Ein treuer Freund von Jostein Gaarder

Ein treuer Freund

Autor: Jostein Gaarder

übersetzt aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs

Erscheinungsdatum: 13.03.2017
272 Seiten
Hanser Verlag
Fester Einband
ISBN 978-3-446-25443-5
ePUB-Format
ISBN 978-3-446-25600-2

Jakop Jakopsen ist ein Einzelgänger und Außenseiter und er ist einsam, denn er hat, bis auf Pelle, keine Freunde und auch keine Familie. Pelle allerdings ist eine Handpuppe, die Jakop seit seiner Kindheit hat und die alles ist, was der schüchterne Jakop nicht ist. Pelle ist eloquent, nicht im geringsten schüchtern. In seiner Sehnsucht zu einer Gemeinschaft zu gehören, hat sich Jakob ein seltsames Hobby gesucht. Er geht auf Beerdigungen ihm fremder Menschen und erzählt beim anschließenden Kaffeetrinken eine erfundene Geschichte, wie er den Verstorbenen kennengelernt hat und was sie verbindet. Das geht natürlich nicht immer gut. Einmal wird er entdeckt und so lernt er Agnes kennen und verliebt sich in sie. Auch Agnes hat ihre Geschichte und ob die beiden zusammenfinden und wie Pelle in die Beziehung passen könnte … nun ja, dass erfährt man beim Lesen, dieses wundervollen Buches. Ein weiteres Hobby von Jakop sind Wörter, er ist Etmyologe und bewusst sich mit deren Herkunft. An einer Stelle sagt er:

Meine eigentliche Familie sind die Wörter

Das hat mir sehr gefallen. Überhaupt hat mir das ganze Buch gefallen. Mit Jakop Jakopsen hat Gaarder einen ganz besonderen Protagonisten geschaffen und ich war gerne in seiner Geschichte. Das Buch wurde einigen Orts als Schelmenroman bezeichnet. Ich denke, dass das recht treffend ist. Es hat alles war ein gutes Buch haben muss und Jostein Gaarder hat es geschafft, Themen wie Umwelt, Theologie und Etmyologie zu behandeln, ohne ins Predigen zu kommen, was mich in früheren Büchern sehr gestört hat.

Mein Fazit: Unbedingt Lesen!

 

Emma oder das Ende der Welt von Ketil Bjørnstad

Autor: Ketil Bjørnstad

Emma oder das Ende der Welt

Übersetzung aus dem Norwegischen: Gabriele Haefs & Kerstin Reimers

Verlag: Osburg Verlag

ISBN: 978-3-95510-128-2

Preis: 22,00 €

Es passiert, aber es passiert nicht uns …

… denkt Aslak, als seine 9-jährige Tochter bei einem Flugzeugunglück ums Leben kommt. Er und seine getrennt lebende Frau Hanne sind am Boden zerstört. Sie versuchen in ihrer Trauer zusammenzurücken, doch es scheint zweifelhaft, ob es eine gemeinsame Zukunft geben kann. Zuviel ist zerbrochen und Emma, das Verbindungsglied, ist nicht mehr. Beide befinden sich in einer Art Starre, wissen nicht, wie es weitergehen soll, beruflich und überhaupt. Sie suchen nach Erklärungen für das Geschehene und warum es ausgerechnet ihre Tochter traf. Sie suchen nach Schuldigen, wünschen sich jemanden zur Rechenschaft ziehen zu können, wollen dann wieder nur, dass das Leben weitergeht. Ein Leben, dass sie sich ohne Emma kaum vorstellen können. Rachegedanken, lösen sich mit Verzweifelung ab. Hoffnung und Verzeihen blitzen auf und gehen in einem nächsten Schwall Trauer und wunsch nach Rache unter. Sie denken daran, dass ihr Kind nicht nur glücklich war, dass sie es schwer hatte im anstrengenden Schulalltag. Daran, wie sie von der Klassenschönheit gemoppt und ins Abseits gedrängt wurde. Während Aslak seine Wut auf dieses Mädchen fokussiert, ist Hanne diejenige, die beginnt die Pilotin des Flugzeugs auszuspionieren deutlich konkretere Rachepläne hegt. Ob sie diese in die Tat umsetzt… nun, dazu sollte man das Buch lesen.

