Unterleuten_juli_zeh

Nur eine Stunde von Berlin entfernt hat Juli Zeh ihr Unterleuten angesiedelt. Ein idyllischer kleiner Ort  in Brandenburg, voller schrulliger Originale und in einer traumhaften Landschaft, wo sich so nach und nach auch Leute aus der Stadt ansiedeln. Wie etwa Gerhard und Jule, die sich hier ein Haus gekauft haben, weil sie die Stadt satt haben und Gerhard eine Stelle bei der Naturschutzbehörde bekommen hat und nun die Kampfläufer schützt, deren auf 32 Stück geschrumpfte Population, es dringend nötig hat. Da sind Linda Franzen und Andre, die sich ein altes Gutshaus gekauft haben, in dem Linda eine Pferdezucht etablieren, und ihren Deckhengst Bergamotte zum Vater vieler vielversprechender Fohlen machen will. Andre wird sich während dessen hinter seinen Computer verstecken und das tun, was er seit Jahren tut: Software entwickeln und am Puls der Zeit sein. All diese Zugezogenen kommen um ihren individuellen Traum vom Landleben zu verwirklichen; und haben keine Ahnung von den gewachsenen Strukturen unter den Alteingesessenen. Auch haben sie keinen Schimmer von der Alltagsökonomie, die das Dorfleben bestimmt. Da geht es nicht um Geld, sondern wer wem einen Gefallen schuldet.

Da ist Gombrowski, der Betreiber der Ökologica, einem Bio Landwirtschaftsbetrieb, der aus der früheren LPG entstanden ist. Gombrowski meint zu wissen, was für jeden gut ist und setzt das, was er für richtig hält, recht skrupellos durch. Da ist sein Erzfeind Kron mit dem unter merkwürdigen Umständen zerschmetterten Bein, der ewige Kommunist, dessen Frau in den Westen abgehauen ist und ihn mit Töchterchen Kathrin sitzen lassen hat. Kathrin ist immer noch in Unterleuten und sie und ihre Tochter Krönchen sind Krons ganzer Lebenszweck. Als dann noch ein Investor auftaucht, der einen Windpark aufziehen will, der Geld in die Gemeinde bringen, aber auch Probleme mit sich bringen würde, ist es mit dem Frieden vorbei. Die gegnerischen Lager bekämpfen sich bis aufs Blut.

Juli Zeh ist mit Unterleuten ein großer Gesellschaftsroman gelungen, den ich mit ausgesprochenem Vergnügen gelesen habe. Keine schwarz/weiß Charaktere, sondern dreidimensionale Figuren die leben. Man liest nicht über Unterleuten, man ist in Unterleuten.

Fazit: Lesen! Lesen! Lesen!

Unterleuten von Juli Zeh ist bei Luchterhand erschienen

640 Seiten/24,99 €

 

 



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