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Schritt für Schritt von Herbjørg Wassmo

Schritt für Schritt von Herbjørg Wassmo

Schrittfürschritt

Herbjørg Wassmo, erzählt in diesem autobiografischen Roman von ihrem Leben und wie sie Schritt für Schritt zu der wurde, die sie nun ist: Nämlich Norwegens meistgelesenste Schriftstellerin. Dorthin war es ein langer Weg und es war kein leichter. Das Verhältnis zum Vater ist gespannt und von Abscheu geprägt, ihr Verhältnis zur Mutter ist innig, aber auch distanziert. Als sie selber jung und unverheiratet Mutter wird, versucht sie trotzdem Abitur zu machen und scheitert. Schließlich eine Ausbildung zur Lehrerin, Ehe, zweites Kind und eine Anstellung, gemeinsam mit dem Ehemann der ebenfalls Lehrer ist, hoch im Norden. Dort findet sie dann auch zum Schreiben und nach und nach hat sie Erfolg.

Herbjørg Wassmo erzählt in ihre Geschichte nicht im Präsens. „Sie“ ist es in deren Leben sie uns mitnimmt und damit schafft sie eine angenehme Distanz zu der, die sie einmal war, und zu den Verletzungen, die auf dem Lebensweg liegen. „Sie“ ist keine, die es sich einfach macht. „Sie“ begehrt auf gegen Chauvinismus, dem sie in allen Phasen ihres Lebens begegnet und geht ihren Weg. Sie beginnt kurz vor dem Erscheinen ihres ersten Romans ein Literaturstudium und widmet sich, nach dem dieser vom Norwegischen Rat mit einem Preis bedacht wurde, ausschließlich dem Schreiben.

Mich hat das Buch tief berührt. Da ist einmal die Sprache, mit der die Autorin sowohl die Landschaft im Norden, als auch „Sie’s“ Seelenlandschaft beschreibt.

Fazit: Sehr empfehlenswert

Schritt für Schritt von Herbjørg Wassmo ist im Argument Ariadne Verlag erschienen und wurde aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs übersetzt.

Mehr Informationen finden sich hier: http://www.argument.de/belle_index_reload.html?ea/wassmo3_schritt.html

 

Tausend Worte von Ciarán Collins

Tausend Worte von Ciarán Collins

tausendworte

Handlung:

Tausend Worte soll Charlie jeden Tag schreiben, um ein Trauma zu verwinden, sagt sein Psychiater Dr. Quinn.  Charlie gilt als der Gamal, der Dorftrottel von Ballyronan und war der Freund von James und Sinéad, seit sie gemeinsam in die Grundschule gingen. James und Sinéad sind nun tot und Charlie, der bei weitem nicht dumm ist, ist nun allein mit seinen Erinnerungen, seinen Gefühlen und dem Wissen um das was geschehen ist. Als Gamal , als jemand den alle für minderbemittelt halten, hat Charlie die Möglichkeit alles was um ihn herum passiert genau zu beobachten.  Da er wenig sagt und nie wirklich teilnimmt, sondern eher dabei ist, fällt er nicht auf. Aber Charlie registriert alles. An einer Stelle sagt er von sich selbst:

„Ich bin wie ein Laptop mit kaputtem Bildschirm, bei dem der Rechner tadellos arbeitet“

Frau Braun meint:

Schon bevor das Buch auf Deutsch erschien, hatte ich davon gehört und war sogar schon soweit, es auf englisch zu lesen, so sehr hat mich der Klappentext angefixt. Nun ist es oft so, dass hohe Erwartungen nicht erfüllt werden. Ciarán Collins hat mit TAUSEND WORTE meine noch übertroffen.  Der Autor lässt seinen Protagonisten die Geschichte aufschreiben. Der will die Geschichte aber gar nicht wirklich erzählen. Will sich nicht an das Schreckliche, was James und Sinéad widerfahren ist und an seine Rolle dabei, erinnern. Entsprechend schweift er ab. Fügt Bilder, Zeichnungen, Textepassagen aus Gerichtsakten und Erklärungen von Begriffen aus Wörter- und medizinischen Fachbüchern in den Text ein, um auf die anvisierten 1000 Worte täglich zu kommen. Doch mit der Zeit werden die Kapitel länger, die Erinnerungen kohärenter und bevor man sich versieht, wird man in eine Geschichte hinein gezogen, die das Gefühl vermittelt drei Shakespeare Dramen gleichzeitig zu erleben, allerdings nicht als Durcheinander, sondern als genial gewobenes Netz. Es ist eine Geschichte über das Anderssein, über Liebe, Eifersucht und das Leben in einer irischen Kleinstadt. Es ist eine Geschichte mit viel Musik.

