Eine Liebe in den Tagen des Lichts – Espen Haavardsholm

Espen_haavardsholm

In dieser Roman-Biografie geht es um das Leben von Edvard Munch, genauer gesagt um die letzten zwei Jahre seines Lebens. Munch hat sich, krank, misstrauisch und vereinsamt in Ekely bei Oslo verschanzt. Die Handlung beginnt 1942. Norwegen ist von den Nazis besetzt und die Bewohner Oslos leben in der Angst, dass sie endgültig unter deutscher Besatzung bleiben. In dieser Zeit spricht die Jurastudentin Dorothy, genannt Doffy, die für die Werke des Malers schwärmt, auf Ekely vor, um sich als Modell zu verdingen. Nachdem Munch sein Misstrauen überwunden hat, stellt er sie ein und es bahnt sich eine Freundschaft, zwischen den Beiden an, die von Seiten des Malers schnell in Verliebtheit umschlägt.

Während Haavardsholm Dorothy Alltag vorwärts gerichtet erzählt, lässt er Munch, der im Buch nur M. genannt wird, seine Vergangenheit reflektieren. Seine Kindheit in relativer Armut, der frühe Verlust von Mutter und Schwester und seine Schwindsucht mit dreizehn. Aber auch das Freimachen von den strengen religiösen Vorstellungen des Vaters und sein Leben als Künstler. Seinen Aufenthalt in der Nervenheilanstalt in Kopenhagen, die Absinth getränkte Phase. Welche Bilder wann und wo entstanden. Der ganze Reigen eines Lebens mit vielen Abgründen entfaltet sich dem Leser. Dorothys Leben dagegen ist auf die Zukunft gerichtet. Auf ihr Studium, auf die Zeit, wenn die deutsche Besatzung endet. Die Nahrungsmittelknappheit und auf ihre Freundin Kari, mit der sie zusammenlebt. Beide leben, wie junge Frauen eben leben. Sie studieren, gehen auf Partys, treffen sich mit Männern, malen und versuchen klar zu kommen so gut es eben in den Kriegsjahren geht.

Frau Braun meint: 

Das ganze Buch hat etwas traumhaftes, das immer wieder durch Realität der national-sozialistischen Besatzung Norwegens durchbrochen wird. Ekely ist wie ein verzauberter Ort in dem norwegischen Kriegsalltag von 1942 und Munch lebt dort, inmitten seiner Bilder und Erinnerungen, mal mehr, mal weniger von seiner chronischen Bronchitis gebeutelt. Haavardsholm erzählt mit einer Leichtigkeit und Anmut von dem Lebensstationen des Malers und von seiner Beziehung zu Dorothy. Es ist ein sehr vielschichtiges Buch. Zum einen ist da der Maler, dessen Leben dem Ende zu geht und der ganz in die Welt seiner Bilder und Erinnerungen abgetaucht ist. Dann ist da Dorothy, die sehr den Typ einer modernen jungen Frau verkörpert, die die Welt verändern möchte.  Beim Lesen war es  wie im Traum eines anderen zu wandern, ohne sich als Eindringling zu fühlen. Ehrlich gesagt, mir fehlen die Worte, die Vielschichtigkeit der Empfindungen während des Lesens zu schildern und das passiert mir selten. Sicher besteht ein großer Reiz des Buches darin, dass es ein biografischer Roman ist. Ein Seiltanz zwischen Erfundenen und Realem ist. Denn Doffy hat es wirklich gegeben, sie war die beste Freundin von Haavardsholms Mutter, in diesen Jahren. Aber es ist nicht nur das, es ist auch die Art in der Haavardsholm die Leser mit in die Lebensbilder und in die Gemälde Munchs nimmt, ihn auf eine sehr natürliche Art Teil des Geschehens werden lässt, als eine Art aktiver Beobachter.

Für die deutsche Übersetzung zeichnen Gabriel Haefs und Andreas Brustermann.

Fazit: Für mich das Buch des Jahres! Also unbedingt lesen!

Eine Liebe in den Tagen des Lichts

  • Osburg Verlag; Auflage: 1 (3. September 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3955100200
  • ISBN-13: 978-3955100209
  • Originaltitel: Besøk på Ekely

About KaBra

Karin Braun, 59 Jahre, begeisterte Leserin und Erzählerin. Im Grunde mache ich dauernd was mit Worten. Entweder lese ich oder ich schreibe und oft schreibe ich über das Gelesene.

0 thoughts on “Eine Liebe in den Tagen des Lichts – Espen Haavardsholm

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.