Es ist mein erstes Buch von Ketil Bjørnstad und ich bin schier begeistert. Ich gestehe auch, dass ich gezögert habe, diesen Roman, ob der Schwere des Themas, zu beginnen. Es stellte sich heraus, dass es eine gute Entscheidung war, sich doch heranzutrauen. Ja, das Thema ist bedrückend und lässt nur wenig Raum für hellere Gedanken, doch bringt die Sprache, die Musikalität des Erzählers, die Leichtigkeit, die es braucht, sich in Aslaks und Hannes Trauer zu begeben. Das Lob hierfür gilt natürlich auch den Übersetzerinnen, denen es gelungen ist, dieses in die deutsche Fassung zu übertragen.


Kalter Checkout von Silvia Hlavin

Kalter Check-Out
von Silvia Hlavin
Verlag Wortreich

Hardcover – EURO 19,90
ISBN 978-3-903091-24-5
208 Seiten, Roman

Ein Winterhotel in den Bergen ist das Ziel von Anna, Max und ihren Söhnen. Anna weiß, dass es wahrscheinlich das letzte Mal ist, dass sie in dieser Konstellation gemeinsam unterwegs sein werden, denn der Nachwuchs ist dabei das elterliche Nest zu verlassen. So hat sie dieses Hotel nicht ganz ohne Hintergedanken gebucht, dann das hat die Tendenz einzuschneien und eine An- oder Abfahrt unmöglich zu machen, was ihr ein paar zusätzliche Familientage bescheren könnte. Doch als genau das geschieht, ist es gar nicht so lustig und gemütlich, wie sie gedacht hat.

Nicht nur für Anna und die Ihren wird es unangenehm, sondern auch für das Personal. Eine Lebensmittellieferung ist ausgeblieben, die Vorräte werden knapp, die Pumpe vom Schwimmbad funktioniert nicht, dazu die Unsicherheit, wann die Straßen wieder frei sein werden. Der stellvertretende Direktor hat alle Hände voll zu tun. Marlies die Concierge auch, ist sie doch in ihren Vorgesetzten verliebt, sich aber nicht sicher, ob es klug ist sich auf eine Beziehung einzulassen. Dann ist da noch der alleinreisende Gast, der allen ein wenig unheimlich ist und dessen Geschichte sie entsetzen würde.

Seit Shinning von Stephen King wissen wir, dass einsam gelegene, eingeschneite Hotels ein enormes Potential für Konflikte haben. Hier treiben nun nicht die Geister ihr Unwesen, sondern die eigenen Wünsche, Erwartungen und Ängste, sorgen dafür das ein reiches Spannungsfeld entsteht. Silvia Hlavin gliedert ihre Geschichte in drei Erzählstränge in deren Fokus jeweilig Anna, die Concierge Marlies und der unheimliche Alleinreisende stehen. Das macht die Autorin sehr geschickt. Die nahende Katastrophe ist gut spürbar und lässt Raum die verschiedensten Szenarien zu vermuten und durchzuspielen. Der einzige Minuspunkt, ist die Erklärung für einige Vorkommnisse, die mir nicht ganz schlüssig erscheint.

Doch das schmälert ein gutes Buch nur geringfügig, zu Mal es sich um eine subjektive Wahrnehmung handeln könnte. Silvia Hlavins erzählt einfühlsam und schafft lebendige, dreidimensionale Charaktere, die berühren.

Die Buchhandlung von Penelope Fitzgerald

Penelope Fitzgerald
Die Buchhandlung

Roman
Aus dem Englischen von Christa Krüger. Mit einem Nachwort von David Nicholls

Verlag: Suhrkamp

Erschienen: 08.12.2014
insel taschenbuch 4346, Broschur, 164 Seiten
ISBN: 978-3-458-36046-9
Auch als ebook erhältlich