TAUSEND WORTE (THE GAMAL) ist Ciarán Collins erster Roman und wurde mit mehreren Literaturpreisen in Irland und Großbritannien ausgezeichnet.

Der Autor:

Ciarán Collins, geboren 1977, wuchs in einem irischen Dorf auf und studierte englische und irische Literatur am University College in Cork, wo er heute unterrichtet. Er lebt in Kinsale/Irland

Die Übersetzerin:

Gabriele Haefs, geboren 1953 in Wachtendonk studierte Sprachen, Keltologie und Volkskunde in Bonn und Hamburg, wo sie auch lebt. Sie übersetzt aus dem Norwegischen, Schwedischen, Gälischen, Dänischen.

Tausend Worte

ROMAN

Erschienen am 14.04.2014
Übersetzt von Gabriele Haefs
448 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-8270-1190-9

 

Die Nacht träumt vom Tag – Ingvar Ambjørnsen

Die Nacht träumt vom Tag – Ingvar Ambjørnsen

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Handlung:

Eine Gemeinschaft Aussteiger, Einzelgänger und Illegalen lebt in den Wäldern Nordnorwegens.  Auch Sune hat dort sein Revier. Er lebt von dem was der Wald so bereit hält und vom Fischfang. Auch bricht er schon mal in die eine oder andere Hütte ein, nimmt von dort, was er braucht und repariert im Gegenzug schon mal das eine oder andere oder streicht die Wände. Sune ist ein Einzelgänger. Er krankt am „normalen“ Leben und hat sich von Familie und Verantwortung zurückgezogen. Zwischen der Aussteiger-Gemeinschaft fungiert er als eine Art Bote. Eines Tages nun läuft ihm eine schwer verletzte Vietnamesin zu, die er Vale nennt. Da ist es erst einmal mit der Gemütlichkeit vorbei. Denn Vale hat sich so erfolgreich gegen die Vergewaltigung durch zwei Männer gewehrt, dass der eine tot ist und der andere schwer verletzt. Nun ist die Polizei hinter ihr her und natürlich auch hinter Sune …

Frau Braun meint:

Jedesmal wenn Ingvar Ambjørnsen ein neues Buch heraus bringt, denke ich: Mal sehen, ob er es diesmal geschafft hat, etwas Mittelmäßiges zu schreiben. Das kriegt der Mann, aber einfach nicht hin. Was ja auch gut ist. Trotzdem ist es erstaunlich wie gleichmäßig Ambjørnsen sein Niveau hält. So auch diesmal. DIE NACHT TRÄUMT VOM TAG ist ein nachdenkliches, tief berührendes Buch.

So über die Jahre habe ich mich fast durch das Gesamtwerk des Autors gelesen und stimme dem Verlag zu. Er knüpft mit diesem Buch an frühere Werke wie WEIßE NIGGER und DER LETZTE DEAL an, keine Frage, doch trotz  vieler Ähnlichkeiten ist es neu und frisch. Da wird nicht Altes aus Einfallslosigkeit wiedergekäut, sondern elegant integriert. Die Themen die angesprochen werden sind ausgesprochen heutig. Sei es die Flüchtlingsproblematik und der politisch und gesellschaftliche unmenschliche Umgang damit,  der Menschen zu Illegalen stempelt oder der zu erwartende Zusammenbruch des Weltwirtschaftssystems.  Es ist alles da und alles ist miteinander verknüpft. Gewalt und Zärtlichkeit, Dunkles und Helles. Auch im Erzählstil gehen die Gegensätze eine gelungene Symbiose ein. Einerseits knapp, klar, fast lakonisch und andererseits nahezu poetisch und leicht. Die Naturbeschreibungen der Wälder Nordnorwegens lassen den Wunsch aufkommen, sofort aufzubrechen und sich dort niederzulassen.

