der letzte deal - invar ambjoernsen

1983 erschien „Der letzte Deal“ in der norwegischen Originalausgabe unter dem Titel „Den siste revejakta“, als erster Roman der sich mit der Drogenproblematik befasste. Obwohl Ambjörnsens beiden ersten Bücher vom Feuilleton sehr gut besprochen und aufgenommen wurden, traute sich an dieses Werk niemand heran. Ein Roman, der sich auf liberale Weise mit Drogen befasst, war damals ein „no go“. Alkohol war die gesellschaftlich etablierte Droge. Sich am Wochenende mit schwarzgebrannten ins Nirwana beamen störte niemanden, aber zum Thema Hasch hagelte es Horrormeldungen. Wie eigentlich hier in Deutschland auch. Trotz der Weigerung der Presse dieses Werk zur Kenntnis zu nehmen, wurde es ein Erfolg. In Buchläden war es das meistgeklaute und in Gefängnissen das am meisten ausgeliehene Buch. Es traf den Zeitgeist!

Nach dreißig Jahren nun bringt der norwegische Cappelen Forlag eine Jubiläumsausgabe heraus. Interessanterweise mit dem den damaligen Titelbild, um das es einigen Wirbel gab. Es zeigte einen Fuchs der einen Joint rauchte und war eine Anspielung auf den Titel. „Den siste revesjakta“ heißt übersetzt „Die letzte Fuchsjagd“ Rev bedeutet Fuchs, aber eben auch Joint und so lässt sich der Titel auch mit „Die letzte Jointjagd“ übersetzen.

Den siste revejakta

Carl F. Vang und Robert sind Freunde seit Kindertagen. Gemeinsam haben sie ihren ersten Joint geraucht und gemeinsam sind sie ins Dealergeschäft eingestiegen. Doch nun wollen sie nicht mehr. Seit Robert erwischt wurde und im Knast landete, ging die Leichtigkeit verloren und der Druck stieg. Die beiden sind Dealer im alten, eher gemütlichen Sinne. Sie dealen mit Hasch, harte Drogen lehnen sie ab. Einen letzten großen Deal wollen sie noch durchziehen und dann soll Schluss sein. Alles beginnt wie immer, Carl mietet sich auf einer Hütte auf einer kleinen Insel ein und die Ladung kommt per Schiff. Robert, frisch aus dem Gefägnis getürmt ist mit an Bord und eigentlich läuft alles normal … und doch haben sie ein schlechtes Gefühl. Als sie Roberts Freundin Tone besuchen wollen und diese tot finden, angeblich eine Überdosis, wissen sie, dass sie schnellstes ihr Dope absetzen müssen und sich einer neuen, legalen Karriere zuwenden müssen. Doch dann kommt es knüppeldick, die Polizei ist ihnen auf den Fersen, es ist bekannt geworden, dass in den Haschplatten Heroinampullen versteckt waren, wovon Robert und Carl nichts wussten. Es ist klar, ihr Auftraggeber, hat sie gelinkt und ist wahrscheinlich auch für den Tod von Roberts Freundin verantwortlich. Die Freunde sinnen auf Rache.

Wie in allen Büchern Ingvar Ambjörnsens, die ich gelesen habe, ist auch dieses ein sehr schonungsloses Buch. Die Protagonisten stehen  eher auf der Verliererseite des Lebens, kämpfen aber darum nicht endgültig abzurutschen. Da wird nicht beschönigt oder abgewiegelt. Verzweifelung und ein recht schwarzer Humor liegen hier eng beieinander, genau so eng, wie die Abgründe der Drogenszene und nahezu poetische Beschreibungen der schönen Momente. Etwa wenn Carl mit seiner Freundin und deren Tochter zum Mittsommerfest geht. Genau das gefällt mir so. Es wird nichts schön geredet, aber es wird auch nichts runtergemacht. Der Ich-Erzähler Carl berichtet von seinem Alltag und von der Scheiße in der und Robert stecken, aber ohne lamoyant zu werden oder die Tristesse zu feiern.

In Deutschland ist das Buch 1995 erstmalig in der Edition Nautilus erschienen und mittlerweile  nur noch antiquarisch zu haben. Leider! Ich würde doch dafür plädieren, dass es auch in deutschen Landen zu einer Neuauflage kommt. Denn trotz seines Alters ist es ein höchst aktuelles Buch.

Für die Übersetzung aus dem norwegischen zeichnet Gabriele Haefs.

Der Stoff wurde 2008 verfilmt, ist aber nie auf den deutschen Markt gekommen.



Leave a reply