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Schlagwort: Beziehung

Unvollkommene Verbindlichkeiten von Lena Andersson

Unvollkommene Verbindlichkeiten von Lena Andersson

Unvollkommene Verbindlichkeiten

Autorin: Lena Andersson

Übersetzung aus dem Schwedischen: Gabriele Haefs

Verlag Luchterhand

ISBN 978-3-630-87524-8

Preis 18,00 €

Ester Nilsson, Lyrikerin, Essayistin und Dramatikerin, lernt bei den Proben zu einem ihrer Stücke den Schauspieler Olof Sten kennen. Sie ist begeistert, ist sich sicher, das ist der Mann ihres Lebens. Auch Olof scheint interessiert, trotz Ehefrau und Familienanhang. Ester ist überzeugt, er wird seine Frau verlassen und sie und Olof werden glücklich sein, bis ans Ende ihrer Tage. Allerdings macht Olof keine ernsthaften Anstalten seine Frau zu verlassen, noch behauptet er jemals, dieses tun zu wollen. Das ist jedoch für Ester kein Hindernis, Erklärungen für sein Verhalten ihr gegenüber zu finden und sich einzureden, dass doch alles gut wird, dass Olof einfach noch Zeit braucht. Auf die naheliegende Erklärung, nämlich dass Olof ein ziemliches Arschloch ist und sich nicht das geringste aus ihr und ihren Gefühlen macht, kommt sie nicht, obwohl doch ihr gesamter Freundinnenkreis sehr deutlich signalisiert, lauf was du kannst und lass dich nicht weiter so behandeln. Doch es braucht drei Jahre, bis Ester in der Lage ist ihren Prinzen so zu sehen, wie er wirklich ist, doch dann reagiert sie und zwar sehr rigoros.

Ester Nilsson kam bereits in Lena Andersson vorherigen Roman, Widerrechtliche Inbesitznahme, vor. Auch dort ging es um eine unerfüllte Liebe. Es ist nicht zwingend nötig den Vorgänger gelesen zu haben (außer, dass es ein tolles Buch ist), Unvollkommene Verbindlichkeiten, ist ein in sich abgeschlossener Roman, auch wenn es hin und wieder  Verweise auf diese frühere Beziehung Esters gibt. Ester hat nicht wirklich dazugelernt und welche Auswirkungen dies hat, schildert Lena Andersson eindrucksvoll. Schon alleine die Gespräche mit den Freundinnen zwecks Beziehungsanalyse sind Meisterstücke. Ester ist keine durchweg sympathische Protagonistin, eigentlich ist sie eine ziemliche Nervensäge und man möchte sie schütteln. Ester versucht alles mögliche um ihren Prinzen und seine Nähe-Distanz Ambivalenz zu begreifen, sie liest Psychologie-Bücher, ordnet ihn recht korrekt ein und kommt dann unweigerlich zu den falschen Schlüssen, weil die richtigen ihren Wünschen widersprechen würden. Lena Andersson ist eine interessantesten Autorinnen die ich in den letzten Jahren entdeckt habe. Ihre Bücher sind originell und sie hat ein unglaubliches Talent ihre scharfen Beobachtungen der menschlichen Natur brilliant in Worte zu fassen.

 

Fair Play von Tove Jansson

Fair Play von Tove Jansson

Fair Play

Autorin: Tove Jansson

Übsersetzung aus dem Schwedischen: Brigitta Kicherer

Urachhaus Verlag/2014

ISBN-13: 978-3-8251-7892-5
Jonna und Mari leben seit vielen Jahren zusammen. Beide sind so um die siebzig. Beide sind Künstlerinnen. Jonna ist Grafikerin und Mari Schriftstellerin. Den Sommer verbringen sie auf einer Schäreninsel vor Helsinki, den Winter in ihren Ateliers, die durch einen Gang über den Dachboden miteinander verbunden sind.  Die beiden Frauen sind sehr unterschiedlich. Über Jonna heißt es gleich zu Anfang.
Jonna hatte eine glückliche Eigenschaft, nämlich jeden Morgen wie zu einem neuen Leben aufzuwachen, zu einem Leben, das sich unverbraucht und vollkommen sauber vor ihr erstreckte bis zum Abend, nur selten überschattet von den Sorgen und Irrtümern des Vortages.
In Episoden erzählt Tove Jansson von dem  Zusammenleben der beiden Frauen, welches die gesamte Bandbreite einer Beziehung umfasst. Sie streiten, sie versöhnen sich, sind sich nahe, suchen Distanz, sie bestärken sich gegenseitig in ihrer künstlerischen Arbeit und werden zusammen alt. Eine Liebesgeschichte der besonderen Art, die Tove Jansson in ihrem autobiografisch geprägten Episodenroman erzählt.
Widerrechtliche Inbesitznahme von Lena Andersson

Widerrechtliche Inbesitznahme von Lena Andersson

LENA ANDERSSON
Widerrechtliche Inbesitznahme
Roman
Originaltitel: Egenmägtikt förfarande
Aus dem Schwedischen von Gabriele Haefs
DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 224 Seiten, 12,5 x 20,0 cm
ISBN: 978-3-630-87469-2
€ 18,99 [D] | € 19,60 [A] | CHF 25,90 * (* empf. VK-Preis)

Verlag: Luchterhand Literaturverlag

Die Dichterin und Essayistin Ester Nilsson soll einen Vortrag über den bildenden Künstler Hugo Rask halten. Sie tut dies, der Künstler ist im Publikum und vom Lob der Dame begeistert. Es kommt zu einem Gespräch zwischen den Beiden und auf einmal ist alles ganz anders. Ester ist verliebt! Sie verlässt ihren langjährigen Freund und gibt sich, voller Hoffnung auf eine Beziehung zu Rask, ihren Gefühlen hin. Doch so richtig klar ist nicht was der Herr will. Mal ist seine Aufmerksamkeit Ester gegenüber sehr groß, dann wieder ist er abwesend. Während der ersten Treffen werden nur Gespräche geführt. Nach einigen Hin und Her kommt es denn doch zum Sex. Sie schlafen dreimal miteinander und dann ist Sendepause. Esters Anrufe werden nicht beantwortet und der Herr Rask meldet sich auch nicht. Ester nun, die in Worten schwelgt und alles benennen und erklären muss, sucht eine Aussprache … die Rask ihr verweigert.

Eigentlich ist an dieser Stelle klar: Der Typ will nicht! … Aber das will Ester nicht wahrhaben. Immer wenn es wieder einmal zu einem Kontakt kommt, schöpft sie neue Hoffnung, obwohl sich der Herr so nach und nach als ziemlich oberflächlich und narzisstisch zeigt, kann sie nicht von ihm lassen und nutzt jeden noch so fadenscheinigen Vorwand zur Kontaktaufnahme. Schließlich beendet sich die Sache auf so drastische Weise, dass auch Ester die Sinnlosigkeit ihrer Träume einsehen muss.

Lena Anderssons Beschreibung der liebesblinden Ester ist einfach toll. Als LeserIn möchte man ihr förmlich entgegen schreien: Lass es Mädel, es hat doch keinen Zweck! Und so dann und wann denkt man, so blöde kann doch niemand sein! Um dann in einem Moment der Aufrichtigkeit festzustellen: Doch, so blöde war ich auch schon.

Ein sehr empfehlenswertes Buch.