Konzert ohne Dichter

Autor: Klaus Modick

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

ISBN: 978-3-462-04741-7
Erschienen am: 09.02.2015
240 Seiten, gebunden
Lieferbar

Erst einmal ein großes Kompliment an den KIWI Verlag. Das Buch ist wunderschön aufgemacht. Im Innenteil des Covers ist denn auch das Bild zu sehen, um dessen Entstehungsgeschichte sich die Handlung dreht. Das Konzert – Sommerabend. Eines der monumentalen Werken Heinrich Vogelers, immerhin 3,10 x 1,75.

Aber nicht nur die Aufmachung ist wohlgeraten, sondern auch das Buch an sich. Klaus Modick erzählt aus der Sicht des Worpsweders Maler Heinricht Vogeler. Die Rahmenhandlung bildet Voglers Vorbereitungen und Reise nach Oldenburg, wo er 1905 mit der Goldmedaille für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet wird. In Reflektionen erinnert sich der Maler an die Anfänge in Worpswede und an seine Freundschaft mit Rainer Maria Rilke und  dem Zerwürfnis der beiden Künstler.

Vogeler, der Prinz dess Jugendstils, ist gut im Geschäft, er ist als Maler, Illustrator und, heute würde man sagen, Designer tätig. Er kreiert sich seine Welt bis ins kleinste Detail. Der Barkenhof wird dann auch zum Versammlungsort für ansässige und auf Besuch weilende KünstlerInnen. Die Familie, wie Paula Modersohn Becker, sie nennt, diese Worpsweder Künstler. Rilke ist in dieser Gesellschaft immer einmal wieder präsent, aber zieht sich auch daraus zurück. Sein Verhältnis zu Vogeler, den er einst als Seelenbruder bezeichnet hat, wird immer komplizierter. Vogelers Erinnerungen an diesen manisch dichtenden Dichter sind dann auch entsprechend distanziert boshaft.

Ich habe dieses Buch gerne gelesen, es ist ein schöner Einblick in die Worpsweder Welt um 1900 herum. Im Klappentext wird es eine Chronique Scandaleuse Wordpswedes genannt.  Um dem nun wirklich zu entsprechen, hätte es schon ein wenig mehr scandál gebraucht.  Auch kann ich dem Lektorat nicht uneingeschränkt Beifall zollen. Da sind so einige Kinken. Da wird am Anfang schon mal Hinnerk mit Jan verwechselt und das Illustrator-Vorbild Vogelers heißt Aubrey Beardsley, nicht Audrey. Dies mögen Kleinigkeiten sein, ärgern aber doch. Trotzdem kann ich das Buch uneingeschränkt empfehlen und nicht nur für Worpswede Fans.

Wer denn noch nicht vom Teufelsmoor genug hat, kann gleich im Anschluss Der Mann der durch das Jahrhundert fiel von Moritz Rinke lesen. Ebenfalls bei KIWI erschienen.



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