Goldene Tage von Andreas Niedermann

Vor kurzem habe ich obiges Buch beendet. Da ist dem Herrn Niedermann mit seinem 10. Buch wirklich ein “goldenes” gelungen. Ich bin jedenfalls tief beeindruckt.

cc Karin Braun

Andreas Niedermann ist nicht nur Autor, sondern auch Verleger. Das Buch ist in eben diesem Verlag, nämlichSongdog erschienen. Auch schreibt der Autor einen sehr lesenswerten Blog: Songdog-Blog

Die 80er Jahre in einer, nicht näher bezeichneten, mitteleuropäischen Stadt. Der Kleingauner Rambo Rimbaud trifft den alternden und publikumsmüden Schriftsteller Andreas, der ihm von der Möglichkeit eines Golddiebstahls berichtet, dem jungen Mann seine Hilfe zusichert und von diesem im Gegenzug, das Versprechen fordert, das er ihm zu sterben hilft, wenn er den Zeitpunkt für gekommen hält. Der Deal gilt und dann … geht alles gut und alles schief. Wie überhaupt in Rambos Leben alles gut und schief zur gleichen Zeit geht. Er hat keine Träume, nur einen diffusen Wunsch zur Fremdenlegion zu gehen. Doch bevor er ernsthafte Schritte in dieser Richtung unternimmt, will er den großen Coup landen. Man(n) möchte ja nicht als Kleingauner unter all den hartgesottetenen Jungs dastehen. All das findet vor den, für die 80er typischen, Großdemonstrationen statt, vor Auseinandersetzungen mit staatlicher Gewalt, neuen (alten) faschistoiden Strömungen und dem Wunsch nach Selbstbestimmung. Da sind die alte Werte verteidigenden Alten und die Jungen die deutliche Veränderungen fordern. Da ist das weite Feld der freien Liebe, die dann doch nicht immer so frei ist, wie gedacht und letztendlich ist da dieser junge Mann, dessen Perspektivlosigkeit beim Lesen fast körperliche Schmerzen bereitet und ihm gegenüber der alte, desillusionierte Schriftsteller, der nur noch für sich selber schreibt und ansonsten in einer Kindergartenküche arbeitet.
Andreas Niedermann ist mit seinem 10. Buch ein sehr treffendes Bild des Zeitgeistes der 80er gelungen. Er versteht es geschickt die gesellschaftlichen Entwicklungen im Großen, wie auch im Kleinen, dar zu stellen und ihre Auswirkungen auf den Einzelnen. Schön auch die klare Sprache und die fast skizzenhaften Beschreibungen der Umgebungen und Szenen, die trotzdem klare Bilder entstehen lassen. Überhaupt hat mir das sehr gefallen. Es ist bei aller Klarheit, bei allem Vorgegebenen, genug Raum für eigene Bilder, ohne das man das Gefühl hat, der Autor sagt zu wenig. Also Fazit: Sehr empfehlenswert!

Der potemkinsche Hunde von Cordula Simon

Selten habe ich mich mit einem Buch so schwer getan, wie mit diesem Werk von Cordula SimonDer Potemkinsche Hund ist im Picus Verlag erschienen und der erste Roman der Autorin. Ein Satz im Klappentext hatte bei mir einen Haken geschlagen:

In ihrem außergewöhnlichen Roman, der an die fantastisch-absurde Tradition eines Bulgakov gemahnt, gelingt es Cordula Simon nicht nur, zwei Menschen in ihrer Einsamkeit geradezu schmerzhaft zu porträtieren, die surreale Geschichte eines wieder zum Leben Erweckten ist üppig gefüllt mit ukrainischen Impressionen, bizarren Charakteren und kafkaesken Situationen.

Nun, ich kann der Autorin sehr wohl die Fantasie Bulgakows, sowie auch einen Sinn für das Absurde bescheinigen, allerdings hätte ich ihr an so manchen Stellen auch den Charme und den Stil dieses großen Erzählers gewünscht.

Die Geschichte ist eine traurige. Anatol wird von einer Frau, die ihn zu Lebzeiten begehrte, nach seinem Tod durch, ich nenne es einmal chemische Magie, zum Leben erwägt. Fortan gibt es keine Ruhe mehr für ihn. Begleitet von dem Hund Celobaka streift er durch die Ukraine. Von Odessa bis Kiew und wieder zurück. Die Erweckerin des Toten, im Glauben ihr Experiment sei missglückt, zieht ebenfalls ruhelos durch die Welt. Irgendwann begegnen die Beiden sich, aber erkennen sich nicht. Ist auch schlüssig, denn auch zu Lebzeiten Anatols hat Irina ihn ja nicht gekannt, sondern nur das Bild, dass sie sich von ihm machte, während er sie kaum wahrgenommen hat.

Ein Bild von der Einsamkeit und dem Leid dieser beiden Menschen zu vermitteln, gelingt der Autorin wirklich recht gut. Aber keiner der Beiden ist mir beim Lesen wirklich nahe gekommen. Wer Anatol zu Lebzeiten war, erschließt sich dem/der Leser-in sehr, sehr zäh. Auch die Wiedererweckerin ist über lange Strecken nur sehr blass erkennbar.  Zwischendrin drängte sich mir immer einmal wieder die Frage auf: Will ich überhaupt noch wissen, wie es weiter geht? Das wollte ich dann doch. Was den Protangonisten nicht gelungen war, gelang den, sehr scharfsinnig gezeichneten Nebenfiguren.

Was das Lesen ebenfalls recht beschwerlich machte, ist der Sprachrhytmus der Autorin. Teils stieß ich da auf abenteuerliche Satzkonstruktion von enormer Länge, deren Sinn sich mir erst nach lautem Vorlesen erschloss. Das mag nun als besonders literarisch durchgehen. Mensch denke an die Klagenfurter Schule und so, aber es hindert halt im Versinken in der Geschichte.

Und doch, es ist ein lesenswertes Buch.  Ich weiß nicht unter welchen Umständen die Autorin es geschrieben hat oder in welchem Tempo der Verlag es herausbringen wollte. Vielleicht hätte ein wenig mehr Feinarbeit zwischen Lektorat und Autorin geholfen einige Längen zu vermeiden.

Ich war auf diesen Roman über Blogg dein Buch gekommen und bereue es nicht durchgehalten zu haben.  Auch bin ich sehr gespannt wie das nächste Buch von Frau Simon sein wird.