieren das Gewalt gegen Kinder zwar alltäglich ist, durch alle Gesellschaftsschichten, aber das es auch ein mit einem Tabu behaftetes Thema ist. So ist auch Inger Johanne nur sehr widerwillig bereit sich mit dem Geschehen auseinander zu setzen. Doch letztendlich bleibt ihr und einem jungen rothaarigen Polizisten, der von Anfang an keine Ruhe gibt, nichts anderes übrig, als sich den Tatsachen zu stellen. An Sanders Tod stimmt etwas nicht. Während ihrer Ermittlungen stoßen sie auf verschiedene Menschen, die alle eine sehr unterschiedliche Wahrnehmung der Verhältnisse in Sanders Elternhaus haben. Da sind die, die einen Verdacht haben, aber zögern zu handeln und die die schlicht und ergreifend bewusst die Augen verschließen.

Anne Holt verwebt den Fall und die nicht einfach private Geschichte von Inger Johanne und Yngvar sehr geschickt zu einer spannenden und aufrüttelnden Story. Sensibel schreibt sie über ein Thema, dass niemanden kalt lässt. Es ist keine Anklage, da ist kein erhobener Zeigefinger und auch kein überlegenes „so etwas würde ich nie übersehen“ sondern einfach die Trauer darüber, das niemand genauer hingesehen hat. Besser gesagt, das keiner seiner Wahrnehmung trauen wollte, weil: Es kann ja nicht sein, was nicht sein darf!  Bei aller Realitätsnähe ist es aber auch, vielleicht gerade darum, eine spannender Kriminalroman.

Ich habe alle Bücher aus der Stubø/Vik Reihe gelesen und fand alle auf sehr unterschiedliche Weise gut. Trotzdem finde ich es in Ordnung, dass Anne Holt nun Schluss macht, mit dieser Serie und zwar jetzt, wo man sich der Protagonisten liebevoll erinnert und nicht erst, wenn einem beim Erscheinen eines weiteren Bandes der Kaffee hochkommt.

Übersetzt wurde dieses Buch, wie alle anderen von Anne Holt, von Gabriele Haefs.

Schattenkind

Anne Holt
KRIMINALROMANerschienen am 15.10.2013

Übersetzt von: Gabriele Haefs
336 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-492-05396-9
€ 19,99 [D], € 20,60 [A], sFr 28,90

Gotteszahl von Anne Holt

Die Autorin:

Anne Holt , Jahrgang 1958, aufgewachsenen in den USA und in Norwegen, lebt mit ihrer Familie in Oslo. Dort arbeitet sie als freie Autorin.

Die Handlung:

Es ist Mitte Dezember und eine Reihe von Morden zieht sich von Bergen nach Oslo durch Norwegen. Keines der Verbrechen scheint auf den ersten Blick etwas miteinander zu tun zu haben. Bis auf eine Sache: jedes der Opfer war homosexuell oder engagierte sich für die Gleichstellung Homosexueller. Yngvar Stubø ermittelt, und auch seine Frau Johanne wird in den Fall verwickelt.

Frau Braun meint:

Es ist der erste Krimi den ich von Anne Holt gelesen habe und die ganze Zeit habe ich mich gefragt, wie es angehen kann, dass mir diese Autorin bis dato entgangen ist.

Anne Holt ist hier ein sehr vielschichtiger Roman gelungen. Sie schafft es scheinbar mühelos die verschiedenen Stränge und Ebenen ihrer Geschichte im Gleichgewichtig zu halten. Gotteszahl ist 2008 erschienen und hat in den letzten Jahren und der zunehmenden Homophobie an Aktualität gewonnen. Glaubhafte Charaktere, mitreißende Spannende Story und eine politische Ebene, alles was ein guter Krimi für mich braucht.

Die deutsche Übersetzung stammt von Gabriele Haefs.

Gotteszahl

Anne Holt

KRIMINALROMAN

Erschienen am 01.10.2010
Übersetzt von: Gabriele Haefs
480 Seiten, ePub
ISBN: 978-3-492-95127-2
€ 8,49 [D], € 8,49 [A], sFr 9,00

Maria Rosenblatt – Corinna T. Sievers

Die Autorin

Corinna T. Sievers stammt von Fehmarn. Sie studierte Politik, Medizin und Zahnmedizin und arbeitet heute als Kieferorthopädin in Zürich. Maria Rosenblatt ist ihr drittes Buch.