Das Old House in Hardborough, einem kleinen Ort an der englischen Ostküste, steht schon lange leer. Es ist feucht bis in die Grundmauern und ein Poltergeist, ein Klopfer, bewohnt es. Das hält Florence Green nicht davon ab, es zu kaufen und darin eine Buchhandlung zu etablieren. Diese wird zunächst eher skeptisch beäugt, doch so nach und nach stellen sich Kunden ein und sogar eine kleine Leihbücherei kommt hinzu. Es ist Ende der 50-ziger Jahre. Die Erinnerungen an den 2. Weltkrieg sind noch sehr präsent und in Hardborough sind die Leute ebenso prüde, wie anderswo in dieser Zeit, daher ist Mrs. Greens Entscheidung Nabokovs Lolita ins Sortiment zu nehmen, nicht unumstritten. Ein Buch, welches sich deutlich von dem übrigen Sortiment abhebt, das aus Titeln wie: Bauen sie ihr eigenes Rennboot; Ich flog mit dem Führer und Alltag in England besteht.

Hardborough hat also seinen kleinen Skandal, doch das ist nicht das eigentliche Problem Florence Greens. Eine weitere hochgeachtete, und reiche Bürgerin, der Stadt, Mrs. Gramart, hat beschlossen, dass das Old House der geeignete Standort für ein Kulturzentrum ist. Nicht dass die Dame sich wirklich für Kultur interessiert, im Grunde will sie ihren gesellschaftlichen Status noch weiter ausweiten und schreckt auch nicht davor zurück, ihre politischen Verbindungen zu nutzen und in Kauf zu nehmen, dass sie Mrs Green und die Buchhandlung in den Ruin treiben könnte.

Ich bin auf dieses Buch durch die Sendung Druckfrisch gestossen, in der Michael Ondaatje es empfahl, und habe die Anschaffung nicht bereut. Es ist ein kurzer Roman, in dem wir nicht viel über die Hintergründe der Personen erfahren. So wird erwähnt, dass es mal einen Mr. Green gegeben hat, aber außer das er gestorben ist, weiß man nichts über ihn. Auch über Mrs. Greens Vergangenheit ist wenig, nur, dass sie einmal in jungen Jahren in einer Buchhandlung gearbeitet hat. Eine weitere Besonderheit an der Protagonistin ist, dass sie eine Buchhandlung eröffnet, aber überhaupt kein Interesse an Büchern im literarischen Sinne hat. Bevor sie den gewagten Schritt tut, und Lolita ins Sortiment nimmt, holt sie die Meinung eines der ältesten und skurrilsten Bewohner ein, dessen gesellschaftliche Stellung Gewicht hat. Mr. Brundishs Einschätzung ist:

Es ist ein gutes Buch, und deshalb sollten Sie versuchen, es den Einwohnern von Hardborough zu verkaufen. Die werden es nicht verstehen, aber das ist nur gut so. Verstehen macht denkfaul.

Es gab Stellen da hätte ich mir mehr Hintergrund gewünscht, dass will ich gar nicht bestreiten, allerdings musste ich am Schluss einräumen, dass es so, wie es getan, wohl getan ist. Gerade diese gerade Erzählweise ohne Schnörkel machen es zu etwas Besonderen, denn es hallt nach.

Das Schicksal wartet beim Friseur von Anna Jansson

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Das Schicksal wartet beim Friseur

Übersetzung aus dem Schwedischen: Gabriele Haefs

Verlag: btb

Taschenbuch, Broschur
ISBN: 978-3-442-71447-6

Wer zu Angelika Lagermark in den Salon d`Amour in Visby, Gotland kommt, hat gute Chancen den Laden nicht nur mit genau der richtigen Frisur zu verlassen, sondern auch sein Glück in der Liebe zu finden. Angelika ist Ende vierzig, seit sieben Jahren Witwe und nicht nur  mit Leidenschaft Friseurin sondern auch, wie sie es nennt, Schicksalsgöttin.  so wird auch ihr Mitarbeiter Ricky von ihr in der Kunst des Ehestiftens unterrichtet und zeigt sich sehr geschickt in der Einschätzung der Kundschaft. Angelika selber allerdings ist immer noch solo, dann verliebt sie sich und zwar nicht sehr glücklich, denn es könnte sein, dass ihr Schwarm in einen Schwindel verwickelt ist, der einige Mitbewohner Visbys um ihr Haus gebracht hat. Auch Angelika gehört zu den Opfern.