Das Buch ist in der Edition Nautilus erschienen.

Fazit:

Lesen! Sofort und auf der Stelle!

Ingvar Ambjørnsen

Die Nacht träumt vom Tag

Roman

Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs

Deutsche Erstausgabe
Gebunden mit Schutzumschlag,
274 Seiten
€ (D) 22,–

ISBN 978-3-89401-788-0

Erschienen Februar 2014 

 

 

 

Schattenkind von Anne Holt

Schattenkind von Anne Holt

SAMSUNGEs ist der 22.7.2011, der Tag des Massakers von Utøya, als der kleine Sander stirbt. Alles sieht nach einem Unfall aus. Zuerst! Doch so nach und nach zeigt sich, dass die scheinbare Bilderbuchfamilie so einige dunkle Flecken in ihrem Leben hat. Inger Johanne Vik, die Kriminologin und Forscherin, kommt zufällig auf Besuch zu ihrer Freundin, kurz nachdem Sander starb. Von Anfang an kommt ihr einiges komisch vor, aber sie drängt es weg. Wie ohnehin alles an diesem Tag in Oslo verdrängt wird von den Anschlägen im Regierungsviertel und in Utøya. So ermitteln Stubø und Vik diesmal auch nicht gemeinsam, sondern an getrennten Fronten.

Anne Holt lässt mit Schattenkind die Reihe um Stubø/Vik zu Ende gehen. Für das Finale hat sie sich das heikle Thema Gewalt gegen Kinder vorgenommen. Das Buch ist kein Krimi im übrigens Sinne, sondern viel mehr. Es ist ein Aufruf genau hin zu schauen und zu akzeptieren das Gewalt gegen Kinder zwar alltäglich ist, durch alle Gesellschaftsschichten, aber das es auch ein mit einem Tabu behaftetes Thema ist. So ist auch Inger Johanne nur sehr widerwillig bereit sich mit dem Geschehen auseinander zu setzen. Doch letztendlich bleibt ihr und einem jungen rothaarigen Polizisten, der von Anfang an keine Ruhe gibt, nichts anderes übrig, als sich den Tatsachen zu stellen. An Sanders Tod stimmt etwas nicht. Während ihrer Ermittlungen stoßen sie auf verschiedene Menschen, die alle eine sehr unterschiedliche Wahrnehmung der Verhältnisse in Sanders Elternhaus haben. Da sind die, die einen Verdacht haben, aber zögern zu handeln und die die schlicht und ergreifend bewusst die Augen verschließen.

Anne Holt verwebt den Fall und die nicht einfach private Geschichte von Inger Johanne und Yngvar sehr geschickt zu einer spannenden und aufrüttelnden Story. Sensibel schreibt sie über ein Thema, dass niemanden kalt lässt. Es ist keine Anklage, da ist kein erhobener Zeigefinger und auch kein überlegenes „so etwas würde ich nie übersehen“ sondern einfach die Trauer darüber, das niemand genauer hingesehen hat. Besser gesagt, das keiner seiner Wahrnehmung trauen wollte, weil: Es kann ja nicht sein, was nicht sein darf!  Bei aller Realitätsnähe ist es aber auch, vielleicht gerade darum, eine spannender Kriminalroman.

Ich habe alle Bücher aus der Stubø/Vik Reihe gelesen und fand alle auf sehr unterschiedliche Weise gut. Trotzdem finde ich es in Ordnung, dass Anne Holt nun Schluss macht, mit dieser Serie und zwar jetzt, wo man sich der Protagonisten liebevoll erinnert und nicht erst, wenn einem beim Erscheinen eines weiteren Bandes der Kaffee hochkommt.

