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Håkon Nesser – Der Himmel über London
erschienen 2013 bei btb
Übersetzung aus dem Schwedischen – Christel Hildebrandt

 Um 16:50 erreichen sie London Paddington Station. Leonard Vermin, 70 Jahre alt, totkrank und seine Lebensgefährtin, die Verhaltenstherapeutin Maud. Leonard will seinen letzten Geburtstag mit Maud und ihren neurotischen Kinder, Irina und Gregorius plus 2 Überraschungsgästen feiern. Es gärt unter der Oberfläche, es braut sich etwas zusammen und das betrifft nicht nur das zu erwartende Ableben Leonards. Ein gewaltiges Gewitter zieht auf und das nicht nur meteorologisch. Dann ist da noch ein Serienmörder der London heimsucht. Der Uhrenmörder. Dieser hinterlässt bei jedem seiner Opfer eine Uhr …

Frau Braun meint:

Wer diesen Nesser in Erwartung eines Krimis angeht, wird enttäuscht. Wer einen klassischen Roman, mit einer stringenten Handlung erwartet, ebenfalls. Verschiedene Geschichten werden in verschiedenen Strängen erzählt, die sich mal näher und mal weniger nah berühren. Die Geschichte von Leonards letztem Geburtstag, der Planung und seinem Gästen, ist der Überbau für viele kleine Geschichten, die auf verschiedenen Zeitebenen spielen.

Zur Hälfte des Buches war ich genervt von diesen Versatzstücken und hätte es beinahe weggelegt. Doch dann bemerkte ich, dass ich das Buch unter falschen Voraussetzungen las. Ich erwartete einen Roman, dessen Handlungsfäden sich nach und nach zu einem klaren Muster verweben. Aber genau das ist es nicht, respektive nicht nur. Im Grunde nimmt der Autor die Leser mit in seine Werkstatt. Tatsächlich taucht auch in dem Gespinst ein Autor auf, der die Geschichten der Charaktere entwickelt. Der ausprobiert, wie es wäre wenn … Der seine Charaktere in die merkwürdigsten Situationen bringt, um zu sehen, wie sie sich verhalten. Und der auf einmal merkt das seine Figuren sich ihm entziehen und ihre eigenen Entscheidungen treffen. So sagt der Autor im Buch an einer Stelle:

Die Erzählung lenkt den Erzähler

Unter diesem Aspekt gelesen begann mir das Buch großen Spaß zu machen, obwohl es so einige Mängel aufweist. So gibt es ein Ungleichgewicht in den Erzählsträngen und besonders die Episode im Mittelteil ist extrem langatmig.

Fazit:

Nesser meets Murakami. Ein Buch das sich lohnt. Ich fand es sehr interessant Håkon Nesser einmal abseits der Krimischiene zu lesen und würde mich über weitere Ausflüge in die Welt des surrealen freuen.



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