Die Buchhandlung von Penelope Fitzgerald

Penelope Fitzgerald
Die Buchhandlung

Roman
Aus dem Englischen von Christa Krüger. Mit einem Nachwort von David Nicholls

Verlag: Suhrkamp

Erschienen: 08.12.2014
insel taschenbuch 4346, Broschur, 164 Seiten
ISBN: 978-3-458-36046-9
Auch als ebook erhältlich

Das Old House in Hardborough, einem kleinen Ort an der englischen Ostküste, steht schon lange leer. Es ist feucht bis in die Grundmauern und ein Poltergeist, ein Klopfer, bewohnt es. Das hält Florence Green nicht davon ab, es zu kaufen und darin eine Buchhandlung zu etablieren. Diese wird zunächst eher skeptisch beäugt, doch so nach und nach stellen sich Kunden ein und sogar eine kleine Leihbücherei kommt hinzu. Es ist Ende der 50-ziger Jahre. Die Erinnerungen an den 2. Weltkrieg sind noch sehr präsent und in Hardborough sind die Leute ebenso prüde, wie anderswo in dieser Zeit, daher ist Mrs. Greens Entscheidung Nabokovs Lolita ins Sortiment zu nehmen, nicht unumstritten. Ein Buch, welches sich deutlich von dem übrigen Sortiment abhebt, das aus Titeln wie: Bauen sie ihr eigenes Rennboot; Ich flog mit dem Führer und Alltag in England besteht.

Hardborough hat also seinen kleinen Skandal, doch das ist nicht das eigentliche Problem Florence Greens. Eine weitere hochgeachtete, und reiche Bürgerin, der Stadt, Mrs. Gramart, hat beschlossen, dass das Old House der geeignete Standort für ein Kulturzentrum ist. Nicht dass die Dame sich wirklich für Kultur interessiert, im Grunde will sie ihren gesellschaftlichen Status noch weiter ausweiten und schreckt auch nicht davor zurück, ihre politischen Verbindungen zu nutzen und in Kauf zu nehmen, dass sie Mrs Green und die Buchhandlung in den Ruin treiben könnte.

Ich bin auf dieses Buch durch die Sendung Druckfrisch gestossen, in der Michael Ondaatje es empfahl, und habe die Anschaffung nicht bereut. Es ist ein kurzer Roman, in dem wir nicht viel über die Hintergründe der Personen erfahren. So wird erwähnt, dass es mal einen Mr. Green gegeben hat, aber außer das er gestorben ist, weiß man nichts über ihn. Auch über Mrs. Greens Vergangenheit ist wenig, nur, dass sie einmal in jungen Jahren in einer Buchhandlung gearbeitet hat. Eine weitere Besonderheit an der Protagonistin ist, dass sie eine Buchhandlung eröffnet, aber überhaupt kein Interesse an Büchern im literarischen Sinne hat. Bevor sie den gewagten Schritt tut, und Lolita ins Sortiment nimmt, holt sie die Meinung eines der ältesten und skurrilsten Bewohner ein, dessen gesellschaftliche Stellung Gewicht hat. Mr. Brundishs Einschätzung ist:

Es ist ein gutes Buch, und deshalb sollten Sie versuchen, es den Einwohnern von Hardborough zu verkaufen. Die werden es nicht verstehen, aber das ist nur gut so. Verstehen macht denkfaul.

Es gab Stellen da hätte ich mir mehr Hintergrund gewünscht, dass will ich gar nicht bestreiten, allerdings musste ich am Schluss einräumen, dass es so, wie es getan, wohl getan ist. Gerade diese gerade Erzählweise ohne Schnörkel machen es zu etwas Besonderen, denn es hallt nach.

Am Tiefpunkt genial von Karoline Cvancara

am-_tiefpunkt_genial_300Karoline Cvancara

Am Tiefpunkt genial

Hardcover – EURO 19,90

ISBN 978-3-903091-02-3
264 Seiten, Roman
VÖ 2.11.2015
eBook – EURO 9,99 – erhältlich auf allen Plattformen
ISBN 978-3-903091-05-04
264 Seiten, Roman Wortreich Verlag, Wien

Paul hat nun wahrlich keine Glückssträhne, erst informiert in seine Freundin, dass sie zu seinem Freund Markus zieht und kaum hat er diesen Verlust verschmerzt, erfährt er das sein Chef den Buchladen, in dem Paul mit Begeisterung arbeitet, schließen wird. Paul begegnet diesen Krisen, wie er immer mit Krisen umgeht, er zieht sich mit Wein, Nikotin, Jazz und Büchern in seine Wohnung zurück und leckt seine Wunden. Zu ihm Durchdringen kann nur seine Ex-Freundin Klarissa, die er verlassen hat, weil sie ihm zu nahe kam, eine Tatsache über die er sich mehr und mehr klar wird. Wie auch darüber, dass Stefanie, die ihn wegen Markus mit dem Ferrari verlassen hat, seinem Herzen vielleicht gar nicht wirklich nahe stand. Auch für sein berufliches Problem gebe es eine Lösung, aber dafür müsste Paul bereit sein erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen.

