Grabgeflüster von Martín Ó Cadhain

Grabgeflüster

Autor: Martín Ó Cadhain

Übersetzung aus dem Irischen: Gabriele Haefs

Verlag: Kröner

1. Auflage, 461 Seiten, Halbleinen, 500 g
ISBN 978-3-520-60101-8

Preis: 24,90 €

Von letzter Ruhe kann hier wirklich nicht die Rede sein. Denn die Toten machen in der Friedhofserde, der Originaltitel ist Cré na Cille = Friedhofserde, einfach weiter wie gehabt. Sie pflegen ihre Fehden, sie rechten und streiten. Hat über der Erde gezählt wieviel Land, Geld, Silberkannen und Besitz man hatte, dort unten ist wichtig, ob man in der Pfund oder 15 Shilling Abteilung begraben ist, wieviel die Kollekte bei der Beisetzung gebracht hat und ob man ein Kreuz von seinen Angehörigen bekommt. Vorzugsweise eines aus dem Kalkstein der Araninseln. Im Grunde ändert sich also nichts, man ist halt nur tot und muss sich mit dem Vergangenen begnügen, denn Zukunft gibt es keine mehr.

Martín Ó Cadhain gilt als der irischsprachige James Joyce und ist in seiner Heimat hochgeachtet. Er wurde 1906 in der Nähe von Galway geboren und hat, so erzählt man sich, bis zu seinem sechsten Lebensjahr kein Wort Englisch gesprochen. Die Gegend in der er wurzelt, die Gaeltracht, also die Ecke im Westen Irlands, in der zur Hauptsache Gälisch gesprochen wurde, ist auch der Handlungsort dieses Buches. Das Original ist 1949 erschienen und das Buch galt lange als nicht zu übersetzen. Was allerdings von Gabriele Haefs, mit dem vorliegenden Werk brilliant wiederlegt hat.

Grabgeflüster ist kein Roman, es wird keine kohärente Geschichte erzählt, es besteht hauptsächlich aus Dialogen und Dialogfetzen, aus denen sich mit der Zeit die Verbindungen der Toten zueinander herauskristallisieren. Das ist aber im Grunde nicht wichtig. Denn durch die Geschichten, die die Toten erzählen, wird eine andere deutlich, nämlich die wie Land und Leute so lebten. Wie hart ihr Leben in diesem kargen Landstrich war und welche Arbeiten und welche Rituale ihren Tag bestimmten. Dieses Buch ist ein sprachliches Feuerwerk und funkelt und strahlt auf jeder Seite. Es dauert vielleicht ein wenig, bis man sich auf das Konzept einlassen kann, aber dann ist man als Beobachter in der Friedhofserde und hört dem Geschimpfe von Caitríona Pháidín zu und dem französischen Soldaten und Kneipen Pedar und all den anderen, dort in der Friedhofserde.

Es ist ein anspruchsvolles Buch, denn es ist kein gemütlicher Irlandaufenthalt. Sehr schön ist, dass es einen ausführlichen Anhang zu Ereignissen und Begriffen gibt, sowie eine kleine Einführung in die irische Sprache.

Der Hund, der zum Bankräuber wurde von Mick Fitzgerald

Der Hund, der zum Bankräuber wurde

Autor: Mick Fitzgerald

Übersetzerin: Gabriele Haefs

ISBN 978-3-9504224-2-9

Preis: 14,00 €

12/2016 – Songdog Verlag Wien

„….Und so blieb es am Ende bei den Erzählungen, die in diesem Buch versammelt sind. Andere wurden nicht geschrieben, und das ist ewig schade.“: schreibt Gabriele Haefs im Vorwort.

Leider hat Mick Fitzgerald das Erscheinen dieses Buches nicht mehr erlebt. Er starb im Mai dieses Jahres und so mischt sich über die Freude darüber, dass es noch zu diesem Buch gekommen ist, ein gerüttelt Maß an Wehmut, denn weitere Geschichten wird es von diesem begnadeten Geschichtenerzähler nicht geben. Aber dieses Buch gibt es und als ich es las, war da wieder die unverkennbare Mick Fitzgerald Stimme, der scharfe Blick und der Sinn für das Absurde. Einige der Geschichten sind ernst und melancholisch, wie D 25 M, die von einem Musiker erzählt, der in einen Strudel aus Gelegenheitsgigs und Alkohol zu versinken droht, bis seine Gitarre, eine Guild D 25 M, zerbricht und er erkennt, dass nicht nur das Instrument einer Reparatur bedarf. Da sind die Geschichten vom großen K, welches ja schließlich seinem Leben ein Ende setzte. Auch eine Weihnachtsgeschichte gibt es und die ist nun gar nicht melancholisch sondern besinnlich satirisch, möchte ich sagen. Ich jedenfalls habe  gelacht wie lange nicht.