Übersetzt wurde dieses Buch, wie alle anderen von Anne Holt, von Gabriele Haefs.

Schattenkind

Anne Holt
KRIMINALROMANerschienen am 15.10.2013

Übersetzt von: Gabriele Haefs
336 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-492-05396-9
€ 19,99 [D], € 20,60 [A], sFr 28,90
Der letzte Deal von Ingvar Ambjörnsen

Der letzte Deal von Ingvar Ambjörnsen

der letzte deal - invar ambjoernsen

1983 erschien „Der letzte Deal“ in der norwegischen Originalausgabe unter dem Titel „Den siste revejakta“, als erster Roman der sich mit der Drogenproblematik befasste. Obwohl Ambjörnsens beiden ersten Bücher vom Feuilleton sehr gut besprochen und aufgenommen wurden, traute sich an dieses Werk niemand heran. Ein Roman, der sich auf liberale Weise mit Drogen befasst, war damals ein „no go“. Alkohol war die gesellschaftlich etablierte Droge. Sich am Wochenende mit schwarzgebrannten ins Nirwana beamen störte niemanden, aber zum Thema Hasch hagelte es Horrormeldungen. Wie eigentlich hier in Deutschland auch. Trotz der Weigerung der Presse dieses Werk zur Kenntnis zu nehmen, wurde es ein Erfolg. In Buchläden war es das meistgeklaute und in Gefängnissen das am meisten ausgeliehene Buch. Es traf den Zeitgeist!

Nach dreißig Jahren nun bringt der norwegische Cappelen Forlag eine Jubiläumsausgabe heraus. Interessanterweise mit dem den damaligen Titelbild, um das es einigen Wirbel gab. Es zeigte einen Fuchs der einen Joint rauchte und war eine Anspielung auf den Titel. „Den siste revesjakta“ heißt übersetzt „Die letzte Fuchsjagd“ Rev bedeutet Fuchs, aber eben auch Joint und so lässt sich der Titel auch mit „Die letzte Jointjagd“ übersetzen.

Den siste revejakta

Carl F. Vang und Robert sind Freunde seit Kindertagen. Gemeinsam haben sie ihren ersten Joint geraucht und gemeinsam sind sie ins Dealergeschäft eingestiegen. Doch nun wollen sie nicht mehr. Seit Robert erwischt wurde und im Knast landete, ging die Leichtigkeit verloren und der Druck stieg. Die beiden sind Dealer im alten, eher gemütlichen Sinne. Sie dealen mit Hasch, harte Drogen lehnen sie ab. Einen letzten großen Deal wollen sie noch durchziehen und dann soll Schluss sein. Alles beginnt wie immer, Carl mietet sich auf einer Hütte auf einer kleinen Insel ein und die Ladung kommt per Schiff. Robert, frisch aus dem Gefägnis getürmt ist mit an Bord und eigentlich läuft alles normal … und doch haben sie ein schlechtes Gefühl. Als sie Roberts Freundin Tone besuchen wollen und diese tot finden, angeblich eine Überdosis, wissen sie, dass sie schnellstes ihr Dope absetzen müssen und sich einer neuen, legalen Karriere zuwenden müssen. Doch dann kommt es knüppeldick, die Polizei ist ihnen auf den Fersen, es ist bekannt geworden, dass in den Haschplatten Heroinampullen versteckt waren, wovon Robert und Carl nichts wussten. Es ist klar, ihr Auftraggeber, hat sie gelinkt und ist wahrscheinlich auch für den Tod von Roberts Freundin verantwortlich. Die Freunde sinnen auf Rache.

