the brave

 

The Brave – Gregory Mcdonald – herausgegeben und übersetzt von Annette Lorenz erschienen im Songdog Verlag Wien 2013

Handlung: 

Rafael lebt mit seiner Familie im mittleren Westen der USA in einer illegalen Trailersiedlung am Rande einer Mülldeponie. Alkohol, Armut, Krankheiten und das Wissen keine Arbeit zu finden, sowie niemals dort fort zu kommen, lassen ihn einen verzweifelten Schritt tun. Er ist bereit sich für 30 000 $ in einem Snuff-Movie (to snuff = jemanden auslöschen) zu Tode foltern zu lassen. Nach dem der „Onkel“ -der Produzent und Regisseur des Filmes – ihm, wie für gute Folterer üblich die Instrumente gezeigt und dem Mann en detail erklärt hat, was mit ihm passieren wird während des Drehs, erklärt Rafael sich bereit es zu machen. Er kriegt 300 $ Vorschuss und hat noch zwei Tage mit seiner Familie …

Frau Braun meint …

… das Gregory Mcdonald ein äußerst beeindruckendes Buch geschrieben hat und das es wohlgetan von Annette Lorenz war, dieses ins Deutsche zu übersetzen. Sie hat das Manuskript zwei Verlagen angeboten (Rowohlt und S. Fischer), die es ablehnten. Andreas Niedermann vom Songdog Verlag hat zugegriffen und auch das war wohlgetan.

Ein Text, der sich radikal mit Armut und Ausbeutung der Armut beschäftigt. Eine kraftvolle, bewegende und traurige Story, die vom lakonischen Stil Mcdonald getragen wird.

Andreas Niedermann – Autor und Verleger

Mcdonald stellt seiner Geschichte voran, dass er nicht darauf verzichten konnte die Beschreibungen des „Onkels“ zu mildern und auch andere Dinge klar benennen musste. Als ich „Kapitel C“ las, wollte ich das Buch auf die Seite legen und dachte, dass kannst Du dir nicht antun. Aber meine zweiten Gedanken sagten: Wenn Du nicht weiter liest, dann machst Du etwas, dass Du anderen vorwirfst: Du siehst weg, weil da etwas steht, was dich anekelt und aufrührt. Sicher ist dies eine Geschichte, aber solche Dinge passieren auch in der Realität und wenn Du dir hier die Freiheit nimmst nicht weiter zu lesen, dann wirst Du irgendwann auch die Augen vor den Grausamkeiten verschließen, die Tag täglich passieren. Ich habe das Buch allerdings erst einmal weg gelegt, um nicht mit diesen Bildern in den Schlaf zu gehen. Heute morgen habe ich es gleich nach zur Hand genommen und zu Ende gelesen. Es war mein erster Gedanke beim Aufwachen:  Ich muss wissen, was mit Rafael passiert. Jetzt sofort!  Wenn ein Autor in der Lage ist, seine Leser so für das Schicksal seiner Figuren zu interessieren, hat er Großes geschaffen.

Ich weiß nicht was mich mehr getroffen hat, dieser obskure Snuff-Movie-Produzent in seiner Widerlichkeit, die Tatsache das es Menschen gibt, die sich am Leiden und  Abschlachten eines Menschen aufgeilen oder die alltäglichen Grausamkeiten, denen Rafael und die anderen Bewohner von Morgantown ausgesetzt sind. Letztere brave Bürger, die die Nase rümpfen über diese Verlierer, die saufen und keinen Job haben. Die sich gleich besser fühlen, weil sie Menschen, die gezwungen sind an einer Mülldeponie zu leben, wie Müll behandeln.

Mcdonald erzählt die Geschichte in einer undramatischen, wie Niedermann richtig sagt, lakonischen Sprache. Zwischen all dem Unmenschlichen, lässt er kleine Pflänzchen der Zärtlichkeit und der Menschlichkeit aufkeimen. Etwa wenn er uns Rafael im Umgang mit seiner Frau und seinen Kindern zeigt oder wenn eine Frau im Supermarkt die Sicherheitsleute darauf hinweist, das Rafael zu Unrecht des Diebstahls bezichtigt wird.

Es sind so starke Bilder und  tief berührende. Interessanterweise hat es nie vorher eine deutsche Übersetzung gegeben. Allerdings wurde das Buch 1994 von Johnny Depp verfilmt und der Film wurde 1997 in Montreaux  gezeigt. Der Film kam nie in die Kinos, es gibt ihn auf DVD. Die Musik ist von Iggy Popp. Hier ein kleiner Eindruck:

Fazit:

Ein zu tiefst beeindruckendes Buch, dass es sich nicht nur zu Lesen lohnt, sondern auch zum Weiterempfehlen!



0 Comments

  1. freiedenkerin

    Danke für deine Rezension. Sie stimmt mich jetzt auch sehr nachdenklich…


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