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Die Handlung:

Maria ist so Mitte 40. Sie lebt mit ihrem Mann, dem Psychiater Hannes und 2 Kindern  in sehr angenehmen materiellen Verhältnissen. Sie ist erfolgreich in ihrem Beruf als Ermittlerin bei der Kriminalpolizei und einsam. Sexuell läuft bei ihr und Hannes schon lange nichts mehr, und sie sehnt sich nach Liebe, Sex und Leben. Während sie in einem Fall von Kinderpornografie ermittelt, verliebt sie sich in ihren neuen Vorgesetzten, den Staatsanwalt Leo und setzt für diese Beziehung einiges aufs Spiel.

Frau Braun meint:

Ob es nun ein Roman oder ein Krimi ist, ist eigentlich völlig gleichgültig. Auf alle Fälle ist es ein sehr gutes Buch geworden und das ist die Hauptsache. Berührend, aber ohne larmoyant zu werden, wird die Geschichte dieser Maria Rosenblatt erzählt. Hardboiled wurde das Buch in diversen Kritiken genannt und das trifft es auch. Frau Sievers zeigt ihre Protagonistin sehr offen.  Sie zeigt deren Rücksichtslosigkeit, Sexgier und  Machtbessenheit genau so schonungslos, wie deren Verletzlichkeit und Angst vor dem Älterwerden.

Was die Krimi-Elemente betrifft, so hat mir besonders gefallen, dass die Autorin mehr Wert auf Kopfarbeit, denn auf Körpereinsatz legt, und zeigt, dass sich in diesem Genre auch Spannung durch leise Töne erzeugen lässt. Und spannend ist die Geschichte. So wohl die Marias, als auch die des Kriminalfalles.

Fazit: Sehr zu empfehlen

Corinna T. Sievers

Maria Rosenblatt
Roman
Originalveröffentlichung
geb. mit Schutzumschlag,
144 Seiten
€ (D) 16,–
€ (A) 16,50
ISBN 978-3-89401-779-8
Erschienen August 2013 

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert – Joel Dicker

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Dieses Buch habe ich aus der Bücherei als Hörbuch, gelesen von Torben Kessler, mitgenommen und fand es so gut, dass ich es selber lesen wollte.

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert von Joel Dicker ist im Piper Verlag erschienen. Es ist Joel Dickers zweiter Roman und hat es gleich zum Bestseller geschafft. Schon wenn man die Zutaten Liste liest versteht man warum.

Handlung:

Ein sehr junger Schriftsteller, Markus Goldman, hat nach dem Erfolg seines ersten Buches eine Schreibblockade. In seiner Not sucht er seinen Mentor und Freund, den Schriftsteller Harry Quebert in der kleinen Stadt Aurora auf, um sich zu sammeln. Dort entdeckt er, dass Quebert vor 34 Jahren ein Verhältnis mit der 15 jährigen Nola Kellergan hatte, die unter mysteriösen Umständen verschwand. Wieder zurück in New York erfährt er, das Nola Kellergan gefunden wurde und zwar als Skelett in Harry Queberts Garten. Goldman ist von der Unschuld seines Mentors überzeugt und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und über seine Ermittlungen zu schreiben. Dazu taucht er tief hinter die Fassade der so durchschnittlichen Kleinstadt Aurora in New Hampshire.

Frau Braun meint:

Das Buch rangiert unter der Rubrik Krimi/Thriller. Sicher ist da eine Krimi Geschichte, aber im Grunde ist es sehr viel vielschichtiger. Da ist der junge Autor mit dem großen Erfolg und seiner Angst, dass dieser sich als Eintagsfliege erweisen könnte. Da ist sein Verhältnis zu seinem Mentor. Es ist die Geschichte eines Mannes der erwachsen wird. Dann die Liebesgeschichte zwischen Quebert und Nola Kellergan. Keine Lolita Geschichte. Sicher nicht, aber eine Geschichte die Tabus in Frage stellt. Da sind die Bewohner Auroras, die ihre bürgerliche Fassade verteidigen, hinter der sich so einige dunkle Geheimnisse verbergen.  All das ist zu einer spannenden und mitreißenden Geschichte verwoben. Sehr gut gefallen hat mir das Spiel mit den verschiedenen Möglichkeiten. Denn es bleibt immer spannend, bis zum sehr überraschenden Schluss.