Wie in allen Büchern Ingvar Ambjörnsens, die ich gelesen habe, ist auch dieses ein sehr schonungsloses Buch. Die Protagonisten stehen  eher auf der Verliererseite des Lebens, kämpfen aber darum nicht endgültig abzurutschen. Da wird nicht beschönigt oder abgewiegelt. Verzweifelung und ein recht schwarzer Humor liegen hier eng beieinander, genau so eng, wie die Abgründe der Drogenszene und nahezu poetische Beschreibungen der schönen Momente. Etwa wenn Carl mit seiner Freundin und deren Tochter zum Mittsommerfest geht. Genau das gefällt mir so. Es wird nichts schön geredet, aber es wird auch nichts runtergemacht. Der Ich-Erzähler Carl berichtet von seinem Alltag und von der Scheiße in der und Robert stecken, aber ohne lamoyant zu werden oder die Tristesse zu feiern.

In Deutschland ist das Buch 1995 erstmalig in der Edition Nautilus erschienen und mittlerweile  nur noch antiquarisch zu haben. Leider! Ich würde doch dafür plädieren, dass es auch in deutschen Landen zu einer Neuauflage kommt. Denn trotz seines Alters ist es ein höchst aktuelles Buch.

Für die Übersetzung aus dem norwegischen zeichnet Gabriele Haefs.

Der Stoff wurde 2008 verfilmt, ist aber nie auf den deutschen Markt gekommen.

2084 – Noras Welt von Jostein Gaarder

2084 – Noras Welt von Jostein Gaarder

Handlung:

Die 16-jährige Nora sieht die Auswirkungen der Klimaveränderungen um sich herum und will etwas tun. Gemeinsam mit Freund Jonas macht sie sich auf eine Umweltschutzgruppe zu gründen. Nora ist in vielfacher Hinsicht ein ungewöhnliches Mädchen. So hat sie Träume. In diesen begegnet sie Nova, ihrer 16-jährigen Urenkelin, aus dem Jahr 2084 und sieht durch sie die Verwüstungen, die unser Lebensstil in der Jetzt-Zeit angerichtet hat. Die gestiegenen Meeresspiegel, die Hungernöte und die ausgestorbenen Arten. Das verstärkt  ihrem Wunsch etwas zu unternehmen. Dann spielt noch ein Rubinring eine gewisse, nicht zu unterschätzende Rolle.

Frau Braun meint:

Jostein Gaarder hat  ein sehr aktuelles Jugendbuch geschrieben. Wobei ich den Begriff Jugendbuch recht weit fassen möchte, denn es täte sicher auch vielen Erwachsenen gut, dieses Werk zu lesen und das eigene Handeln zu Überdenken. Mir gefällt hier sehr, dass  Gaarder nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daher kommt, sondern die Folgen unserer Lebensweise in der Zukunft schildert. Vor allem motivert er etwas zu tun, einfach in dem er zeigt, dass sich immer etwas machen lässt. So sagt seine Protagonistin Nora an einer Stelle zu ihrem Freund Jonas:

Ich bin Optimistin. Und weißt Du warum? Weil ich es unmoralisch finde, pessimistisch zu sein.

Pessimismus ist nur ein anderes Wort für Faulheit. Natürlich kann ich mir große Sorgen machen, aber das ist was ganz anderes – Pessimisten haben immer schon aufgegeben.

Gaarder schreibt aber nicht nur rein sachlich über die Klimakatastrophe, sondern beleuchtet das Problem auch von der philosophischen Seite. Nora, Nova und Jonas sind keine Supermenschen, es sind normale Jugendliche die sich Gedanken machen, über die Welt, ihre Rolle darinnen, was nach ihnen kommt und was sie tun können, damit es überhaupt noch eine Welt gibt, in der unsere Nachkommen leben können. Der Ansatz selber zu Handeln, das eigene Handeln nicht klein zu schätzen, hat mir sehr gefallen. Auch, dass hier engagierte und politisch interessierte junge Menschen gezeigt werden – von denen es, auch wenn die Medien uns gerne etwas anderes einreden, gar nicht so wenige gibt – hat mich sehr angesprochen. Um den Einstieg ein wenig zu erleichtern, ist eine ausführliche Linkliste zum Thema angefügt.

