Selten habe ich mich mit einem Buch so schwer getan, wie mit diesem Werk von Cordula SimonDer Potemkinsche Hund ist im Picus Verlag erschienen und der erste Roman der Autorin. Ein Satz im Klappentext hatte bei mir einen Haken geschlagen:

In ihrem außergewöhnlichen Roman, der an die fantastisch-absurde Tradition eines Bulgakov gemahnt, gelingt es Cordula Simon nicht nur, zwei Menschen in ihrer Einsamkeit geradezu schmerzhaft zu porträtieren, die surreale Geschichte eines wieder zum Leben Erweckten ist üppig gefüllt mit ukrainischen Impressionen, bizarren Charakteren und kafkaesken Situationen.

Nun, ich kann der Autorin sehr wohl die Fantasie Bulgakows, sowie auch einen Sinn für das Absurde bescheinigen, allerdings hätte ich ihr an so manchen Stellen auch den Charme und den Stil dieses großen Erzählers gewünscht.

Die Geschichte ist eine traurige. Anatol wird von einer Frau, die ihn zu Lebzeiten begehrte, nach seinem Tod durch, ich nenne es einmal chemische Magie, zum Leben erwägt. Fortan gibt es keine Ruhe mehr für ihn. Begleitet von dem Hund Celobaka streift er durch die Ukraine. Von Odessa bis Kiew und wieder zurück. Die Erweckerin des Toten, im Glauben ihr Experiment sei missglückt, zieht ebenfalls ruhelos durch die Welt. Irgendwann begegnen die Beiden sich, aber erkennen sich nicht. Ist auch schlüssig, denn auch zu Lebzeiten Anatols hat Irina ihn ja nicht gekannt, sondern nur das Bild, dass sie sich von ihm machte, während er sie kaum wahrgenommen hat.

Ein Bild von der Einsamkeit und dem Leid dieser beiden Menschen zu vermitteln, gelingt der Autorin wirklich recht gut. Aber keiner der Beiden ist mir beim Lesen wirklich nahe gekommen. Wer Anatol zu Lebzeiten war, erschließt sich dem/der Leser-in sehr, sehr zäh. Auch die Wiedererweckerin ist über lange Strecken nur sehr blass erkennbar.  Zwischendrin drängte sich mir immer einmal wieder die Frage auf: Will ich überhaupt noch wissen, wie es weiter geht? Das wollte ich dann doch. Was den Protangonisten nicht gelungen war, gelang den, sehr scharfsinnig gezeichneten Nebenfiguren.

Was das Lesen ebenfalls recht beschwerlich machte, ist der Sprachrhytmus der Autorin. Teils stieß ich da auf abenteuerliche Satzkonstruktion von enormer Länge, deren Sinn sich mir erst nach lautem Vorlesen erschloss. Das mag nun als besonders literarisch durchgehen. Mensch denke an die Klagenfurter Schule und so, aber es hindert halt im Versinken in der Geschichte.

Und doch, es ist ein lesenswertes Buch.  Ich weiß nicht unter welchen Umständen die Autorin es geschrieben hat oder in welchem Tempo der Verlag es herausbringen wollte. Vielleicht hätte ein wenig mehr Feinarbeit zwischen Lektorat und Autorin geholfen einige Längen zu vermeiden.

Ich war auf diesen Roman über Blogg dein Buch gekommen und bereue es nicht durchgehalten zu haben.  Auch bin ich sehr gespannt wie das nächste Buch von Frau Simon sein wird.



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