Ich habe dieses Buch mit wahrer Begeisterung gelesen. Es ist humorvoll, ironisch, wundervoll optimistisch und das obwohl Paul sich doch sehr schwer tut. Schon alleine wegen seines ausgezeichneten Literatur und Musikgeschmacks, müsste es Spaß machen Paul kennen zu lernen und zu beobachten, wie er sich macht, in der neuen Phase seines Lebens.

Eine Leseprobe gibt es hier: http://verlag-wortreich.at/wp-content/uploads/Leseproben/Am%20Tiefpunkt%20genial_Leseprobe.pdf

 

 

Bücher, Bücher, Bücher

Buchpaket April

Heute kam Post mit vielen, vielen bunten Büchern. Es ist immer besonders schön, wenn Bücher in der Post sind.

J. D. Oswald – Dreamwalker3 – Die Gefangene des Drachenturms

Seit Jahrhunderten schon herrscht Feindschaft zwischen Drachen und Menschen. Aber ein gemeinsames Schicksal hat den jungen Drachen Benfro und den Jungen Errol eng verbunden. Doch das Schicksal hat ihnen einiges abverlangt bei ihren Abenteuern: Benfro steht mittlerweile unter dem Bann des mächtigen Drachen Magog und Errol leidet noch immer unter den Folgen der Folter, die er im königlichen Schloss erlitten hat. Aber auch wenn Benfro und Errol jeder für sich leichte Beute für ihre größten Feinde sind, gemeinsam haben sie eine Chance gegen die machtlüsterne Königin Beulah und den grausamen Inquisitor Melyn.

Übersetzerin: Gabriele Haefs

Diana Wynne Jones – Sophie im Schloss des Zauberers

Die Hutmacherin Sophie hätte es wissen müssen: Als älteste von drei Schwestern hat man immer Pech, wenn man auszieht, um das Glück zu suchen. Das weiß in Ingari schließlich jedes Kind. Und so wird Sophie auch alsbald von einer eifersüchtigen Hexe in eine alte Frau verwandelt. Was tun? Sophie heuert als Hausdame bei dem gefürchteten Zauberer und Herzensbrecher Howl an. In seinem fliegenden Schloss hat sie alle Hände voll damit zu tun, 1. den Feuerdämon Calcifer bei Laune zu halten, 2. dem Lehrling Michael bei dessen kläglichen Zaubereiversuchen zu helfen und 3. Howl daran zu hindern, ihrer Schwester Lettie das Herz zu brechen. Dabei wollte sie doch eigentlich nur ihre eigene Gestalt zurückerlangen …

Übersetzerin: Gabriele Haefs

Eystein Hanssen – Blutgeld

Elli Rathke, Ermittlerin bei der Polizei in Oslo, lernt bei einer Drogenrazzia einen jungen Afrikaner kennen, der aus Uganda stammt und eine unglaubliche Geschichte zu erzählen hat. Er habe zu einer Rebellengruppe gehört und sei geflohen. Diese Truppe habe auch einen Norweger entführt. Wenig später geht bei der norwegischen Botschaft in Kampala eine Nachricht ein: „Die gierigen Norweger sollen endlich bezahlen.“ Die Geschichte der Entführung scheint zu stimmen – und die Behörden bitten ausgerechnet Elli zu ermitteln.

Ein neuer packender Roman mit der ungewöhnlichsten Ermittlerin Norwegens.

ÜbersetzerIn: Gabriele Haefs/Andreas Brunstermann

Urlaubslesebuch 2016 – Hersg_in: Karoline Adler

Das Gute kommt immer wieder – zum Glück: Auch 2016 ist Ihren Kunden das Urlaubslesebuch als treuer und unterhaltsamer Begleiter sicher. Bekannte Autoren und solche, die es sich unbedingt zu
entdecken lohnt, erzählen die besten Geschichten des Sommers. Diesmal dabei:
T.C. Boyle • Krischan Koch
Ewald Arenz • Jutta Profijt
Siegfried Lenz • Ulrike Herwig
Erich Kästner und viele mehr

Die letzte Reise meiner Mutter – Anne B. Ragde

»Verstreut meine Asche am Strand in Dänemark« – bis Anne B. Ragde ihrer Mutter diesen letzten Wunsch erfüllen kann, vergehen lange Monate des Wartens. Monate, in denen Anne an ihrem Bett sitzt und die Zustände im Pflegeheim hautnah mitbekommt. Monate, in denen sie sich manchmal nur ein schnelles, friedliches Ende für ihre Mutter wünscht. Monate, in denen sie ihr zuhört, den Geschichten von früher, aus Annes Kindheit, aber auch aus der Jugend der Mutter, von ihren Träumen und Wünschen – und so entsteht allmählich, wie ein Puzzle, das Bild einer ganz außergewöhnlichen Frau: stark, schwach, liebevoll, streng, exzentrisch, ganz normal – das Bild einer Mutter.

Übersetzerin: Gabriele Haefs

Es ist also wieder ein bunter Stapel auf meinem Nachtisch gelandet und ich freue mich auf jedes einzelne und werde denn auch gesondert berichten.

