Die Autorin Maeve Brennan ist eine Wiederentdeckung. Geboren 1917 in Dublin/Irland wanderte sie 1934 mit ihrer Familie nach Amerika aus. Sie schrieb unter anderen für den New Yorker.

Mr. und Mrs. Derdon – Geschichten einer Ehe wurde 2006 vom Steidl Verlag veröffentlicht. Die Geschichten um das Dubliner Ehepaar Derdon sind für diesen Band chronologisch geordnet worden. Die Originale entstanden in der den Jahren von 1952 – 1973.

mr. und mrs.derdon

Handlung:

Ein richtiges Traumpaar waren Rose und Hubert Derdon nie. Nach einigen Jahren Ehe hatte es sich mit der Liebe. Gleichgültigkeit, Abneigung und perfide Boshaftigkeiten bestimmen ihren Alltag.  In abgeschlossenen Episoden lässt Maeve Brennan den Leser, in Huberts und Roses Gedankenwelt und ihn an der gegenseitigen Abneigung teilhaben.

Frau Braun meint:

Dieses Buch habe ich mir nicht bewusst ausgesucht. Es ist mir in der Bücherei quasi vor die Füße gefallen und ich bin froh drum. Mir gefiel die Idee eine Beziehungsgeschichte zu lesen, die nicht in eine kohärente Handlung eingebettet war. Mir hat sehr gefallen mit welcher Präzision Mrs. Brennan die Gedanken ihrer Protagonisten offen legt. Der kaum verbrämte Abscheu und die kleinen Spielchen, die dem anderen des Leben sauer machen. Alles wird schonungslos ans Licht gebracht, aber ohne das sie ihre Personen preis gibt. Rose und Hubert sind durch ihre Handlungen Täter und Opfer. Auch die Rechtfertigungen für alles, die Tünche, die die eigene Bosheit erträglich macht, fehlen nicht. Es gibt keine Taschenspieler Tricks oder Kniffe, es wird in geradezu herzzerreißender Lakonie  und Offenheit die Geschichte zweier Menschen erzählt, die jede Hoffnung auf Glück oder auch nur auf gegenseitigen Respekt hinter sich gelassen haben.

In der letzten Geschichte „Ein Mann ertrinkt“, ist Rose gestorben und Hubert lebt als Witwer weiter. Doch selbst nach ihrem Tod ist er an Rose gebunden. Er spielt den trauenden Witwer, weil es seine Mitmenschen von ihm erwarten, und leidet darunter. So sucht er Roses Zimmer noch einmal auf, um zu erspüren, ob es da nicht irgend etwas gibt, was ihn echte Trauer empfinden lassen würde.

Trotzdem konnte er nicht glauben, dass selbst ein so lebensuntüchtiger Mensch wie sie aus dem Leben treten konnte, ohne auch nur irgendeine Spur zu hinterlassen. Eine Spur wäre ein Zeichen, dass ihn zu dem Kummer wiese, den er ihr zuliebe erleiden wollte. Aber es gab kein solches Zeichen.

Fazit: Großartige Charakterstudie. Unbedingt empfehlenswert.

Mr. und Mrs. Derdon
Maeve Brennan
Übersetzer:  Hans-Christian Oeser
erschienen 2006 im Steidl Verlag
Alles liegt offen und wird mit


5 Comments

  1. eachtach

    Muß einfach gut sein, wenn HC Oeser das übersetzt hat!

    • Hilary K.

      Es ist, ich muss das Buch unbedingt mal raussuchen und es noch einmal lesen


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