Das einzige Manko an diesem Buch ist ein gewisses Ungleichgewicht. Die eigentliche Geschichte verschwindet zeitweilig zu sehr hinter den Auszügen aus Artikeln und Dossiers. Vielleicht hätte das Buch ein wenig länger sein dürfen, denn auf der einen Seite, sind die dokumentarischen Elemente natürlich wichtig. Aber schön wäre auch gewesen Novas Umfeld ein wenig über die Umweltzerstörungen hinaus zu sehen.

Was mir sehr gefallen hat: Gaarder unterschätzt seine Leser_innen nicht. Er schreibt so, dass eigentlich für alle Altersklassen von 12 – 120 geeignet ist.

Wer also noch ein passendes Weihnachtsgeschenk für Jugendliche, jugendliche Erwachsene und Ältere die nicht den Kontakt zur Jugend verloren haben sucht, ist hier bestens bedient.

Die Übersetzung aus dem Norwegischen ist Gabriele Haefs zu verdanken, die alle Romane Gaarders, die bei Hanser erschienen sind, übersetzt hat. Gabriele Haefs wurde 2008 für ihr übersetzerisches Gesamtwerk mit dem Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises ausgezeichnet.  2011 wurde sie in Oslo mit dem St. Olafs Verdienstorden ausgezeichnet und ist somit eine Ritterin 1. Klasse. Ein entsprechender Artikel ist hier zu finden:  Bücherfrauen.de – Ritterschlag für Gabriele Haefs

JOSTEIN GAARDER
2084 – Noras Welt
übersetzt aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs
Erscheinungsdatum: 26.08.2013
Fester Einband, 192 Seiten, empfohlen ab 12 Jahren
Preis: 14,90 € (D) / UVP 21,90 sFR (CH) / 15,40 € (A)
ISBN 978-3-446-24312-5
Hanser Verlag
Eine Liebe in den Tagen des Lichts – Espen Haavardsholm

Eine Liebe in den Tagen des Lichts – Espen Haavardsholm

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In dieser Roman-Biografie geht es um das Leben von Edvard Munch, genauer gesagt um die letzten zwei Jahre seines Lebens. Munch hat sich, krank, misstrauisch und vereinsamt in Ekely bei Oslo verschanzt. Die Handlung beginnt 1942. Norwegen ist von den Nazis besetzt und die Bewohner Oslos leben in der Angst, dass sie endgültig unter deutscher Besatzung bleiben. In dieser Zeit spricht die Jurastudentin Dorothy, genannt Doffy, die für die Werke des Malers schwärmt, auf Ekely vor, um sich als Modell zu verdingen. Nachdem Munch sein Misstrauen überwunden hat, stellt er sie ein und es bahnt sich eine Freundschaft, zwischen den Beiden an, die von Seiten des Malers schnell in Verliebtheit umschlägt.

Während Haavardsholm Dorothy Alltag vorwärts gerichtet erzählt, lässt er Munch, der im Buch nur M. genannt wird, seine Vergangenheit reflektieren. Seine Kindheit in relativer Armut, der frühe Verlust von Mutter und Schwester und seine Schwindsucht mit dreizehn. Aber auch das Freimachen von den strengen religiösen Vorstellungen des Vaters und sein Leben als Künstler. Seinen Aufenthalt in der Nervenheilanstalt in Kopenhagen, die Absinth getränkte Phase. Welche Bilder wann und wo entstanden. Der ganze Reigen eines Lebens mit vielen Abgründen entfaltet sich dem Leser. Dorothys Leben dagegen ist auf die Zukunft gerichtet. Auf ihr Studium, auf die Zeit, wenn die deutsche Besatzung endet. Die Nahrungsmittelknappheit und auf ihre Freundin Kari, mit der sie zusammenlebt. Beide leben, wie junge Frauen eben leben. Sie studieren, gehen auf Partys, treffen sich mit Männern, malen und versuchen klar zu kommen so gut es eben in den Kriegsjahren geht.

