Die Frau meines Vaters – Anja Röhl

die frau meines vaters

 

Die Autorin

Anja Röhl, Jahrgang 1955, Tochter des „Konkret“ – Herausgebers Klaus Rainer Röhl aus dessen erster Ehe. Anja Röhl ist Dozentin und Theaterrezensentin. Sie schreibt unter anderen für die Junge Welt.

Die Handlung:

Der Untertitel des Buches ist: Erinnerungen an Ulrike. Gemeint ist hier Ulrike Meinhof, die zweite Frau von Klaus Rainer Röhl. Sie ist für das Mädchen Anja Röhl eine wichtige Bezugsperson. Das Mädchen das in den 50ziger und 60 ziger Jahren bei einer alleinerziehenden Mutter aufwächst, entdeckt schnell:

»Kind sein heißt allein sein, schuld sein, essen müssen, schlafen müssen, brav sein müssen. Kind sein heißt, sich nicht wehren zu können.«

Zwischen der oft abwesenden Mutter, die die Tochter schon mal verleugnet, wenn sie in Sachen Partnersuche unterwegs ist, diversen Verschickungsheimen mit ausgesprochen sadistischen Erzieherinnen und dem übergriffigen Vater, Klaus Röhl, wächst Anja auf. Die einzige Person, bei der sie Verständnis findet, die sie ernst nimmt und die sie ernst nimmt, ist Ulrike Meinhof.  Auch nach Meinhofs Trennung von Röhl, bleibt die Verbindung zu Anja bestehen. Auch nachdem Ulrike Meinhof verhaftet ist, besucht Anja sie im Gefängnis und es gibt einen Briefwechsel.

Frau Braun meint:

Es hat einiges an Aufregung vor Erscheinen dieses Buches gegeben. Bettina und Regina Röhl, die Töchter von Ulrike Meinhof, haben aufs Persönlichkeitsrecht gepocht und um juristischen Hickhack vorzubeugen, erscheinen so einige Passagen geschwärzt. Das nur vorweg.

Anja Röhl hat eine interessante Erzählweise gewählt. So erzählt die ersten Teile aus der Sicht des Mädchens Anja und später aus der Sicht der jungen Frau. Gerade das macht den Text besonders berührend. Da kommt das immer noch empörte Kind zu Wort, dass sich gegen die sadistischen Erziehungsmethoden in den 50ziger und 60ziger Jahren genau so wenig zu Wehr setzen kann, wie gegen den sexuell übergriffigen Vater. Der seiner Tochter schon mal mal erklärt, wie Frauen geküsst werden wollen und was ihn sexuell so antörnt. Der während er mit seiner Tochter durch die Straßen fährt Frauen nachpfeifft und zum mitfahren einlädt und es sich angelegen sein lässt, im Keller seiner Blankeneser Villa mit dem Luftgewehr auf die Poster nackter Frauen zu schießen.

Wer in diesem Buch nun eine Auseinandersetzung mit der Terroristin und politischen Aktivistin Ulrike Meinhof sucht, wird sie nicht finden. Es sind die von Dankbarkeit geprägten Erinnerungen eines Mädchens und einer jungen Frau, an eine warmherzige, kluge und verständnisvolle Frau, die ihr half sich in einer als feindseilig empfundenen Welt zurecht zu finden.

Das Buch hat mich sehr berührt und ich kann es nur wärmstens empfehlen. Es hat mich aber nicht nur, wegen der Erinnerungen an Ulrike Meinhof so sehr angesprochen, sondern auch weil Anja Röhl noch einmal klar erzählt, welchem Terror Kinder und Heranwachsende in besagter Zeit ausgesetzt waren und wie wenig Möglichkeiten sie zur Gegenwehr hatten.

Anja Röhl
Die Frau meines Vaters
Erinnerungen an Ulrike

Originalveröffentlichung
Gebunden mit Schutzumschlag,
160 Seiten
€ (D) 18,–
€ (A) 18,50

ISBN 978-3-89401-771-2

Erschienen Februar 2013 

 

 

About KaBra

Karin Braun, 59 Jahre, begeisterte Leserin und Erzählerin. Im Grunde mache ich dauernd was mit Worten. Entweder lese ich oder ich schreibe und oft schreibe ich über das Gelesene.

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