Getrieben von Andreas Altmann

Dank Blogg dein Buch, habe ich gerade “Getrieben” von Andreas Altmann gelesen. Das Buch ist bei bei Solibroerschienen und zwar bereits 2005 zum 1. Mal.  Ich jedenfalls habe die Ausgabe von 2012 vorliegen gehabt

Was soll ich sagen! Andreas Altmann ist sicher ein Getriebener. Das wird sehr schnell in den autobiografischen Texten klar. Er ist einer der alles erleben will und zwar so ungefiltert wie möglich. Da lässt er sich auch nicht von moralischen Skrupeln aufhalten. Diebstahl, sexuelle Ausschweifungen, Betrug, alles das wird bis zum Exzess zelebriert und in den Geschichten hochstilisiert. Immer wenn ich gerade soweit war, mir ein Bild von Altmann zu machen, warf er es wieder über den Haufen. Entweder durch extreme Kaltschnäuzigkeit oder aber, durch seine Intensität mit der er sich an seinen kleinen und größeren Gaunereien freuen kann. Da ist auf der einen Seite dieser intelligente und weltgewandte Mann, der dann mit einer geradezu infantilen Vorstellung von karmischer Gerechtigkeit seine Buchdiebstähle als gesühnt sieht, weil ihn ein Bandscheibenvorfall lahmlegt.

Alle 18 Geschichten in dem Buch scheinen darauf angelegt zu den Leser, die Leserin zu provozieren. Bereits in seinem Vorwort schreibt Altmann:

Das wird ein seltsames Vorwort: Hier will der Autor dem Leser vom Buch abraten. sagen wir, dem “falschen” Leser. Das wäre im vorliegenden Fall der moralisch einwandfreie Zeitgenosse, der zartnervige, der gentialzonenfreie, der von aller kriminellen Kraft erlöste, eben jener, der gern zum “guten Buch” greift. Hier greift er daneben.

Mit diesen Worten im Kopf beginnt es nun, dass der Leser, die Leserin, sich auf nahezu jeder Seite herausgefordert fühlt die eigene Schmerzgrenze auszuloten. Es ist wie mit einem nervigen Teenager, der sich jeden Tag aufs Neue überlegt, womit er/sie die Eltern provozieren kann. Wenn die Grenze erreicht ist, wo es knallen könnte, wird sich wieder zurück gezogen und es kommt wieder eine: Ich-bin-doch-aber-auch-ganz- lieb – Phase. Das ist anstrengend! Im normalem Leben, aber auch beim Lesen. Doch wer sagt, dass Lesen ausschließlich entspannend sein muss? Niemand! Es war allerdings eine weise Entscheidung des Autors“Getrieben” in Form von Kurzgeschichten herauszubringen. So das mensch das Buch zwischen den Geschichten ein wenig zur Seite legen kann und sich überlegen, ob er das arme, vernachlässigte Kind, welches hinter dem provozierenden “Ich nehme mir, was immer ich gerade brauche – Rüpel” immer wieder durchscheint, in den Arm nehmen möchte, oder besagtem Rüpel eine saftige Ohrfeige verpassen möchte.  Und doch muss ich sagen, es ist ein tolles Buch, denn egal welche Reaktion es auslöst, es löst eine aus. Es lässt nicht kalt und es zwingt geradezu Stellung zu beziehen. In meinem Fall war die schockierende Erkenntnis, dass ich moralischer bin, als ich dachte. Na ja, solange es nicht langweilig wird.

About KaBra

Karin Braun, 59 Jahre, begeisterte Leserin und Erzählerin. Im Grunde mache ich dauernd was mit Worten. Entweder lese ich oder ich schreibe und oft schreibe ich über das Gelesene.

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