Frau Braun meint: 

Das ganze Buch hat etwas traumhaftes, das immer wieder durch Realität der national-sozialistischen Besatzung Norwegens durchbrochen wird. Ekely ist wie ein verzauberter Ort in dem norwegischen Kriegsalltag von 1942 und Munch lebt dort, inmitten seiner Bilder und Erinnerungen, mal mehr, mal weniger von seiner chronischen Bronchitis gebeutelt. Haavardsholm erzählt mit einer Leichtigkeit und Anmut von dem Lebensstationen des Malers und von seiner Beziehung zu Dorothy. Es ist ein sehr vielschichtiges Buch. Zum einen ist da der Maler, dessen Leben dem Ende zu geht und der ganz in die Welt seiner Bilder und Erinnerungen abgetaucht ist. Dann ist da Dorothy, die sehr den Typ einer modernen jungen Frau verkörpert, die die Welt verändern möchte.  Beim Lesen war es  wie im Traum eines anderen zu wandern, ohne sich als Eindringling zu fühlen. Ehrlich gesagt, mir fehlen die Worte, die Vielschichtigkeit der Empfindungen während des Lesens zu schildern und das passiert mir selten. Sicher besteht ein großer Reiz des Buches darin, dass es ein biografischer Roman ist. Ein Seiltanz zwischen Erfundenen und Realem ist. Denn Doffy hat es wirklich gegeben, sie war die beste Freundin von Haavardsholms Mutter, in diesen Jahren. Aber es ist nicht nur das, es ist auch die Art in der Haavardsholm die Leser mit in die Lebensbilder und in die Gemälde Munchs nimmt, ihn auf eine sehr natürliche Art Teil des Geschehens werden lässt, als eine Art aktiver Beobachter.

Für die deutsche Übersetzung zeichnen Gabriel Haefs und Andreas Brustermann.

Fazit: Für mich das Buch des Jahres! Also unbedingt lesen!

Eine Liebe in den Tagen des Lichts

  • Osburg Verlag; Auflage: 1 (3. September 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3955100200
  • ISBN-13: 978-3955100209
  • Originaltitel: Besøk på Ekely
The Piper and the Púca

The Piper and the Púca

„The Piper and the Púca – Strange goings on“ heißt die neue Märchen CD von Mick Fitzgerald und dem Ralf Weihrauch Trio.

the piper and the puca

 

Mick Fitzgerald, lebt in Dublin und ist Schriftsteller, Musiker, Schauspieler und Geschichtenerzähler. 2010 erschien beim Songdog Verlag in Wien seine erste deutsche Veröffentlichung „Session – irische Geschichten“. 2011 erschien die mit dem GMA´s Award ausgezeichnete Märchen-CD „The Enchanted Lake“.

Mitstreiter für „The Piper and the Pùca“ fand Fitzgerald im Ralf Weihrauch Trio. Dieses Trio (Ralf Weihrauch, Jonas Liesenfeld und Beate Rupietta) verleiht mit Geige, Akkordeon und 2 Stimmen, den in irischer und schottischer Tradition präsentierten Liedern einen ganz eigenen Charme.

Als Dritte im Bunde ist Gabriele Haefs zu nennen. Sie ist Volkskundlerin und Übersetzerin. Bereits für „The Enchanted Lake“ hat sie mit Mick Fitzgerald zusammengearbeitet. Gabriele Haefs hat die Märchen ausgewählt,  und arrangiert. Gesammelt wurden diese ursprünglich von Thomas Crofton Croker und Douglas Hyde.

Frau Braun meint:

Einfach zauberhaft. Das Hören dieser CD kommt einem Ausflug in die Anderswelt gleich. Bei der Musik  möchte man mit den Elfen übers schottische Hochmoor tanzen. Überhaupt ist die musikalische Mischung sehr gut gelungen. Es geht fröhlich zu, aber auch besinnlich. Wie es eben sein soll. Die Geschichten stammen nicht nur aus Irland, sondern auch aus Schottland. Doch so einen großen Unterschied macht das nicht. Die Märchen im keltischen Raum ähneln sich und haben ein ähnliches mythologisches Personal.

