111 Gründe Krimis zu lieben von Hardy Crueger

111Gründe_Krimis_SHardy Crueger
111 GRÜNDE, KRIMIS ZU LIEBEN
Eine Hommage an das spannendste Genre der Welt
ca. 320 Seiten | Taschenbuch
ISBN 978-3-86265-604-2
9,99 EUR (D)

Krimis boomen. Keine Frage, aber warum ist das so? Wer hat überhaupt den ersten Krimi geschrieben? Was ist spannender True Crime oder die erfundene Geschichte? Wie werden die Krimis der Zukunft aussehen? Werden Roboter ein Eigenleben und eventuell auch Mordlust entwickeln? Was macht die Faszination an Regionalkrimis aus?

Ich war wahrlich erstaunt, was es alles zu diesem Thema zu sagen gibt und wie interessant die Hintergründe zum Thema Krimi sind. Der Autor hat unter anderem mit Menschen gesprochen, die beruflich mit Krimis zu tun haben. Etwa der Lektorin des Ariadne Verlages Else Laudan und mit Gisbert Haefs, der neben historischen Romanen und Übersetzungen, auch der geistige Vater eines eher ungewöhnlichen Ermittlers ist. Sein Balthasar Matzbach, der Universaldilettant und Genussmensch, ist weit entfernt von dem smarten Ermittlern a la James Bond.

Überhaupt ist mir die wahre Vielfalt dieses Genres erst aufgegangen, als ich mich durch die 111 Gründe las es zu lieben.

111 Gründe führt der Braunschweiger Autor Hardy Crueger an, um Krimis zu lieben, und wer könnte das besser, als er. Er schreibt selber Krimis und zwar richtig gute. Seine Stunde der Flammen, welches letztes Jahr bei KBV erschien, ist ein Hammer. Außerdem ist er seit Jahren Leiter der Braunschweiger Krimiwerkstatt. Ich, selber begeisterte Krimileserin, habe mich sehr über dieses Buch gefreut und kann es nur wärmstens weiter empfehlen.

Spiel und Stirb von Tuya Salina

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 Spiel und stirb

Tuya Salina

Sci-Fi-Thriller

216 Seiten / Softcover
13 x 20,5 cm
ISBN 98-3-9503557-4-1
Euro 18.– / sfr. 25.-

Songdog Verlag Wien

Europa im Jahre 2025. In der Metropole Euroville wird die grausam zugerichtete Leiche eines jungen Mannes gefunden. Kommisarin Julia und ihr Assistenz Peter ermitteln. Schnell entsteht der Verdacht es könnte sich um einen Ritualmord innerhalb eines Internetgames handeln.

Tuya Salina schildert in ihrem dystopischen Thriller ein Bild von einer gar nicht weit entfernten Zukunft, das so gar nicht verlockend scheint. Die Gerichtsshows im Fernsehen haben sich zu Massaker entwickelt. Hier werden Verbrecher verurteilt und dann auf grausamste Weise hingerichtet. Alles wird live und in Farbe übertragen und das Publikum rast und schreit nach mehr Grausamkeit. Ebenso haben sich die Internetgames entwickelt, die zum Teil im Internet starten, dann aber in der realen Welt weitergespielt werden. Es geht um das Überleben des Stärkeren. Vor diesem Hintergrund findet die Mordermittlung statt.

Ein spannender, nachdenklich stimmender Thriller. Die Charaktere haben Tiefenschärfe, sogar die in der zweiten Reihe. Gut gefallen hat mir ebenfalls, dass es zwar um Grausamkeit und Lust an dieser geht, aber es keine seitenlangen Beschreibungen dieser gibt. Sehr wohltuend in Anbetracht der billigen, auf Schock setzenden Metzeleien die sich seit Stieg Larrson vermehrt in Krimis finden lassen.