Das Schicksal wartet beim Friseur ist ein wundervoller Schmöker und es hat mir viel Spaß gemacht mit Angelika, Ricky und ihren Kunden und Kundinnen Zeit zu verbringen. Anna Jansson schreibt leicht und humorvoll, genau das richtig zum Abschalten. Was ein wenig stört, ist die geradezu haarsträubende Naivität der Protagonistin. Allerdings soll es ja solche Menschen geben …

Miss Terry von Liza Cody

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Miss Terry
Ariadne 1219
Deutsch von Grundmann und Laudan
288 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
ISBN 978-3-86754-219-7 · 17 €

Nita Tehri lebt in ihrer kleinen Wohnung, in einer ruhigen Straße, ist Grundschullehrerin, sieht gut aus, ist eine fantastische Köchin und … hat Migrationshintergrund. Als in einem Müllcontainer ein totes Baby von ethnischer Herkunft gefunden wird, gerät sie in Verdacht, ist sie doch die einzige dunkelhäutige Bewohnerin dieser Straße. Sie wird von seiten ihrer Nachbarn und der Polizei mit allen Vorurteilen konfrontiert die man sich denken kann und ohne, dass es einen konkreten Anhaltspunkt gibt, steht dort fest. Sie war es, es ist ihr Baby, sie hat es ermordet. Sie wird von ihrer Arbeit freigestellt, muss mit dem wirtschaftlichem Ruin rechnen und das zu allen anderen Problemen. Denn so perfekt, wie es scheint, ist Nita Tehris Leben nicht. Sie muss sich vor ihrer Familie verstecken, die sich von ihr entehrt fühlt und fürchtet um ihr Leben. Sie beginnt auf eigene Faust zu ermitteln, um ihren guten Ruf wieder herzustellen. Dabei entdeckt sie, dass sie sehr wohl Menschen in ihrem Umfeld hat, die sie unterstützen.

Liza Cody hat hier wieder einen ganz besonderes Buch vorgelegt. Es einfach Krimi zu nennen, würde es nicht treffen. Sicher hat gibt es Krimielemente, aber das ist auch schon alles. Liza Codys Figuren sind vielschichtig. So führt Nita noch einen sehr speziellen Kampf, sie will ihren anerzogenen Gehorsam, diesen Drang sich Autoritäten unter zu ordnen, überwinden. Das spielen mit Vorurteilen, beherrscht Liza Cody perfekt, sie lässt sich nicht auf Schwarz und Weiß Malerei ein, sondern beleuchtet die Grautöne. Es ist also nicht einfach ein Krimi, es ist eine Gesellschaftsstudie.

Ich möchte auf ein weiteres Buch von Liza Cody hinweisen, welches ich beeindruckend fand: Lady Bag

http://www.argument.de/belle_index_reload.html?ak/1222.html

The Woman on the Orient Express

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Bezieht sich auf die englische Ausgabe, die deutsche liegt – leider – noch nicht vor. (Sollte aber kommen und zwar schnellstens)

Es ist 1928, Agatha Christie, schwer angeschlagen durch die Trennung von ihrem 1. Mann, will vergessen, ihr Leben neu ordnen … und der Londoner Skandalpresse entgehen. Mit dem berühmten Orient Express, reist sie nach Bagdad. Während der Fahrt lernt sie Katherine Kelling kennen, die bei einer Ausgrabung in Ur arbeitet und die junge Nancy Nelson, die aus ihrer Ehe geflohen ist, schwanger, allerdings nicht vom eigenen Gatten. Trotz ihrer Unterschiede, kommen sich die drei Frauen näher und es entsteht eine tiefe Freundschaft zwischen ihnen. Auch in Bagdad abgekommen, trennen sich ihre Wege nur kurz und schließlich treffen sie sich bei den Ausgrabungen in Ur wieder.