Was gerade diese Geschichten so besonders macht, ist der Erzähler. Mick Fitzgerald ist ein Rattenfänger. Sein natürliches Talent zum Geschichten erzählen, seine warme, variantenreiche Stimme, lassen jede Geschichte strahlen. Selbst für Menschen mit nicht sehr umfangreichen Kenntnissen der englischen Sprache ist es ein Hörgenuss. Wurde im Hause Braun getestet. Herr Braun versteht zwar kaum ein Wort, konnte sich aber ein: „Ohhhhh schade, schon zu Ende“ nicht verkneifen.

Fazit: Kaufen, hören, immer wieder hören und sich entführen lassen, zu Pfeifern und Pùcas und zu den Elfen nach Schottland um mit ihnen auf dem Moor zu tanzen.

The Piper and the Púca
 
Mick Fitzgerald, Ralf Weihrauch Trio
Geschichtenauswahl und Arrangement: Gabriele Haefs
produced by Hidden Tracks & Gabriele Haefs
Preis: 15,00 €
About Mick Fitzgerald

About Mick Fitzgerald

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Vor einigen Wochen habe ich Gabriele Haefs für Radio-Gaarden interviewt. Es ging um Mick Fitzgerald, ihre gemeinsamen Projekte und darum, dass die Beiden am 11.06.2013 um 19:00 im Literarischen Salon der K34, Medusastr. 16 im Medusa, 24143 Kiel lesen, singen und erzählen.

Das Interview ist auf Radio-Gaarden zu hören. Gabriele liest auch eine kleine Geschichte aus „Session“, Mick Fitzgerald erste deutsche Veröffentlichung, erschienen bei Songdog.

Interview mit Gabriele Haefs „About Mick Fitzgerald“

Das Interview ist natürlich nur ein Ausschnitt aus einer Sendung. Leider dürfen wir die Musik nicht im Podcast senden. Weil nämlich die blöde Gemma sofort Kohle will. Wer sich die ganze Sendung anhören will, kann es hier tun: http://radio-gaarden.de jeweils Donnerstags um 12:00 und Sonntags um 20:00

Radio Gaarden ist ein kleiner, aber feiner Internetsender.

Mord unterm Nordlicht

Mord unterm Nordlicht

… skandinavische Autorinnen mörderisch gut in Form.

ord unterm Nordlicht

Wenn ein Untertitel jemals gestimmt hat, dann hier. Die Herausgeberinnen sind Gabriele HaefsChristel Hildebrandt und Dagmar Mißfeldt, alle drei hochverdiente Übersetzerinnen skandinavischer Literatur. Gemeinsam haben sie bereits mehrere Antologien herausgegeben. Die hier ist bei dtv erschienen.

Dieses Buch hat mir sehr viel Spaß gemacht. Einmal weil ich Krimis mag, aber besonders, weil ich Krimis von Frauen sehr gerne lese. Die Autorinnen stammen aus dem gesamten skandinavischen Raum. Es war schön einige meiner Lieblingsautorinnen hier versammelt zu treffen, wie Anne B. Ragde, Ditte Birkemose und Maj Sjöwall. Die Geschichte der letzteren mag vielleicht nicht unbedingt in eine Krimi-Antologie passen, hat mir aber sehr gefallen. Ditte Birkemose hat die Geschichte “Überbringerin der Wahrheit” mit Emma Houg gemeinsam verfasst.

Bei einer Antologie ist es nun immer so, dass einem nicht alle Geschichten gleichermaßen gut gefallen. Hier war es so, dass ich ruhigen Gewissens sagen kann: Es gibt keine Geschichte die mir gar nicht gefallen hat. Einige sind amüsant, andere satirisch und wieder andere einfach traurig. Eine sehr gelungene Mischung.

Dieses Buch hat aber auch noch einen Zusatznutzen: Wer sich vertraut machen möchte mit einer breiten Palette skandinavischer Autorinnen, die er/sie noch nicht kennt, hat hier eine gute Gelegenheit einmal rein zu schnuppern was die eine oder andere so zu bieten hat.

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