Fazit: Äußerst empfehlenswert. Gut aufgebauter Plot, starke Charaktere und spannend bis zum Schluss

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert – Joel Dicker

harry quebert

 

Dieses Buch habe ich aus der Bücherei als Hörbuch, gelesen von Torben Kessler, mitgenommen und fand es so gut, dass ich es selber lesen wollte.

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert von Joel Dicker ist im Piper Verlag erschienen. Es ist Joel Dickers zweiter Roman und hat es gleich zum Bestseller geschafft. Schon wenn man die Zutaten Liste liest versteht man warum.

Handlung:

Ein sehr junger Schriftsteller, Markus Goldman, hat nach dem Erfolg seines ersten Buches eine Schreibblockade. In seiner Not sucht er seinen Mentor und Freund, den Schriftsteller Harry Quebert in der kleinen Stadt Aurora auf, um sich zu sammeln. Dort entdeckt er, dass Quebert vor 34 Jahren ein Verhältnis mit der 15 jährigen Nola Kellergan hatte, die unter mysteriösen Umständen verschwand. Wieder zurück in New York erfährt er, das Nola Kellergan gefunden wurde und zwar als Skelett in Harry Queberts Garten. Goldman ist von der Unschuld seines Mentors überzeugt und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und über seine Ermittlungen zu schreiben. Dazu taucht er tief hinter die Fassade der so durchschnittlichen Kleinstadt Aurora in New Hampshire.

Frau Braun meint:

Das Buch rangiert unter der Rubrik Krimi/Thriller. Sicher ist da eine Krimi Geschichte, aber im Grunde ist es sehr viel vielschichtiger. Da ist der junge Autor mit dem großen Erfolg und seiner Angst, dass dieser sich als Eintagsfliege erweisen könnte. Da ist sein Verhältnis zu seinem Mentor. Es ist die Geschichte eines Mannes der erwachsen wird. Dann die Liebesgeschichte zwischen Quebert und Nola Kellergan. Keine Lolita Geschichte. Sicher nicht, aber eine Geschichte die Tabus in Frage stellt. Da sind die Bewohner Auroras, die ihre bürgerliche Fassade verteidigen, hinter der sich so einige dunkle Geheimnisse verbergen.  All das ist zu einer spannenden und mitreißenden Geschichte verwoben. Sehr gut gefallen hat mir das Spiel mit den verschiedenen Möglichkeiten. Denn es bleibt immer spannend, bis zum sehr überraschenden Schluss.

Das Hörbuch hat mich so mitgerissen, dass ich mir eine Nacht damit um die Ohren geschlagen habe und mich so fasziniert, dass ich mir alles gleich noch einmal in gedruckter Form vornahm. Da stellte ich denn fest, dass ein guter Sprecher es schafft so einige literarische Kinken verschwinden zu lassen. Beim Lesen stieß mir so einiges auf. Das Original ist in französischer Sprache erschienen und vielleicht liegt es an der Übersetzung, denn ich kann mir nicht vorstellen das Nola, Harry, mit dem sie immerhin eine Liebesbeziehung hat, siezt.  Auch sind so einige Dialoge sehr flach und nahezu kitschig. Wenn es die Worte der 15 jährigen Nola wären, wäre das verständlich und könnte als niedlich durchgehen, aber bei einem 34 jährigen? Die ganze Zeit hatte ich das Gefühl: Der Dicker kann mehr! Sicher die Geschichte ist toll aufgebaut und man kann sie nur schwer aus der Hand legen, aber ein wenig mehr Sorgfalt im Stilistischen wäre schon schön.

Sehr erfrischend fand ich die sehr zynischen Hinweise aufs Literaturgeschäft. Da ließ er nichts aus. Nicht den Druck auf Erfolgsautoren, nicht die Unart Ghostwriter einzusetzen und nicht den Verleger mit dem permanenten Dollarzeichen in den Augen.

Fazit: Spannend und vielschichtig. Ein Pageturner. Keine Seite der 736 ist langweilig.

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert
Joël Dicker
ROMAN

Erschienen am 13.08.2013
Übersetzt von: Carina von Enzenberg
736 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-492-05600-7