Alles so hell da vorn von Monika Geier

MONIKA GEIER
Alles so hell da vorn
ARIADNE 1223
ISBN 978-3-86754-223-4 Preis: 13,00 €

In einem Frankfurter Vorstadtbordell erschießt eine junge Prostituierte einen uniformierten Polizisten und einen »Security Mann«, dann informiert sie die Polizei und flieht. Der erschossene Beamte heißt Ackermann und ist der langjährige Kollege und zeitweise Freund von Kriminalkommisarin Bettina Boll. Die aus allen Wolke fällt, als sie begreift, dass jemand dem sie so nahe war und so gut zu kennen glaubte, pädophile Neigungen hatte. Doch es kommt noch dicker, als die Mörderin in einem kleinen Ort, wo sie einen weiteren Mann erschossen hat, gefasst wird und behauptet Meggie zu sein, die Meggie, die vor zehn Jahren aus eben diesem Ort im Alter von sechs Jahren spurlos verschwand. Während der Ermittlungen wird schnell klar, dass Beamte der Polizei in die Machenschaften des Kinderprostitutionsringes verwickelt sind und dass diese Verbindungen bis in die höchsten Ränge gehen … und das jemand versucht, Bettina Boll zum Sündenbock zu machen. Die hat es im Moment eh nicht leicht, sie will das von ihrer Tante ererbte Haus verkaufen, was sich als schwierig herausstellt. Zum einen, weil ihre Kinder es nicht loslassen wollen und zum anderen, wegen des in einem versteckten Raum gefundenen Brunnens, vor dem ein paar uralte Kinderschuhe stehen. Der Verdacht, dass der Brunnen nicht nur Wasser enthält, liegt nahe.

Ohne voyeuristisch zu werden, führt Monika Geier ihren Leser*innen, dass ganze Grauen und Elend, der missbrauchten Kinder vor Augen und die Skurpellosigkeit ihrer Zuhälter und Freier. Sie baut den Fall spannend aus einer ungewöhnlichen Ausgangssituation heraus auf und nimmt einen von den ersten Seiten an gefangen. Ich habe das Buch in zwei Tagen durchgelesen und heute morgen um 03:30 beendet. Das sollte schon so einiges über seine Qualität aussagen. Die Autorin bereitet ein verstörendes Thema sensibel auf und hält das Gleichgewicht, zwischen nüchterner Polizeiarbeit und aufkochenden Emotionen. Schön, dass sie diesen schweren Stoff auflockert, in dem sie einiges an Lokalkolorit einbringt. Etwa die Arbeitsweisen ihrer Pirmasenser Kollegen und wie diese gewöhnlich die Mittagspause begehen. Überhaupt beherrscht Monika Geier die Kunst, mit wenigen Worten ein komplexes Bild von Mensch und Situation zu zeichnen. Ein Buch also, das ich nur wärmstens empfehlen kann.

Totenmaler von Eystein Hanssen

Eystein Hanssen Totenmaler

Übersetzt von Gabriele Haefs, Andreas Brunstermann
Broschur, 448 Seiten
Aufbau Taschenbuch
978-3-7466-3099-1
Elli Sunee Rathke ist ledig, Budhistin, halb Thailänderin, halb Norwegerin und Ermittlerin bei der Osloer Mordkommision.
Als das erste sehr junge Mädchen nackt, mit einer Nadel im Arm und in merkwürdiger Haltung entdeckt wird, geht die Mordkommision von einer Überdosis aus. Die gerichtsmedizinische Untersuchung zeigt aber auf Mord hin und das das vermutlich 13 – 14 jährige Mädchen, die wahrscheinlich aus Osteuropa kommt, so einige Verletzungen im Genitalbereich aufweist, die auf häufigen und gewaltsamen Sex schließen lassen. Elli Rathke und ihr Partner Nereng ermitteln und stossen auf ein Geflecht von Zwangsprostitution von Minderjährigen, dessen Zweige bis ins Polizeipräsidium führen. Elli Rahtke erkennt schließlich ein Muster. Der Mörder scheint Gemälde von Munch, van Gogh, Gaugin und anderen Expressionisten nachzustellen.
Eystein Hanssen legt mit Totenmaler  den Auftakt zu einer neuen Serie um die Ermittlerin Elli Sunee Rathke vor.  Er stellt uns Elli Rathke auf unaufdringliche Weise vor und nach einigen Seiten, kommt sie dem Leser bereits vertraut vor. Natürlich sind da die üblichen Stereotypen, die nun mal in jedem Krimi sind, aber eben nicht nur. Eystein lässt seinen Figuren ein hohes Maß an Individualität, ohne sie zu abgehoben zu gestalten. So hat Ellis Partner Nereng die Angewohnheit aus Rocksongs zu zitieren, aber Eystein Hanssen überreißt es nicht, es wirkt natürlich, wie eben eine liebeswerte, manchmal nervige Angewohnheit, die viele Menschen pflegen.
Der Plot ist gut gebaut und der Autor geht sensibel mit dem schwierigen Thema Zwangsprostitution von Kindern um. Einziger Mangel ist die Art der Sprache die er den Mädchen gibt. In Dialogen ist es stimmig und altersgerecht, aber wenn Hanssen aus der Gedankenwelt einer 13 oder 14jährigen erzählt ist da ein Misston. Da klingt es eher nach erwachsenem Autor und zu geschliffen.
Also ein empfehlenswerter Krimi, der mir zwei spannende Abende beschert hat. Und weil es mir so gut gefallen hat, werde ich gleich das zweite Buch der Reihe lesen. Knochen!