schwarzer frost

 

Schwarzer Frost ist der Debütroman von David Wonschewski. David hat lange Zeit als Musikjounalist für verschiedene große Sender gearbeitet. Auch sein Protagonist ist Musikjournalist.  Der Begriff „Schwarzer Frost entstammt der Seefahrt. Damit bezeichnet man Vereisungen, die an Schiffen auf Grund großer Kälte und Luftfeuchtigkeit entstehen. Durch das erhöhte Gewicht kommt es zu Havarien. In dem Roman geht es nicht um ein Schiff, sondern um einen Menschen der auf seinem Lebensweg besagten Schwarzen Frost angesetzt und sein Gleichgewicht verloren hat. Das Buch ist im Bewusstseinsstrom geschrieben. Der Leser ist sozusagen als Gast in den Gedanken des Ich-Erzählers. Kein bequemer Ort, denn der Protagonist, der sich selbst als einen Menschen bezeichnet, der ein Mörder sein könnte, ist schwer depressiv und nur die Lebensverneinung und die Faszination des Todes, besonders des Selbstmordes, verschaffen ihm menschliche Gefühle. Während er auf den verhassten Lohfeld, den Starmoderator des Senders wartet, Lohfeld den er hasst, der ihn anwidert, reflektiert der Erzähler seine Beziehungen zu den Menschen in seinem Umfeld. Da ist einmal seine Ex-Freundin Marie, die es immerhin sechs Jahre mit ihm ausgehalten hat. Dann sind die Erinnerungen an Moritz da, der Mensch dem der Erzähler immer bescheinigt hat, dass dieser sich umbringen wird.  Und in der Gegenwart gibt es Lohfeld, der alles verkörpert was der Protagonist ablehnt und den er trotzdem zu sich in die Wohnung, in seine Höhle eingeladen hat. Zu sich, dem Menschen der ein Mörder sein könnte …

Frau Braun meint:

… das David Wonschewski da ein ganz besonderes Buch geschrieben hat. Sicher keines in dem es sich entspannt sein lässt und in dem man noch ein paar Seiten vor dem Einschlafen liest. Es ist schwer sich daraus zu lösen, besonders da es keine kurzen Kapitel gibt. Der Roman besteht aus drei Teilen, die Zeit bevor Lohfeld da ist, als Lohfeld da ist und nachdem Lohfeld fort ist. Ich muss gestehen, dass ich für diese 238 Seiten recht lange gebraucht habe und auch einmal zwei, drei Tage Urlaub von diesen Strom der Depression und Misanthropie brauchte. Wer nun denkt, ich meine damit, dass es literarisch ungenügend ist, irrt. Genau das Gegenteil ist der Fall. Wonschewski zieht seine Leser der Art in die beklemmende Gedankenwelt seines Protagonisten, dass die Befürchtung besteht sich mit schwarzem Frost zu infizieren, wenn man nicht ab und an ein wenig Abstand sucht. Das interessante war, dass die Pausen nie während des Lesens erforderlich wurden, sondern ihre Notwendigkeit sich immer erst zeigte, wenn ich das Buch erneut zur Hand nehmen wollte. Dem Autoren ist eine bemerkenswerte Gratwanderung gelungen, der Abgrund ist durchgängig spürbar, aber durch die Emotionen die der Text auslöst, auch der feste Boden. Der Reigen von Gefühlen ging bei mir, von Mitleid, Abscheu, Ekel über Wut und erschreckender Weise Verständnis für so einige Schlussfolgerungen. Im Grunde löste es bei mir die Emotionen aus, zu denen der Erzähler nicht mehr fähig war.

Das Buch wurde, glaube ich gelesen zu haben, von der Thomas Bernhard Gesellschaft ausgezeichnet. Ich habe Bernhard nie gelesen, bin aber durch Schwarzer Frost auf den Appetit gekommen. Übrigens, wer nun glaubt, dass es keinen Humor in diesem Werk gibt … es gibt ihn … allerdings einen so rabenschwarzen, dass es eine Pracht ist.

DAVID WONSCHEWSKI: „Schwarzer Frost“

Ein verstörender Einblick in die Gedankenwelt eines Menschen, der ein Mörder sein könnte.
Buch, Softcover 238 S., 20,6 x 13,5 cm
ISBN: 978-3-940767-97-4,
Edition Periplaneta, GLP: 13,50 € (D)

 



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