Das Hörbuch hat mich so mitgerissen, dass ich mir eine Nacht damit um die Ohren geschlagen habe und mich so fasziniert, dass ich mir alles gleich noch einmal in gedruckter Form vornahm. Da stellte ich denn fest, dass ein guter Sprecher es schafft so einige literarische Kinken verschwinden zu lassen. Beim Lesen stieß mir so einiges auf. Das Original ist in französischer Sprache erschienen und vielleicht liegt es an der Übersetzung, denn ich kann mir nicht vorstellen das Nola, Harry, mit dem sie immerhin eine Liebesbeziehung hat, siezt.  Auch sind so einige Dialoge sehr flach und nahezu kitschig. Wenn es die Worte der 15 jährigen Nola wären, wäre das verständlich und könnte als niedlich durchgehen, aber bei einem 34 jährigen? Die ganze Zeit hatte ich das Gefühl: Der Dicker kann mehr! Sicher die Geschichte ist toll aufgebaut und man kann sie nur schwer aus der Hand legen, aber ein wenig mehr Sorgfalt im Stilistischen wäre schon schön.

Sehr erfrischend fand ich die sehr zynischen Hinweise aufs Literaturgeschäft. Da ließ er nichts aus. Nicht den Druck auf Erfolgsautoren, nicht die Unart Ghostwriter einzusetzen und nicht den Verleger mit dem permanenten Dollarzeichen in den Augen.

Fazit: Spannend und vielschichtig. Ein Pageturner. Keine Seite der 736 ist langweilig.

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert
Joël Dicker
ROMAN

Erschienen am 13.08.2013
Übersetzt von: Carina von Enzenberg
736 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-492-05600-7

Angst von Dirk Kurbjuweit

Dirk Kurbjuweits Buch lässt mich recht zwei gespalten zurück. In der einschlägigen Presse ist es hochgelobt und wird gerne als Psychothriller bezeichnet. Was ich mehr als unpassend finde.

Handlung:

Die Familie des Architekten Tiefenthaler zieht in eine gut bürgerliche Wohngegend, in den 1. Stock eines eleganten Wohnhauses. Die Familie besteht aus dem Architekten Randolph, seiner Frau Rebecca und 2 wohlgeratenen Kindern. Alles solide Mittelschicht mit einem festen Glauben an den Rechtsstaat.  Dieser wird durch den Mieter der Souterrain Wohnung, Dieter Tiberius, erschüttert. Dieser beginnt die Familie zu stalken, beobachtet genau ihr kommen und gehen, schreibt Briefe mit sexuellen Anspielungen an Frau Tiefenthaler und unterstellt den Tiefenthalers schließlich sie würden ihre Kinder sexuell missbrauchen. Die Familie wendet sich an Anwälte und Polizei und erfährt, dass sich nichts gegen Tiberius unternehmen lässt, da dieser nicht gewalttätig sei. Tiefenthaler ist in seinen tiefen Glauben an den Rechtsstaat erschüttert. Der Protagonist, ist eigentlich eher ein sanfter nachdenklicher Mensch und stark geprägt durch sein Aufwachsen mit einem Vater, der immer Waffen hatte und trug und auch seine Kinder an Waffen heran führen wollte. Tiefenthaler erlebte sehr angstvolle Momente in seinem Elternhaus. So hatte er immer die Befürchtung, sein Vater könnte eines Tages, wegen irgendeiner Verfehlung die Waffe gegen ihn richten und ihn „tot machen“.  Tiefenthaler lehnt Waffen ab, lehnt Gewalt ab und lässt diese doch wieder in sein Leben, als der Rechtsstaat ihm nicht helfen kann.

Das Buch beginnt mit einer unglaublich starken Szene, in der Tiefenthaler seinen Vater im Gefängnis besucht, wo dieser eine Strafe wegen Totschlags an besagten Tiberius verbüßt.

Das, in Ich-Form geschriebene Buch ist also eine Retrospektive auf die Ereignisse. Tiefenthaler beginnt, mit einigen Abstand zu der Tat, die Ereignisse aufzuschreiben. Er reflektiert über seine Kindheit, über das Wesen von Erinnerungen, über Kindererziehung, über seine Ehe, darüber was guten und schlechten Sex ausmacht, bis er schließlich bei der Ermordung Tiberius landet. Bei der Gewalt, die er ja eigentlich ablehnt, aber dann doch in sein Leben lässt. Denn im letzten Kapitel deckt er auf, das er Tiberius getötet hat und sein Vater die Strafe auf sich genommen hat.

