Zwei rechts, zwei links von Ebba D. Drolshagen

Stricken ist in. Wenn man mit der Bahn fährt oder im Café sitzt, so findet sich immer eine, denn meistens ist es eine Frau, die ihr Strickzeug aus der Tasche nimmt und strickt. Was liegt also näher, als ein Buch über das Stricken zu schreiben? Und warum gibt es zwar massig Anleitungsbücher und Plattformen zum Thema, aber keine Kulturgeschichte des Strickens, beginnt man sich da zu fragen. Nun, diese Not hat ein Ende, denn Ebba D. Drolshagen hat sich der Sache eingenommen und dieses Buch geschrieben.

Es ist ein wundervolles Buch geworden. Man merkt die Liebe, die die Autorin für ihr Thema hegt, in jedem Kapitel. Ich selber stricke, seit ich es in der vierten Klasse gelernt habe und ehrlich gesagt, habe ich mir nie groß Gedanken darüber gemacht welche Geschichten daranhängen. Es war etwas alltägliches. erst beim Lesen von Zwei rechts, zwei Links, wurde mir klar, wie reichhaltig die Geschichte des Strickens doch ist und wie vielfältig. Da gibt es die verschiedenen Muster, die in verschiedenen Gegenden der Welt entstanden, die Wollarten und das Färben von Wolle. Stricken war nicht immer ein nützliches Hobby, wie heutzutage gewesen, es war Broterwerb und bittere Notwendigkeit in vielen Gegenden. Es wurde als Erziehungsmaßnahme für Mädchen angewandt, damit diese nicht auf lüsterne Gedanken verfielen. Es war und ist präsent in nahezu allen Kulturen.

Ebba D. Drolshagen schreibt locker und kenntnisreich über dieses Thema. Sie erzählt Geschichten, Anekdoten und Geschichte. Und spannt einen Bogen von der ersten Masche bis zu Ravelry, der Plattform für StrickerInnen im Internet. Das Buch ist spannend geschrieben und ich werde noch lange Freude daran haben, denn es ist eines von denen, in die ich immer einmal wieder gucken werde.

Zwei rechts, zwei links – Eine Geschichte des Strickens

Autorin: Ebba D. Drolshagen

Vorwort: Martina Behm

Verlag Suhrkamp

ISBN 978-3-518-46814-2 

Preis: 18,00 €

Auch als E-Book erhältlich

Jonathan Strange & Mr. Norrell

Jonathan Strange & Mr. Norrell
Susanna Clarke
ROMAN

  • € 14,99 [D], € 15,50 [A]
  • Erschienen am 06.12.2005
  • 1024 Seiten
  • Übersetzt von: Rebekka Göpfert, Anette Grube
  • ISBN: 978-3-8333-0333-3

Im England des 19. Jahrhunderts gibt es kaum noch Zauberer und die die es gibt, betreiben Magie eher theoretisch. Bis auf Mr. Norrell, der auch praktische Magie betreibt und beschließt der Regierung im Krieg gegen Napoleon zu helfen. Also verlegt er sein Domizil von Yorkshire nach London und wird tätig. Mr. Norrell gefällt sich in seiner Rolle, der einzige praktische Zauberer zu sein und alle Bücher über Zauberei zu besitzen, bis er von dem Autodidakten Jonathan Strange erfährt und diesen als Schüler akzeptiert. Einige Zeit geht es gut, doch irgendwann entwickelt Strange eigene Idee und Vorstellungen, wie es mit der Zauberei in England weitergehen soll. Er will einen Elfendiener zitieren, nicht ahnend das bereits ein Elf, der Herr mit dem Haar wie Distelwolle, in seiner Nähe ist, allerdings will dieser alles andere als der Diener eines Zauberers sein. Die beiden Zauberer entfernen sich mehr und mehr voneinander und liegen schließlich im offenen Kampf miteinander und was  alles passieren kann, wenn Zauberer sich mit Magie bekämpfen, ist nicht absehbar.

Dieses Buch mit allen Haupt- und Nebenhandlungen zu beschreiben, ist nahezu unmöglich, man kann nur einen kurzen Abriss geben und dazu schreiben. Unbedingt lesen!  Susanna Clarke ist da etwas ganz Großes gelungen. Diese Mischung aus Fanatsy, Magie und Geschichte ist einfach unwiderstehlich. Das Time Magazine schreibt:

Ein Meisterwerk, das Tolkien Konkurrenz macht

Ich gehe da noch weiter. Es ist weit besser, als Tolkien es jemals war. Es verwebt Märchen, Legenden und Geschichte zu einem magischen Teppich, mit dem es sich durch Welten und historische Ereignisse wunderbar reisen lässt.

