Eine lange Nacht auf Erden – Ingvar Ambjörnsen

eine lange nacht auf Erden

Der bekannte Journalist Claes Otto Gedde sieht seinem 60 zigsten Geburtstag entgegen. Beruflich klappt alles seit einiger Zeit schon nicht mehr. Seine Bekanntheit mischt sich mit trauriger Berühmtheit und statt Fernsehsendungen und große Artikelserien zu machen, schreibt er mittlerweile Kochbücher für den norwegischen Freßsack Verlag. Vor seinem sechzigsten Geburtstag möchte er einen langen Winter in Berlin verbringen. Als Domizil hat er sich die Wohnung seiner verstorbenen Freundin Margot erwählt. Doch bevor es in diese geht, macht er noch Station in Frankfurt, um sein Buch “Die alte belgische Küche” zu präsentieren. Wohl wissend, dass es keine Lorbeeren für dieses aus dem Internet zusammen geklaute Werk geben wird. Angewidert vom Literaturbetrieb und seinem nicht sehr hohen Stellenwert in diesem, mach Gedde sich auf nach Berlin, um in der Einsamkeit von Margots Wohnung in eine Art Winterschlaf zu gehen. Um in Einsamkeit nachzudenken und zu sein …

… doch dann kommt alles ganz anders. Dieser Claes Otto Gedde ist kein netter älterer Herr, der in Würden (wie immer das geht) altert. Nein, er ist ein Zyniker und Egoist, der sich recht rücksichtslos die Welt zurecht zu biegen versucht bis sie in seine Vorstellungen passt. Das klappt nicht so wirklich, eigentlich immer nur bedingt. Denn Claes Otto Gedde ist auch einer, der sich immer wieder selber im Wege steht. Menschen brüskiert, Situationen falsch einschätzt und überhaupt keiner ist, der ein Fettnäpfchen auslässt, in das er tapsen könnte. “Ein lange Nacht auf Erden” ist ein nachdenklich machendes Buch.

Ingvar Ambjörnsen hat ein Händchen für schräge Typen. Diese ziehen sich durch sein Gesamtwerk und auch wenn diese Typen keine Sympathieträger par exellence sind, so haben sie doch immer etwas, das sie den Leser_innen lieb macht. So auch hier. Sicher ist dieser Claes Otto Gedde keiner, den mensch so ohne weiteres mag, gleichzeitig kommt aber Mitleid auf und an einigen Stellen ein liebevolles Lächeln, über diesen zynischen Gauner und seine Tendenz in tragikomische Situationen zu geraten. Ambjörnsen ist ein scharfer Beobachter, der sich nicht scheut klar zu benennen. Sein Blick auf die Welt ein schonungsloser, aber kein liebloser.

Fazit: Absolut empfehlenswert.

Ingvar Ambjörnsen
Eine lange Nacht auf Erden
Roman
Übersetzung aus dem Norwegischen: Gabriele Haefs
ISBN 978-3-86789-173-8
256 Seiten
12,5 x 21,0 cm
geb.
sofort lieferbar
18,99 €
Rotbuch Verlag

 

About KaBra

Karin Braun, 59 Jahre, begeisterte Leserin und Erzählerin. Im Grunde mache ich dauernd was mit Worten. Entweder lese ich oder ich schreibe und oft schreibe ich über das Gelesene.

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