In einigen Texten gibt es Liedverse, so aus Rathdrum Fair, denn der Autor war auch Sänger und Schauspieler. In der Geschichte Silberstreifen ist es sein wundervolles Drink Drink Drink, welches sich hier hören lässt.

Ein Buch, welches ich nur wärmstens empfehlen kann.

Der Schlüssel – Máirtin Ó Cadhain

Der Schlüssel_sDER SCHLÜSSEL

Autor: Máirtin Ó Cadhain

Übersetzung aus dem Irischen: Gabriele Haefs

Verlag: Kroener

1. Auflage, 100 Seiten, Halbleinen, 250 g
ISBN 978-3-520-60001-1

Preis: 16,90 €

J. ist Papierbeauftragter im Verwaltungsdienst. Eine wichtige Aufgabe, wie ihm jeder versichert. Besonders sein Vorgesetzer S. weist ihn immer wieder darauf hin und gibt ihm Instruktionen, wie sich ein vorbildlicher Papierbeauftragter im irischen Verwaltungsdienst zu benehmen hat. S. ist es aber auch, der J. versehentlich in seinem fensterlosen Büro einschließt und sich danach aufmacht, seinen Urlaub auf der Isle of Man zu genießen. Das wirft Probleme auf, weil so etwas noch nie vorgekommen ist. So gibt es auch  keine vorgeschriebene Vorgehensweise, wie dieses Problem zu lösen wäre. Schließlich kann man nicht einfach Türen aufbrechen, die Verwaltungsdiensteigentum sind. Da müssen erst die Zuständigkeiten geklärt werden.

Máirtin Ó Cadhain hat 1952 begonnen diese Geschichte zu schreiben und sie ist aktuell wie eh und je. Ó Cadhain schrieb auf irisch und wird in Irland mit James Joyce gleichgesetzt. Das ist sicher auch der Grund, warum es seine Werke nicht auf Deutsch gibt. Es gibt nicht allzu viele Menschen die in der Lage sind aus dem Irischen zu übersetzen, Gabriele Haefs kann es und das ist wunderbar. Den Leser*innen dieses Autors wäre sonst wirklich etwas entgangen.   Ein wunderbares Buch.

 

How to be irish von David Slattery

How to be irish

Autor: David Slattery

Originaltitel: How To Be Irish
Originalverlag: Orpen Press
Aus dem Englischen von Gabriele Haefs

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Paperback, Klappenbroschur, 320 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-442-75484-7
€ 14,99 [D] | € 15,50 [A] | CHF 20,50 * (* empf. VK-Preis)

Sie planen ihren Urlaub in Irland zu verbringen oder gar sich dort niederzulassen? Dann sofort los und dieses Buch kaufen. Ebenfalls auf den Weg ins nächste Buchgeschäft sollten sie sich machen, wenn sie Insiderwissen über Irland wünschen oder einfach nur Spaß an anthopologischen Beobachtungen haben. Der Sozialanthropole David Slattery hat sich seiner Landleute angenommen und will es angehenden Plastic-Paddys (Zugereisten) und Touristen leichter machen, sich durch den irischen Alltag zu bewegen ohne ungewollte Fauxpas zu begehen. So erfahren wir beim Lesen, dass wir uns als Besucher der Insel als erstes von der Vorstellung trennen sollten, dass in Irland englisch gesprochen wird. Es klingt zwar wie englisch, ist aber etwas das sich Hiberno nennt. Was bedeutet, die Wörter und Redewendungen klingen zwar gleich, aber haben eine völlig andere Bedeutung.  Fragt zum Beispiel jemand: Wie geht es Dir? So bitte keinesfalls eine tatsächliche Erklärung der Gemütslage liefern. Es ist nur eine Form von „Hallo“ in dem ein „geh bloss schnell weiter“ mitschwingt.

Wichtig auch die Hinweise wie sich auf Beerdigungen, Hochzeiten und im Bewerbungsgesprächen zu verhalten ist. Auch scheint der Pub Besuch ein Minenfeld zu sein, in dem man leicht Fehler begehen kann. Es wird eindringlich erläutert, wie man richtig in sein Pint weint, um sich nicht allzu sehr von den Einheimischen zu unterscheiden.