Windjäger – Herausg. Steenbock, Hubmann und Skerhut

Hannah Steenbock, Sabrina Hubmann & Martin Skerhut (Hrsg.)

WINDJÄGER
und andere fantastische Pferdegeschichten
Fantasy 17
p.machinery, Murnau, Juni 2015, 192 Seiten, Paperback
ISBN 978 3 95765 033 7 – EUR 8,90 (DE)

Mit dem Pferd kam die Möglichkeit lange Strecken relativ schnell zurückzulegen. Es ermöglichte neue Kampftechniken und auch im Ackerbau sorgte es für Veränderung. Heute werde Pferde eher für sportliche Zwecke eingesetzt und als Prestigeobjekt gehalten, aber es hat seinen Zauber nicht verloren und immer noch beflügelt es unsere Fantasie. Nicht zuletzt ist Pegasus, das geflügelte Pferd aus der griechischen Mythologie, das Wesen das sich von Dichtern und Poeten reiten läßt.

In dieser Anthologie, deren Geschichten durch einen lockeren Rahmen verbunden sind, begegnen wir Pferden in allen möglichen Situationen und lassen uns durch Zeit und Raum tragen. Die Geschichte sind vielfältig und es ist eine Freude den AutorInnen auf ihren Pegasusritten zu folgen.

INRI – Die Schatuelle von Thorsberg – Raju Sharma

inri-raju sharma

Der Autor:

Raju Sharma ist 1964 geboren, ist Volljurist und wurde 2009 in den Bundestag gewählt. Vorher hat er in verschiedenen Funktionen im schleswig-holsteinischen La-desdienst gearbeitet; zuletzt als Referatsleiter für Denkmalschutz, Kirchen und Religionsgemeinschaften, nationale Minderheiten und Heimatpflege in der Kieler Staatskanzlei.

Die Handlung:

Im schleswig-holsteinischen Thorsberg Moor wird eine Schatulle mit Münzen aus der Römerzeit ausgegraben. Diese gibt den Findern einige Rätsel auf und erschüttert nicht nur das Kieler Machtsystem, sondern ruft so einige, aus den unterschiedlichsten Gründen Interessierte, auf den Plan. Einige davon schrecken auch nicht vor Mord zurück um der Schatulle und ihres Geheimnis habhaft zu werden. Als sie verloren geht, macht sich die Kieler Kulturreferantin mit dem Archäologen von Lawrenz auf nach Rom, wo sie auf ein Geflecht von Politik, Religion und Gewalt treffen und in Lebensgefahr geraten.

Frau Braun meint:

Beim Lesen des Klappentextes dachte ich: Ah, so Richtung Dan Brown. Beim Lesen revidierte ich dies in: Schon ein wenig Dan Brown, aber in tiefsinnig und intelligent. Da fing es an richtig Spaß zu machen, diese Geschichte zu lesen.  Sie ist spannend, vielschichtig und trotzdem unterhaltsam. Die Charaktere wirken echt. Es sind normale Menschen, die einfach in eine sehr, sehr ungewöhnliche Situation geraten.  Hier bin ich Raju Sharma sehr dankbar das er auf die gängigen Klischees in den Personenbeschreibungen verzichtet hat. Auch wilde Sexszenen und übermäßige Brutalität, Zutaten die gerne in diesem Genre eingesetzt werden, hat er weggelassen und gezeigt, dass eine spannende Geschichte sehr gut ohne diese auskommt.

Die Geschichte spannt sich über viele Zeiten, Orte und zieht sich durch ein Geflecht von Politik, Religion und Macht. Es geht ins alte Jerusalem zur Kreuzigung Jesus und es geht ins neue Jerusalem mit seinen bekannten Problemen. Dann sind wir im beschaulichen Kiel, in der Landespolitik und erhalten Einblick in die Arbeit der Kulturreferats. Neben den Weltstädten Jerusalem und Kiel darf natürlich Rom nicht fehlen, dort kommt es dann zum Showdown. Raju Sharma gelingt es alle diese Fäden in der Hand zu behalten und zu einer komplexen, unterhaltsamen, spannenden Geschichte zu verweben, der ich viele Leser_innen wünsche. Erstaunt hat mich sein umfangreiches und fundiertes Wissen in Sachen Religionen, Kirchengeschichte und Archäologie.  Hier komme ich zu dem einzigen Minuspunkt: Raju Sharma hat eine Tendenz zum referieren. Etwas weniger ausführliche Erklärungen zu Waffen, Metallverarbeitung und so weiter hätten den Erzählfluss an einigen Stellen geschmeidiger gehalten.