Lindsay Jayne Ashford mischt hier sehr gekonnt, Fiktion und Biografie. Der Aspekt auf die Frauenfreundschaft, die Schilderung der tief verletzten Agatha, die trotz allem Kummers, neugierig ist, auf den Orient und letztlich auch wieder offen für eine neue Liebe, ist schon schön gemacht. L. J. Ashford spricht hier auch die 10 Tage an, die Agatha Christie verschwunden war und über die immer wieder spekuliert wurde, ob es denn nun ein Werbegag war oder Gedächtnisverlust und wirft noch eine weitere Erklärung in den Rind.  In ihrer Autobiografie erwähnt Mrs. Christie diese Zeit mit keinem Wort. Auch wenn Agatha Christie die zentrale Figur ist, so hat Lindsay J. Ashford ihr interessante Charaktere an die Seite gestellt und auch diese vielschichtig gestaltet.

Das Buch ist flüssig und spannend geschrieben. Ich habe es wahrlich genossen und kann es nur wärmstens empfehlen.

http://zapatabuch.shop-asp.de/shop/action/productDetails/29600352/lindsay_jayne_ashford_the_woman_on_the_orient_express_1503938123.html?aUrl=90004785&originalSearchString=the%20woman%20on%20the%20orient

 

 

Am Tiefpunkt genial von Karoline Cvancara

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Am Tiefpunkt genial

Hardcover – EURO 19,90

ISBN 978-3-903091-02-3
264 Seiten, Roman
VÖ 2.11.2015
eBook – EURO 9,99 – erhältlich auf allen Plattformen
ISBN 978-3-903091-05-04
264 Seiten, Roman Wortreich Verlag, Wien

Paul hat nun wahrlich keine Glückssträhne, erst informiert in seine Freundin, dass sie zu seinem Freund Markus zieht und kaum hat er diesen Verlust verschmerzt, erfährt er das sein Chef den Buchladen, in dem Paul mit Begeisterung arbeitet, schließen wird. Paul begegnet diesen Krisen, wie er immer mit Krisen umgeht, er zieht sich mit Wein, Nikotin, Jazz und Büchern in seine Wohnung zurück und leckt seine Wunden. Zu ihm Durchdringen kann nur seine Ex-Freundin Klarissa, die er verlassen hat, weil sie ihm zu nahe kam, eine Tatsache über die er sich mehr und mehr klar wird. Wie auch darüber, dass Stefanie, die ihn wegen Markus mit dem Ferrari verlassen hat, seinem Herzen vielleicht gar nicht wirklich nahe stand. Auch für sein berufliches Problem gebe es eine Lösung, aber dafür müsste Paul bereit sein erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen.

Ich habe dieses Buch mit wahrer Begeisterung gelesen. Es ist humorvoll, ironisch, wundervoll optimistisch und das obwohl Paul sich doch sehr schwer tut. Schon alleine wegen seines ausgezeichneten Literatur und Musikgeschmacks, müsste es Spaß machen Paul kennen zu lernen und zu beobachten, wie er sich macht, in der neuen Phase seines Lebens.

Eine Leseprobe gibt es hier: http://verlag-wortreich.at/wp-content/uploads/Leseproben/Am%20Tiefpunkt%20genial_Leseprobe.pdf

 

 

Ins Westeis von Tor Even Svanes

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Ins Westeis

Übersetzung aus dem Norwegischen: Gabriele Haefs und Andreas Brunstermann

Preis: 18,00 €
ISBN: 978-3-95510-115-2

Osburg Verlag

 

Die junge Tierärztin Mari soll im Auftrag der norwegischen Fischereiaufsicht die Ergebnisse des Robbenfangs vor Grönland dokumentieren. An Bord ist sie die einzige Frau.  Die Reise wird für Mari zum Alptraum. Zuerst sind es nur die üblichen sexuellen Anspielungen, doch als sie, schockiert von der Brutalität mit der der Robbenfang vonstatten geht, bekannt gibt, dass sie die Verstöße gegen die gesetzlichen Auflagen melden wird, beginnt der Terror. Als eine dänische Delegation an Bord kommt, erhofft sie sich von dort Hilfe, doch die wird verweigert. Also greift sie zu einer höchst gefährlichen Maßnahme um sich zu retten.