David Slattery´s äußerst unterhaltsame Anleitung zum Irish-Sein hat sehr viel Spaß gemacht und mich nun schon zweimal bis 03:00 Uhr nachts wachgehalten … meinen Mann auch, weil ich an einigen Stellen derartig lachen musste, dass er wieder wach wurde.

Tausend Worte von Ciarán Collins

tausendworte

Handlung:

Tausend Worte soll Charlie jeden Tag schreiben, um ein Trauma zu verwinden, sagt sein Psychiater Dr. Quinn.  Charlie gilt als der Gamal, der Dorftrottel von Ballyronan und war der Freund von James und Sinéad, seit sie gemeinsam in die Grundschule gingen. James und Sinéad sind nun tot und Charlie, der bei weitem nicht dumm ist, ist nun allein mit seinen Erinnerungen, seinen Gefühlen und dem Wissen um das was geschehen ist. Als Gamal , als jemand den alle für minderbemittelt halten, hat Charlie die Möglichkeit alles was um ihn herum passiert genau zu beobachten.  Da er wenig sagt und nie wirklich teilnimmt, sondern eher dabei ist, fällt er nicht auf. Aber Charlie registriert alles. An einer Stelle sagt er von sich selbst:

„Ich bin wie ein Laptop mit kaputtem Bildschirm, bei dem der Rechner tadellos arbeitet“

Frau Braun meint:

Schon bevor das Buch auf Deutsch erschien, hatte ich davon gehört und war sogar schon soweit, es auf englisch zu lesen, so sehr hat mich der Klappentext angefixt. Nun ist es oft so, dass hohe Erwartungen nicht erfüllt werden. Ciarán Collins hat mit TAUSEND WORTE meine noch übertroffen.  Der Autor lässt seinen Protagonisten die Geschichte aufschreiben. Der will die Geschichte aber gar nicht wirklich erzählen. Will sich nicht an das Schreckliche, was James und Sinéad widerfahren ist und an seine Rolle dabei, erinnern. Entsprechend schweift er ab. Fügt Bilder, Zeichnungen, Textepassagen aus Gerichtsakten und Erklärungen von Begriffen aus Wörter- und medizinischen Fachbüchern in den Text ein, um auf die anvisierten 1000 Worte täglich zu kommen. Doch mit der Zeit werden die Kapitel länger, die Erinnerungen kohärenter und bevor man sich versieht, wird man in eine Geschichte hinein gezogen, die das Gefühl vermittelt drei Shakespeare Dramen gleichzeitig zu erleben, allerdings nicht als Durcheinander, sondern als genial gewobenes Netz. Es ist eine Geschichte über das Anderssein, über Liebe, Eifersucht und das Leben in einer irischen Kleinstadt. Es ist eine Geschichte mit viel Musik.

TAUSEND WORTE (THE GAMAL) ist Ciarán Collins erster Roman und wurde mit mehreren Literaturpreisen in Irland und Großbritannien ausgezeichnet.

Der Autor:

Ciarán Collins, geboren 1977, wuchs in einem irischen Dorf auf und studierte englische und irische Literatur am University College in Cork, wo er heute unterrichtet. Er lebt in Kinsale/Irland

Die Übersetzerin:

Gabriele Haefs, geboren 1953 in Wachtendonk studierte Sprachen, Keltologie und Volkskunde in Bonn und Hamburg, wo sie auch lebt. Sie übersetzt aus dem Norwegischen, Schwedischen, Gälischen, Dänischen.

Tausend Worte

ROMAN

Erschienen am 14.04.2014
Übersetzt von Gabriele Haefs
448 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-8270-1190-9

 

Die Besucherin – Maeve Brennan

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Die Autorin:

Maeve Brennan wurde 1917 in Dublin geboren und wanderte 1934 mit ihrer Familie in die USA aus. Ab 1949 war sie Mitglied der Redaktion des New Yorkers und schrieb dort Kolumnen und Rezensionen, sowie einige Kurzgeschichten, die oft in Irland spielen. Unter anderen sind im Steidl Verlag auch Mr. & Mrs. Deardon erschienen, welche ich bereits hier besprochen habe.