 

Buchhandlung Roter Stern in Marburg – Beitrag von Gabriele Haefs

 

In einem verwinkelten Haus am Lahnufer liegt der Buchladen Roter Stern. Zur Straße hin ziert denn auch ein Roter Stern die Hausfassade, zum Wasser hin liegt am Ufer ein knallrotes Boot, das dem einen Buchhändler gehört. Es gibt sogar Postkarten, die den Blick über die Lahn zeigen, auf just diese Häuserzeile – und der rote Punkt zeigt an: Hier liegt das Boot. Hier ist der Buchladen.

Roter stern

In einem verwinkelten Haus am Lahnufer liegt der Buchladen Roter Stern. Zur Straße hin ziert denn auch ein Roter Stern die Hausfassade, zum Wasser hin liegt am Ufer ein knallrotes Boot, das dem einen Buchhändler gehört. Es gibt sogar Postkarten, die den Blick über die Lahn zeigen, auf just diese Häuserzeile – und der rote Punkt zeigt an: Hier liegt das Boot. Hier ist der Buchladen. Der Rote Stern gehört einem der wenigen noch existierenden Buchhändlerkollektive, aus der großen Zeit des linken Buchhandels – natürlich gibt es auch die aktuellen Bestseller (naja, nicht alle, Sarrazin oder Akif Pirincci liegen nicht aus), vor allem aber ein reiches Angebot an Büchern aus kleinen und kleinsten Verlagen, dazu jede Menge Zeitschriften aus der linken und alternativen Szene. (Die Stichprobe überzeugt: Selbstverständlich steht unser Lieblingsbuch aus im Regal mit Literatur aus europäischen Ländern: „Session“ von Mick Fitzgerald, erschienen im Songdog Verlag, Wien). Etwas ganz besonderes ist die Abteilung für Kinder- und Jugendbücher, die mit ungeheurer Sachkenntnis betreut wird. Auf dem Rundgang (denn wie es sich für ein echtes Bücherlabyrinth gehört, sind alle Kammern miteinander verbunden) passiert die Besucherin immer wieder die einfach sagenhafte Auswahl an Postkarten, bleibt hängen und gibt ein Vermögen aus. Da trifft es sich gut, dass sich hinter dem Laden noch das Café befindet, mit Blick auf die Lahn, wo es sich bei einem leckeren Frühstück oder einem guten Glas Wein so vortrefflich Postkarten schreiben läßt. Auch hier liegen Zeitschriften aus, Flugblätter und Wandzeitungen machen das Café zur Nachrichtenbörse und zum unerläßlichen Anlaufplatz bei jedem Marburgbesuch. Einen eigenen Eingang hat das dem Laden angeschlossene Antiquariat, wo sich so mancher Schatz heben läßt, und wer doch nicht alles für Postkarten und Wein ausgegeben hat, wird hier dann noch einmal gewaltig zuschlagen. Marburg lohnt immer einen Besuch, schöne Stadt, Geschichte und so, aber der Rote Stern lohnt den Besuch noch sehr viel mehr.

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Der Rote Stern gehört einem der wenigen noch existierenden Buchhändlerkollektive, aus der großen Zeit des linken Buchhandels – natürlich gibt es auch die aktuellen Bestseller (naja, nicht alle, Sarrazin oder Akif Pirincci liegen nicht aus), vor allem aber ein reiches Angebot an Büchern aus kleinen und kleinsten Verlagen, dazu jede Menge Zeitschriften aus der linken und alternativen Szene. (Die Stichprobe überzeugt: Selbstverständlich steht unser Lieblingsbuch aus im Regal mit Literatur aus europäischen Ländern: „Session“ von Mick Fitzgerald, erschienen im Songdog Verlag, Wien). Etwas ganz besonderes ist die Abteilung für Kinder- und Jugendbücher, die mit ungeheurer Sachkenntnis betreut wird. Auf dem Rundgang (denn wie es sich für ein echtes Bücherlabyrinth gehört, sind alle Kammern miteinander verbunden) passiert die Besucherin immer wieder die einfach sagenhafte Auswahl an Postkarten, bleibt hängen und gibt ein Vermögen aus. Da trifft es sich gut, dass sich hinter dem Laden noch das Café befindet, mit Blick auf die Lahn, wo es sich bei einem leckeren Frühstück oder einem guten Glas Wein so vortrefflich Postkarten schreiben läßt. Auch hier liegen Zeitschriften aus, Flugblätter und Wandzeitungen machen das Café zur Nachrichtenbörse und zum unerläßlichen Anlaufplatz bei jedem Marburgbesuch. Einen eigenen Eingang hat das dem Laden angeschlossene Antiquariat, wo sich so mancher Schatz heben läßt, und wer doch nicht alles für Postkarten und Wein ausgegeben hat, wird hier dann noch einmal gewaltig zuschlagen. Marburg lohnt immer einen Besuch, schöne Stadt, Geschichte und so, aber der Rote Stern lohnt den Besuch noch sehr viel mehr.

www.roter-stern.de