die liebe in groben zuegen

 

Lange habe ich mich nicht mehr mit einem Buch so schwer getan, wie mit diesem. 670 Seiten Beziehungsdilemma. Die Anfang 50jährige Vila und der 60jährige Renz sind so richtige Wohlstandsschranzen. Er schreibt Vorabendserien, sie moderiert eine Kultursendung um Mitternacht. Große Wohnung in Frankfurt, erwachsene Tochter, Haus in Italien, Gourmeteinladungen mit Freunden und Reisen satt. Eigentlich die einzige Bewegung in dem Buch. Diese merkwürdigen Ortsverschiebungen. Ansonsten sind die Beiden einfach festgefahren. Er hatte schon immer Affären, sie so dann und wann auch und nun verliebt er sich in eine krebskranke Producerin und sie sich in einen schriftstellernden Lehrer, der das Italienhaus der Beiden gemietet hat, um einen Roman über Franz von Assisi und die heilige Klara zu schreiben. Aus diesem Manuskript tauchen dann auch immer mal wieder Ausschnitte aus. Wozu ist mir nicht klar geworden.

Es ist das erste Buch, dass ich von Bodo Kirchhoff gelesen habe und es macht mir nicht gerade Appetit auf weitere. Da ich aber fair sein möchte, werde ich mir noch einmal eines seiner früheren Werke vornehmen. Das ich dieses hier durchgehalten habe, wundert mich selber und liegt sicher an Kirchhoffs Sprache, seine Metaphern und seine Zartheit. Nur von den Personen ist mir niemand sympathisch geworden. Schlimmer noch, sie interessierten mich nicht. In Bezug auf Renz schoss mir der Begriff „pathetischer Jammerlappen“ immer wieder durch den Kopf. Das neben der Beziehungskisten und der Liebe im Alter, auch noch die Themen Missbrauch, Krebs und Franz Assisi mit einfließen mussten, fand ich besonders störend.

Die Liebe in groben Zügen, tja, schöner Titel. Noch schöner wäre, wenn das Thema in deutlich gröberen Zügen abgehandelt worden wäre, statt dieses langatmigen Auseinanderpflückens des Seelenlebens, dieses Paares, dass sich meiner Meinung nach auf Seite dreihundert, einfach hätte trennen sollen. Wären ihnen und mir einiges erspart geblieben. Interessant aber, so wenig wie die Beiden sich von einander lösen konnten, war es mir möglich, eingedenk des braunschen Gesetzes (150 Seiten, wenn es dann nicht zündet, wech damit), das Buch fort zu legen. Kann ich mir nur so erklären, dass da immer wieder so kleine Zündfunken aufglimmten, die dann leider sofort wieder verglühten. Schade!

Die Liebe in groben Zügen

Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2012
ISBN 9783627001834
Gebunden, 669 Seiten, 28,00 EUR


0 Comments

  1. ursa53

    klingt wie lore roman in schickeria kreisen auf gehobenem niveau
    danke für die rezension die mir lebenszeit erspart 🙂

  2. wildganss

    Warum schade- manchmal ist es einfach so. Den Bodo K. sah ich bei Thea Dorn in der Literatursendung und er gab sich ziemlich miesepeterisch, so in dem Stil, als habe er kaum Freude am Leben, wollte aber, dass alle das gut finden…pathetischer Jammerlappen, sehr von sich eingenommen- mir würde der Appetit vergehen. Ich mag seinen Schreibstil nicht.

    • Karin Braun

      Ich hatte Ihn auch bei Thea Dorn gesehen und fand ihn auch recht miesepeterisch. Aber irgend etwas hat da getriggert. Nun ja, weiß ich das es das nicht war. Alles Liebe Karin


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