Eine Erzählung über Macht und Verletzbarkeit

… steht im Klappentext. Die norwegische Zeitung Klassenkampen schreibt

Eine nahezu makellose Erzählung. Tor Even Svanes zwingt den Leser, der Furcht ins Auge zu sehen

Beiden kann ich nur zustimmen. Tor Even Svanes erzählt Maris Geschichte in Fragmenten, auf einigen Seiten gibt es nur einen Absatz, eine Zeile, dann wieder ein längeres Stück. So wie Erinnerungen eben nach einem traumatischen Erlebnis kommen. Man wird sofort hineingezogen in diese Alptraumfahrt. Mir hat besonders die klare Sprache gefallen und dass sich der Autor zurücknimmt, man hat nicht einmal das Gefühl, dass Svanes eine Geschichte erzählt, sondern der Leser erfährt Maris Geschichte, es sind ihre Erinnerungen, ihre Angst, ihr Schock über die Brutalität, über die Schießgeilheit der Männer, die sich am Töten der Tiere förmlich berauschen. Ein kleines, aber gewaltiges Buch.

La Laguna von Erika Kronabitter

laguna_cover_web Erika Kronabitter

La Laguna

Verlag Wortreich

Hardcover – EURO 19,90
ISBN 978-3-903091-00-9
232 Seiten, Roman
VÖ 8.5.2016

eBook – EURO 9,99 – erhältlich auf allen Plattformen
ISBN 978-3-903091-15-3
232 Seiten, Roman

La Laguna ist ein Roman mit autobiografischen Zügen. Einmal geht es um Beppo und Hanna, die sich in den 60ziger Jahren kennen und lieben lernen. Die Beziehung zerbricht allerdings an den gesellschaftlichen Zwängen dieser Zeit und der Sturheit von Beppos getrennt lebender Frau, die sich nur scheiden lassen will, wenn sie großzügig abgefunden wird. Das wiederum ist Beppo nicht möglich, da man ihn wahrlich nicht als Erfolgsmenschen sehen kann. Zwar ist er gut ausgebildet, aber zu unstet für eine Anstellung und nicht hart genug, für eine Selbstständigkeit. Hanna verlässt Beppo also mit den zwei Töchtern, die aus der Beziehung hervorgingen und geht eine Vernunftehe ein, um endlich versorgt zu sein.  Irgendwann bekommt, die mittlerweile erwachsene Elena, die ältere Tochter Beppos, die Nachricht, ihr Vater sei auf Tenneriffa ermordet worden. Doch die Nachrichten und Dokumente geben widersprüchliche Daten und Fakten an. Elf Jahre nach Beppos Tod mach Elena sich nach Tenneriffa auf, um zu erfahren, was wirklich geschehen ist und hofft auf Informationen von Beppos Freund Larek.

Erika Kronabitter erzählt die Geschichte um Hanna, Beppo und Elena in Vor- und Rückblenden, was ich anfangs als etwas verwirrend empfand. Doch hat man sich erst einmal auf diesen Erzählstil eingelassen, packt einen die Geschichte und man begibt sich gerne mit Elena auf die Reise. Wie gesagt, die Geschichte ist eine spannende, ein Manko: Die Unausgewogenheit der Figuren. Während Beppo und Hanna, sowie Larek und einige Nebenfiguren sehr klar geschildert sind und Gestalt annehmen, so bleibt Elena sonderbar flach und uninteressant. Ein weiteres: Der Schluss der Suche wird dann doch sehr hingehuscht und abrupt erzählt und so bleiben einige Fäden unverknüpft, was an sich nicht schlimm wäre, aber es ist halt auch nicht genug da, damit die im Leser Geschichte weiterarbeitet. Trotzdem möchte ich das Buch gerne empfehlen.

Eine Leseprobe findet sich hier: http://verlag-wortreich.at/wp-content/uploads/Leseproben/La_Laguna_Leseprobe_ISBN-9783903091009.pdf

Zur Autorin: Erika Kronabitter geboren 1959, Studium der vergleichenden Literaturwissenschaft, Germanistik/Kunstgeschichte, arbeitet interdisziplinär in den bereichen Literatur, Malerei, Konzept-, Video-, Fotokunst.

Mitglied der Grazer Autorinnen Autoren Versammlung und der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik Leipzig. Mehrere Bücher und Preise. Herausgeberin der Lyrik-reihe „Lyrik der Gegenwart“ bei der Edition Ert Science. Organisiert seit 10 jahren den Feldkircher Lyrikpreis, hat den Literaturbahnhof Feldkirch konzipiert.