Frau Braun meint:

Sicher ein spannendes Buch, wenn auch kein Psychothriller, stellenweise ist es eher ein Gesellschaftsporträt. Auch ist es ein nachdenklich stimmendes Buch, aber auch eines, was in den gängigen Kritiken deutlich überschätzt wird. Jedenfalls sehe ich das so. Sicher ist das Thema ein spannendes. Doppelt, weil diese Stalking-Geschichte tatsächlich in Kurbjuweits Leben stattgefunden hat und ich glaube da liegt der Knackpunkt. Stellenweise hatte ich das Gefühl, das der Autor und sein Protagonist ein wenig durcheinander geraten sind.  Alle Figuren scheinen mir stimmig, bis auf den Protagonisten, der von Kapitel zu Kapitel immer unglaubwürdiger wird. Er beginnt als einer, der Gewalt ablehnt, der Waffen ablehnt, der an den Rechtsstaat glaubt und der eigentlich nur eines will, ein ruhiges Leben in einem einigermaßen Wohlstand und endet, als jemand, der Papi und der Welt zeigen will, dass er doch einer ist, der seine Familie verteidigen kann, wenn der Staat versagt und erschießt kaltblütig einen Menschen via aufgesetzten Kopfschuss. Das passt nicht, zu Mal die Alternative um Ruhe in die Sache zu bringen, ja die ganze Zeit greifbar war. Die Familie hätte ausziehen können.  Das war der Gedanke der mich durchweg beschäftigte, warum ziehen die nicht aus? Sicher kein ruhmreicher Ausweg, aber wenn ich solche Angst um die Sicherheit meiner Kinder und der Menschen meiner Familie hätte, wie sie Tiefenthaler empfindet, dann ist das der Weg den ein Mensch geht, besonders wenn er so hoch moralisch an den Rechtsstaat glaubt und gegen Gewalt ist.

Fazit: Sicher ein gutes Buch.  Aber ganz sicher ist es auch zu sehr hochgejubelt.

Angst – Dirk Kurbjuweit

  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Berlin; Auflage: 3 (18. Januar 2013)

Der goldene Löffel – Marc Domin

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Der goldene Löffel von Marc Domin ist ein kleines, großes Buch. Ein Thriller der besonderen Art. Im Klappentext wird es als Endzeit-Psycho Thriller bezeichnet. was es ziemlich genau trifft.

Der Protagonist ist wahrlich mit dem goldenen Löffel geboren. Schnell wird er mit den Machtstrukturen des Kapitalismus vertraut. Unterwerfung und Machtausübung sind die Kategorien in denen er erzogen wird und er lernt schnell. Mit blutiger Unterstützung seiner Schul“freundin“ und späterer Frau, bringt er sich an die Spitze des Konzerns, baut ein Imperium auf und scheitert schließlich grandios. Alles ist sehr blutig. Eine bedrückende Darstellung des Kapitalismus und seines Scheiterns. Was danach kommt ist auch nicht wirklich besser und auch wenn er Mann mit dem goldenen Löffel noch einige Zeit mitschwimmt … nun ja, lest selber.

Näheres über Marc Domin findet sich hier: http://literatur.wikian.de/wiki/Marc_Domin

Ein Autor den es sich lohnt im Auto zu behalten.

Mord unterm Nordlicht

… skandinavische Autorinnen mörderisch gut in Form.

ord unterm Nordlicht

Wenn ein Untertitel jemals gestimmt hat, dann hier. Die Herausgeberinnen sind Gabriele HaefsChristel Hildebrandt und Dagmar Mißfeldt, alle drei hochverdiente Übersetzerinnen skandinavischer Literatur. Gemeinsam haben sie bereits mehrere Antologien herausgegeben. Die hier ist bei dtv erschienen.

Dieses Buch hat mir sehr viel Spaß gemacht. Einmal weil ich Krimis mag, aber besonders, weil ich Krimis von Frauen sehr gerne lese. Die Autorinnen stammen aus dem gesamten skandinavischen Raum. Es war schön einige meiner Lieblingsautorinnen hier versammelt zu treffen, wie Anne B. Ragde, Ditte Birkemose und Maj Sjöwall. Die Geschichte der letzteren mag vielleicht nicht unbedingt in eine Krimi-Antologie passen, hat mir aber sehr gefallen. Ditte Birkemose hat die Geschichte “Überbringerin der Wahrheit” mit Emma Houg gemeinsam verfasst.

Bei einer Antologie ist es nun immer so, dass einem nicht alle Geschichten gleichermaßen gut gefallen. Hier war es so, dass ich ruhigen Gewissens sagen kann: Es gibt keine Geschichte die mir gar nicht gefallen hat. Einige sind amüsant, andere satirisch und wieder andere einfach traurig. Eine sehr gelungene Mischung.

Dieses Buch hat aber auch noch einen Zusatznutzen: Wer sich vertraut machen möchte mit einer breiten Palette skandinavischer Autorinnen, die er/sie noch nicht kennt, hat hier eine gute Gelegenheit einmal rein zu schnuppern was die eine oder andere so zu bieten hat.

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