Von Geist und Geistern

Hilary Mantel
Von Geist und Geistern
Autobiografie
Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence
240 Seiten, Hardcover
H21,0 x B13,5 cm

Originaltitel: Giving Up the Ghost

Nachdem ich mit Begeisterung die ersten beiden, bereits erschienen Teile, der Thomas Cromwell Trilogie  (Wölfe und Falken) von Hilary Mantel gelesen hatte, war diese ihre Autobiografie natürlich ein Muss.   Es ist nun eine nicht ganz so typische Autobiografie, obwohl natürlich das beschriebene autobiografisch ist.  Eine weite Strecke nimmt Mrs. Mantel uns mit in ihre Kindheit. In die ärmlichen Verhältnisse in denen sie aufwuchs, in einer liebevollen Familie. Sie erzählt vom Schrecken der Klosterschule in den 60ziger Jahre und von dem Bruch ihrer Eltern, dem Stiefvater und dem Wechsel auf die höhere Schule. Die phantasievolle Hilary, die keinen rechten Platz in der „neuen“ Familie fand und auch sehr unter den strengen, brutalen Schulregeln der Grundschule litt. Dann aber doch ihren Weg fand und der es gelang sich nicht verbiegen zu lassen. Früh kränkelt sie, was von der Familie nicht besonders ernst genommen wird.

Nach dem Schulabschluss beginnt Mrs. Mantel ein Jurastudium und heiratet sehr jung.  Und immer wieder plagen sie gesundheitliche Probleme, Unterleibschmerzen für die kein Arzt eine Diagnose stellt, meistens wird sie mit irgendwelchem Vermutungen und vorgefasten Meinungen abgespeist, nicht selten mit der Unterstellung zu simulieren. Sie geht nach Botswana, kehrt zurück, ihre Ehe ist am Ende und begibt sich ins Krankenhaus. Dort wird eine Endometriose festgestellt und sie wird operiert. Das bedeutet: Kinder sind nicht mehr möglich! Die anschließende Hormonbehandlung macht es nicht leichter, die ehemals sehr zarte, schlanke Frau nimmt zu, hat mit Migräne und Sehstörungen zu kämpfen. Mittlerweile hat sie zu schreiben begonnen, aber noch ohne rechten Erfolg. Sie heiratet ihren geschiedenen Mann ein zweites Mal und es geht nach Saudi Arabien.

Es ist beeindruckend wie Hilary Mantel ihre Reise durch den medizinischen Dschungel Englands beschreibt. Sie erzählt ihre Geschichte ohne Selbstmitleid, doch mit deutlicher Verägerung über ihre Begegnungen mit der Medizin der 80ziger Jahre. Es ist icht so sehr die Tatsache, dass sie keine Kinder mehr bekommen kann, der Wunsch da nach, war nicht sehr ausgeprägt, es ist die simple Tatsache, keine Wahl mehr zu haben und die Frage, leben unsere ungeborenen Kinder, so waage die Idee von ihnen war, als Geister weiter … Wie präsent sind sie in unserem Leben.

Fazit: Ein wirklich beeindruckendes Buch.

Hier ein Interview aus DRUCKFRISCH: Denis Scheck und Hilary Mantel über Falken

About KaBra

Karin Braun, 59 Jahre, begeisterte Leserin und Erzählerin. Im Grunde mache ich dauernd was mit Worten. Entweder lese ich oder ich schreibe und oft schreibe ich über das Gelesene.

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