Kalter Checkout von Silvia Hlavin

Kalter Check-Out
von Silvia Hlavin
Verlag Wortreich

Hardcover – EURO 19,90
ISBN 978-3-903091-24-5
208 Seiten, Roman

Ein Winterhotel in den Bergen ist das Ziel von Anna, Max und ihren Söhnen. Anna weiß, dass es wahrscheinlich das letzte Mal ist, dass sie in dieser Konstellation gemeinsam unterwegs sein werden, denn der Nachwuchs ist dabei das elterliche Nest zu verlassen. So hat sie dieses Hotel nicht ganz ohne Hintergedanken gebucht, dann das hat die Tendenz einzuschneien und eine An- oder Abfahrt unmöglich zu machen, was ihr ein paar zusätzliche Familientage bescheren könnte. Doch als genau das geschieht, ist es gar nicht so lustig und gemütlich, wie sie gedacht hat.

Nicht nur für Anna und die Ihren wird es unangenehm, sondern auch für das Personal. Eine Lebensmittellieferung ist ausgeblieben, die Vorräte werden knapp, die Pumpe vom Schwimmbad funktioniert nicht, dazu die Unsicherheit, wann die Straßen wieder frei sein werden. Der stellvertretende Direktor hat alle Hände voll zu tun. Marlies die Concierge auch, ist sie doch in ihren Vorgesetzten verliebt, sich aber nicht sicher, ob es klug ist sich auf eine Beziehung einzulassen. Dann ist da noch der alleinreisende Gast, der allen ein wenig unheimlich ist und dessen Geschichte sie entsetzen würde.

Seit Shinning von Stephen King wissen wir, dass einsam gelegene, eingeschneite Hotels ein enormes Potential für Konflikte haben. Hier treiben nun nicht die Geister ihr Unwesen, sondern die eigenen Wünsche, Erwartungen und Ängste, sorgen dafür das ein reiches Spannungsfeld entsteht. Silvia Hlavin gliedert ihre Geschichte in drei Erzählstränge in deren Fokus jeweilig Anna, die Concierge Marlies und der unheimliche Alleinreisende stehen. Das macht die Autorin sehr geschickt. Die nahende Katastrophe ist gut spürbar und lässt Raum die verschiedensten Szenarien zu vermuten und durchzuspielen. Der einzige Minuspunkt, ist die Erklärung für einige Vorkommnisse, die mir nicht ganz schlüssig erscheint.

Doch das schmälert ein gutes Buch nur geringfügig, zu Mal es sich um eine subjektive Wahrnehmung handeln könnte. Silvia Hlavins erzählt einfühlsam und schafft lebendige, dreidimensionale Charaktere, die berühren.

Alles wird hell von Julia Jessen

 

 

 

Julia Jessen

Alles wird hell

288 Seiten
sofort lieferbar
erschienen im Februar 2015 im Antje Kunstmann Verlag

ISBN 978-3-95614-024-2

19,95 €

 

Alles wird hell ist der erste Roman von Julia Jessen. Die Autorin erzählt die Geschichte von Oda, die in einer Familie voller interessanter Charaktere aufwächst. Das erste Bild zeigt Oda mit fünf, dann mit 16, 40 und schließlich 80 Jahren. Eine Lebensreise kurzweilig erzählt.

Oda wächst in einer ganz normalen Familie auf, deren Mitglieder zwar ihre Konflikte miteinander haben, sich aber auch nahe sind. Die 16jährige Oda denkt viel darüber nach wieviel bei den einzelen Personen offensichtlich, also im Hellen, liegt und was sich so unter der Oberfläche, also im Dunklen, abspielt. Gelegenheit zu Studien gibt der 16 jährigen die schamanische Hochzeit von Tante Anneke auf Sylt.

Dann geht es weiter mit der 40 jährigen Oda. Mittlerweile Mutter eines fünfjährigen Sohnes und in der Midlifecrisis. Oda befindet sich nun in einem dauernden Gedankenkarusell und für sich. Sie flüchtet sich in eine Affäre …

Julia Jessen erzählt plastisch und kurzweilig. Selten habe ich eine Protagonistin so sehr als Nervensäge empfunden und hatte doch großen Spaß daran weiter zulesen und mich über Oda zu ärgern oder sie ein wenig zu bemitleiden. Das Mitleid beschränkte sich allerdings eher auf die 16 jährige. Die 40 jährige hätte ich gerne geschüttelt. Wie auch immer. Wenn es einer Autorin gelingt derartige Gefühle in ihre Leserin zu wecken, ist es nicht wichtig, ob einem die Figur sympathisch ist oder nicht.

Hier ein Link zu Zehnseiten auf Youtube. Dort liest Julia Jessen aus „Alles wird hell“