Die Handlung:

Die Besucherin ist die 22-jährige Anastasia King, die nach dem Tod ihrer Mutter zu ihrer Großmutter nach Dublin zurückkehrt. Sie will dort bleiben, doch ihre Großmutter macht ihr sofort klar, dass ihr Aufenthalt nur vorübergehend sein wird und als Besuch zu verstehen ist. Die alte, verbitterte Frau, die ihren toten Sohn nicht loslassen kann, beginnt ein perfides Spiel mit den Gefühlen ihrer Enkelin. Sie gibt Anastasia die Schuld am Tod des Vaters, weil diese nach der Trennung ihrer Mutter gefolgt ist. Anastasia sucht Liebe und Geborgenheit in ihrem Geburtshaus und ist doch, ebenso wenig, wie ihre Großmutter, fähig diese zu geben.

Frau Braun meint:

Es ist ein leises Buch und ein trauriges. Maeve Brennan versteht sich wunderbar auf die leisen Töne. Mit absoluter Präzision zerrt sie selbst die kleines Gefühlsregung ans Licht. Sie taucht tief in die Charaktere ein und beschreibt sie in klaren, unprätentiösen Worten. Kein Detail dieses Zweikampfes zwischen Großmutter und Enkelin entgeht ihr. Die sich mehr und mehr verdichtende Atmosphäre und das zu erwartende Gewitter in dem Dubliner Haus, sind fast körperlich spürbar.  Doch ist auch spürbar, dass das Gewitter keine Erlösung mit sich bringen wird.

Die Übersetzung aus dem Englischen und das Nachwort: Hans Christian Oeser

Die Besucherin von Maeve Brennan

DE: 14.00 EUR | Verfügbar
ISBN 13
9783882439373
Veröffentlicht am
10/2003
Seitenanzahl
96
Sprache
Deutsch
 
Hardback / Halbleinen im Schuber

The Piper and the Púca

„The Piper and the Púca – Strange goings on“ heißt die neue Märchen CD von Mick Fitzgerald und dem Ralf Weihrauch Trio.

the piper and the puca

 

Mick Fitzgerald, lebt in Dublin und ist Schriftsteller, Musiker, Schauspieler und Geschichtenerzähler. 2010 erschien beim Songdog Verlag in Wien seine erste deutsche Veröffentlichung „Session – irische Geschichten“. 2011 erschien die mit dem GMA´s Award ausgezeichnete Märchen-CD „The Enchanted Lake“.

Mitstreiter für „The Piper and the Pùca“ fand Fitzgerald im Ralf Weihrauch Trio. Dieses Trio (Ralf Weihrauch, Jonas Liesenfeld und Beate Rupietta) verleiht mit Geige, Akkordeon und 2 Stimmen, den in irischer und schottischer Tradition präsentierten Liedern einen ganz eigenen Charme.

Als Dritte im Bunde ist Gabriele Haefs zu nennen. Sie ist Volkskundlerin und Übersetzerin. Bereits für „The Enchanted Lake“ hat sie mit Mick Fitzgerald zusammengearbeitet. Gabriele Haefs hat die Märchen ausgewählt,  und arrangiert. Gesammelt wurden diese ursprünglich von Thomas Crofton Croker und Douglas Hyde.

Frau Braun meint:

Einfach zauberhaft. Das Hören dieser CD kommt einem Ausflug in die Anderswelt gleich. Bei der Musik  möchte man mit den Elfen übers schottische Hochmoor tanzen. Überhaupt ist die musikalische Mischung sehr gut gelungen. Es geht fröhlich zu, aber auch besinnlich. Wie es eben sein soll. Die Geschichten stammen nicht nur aus Irland, sondern auch aus Schottland. Doch so einen großen Unterschied macht das nicht. Die Märchen im keltischen Raum ähneln sich und haben ein ähnliches mythologisches Personal.

Was gerade diese Geschichten so besonders macht, ist der Erzähler. Mick Fitzgerald ist ein Rattenfänger. Sein natürliches Talent zum Geschichten erzählen, seine warme, variantenreiche Stimme, lassen jede Geschichte strahlen. Selbst für Menschen mit nicht sehr umfangreichen Kenntnissen der englischen Sprache ist es ein Hörgenuss. Wurde im Hause Braun getestet. Herr Braun versteht zwar kaum ein Wort, konnte sich aber ein: „Ohhhhh schade, schon zu Ende“ nicht verkneifen.

Fazit: Kaufen, hören, immer wieder hören und sich entführen lassen, zu Pfeifern und Pùcas und zu den Elfen nach Schottland um mit ihnen auf dem Moor zu tanzen.

The Piper and the Púca
 
Mick Fitzgerald, Ralf Weihrauch Trio
Geschichtenauswahl und Arrangement: Gabriele Haefs
produced by Hidden Tracks & Gabriele Haefs
Preis: 15,00 €