The Girls von Emma Cline

Cline_25268_MR.inddThe Girls

Autor: Emma Cline

Übersetzer: Nikolaus Stingl

Verlag Hanser

Kalifornien,  Ende der sechziger Jahre, Evie Boyd ist gerade 14 geworden und langweilt sich, fühlt sich überflüssig. Die Eltern sind gerade geschieden, der Vater hat eine neue Freundin und die Mutter ist sehr damit beschäftigt sich selbst zu finden. Keiner beachtet Evie, sie ist sich in der Regel selbst überlassen. Da trifft sie im Park auf The Girls, lange Haare, ausgefranste Kleider und Freiheit verströmend. Sie ist fasziniert, besonders von Susanna, die sie einige Tage später wieder trifft und die sie mit auf die Ranch nimmt, wo The Girls mit Russel leben, der so eine Art Guru für sie ist. Evie ist fasziniert von dem Leben dort und vor allem, sie ist dort bei Menschen, die sie sehen. So wird sie ebenfalls zu einem der Girls, wenn auch eher am Rande. Dann kommt die Nacht in der „es“ passiert. Susanna und einige Leute von der Ranch fahren zum Haus eines bekannten Musikers und ermorden brutal alle, die sie dort vorfinden.

Unschwer ist in Russel und den Girls die Manson-Family zu erkennen, die Ende der 60ziger Jahre unter anderen die schwangere Sharon Tate und ihre Freunde ermordeten. Allerdings ist es nicht eins zu eins übernommen und, dass ist für mich das faszinierende an diesem Buch, ist auch nicht das Hauptthema. Es geht vielmehr um Evie und wie dieses Ereignis, an dem sie nicht beteiligt war, ihr Leben dauerhaft beeinflusst. Sie war nicht an den Morden beteiligt und doch verschafft ihr die Nähe zu Russel und seinen Leuten eine ungewollte Berühmtheit. Eigentlich ist ihr gesamtes weiteres Leben von der Frage begleitet: Wäre auch ich zu so einer Tat fähig gewesen?

Emma Cline erzählt die Geschichte nicht aus der Sicht der jungen Evie, sondern lässt sie als Frau in mittleren Jahren, die immer wieder von Flashbacks an diesen Sommer heimgesucht wird, darüber reflektieren.

Emma Cline ist 1989 geboren und „The Girls“ ist ihr erster Roman. Das Buch hat mich wirklich begeistert. Clines Personen sind so feinfühlig geschildert, dass sie leben, sie ist sicher in Metaphern und obwohl ihre Art zu schreiben durchaus poetisch ist, ist sie auch knapp. Da gibt es kein zuviel. Ein beeindruckendes Buch, das zurecht mit Lob und Preis überschüttet wird.

About KaBra

Karin Braun, 59 Jahre, begeisterte Leserin und Erzählerin. Im Grunde mache ich dauernd was mit Worten. Entweder lese ich oder ich schreibe und oft schreibe ich über das Gelesene.

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